Pfr. i. R. Friedrich Gehring: Predigt zu Joh 17, 22-26 beim ökumenischen Gottesdienst am Himmelfahrtsfest 2013 auf der Erlacher Höhe bei Großerlach

Ein großartiger Text für einen ökumenischen Gottesdienst: Wie Gott, der liebende Vater, mit seinem erhöhten Sohn Jesus Christus eins ist, so sollen auch wir als Nachfolger Jesu untereinander einig sein. Damit ist die Frage gestellt: Worin sollen wir Christen trotz der verschiedenen Konfessionen einig sein? Worin liegt das gemeinsame Christliche unserer Kirchen und wie muss sich dieses in der gegenwärtigen Welt zeigen?

Jesus gibt in dieser Abschiedsrede nach Johannes klare Hinweise: Sein himmlischer Vater ist ein Gerechter und ein Liebender, deshalb sollen Liebe und Gerechtigkeit auch unter den Nachfolgern Jesu sichtbar sein, während die Welt diesen gerechten und liebenden Vater nicht kennt. Es wäre schwärmerisch zu behaupten, die Christen seien nicht mehr Teil dieser blinden Welt, aber sie sollen als Teil dieser Welt und in dieser Welt die Alternative der Liebe und der Gerechtigkeit leben, die nicht von dieser Welt ist. Wie kann dies heute konkret geschehen?

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Kirchentag Hamburg und Stuttgart 21

Die Hoffnungen mancher Leute haben sich nicht erfüllt. Das deutlich erkennbare Bemühen der Kirchentagsleitung, das Thema „Stuttgart 21“ nach dem Kirchentag in Dresden 2011 nun auch in Hamburg so weit als möglich zu unterdrücken, war nur teilweise von Erfolg gekrönt.
Denn das irrsinnige Projekt und der Widerstand dagegen wurden dann eben doch an den verschiedensten Stellen thematisiert.

Davon wollen wir, eine Gruppe engagierter Christinnen und Christen gegen S 21 auf dem Kirchentag, hier berichten.

  • Täglich, von Mittwoch bis Samstag, haben wir vor dem Hamburger Hauptbahnhof um 19 Uhr einen Schwabenstreich gemacht. Wir waren immer mindestens 5 Personen, die mit dem großen Banner da standen, eine Minute lärmten, unseren Weckruf „Oben bleiben“ skandierten und anschließend den „Tunnelblick“ und andere Flugblätter verteilten. Weiterlesen

Himmelfahrts-GD im Schlossgarten am 9.5.2013

(Video des ganzen Gottesdienstes von camS21 http://bambuser.com/v/3574756  – herzlichen Dank dafür an camS21!)

Ansprache von Pfarrer Martin Poguntke über Markus 16,15–20
(als pdf-Datei hier klicken: Ansprache)

Liebe Protestantinnen und Protestanten aller Konfessionen!

Christen sind Protestleute gegen den Tod. Das Leben als Protestleute ist aber manchmal gar nicht so einfach. – Wem sage ich das!

Jahre sind es mittlerweile, dass wir gegen diesen in so vieler Hinsicht zerstörerischen Bahnhof kämpfen. Jahre sind es, dass wir für eine gerechte und menschliche und mit der Natur in Frieden lebende Gesellschaft kämpfen. Und Jahre sind es, in denen wir immer und immer wieder die Erfahrung gemacht haben, verlassen worden zu sein:
Verlassen von den Zusagen vermeintlich neutraler Helfer, die uns dann – z.B. am Ende der sogenannten „Schlichtung“ – in den Rücken gefallen sind.
Verlassen von vermeintlich verlässlichen Verbündeten, die – kaum an die Regierungsmacht gewählt – plötzlich sich an Händen und Füßen gebunden darstellen.
Verlassen von Hoffnungen auf Petitionen, Gerichte, Aufsichtsräte usw.

So oft, wie wir verlassen wurden, da müssten wir eigentlich mittlerweile alle Hoffnungen fahren gelassen haben. Aber jetzt stehen wir heute hier – aus welchen Gründen jeder und jede Einzelne auch immer – und feiern einen Himmelfahrts-Gottesdienst. Wir lassen einfach nicht locker und sagen: Das kann nicht sein, dass diese feinen Herrschaften so einfach den Sieg davon tragen. „Wir stehn hier und singen“ – und auch das ist ein Protest von uns.

Ich will einmal versuchen aufzuspüren, was unser Verlassenwerden und unser Protest mit Himmelfahrt zu tun haben könnten.

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Einladung zum Himmelfahrtsgottesdienst, 9. Mai 2013, 11 Uhr Mittlerer Schlossgarten

An Himmelfahrt laden die „Theologinnen und Theologen gegen Stuttgart 21“
zu einem Gottesdienst ein unter dem Motto:
Oben bleiben!
Unser Widerstand bekommt Flügel

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Falke auf dem ehemaligen Bahndirektionsgebäude, April 2012
Foto: Petra Weiberg

Der Gottesdienst findet am 9. Mai, um 11 Uhr im Mittleren Schlossgarten, hinter dem Bauzaun nahe der Lusthaus-Ruine statt (dort, wo auch immer das Parkgebet ist).
Für die musikalische Gestaltung haben wir wieder die Bläser von „Parkblech“ und Elly Grünert am Keyboard gewinnen können, und die Ansprache hält Martin Poguntke.

Herzliche Einladung! Und weitersagen!

camS21 überträgt den Gottesdienst live unter: http://bit.ly/12fwCW9

Ein „Parkgebet“ findet an diesem Donnerstag nicht statt. Das nächste ist am 23. Mai, wie immer 18.15 Uhr.

Kirchentag Hamburg und „Stuttgart 21“

In den vergangenen Wochen wurde das Thema „Kirchentag und Stuttgart 21“ mehrfach auf dieser Seite angesprochen. Wir wollen jetzt, kurz bevor es in Hamburg losgeht, über den Stand der Dinge informieren.

1) Wir treffen uns täglich von Mittwoch bis Samstag um 18.45 Uhr am Ausgang des Hamburger Hauptbahnhofs, Richtung Steintorwall. Um 19.00 Uhr ertönt dann der Schwabenstreich, mit dem wir unseren Protest gegen Stuttgart 21 zu Gehör bringen.

2) Am Freitag, den 3. Mai, gibt es um 15.00 Uhr im Messegelände (Halle B5) die Veranstaltung „Demokratie – Ein Fluss aller?“ Dort ist Hannes Rockenbauch als Vertreter unserer Protestbewegung mit einen Beitrag beteiligt. Im Programm findet sich diese Veranstaltung auf Seite 260.

3) Bei der Veranstaltung am Samstag um 14.30 Uhr (Programm S.391) „Hat Unzufriedenheit Zukunft?“ ist seit Mittwoch klar, dass von unserer Seite Michael Harr (Gemeindepfarrer, Mitbegründer der „TheologInnen gegen S21“, Ingersheim) mit auf dem Podium sitzen wird. Außerdem drei weitere Vertreter der beiden betroffenen Bewegungen (Widerstand gegen S21 und gegen Rechtsextremismus):
Peter Conradi, Architekt, Stuttgart
Hannes Rockenbauch, Stadtrat und Sprecher Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21, Stuttgart
Dirk-Michael Grötzsch, Ehemaliger Sprecher des Neuen Forums, Oldenburg
Jan Witza, Jugendbildungsreferent, Dresden

4) Unser Preissauschreiben hat bislang leider kein Ergebnis erbracht. Weder konnte jemand benannt werden, noch hat sich ein Mitglied des Lenkungsausschusses für den Kirchentag 2015 von sich aus gemeldet, der/die bereit wäre, die Anliegen unserer Bewegung in diesen Ausschuss einzubringen. Traurig, aber wahr.

Das ist der Stand, soweit er uns bekannt ist. Allen, die zum Kirchentag fahren, wünschen wir eine erlebnisreiche und gesegnete Zeit in Hamburg.
(Kontakt: Michael Harr: michael-harr@web.de)

„Schwabenstreich“ beim Hamburger Kirchentag

Wie angekündigt: kein Kirchentag ohne „Schwabenstreich“.
Alle, die mitmachen wollen, treffen sich jeden Tag vom 1. bis 4. Mai vor dem Hauptportal des Hamburger Hauptbahnhofs mit Pfeifen, Rasseln und sonstigem Lärmgerät.
Dort erschallt dann um 19.00 Uhr für eine Minute der „Schwabenstreich“.
Weitersagen!
(Wer den „Schwabenstreich“ nicht kennt: siehe Wikipedia!)

Parkgebetansprache, Gründonnerstag 2013, Lukas 22, 24-34, Gunther Leibbrand

Liebe Parkgemeinde,
wir versammeln uns als Christinnen und Christen an dieser Stelle, weil wir nicht der Meinung sind, dass es mit Stuttgart 21 schon seine Richtigkeit habe. Ganz im Gegenteil.
Weil wir eins und eins zusammenzählen können, wissen wir, dass drei nicht die richtige Antwort ist. Aber es braucht noch mehr: Wir kommen hier regelmäßig auf wichtige religiöse Texte zu sprechen, die uns in Beziehung setzen zu den Quellen der Kultur, die durch dieses Projekt mit Füßen getreten wird: Wenn der Fernsehturm für Besucher gesperrt werden muss, dann ist auch S 21 nicht genehmigungsfähig.
Ich lese Lukask 22, 24-34:
24 Es erhob sich auch ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größten gehalten werden. 25 Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren. 26 Ihr aber nicht also! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.
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Preisausschreiben – helft uns suchen!!!

Wer kann ein Mitglied des Kirchentags-Lenkungssausschusses nennen, das die Widerstandsbewegung gegen S21 vertritt?

Der Herr Landesbischof (oder wer auch immer) hat einen „Lenkungsausschuss“ zusammengestellt, der den Kirchentag 2015 in Stuttgart vorbereiten soll. Darin ist u.a. ein Vertreter der „Christus-Bewegung“ vertreten – weil „der besondere Charakter der Landeskirche“ dargestellt werden und daher ein Vertreter des Pietismus in diesem Ausschuss dabei sein soll.
Soweit so gut. Nun ist ja die Widerstandsbewegung gegen Stuttgart 21 und die Initiative „Stuttgart 21 – Christen sagen nein“ auch etwas sehr Spezifisches in Württemberg und in unserer Landeskirche. Daraus schließen wir, dass in diesem Ausschuss doch auch jemand sitzen muss, der oder die unsere Anliegen vertritt.
Bloß: Wir haben diese Person einfach noch nicht entdeckt.
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„Schwabenstreich“ auf dem Kirchentag

Die Verantwortlichen des Hamburger Kirchentags erhoffen sich einen Kirchentag, bei dem sie vom Thema „Stuttgart 21“ und vorallem von der Bürgerrechtsbewegung gegen den Irrsinn verschont bleiben, aber es müssen ja nicht alle Hoffnungen wahr werden. Darum, und um einen Weckruf laut werden zu lassen, wollen wir einen täglichen Schwabenstreich am Hamburger Hauptbahnhof während der Zeit des Kirchentages erschallen lassen. Wer dabei mitmachen möchte und das auch mit vorplanen will, sende bitte eine Mail mit Namen und Telefonnummer an folgende Adresse unserer Gruppe: theologinnen-gegen-s21@online.de

Kirchentag ohne „Stuttgart 21“?

Für den Kirchentag 2015 wurde Stuttgart als Veranstaltungsort ausgewählt. Die Begründung für diese Entscheidung seitens des Kirchentagspräsidiums lautete:

„Die Stadt des 35. Deutschen Evangelischen Kirchentages hat während der zurückliegenden Monate im Streit um das Projekt „Stuttgart 21“ neue Formen offener und öffentlicher Debatte erlebt. Nachhaltiger Protest und zivilgesellschaftliches Engagement haben eine landesweite Diskussion über die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Entscheidungen in der Demokratie ausgelöst. In diesem Kontext hat der Kirchentag die Einladung nach Stuttgart besonders gern angenommen.“

Da war es schon sehr verwunderlich, dass auf dem Dresdener Kirchentag 2011 „Stuttgart 21“ gerade mal bei einem einzigen Forum thematisiert wurde, bei dem „Schlichter“ Heiner Geißler gesprochen hat. Den Gegnern von „Stuttgart 21“ wurde keine Möglichkeit gegeben, sich durch Beiträge bei Veranstaltungen zu artikulieren.

Genauso sieht es nun in den Planungen für Hamburg aus. Stuttgart 21 und der Widerstand wird ausschließlich zum Thema durch eine sehr mysteriöse Veranstaltung, die recht weit außerhalb liegt (Programm Seite 391). Wir drucken die Ankündigung ab mit der Frage: „Versteht ihr, was ihr da lest?“ Was haben sich die Organisatoren dieser Veranstaltung dabei gedacht? – falls sie sich etwas gedacht haben sollten.

Bühne Magellan-Terrassen p 60
14.30–16.00 Hat Unzufriedenheit Zukunft?
• Rechtsextremismus überwinden
• Demokratie erneuern
• Wutbürger oder Mutbürger? Stuttgart 21 und die Folgen

Moderation:
Thomas Adomeit, Pastor, Oldenburg
Wolfgang Kruse, Beauftragter Ev. Landeskirche in Württemberg für den 35. Deutschen Ev. Kirchentag in Stuttgart
Musik: Staryend, Reutlingen

Dem dringenden Wunsch, bei dieser Veranstaltung mit einer Person aus unserer Gruppe „Pfarrerinnen und Pfarrer gegen S 21“ auf dem Podium vertreten zu sein, wurde bislang nicht entsprochen. Man kann gespannt sein, was bei dieser Veranstaltung raus kommen soll.

Brandschutz und Profitmaximierung

Leserbrief für die Backnanger Kreiszeitung
(Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel, Herrn Finanzminister Nils Schmid und Herrn Landesbischof Dr. Frank Otfried July zur Kenntnis gegeben)

Wer die Särge der Mutter und ihrer sieben Kinder in Backnang gesehen hat, muss fassungslos sein angesichts des politischen Streits um Rauchmelder, wenn der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke im Blick auf die Finanzierung der Kontrolle von Rauchwarnern von einem „bürokratischen Moloch“ spricht (Backnanger Kreiszeitung vom 12.3.2013, S. 5). Es erscheint ihm unzumutbar, z. B. Schornsteinfeger mit dieser Aufgabe zu betrauen, die ohnehin schon Feuerstätten regelmäßig kontrollieren müssen.
Hier zeigt sich die Klientelpolitik, die schon bei den Steuergeschenken an Hoteliers sichtbar war, in einer noch abscheulicheren Variante: Vermögende Investoren sollen ihre Profite maximieren dürfen, Menschenleben sind demgegenüber zu vernachlässigen. Es ist dieselbe Politik, die für das Projekt Stuttgart 21 kämpft, das ohne genehmigungsfähigen Brandschutz genehmigt wurde.
Selbst wenn dort der teuerste Brandschutz finanziert würde, wäre der Tiefbahnhof immer noch sehr viel gefährlicher als der oberirdische Kopfbahnhof. Aber dieser zweitpünktlichste Bahnhof Deutschlands muss weg, damit die Bahn den Spekulationsgewinn einfahren und Investoren auf diesem Gelände satte Profite scheffeln können.
Wenn eine Elektrolok brennt, kann sie schon oberirdisch sehr schwer gelöscht werden, wenn sie in einem Tiefbahnhof brennt, wird sie für die Fahrgäste zu einem tödlichen Inferno. Es bleibt zu hoffen, dass Nils Schmid noch an seine Backnanger Trauerrede denkt, wenn es das nächste Mal um den unsinnigen und brandgefährlichen Tiefbahnhof geht. Vor allem aber sollten die Wähler an die tödlichen Gefahren der schwarz-gelben Klientelpolitik denken, wenn sie im Herbst an die Wahlurnen treten.

Friedrich Gehring, Backnang

Ansprache zu Lk 14,28-30 im Parkgebet am 14.02.2013 (Gunther Leibbrand)

Liebe Parkgebetsgemeinde,

wir haben gerade den folgenden Text schon als Psalmgebet miteinander gesprochen, um ihn uns besser anzueignen – als wenn wir ihn nur vorgelesen bekämen:

„Es ging aber eine große Menge mit ihm; und er wandte sich um und sprach zu ihnen: Wenn jemand zu mir kommt und hasst nicht seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger sein. Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt, der kann nicht mein Jünger sein.

Denn wer ist unter euch, der einen Turm bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt die Kosten, ob er genug habe, es hinauszuführen, – damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat und kann’s nicht ausführen, alle, die es sehen, anfangen, über ihn zu spotten? Und sagen: Dieser Mensch hat angefangen zu bauen und kann’s nicht ausführen?

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Offener Brief an Kanzlerin Merkel vom 14.2.2013

Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin,

Sie haben 2010 im Bundestag erklärt, an Stuttgart 21 entscheide sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 27.3.2011 sei die Volksabstimmung über dieses Projekt. Diese Wahl führte dazu, dass die grün-rote Landesregierung hinsichtlich des Projekts eine Kostendeckelung beschlossen hat, wodurch die Finanzierung von Stuttgart 21 nun für die Bahn zum Desaster wird. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Weitsicht im Blick auf den Volksentscheid gegen Stuttgart 21 bei der Landtagswahl 2011 und ermutige Sie gleichzeitig, den Volksentscheid nun auch anzuerkennen und den Ausstieg aus diesem Projekt durchzusetzen.

Sie haben wiederholt die „schwäbische Hausfrau“ zum Paradigma der Finanzpolitik erklärt. Sie sind in dieser Hinsicht nur dann konsequent und glaubwürdig, wenn Sie nun auch insofern ernst machen mit dem Erweis der Zukunftsfähigkeit Deutschlands am Projekt Stuttgart 21 , dass dieses Großprojekt doch noch auch regierungsamtlich auf seine Rentabilität und volkswirtschaftliche Sinnhaftigkeit hin durchgerechnet werden muss, nachdem bereits seit langem die Unwirtschaftlichkeit und Unsinnigkeit dieses Projekts öffentlich gemacht worden ist. Von der „schwäbsichen Hausfrau“ lernen heißt rechnen lernen.

Mit freundlichen Grüßen

Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Predigt zu Lk 19,1-10 beim Parkgebet am 31.1.2013 von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Der Zöllner Zachäus ist ein Steuereintreiber im Dienst des römischen Kaisers, der sich Palästina und dessen Bevölkerung mit militärischer Gewalt unterworfen hat und nun durch Steuern ausbeutet, nicht zuletzt um die Soldaten bezahlen zu können, mit denen er das Volk unterdrückt. Beim Volk ist Zachäus deshalb eine der meist gehassten Persönlichkeiten seiner Zeit. Nicht nur, dass er in dieser Funktion mit dem Unterdrücker zusammenarbeitet und so seinen Lebensunterhalt verdient, er nutzt seine Macht auch noch, um zu betrügen, d. h. mehr in seine Tasche zu wirtschaften als ihm der Kaiser rechtmäßig zugesteht. Für beides hat er sich bewusst entschieden, für den Dienst beim Ausbeuter ebenso wie für den Betrug. Dafür trägt er persönlich die Verantwortung und bezahlt dafür mit Ausgrenzung und Einsamkeit, er muss den Hass seiner Mitmenschen ertragen. Sein Leben in materiellem Wohlstand ist zugleich ein Leben in der sozialen Isolierung. Schon Kinder im Kindergarten oder in der Grundschule können wissen, wie sich so etwas anfühlt.

Aber nun kommt Jesus in seine Nähe. Das ist faszinierend für ihn. Denn Jesus eilt der Ruf voraus, dass er anders ist als die anderen, weil er nicht von einem strafenden, sondern von einem barmherzigen Gott spricht. Weiterlesen

„Im TINA-Dogma (There is no alternative) lebt das Erbsünden-Dogma weiter“

Wie wir seit Max Weber wissen und durch Folgestudien immer wieder bestätigt bekamen, dauern auch in unserer (scheinbar) säkularen Welt die konfessionellen Prägungen fort – unbewusst, ähnlich wie das, was die Psychologie beim Individuum als „Muster“ bezeichnet. (Dieser Vergleich mit der Psychologie beruht nicht auf Weber, sondern ist meine Schlussfolgerung.)
Als wichtigste dieser Prägungen benennt Weber die Askese. Sie beinhaltet den Verzicht auf persönlichen Gewinn zugunsten einer (Aufbau-) Leistung für andere bzw. für das Ganze.
Nachdem im Mittelalter Klöster Pionieren vorindustrieller Technik waren, Land urbar machten, ertragreiche Tier- und Pflanzensorten züchteten, Schulen und Krankenhäuser errichteten, wurden sie nach Renaissance und Reformation immer mehr durch private Unternehmen abgelöst. Zugleich wandeltete sich die mönchische zur innerweltlichen Askese. Aus den „evangelischen“ (d.h. der Bergpredigt und anderen Evangeliumstexten zu entnehmenden) „Räten“ Armut, Keuschheit und Gehorsam wurden „Investieren und sich jeden Pfennig vom Munde absparen“, „keine Zeit für Familie und Vergnügen“ und „sich der Firmenhierarchie und den Gesetzen des Marktes unterordnen“: die drei Tugenden des Geschäftsmanns, letztlich aber jedes in Wirtschaft und Arbeitswelt stehenden Menschen. Weiterlesen

Der Frieden mit den Kreaturen

Predigt zu Jesaja 11, 1-9 am 26.12.2012 im Stuttgarter Schlossgarten
von Pfarrer i.R. Eberhard Dietrich
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V. 6-8:  Ein kleiner Knabe wird Kälber  und junge Löwen und Mastvieh miteinander treiben. Kühe und Bären werden zusammen weiden, dass ihre Jungen beieinander liegen und Löwen werden Stroh fressen wie die Ochsen. Und ein Säugling wird spielen am Loch der Otter, und ein entwöhntes Kind wird seine Hand strecken in die Höhle der Natter.

Eine solche Vision findet sich nicht ab mit den Zuständen in der Welt, wie sie sind. Sie stellt uns hinein in die Erwartung einer anderen, neuen Welt. Hier aber sind wir nicht mehr staunende Zuschauer, so wie bei der Vision mit dem Frieden innerhalb des Tierreichs, sondern selbst Akteure, selbst gefordert. Wir Menschen können das Reich Gottes nicht heraufführen. Wir können aber im Verhalten zu den Tieren Zeichen setzen, ein Stück weit einen solchen Frieden verwirklichen, und zwar in der Vorfreude auf das Reich Gottes.
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Jesajas Gesellschaftskritik und Stuttgart 21

Predigt zu Jes 11,1-9                                                                                       am 30.12.2012 in Großerlach von Pfr. i. R. Friedrich Gehring
(Erweiterung der Kurzpredigt vom 26.12.2012 im Stuttgarter Schlossgarten)
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Jesaja verkündet diese große Friedensvision in einer unfriedlichen Zeit. Als Angehöriger der Elite scheint er einige Zeit geschwiegen zu haben, aber dann erlebt er im Tempel die Berufung durch den Gott Israels und wird zum scharfen Kritiker seiner eigenen Gesellschaftsschicht. Die Mächtigen im Lande setzen nach außen statt auf den Gott Israels auf die Logik militärsicher Gewalt ( Jes 7,9) und nach innen auf immer mehr Wirtschaftsmacht, indem sie sich eine Monopolstellung verschaffen an Immobilien und landwirtschaftlichen Flächen (Jes 5,8). Sie nutzen diese Machtstellung zu rücksichtsloser Bereicherung. Jesaja wirft ihnen vor: „Ich habt den Weinberg abgeweidet, das von den Armen Geraubte ist in euren Häusern.“ (Jes 3,14). Sie verdrehen das Rechtswesen zu ihren Gunsten, Jesaja wirft ihnen vor, dass sie „dem Schuldigen Recht geben um Bestechung und dem Unschuldigen sein Recht absprechen“ (Jes 5,23). Jesaja muss dieser korrupten Führungsschicht den Niedergang voraussagen, sie werden fallen wie ein Baum, an den die Axt gelegt wird. Aber danach wird aus dem Wurzelstumpf eine neue, gerechte Gesellschaft aufwachsen wie ein neuer Trieb. Ein neuer Herrscher wird durch Gerechtigkeit eine friedliche Gesellschaft aufbauen. „Er wird die Armen richten mit Gerechtigkeit und den Elenden im Lande Recht sprechen mit Billigkeit; er wird den Tyrannen schlagen mit dem Stabe seines Mundes.“(Jes 11,4) Die Macht der Waffen wird ersetzt durch die Vollmacht der Argumente. Die gesamte Schöpfung, Mensch und Tier, werden einträchtig miteinander leben (Jes 11,6-9).

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Rosenstein in Gefahr

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Ob Befürworter oder Gegner von Stuttgart 21 – jedem aufmerksamen Beobachter ist klar, dass die von der Bahn offenbar noch für diesen Winter geplanten „Baumarbeiten“ im Rosensteinpark nichts mit dem Baufortschritt zu tun haben, sondern einzig dazu dienen, das wieder einmal auf der Kippe stehende Projekt zu stabilisieren. Fakten schaffen, Fakten schaffen, Fakten schaffen – das sind ja die drei wichtigsten Ziele der Bahn seit der Volksabstimmung.
Eine Kirchenleitung, die sich ihrer Verantwortung nicht entzieht, sondern versucht, „einen Konflikt zu entdramatisieren“ (siehe July-Interview), sollte jetzt mit Bahn und Finanzministerium Gespräche aufnehmen mit dem Ziel eines  Moratoriums für den Rosensteinpark.

Hier geht’s zur Petition
Nils Schmid – Bitte unterschreiben Sie den Gestattungsvertrag zur Abholzung des Rosensteinparks nicht

Termine im Dezember

Buchvorstellung
Beiträge zu einer christlichen Protestkultur
am Beispiel von Stuttgart 21

Vorstellung mit Lesungen
Montag, 17. 12. 2012, 20 Uhr
Kulturzentrum Merlin, Stuttgart-West, Augustenstr. 72
Christen Sagen Nein - Umschlag

 

 

 

 

Weihnachtsgottesdienst am 26. Dezember 2012, 11 Uhr
im Schlossgarten (Nähe Lusthausruine)
Es laden ein:  S21 – Christen sagen Nein

Offener Brief an den Landesbischof der Ev. Kirche in Württemberg Frank Otfried July

Anstatt die Auseinandersetzungen um S21 als ungute „Polarisierung“ zu disqualifizieren, sollte die Kirche diese begrüßen als notwendigen Diskurs über ein umstrittenes Projekt.

Kirche leistet nur dann einen glaubwürdigen und wirkungsvollen Beitrag zum „Frieden“, wenn sie die Frage nach Wahrheit und Gerechtigkeit dabei nicht ausklammert.

Die Forderung, „mit sachlichen Argumenten“ zu streiten, muss an die Betreiber des Projekts gerichtet werden – von den Kritikern wird sie längst eingelöst.

Sehr geehrter Herr Landesbischof July!

Sie haben sich in einem Interview der Stuttgarter Zeitung zur Rolle von Kirche und Theologie im Konflikt um das Projekt „Stuttgart 21“ geäußert. Für uns als Mitglieder der Initiative „Theologinnen und Theologen gegen S21“ sind Ihre Äußerungen dazu nicht nachvollziehbar. Ihnen oder Ihrer Presseabteilung kann es nicht entgangen sein, dass unsere Initiative seit zwei Jahren eine sachliche, theologisch fundierte Auseinandersetzung mit dem Projekt führt.

Wir haben dazu eine „Gemeinsame Theologische Erklärung“ veröffentlicht (https://s21-christen-sagen-nein.org/gemeinsame-erklarung-von-theologinnen/). Seit Jahren finden zahlreiche Gottesdienste und Andachten dazu statt, zu denen Hunderte suchender Menschen regelmäßig kommen. Wir haben uns immer wieder öffentlich geäußert, Kolleginnen und Kollegen angeschrieben, Diskussionen geführt. Ihnen persönlich haben wir mehrfach das Gespräch angetragen. Weiterlesen

Landesbischof July zu S21: Die Kirche sollte sich nicht in jeden tagesaktuellen Diskurs einmischen

… war es mir immer wichtig zu sagen, der Streit muss mit sachlichen Argumenten geführt werden. …

Die Bibel sollte also außen vor bleiben.
Genau. Viele gesellschaftliche Fragen haben mit theologischen Standpunkten zu tun, die Bibel gibt Orientierungswissen. Der Bau eines Bahnhofs hat erst einmal mit Kosten-, Technik- und Planungsfragen zu tun. …

Was hat der Konflikt mit der Landeskirche gemacht? Es gab viele Austritte und Proteste wegen des Engagements einzelner Pfarrer.
Es gibt auch bei anderen gesellschaftlichen Konflikten Menschen, die sagen, ich verstehe die Kirche nicht und trete aus, aber das sind Einzelfälle. Wir sind nicht erpressbar. Mein erster Bischofsbericht im Jahr 2005 war überschrieben mit der These, Religion ist mehr als Privatsache, und dazu stehe ich auch heute. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Kirche in jeden tagesaktuellen Diskurs einmischen sollte.

Wir haben uns unserer Verantwortung nicht entzogen, sondern versucht, einen Konflikt zu entdramatisieren. Theologen dürfen in bestimmten Situationen nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. …

Eine Anmerkung des Administrators sei erlaubt:
Müsste es nicht besser heißen:  … einen Konflikt zu bagatellisieren ??

Lesen Sie hier das ganze Interview mit dem evangelischen Landesbischof Frank Otfried July

Drei Oberbürgermeister überlebt – Erfahrungen eines Uralt-Stadtrats der SPD

Ich habe alle drei Oberbürgermeister, die seit 1945 die Stadt regierten, erlebt und erlitten.

1.  Arnulf Klett von 1968 bis 1974
Klett war ein Auto-Narr, fuhr Daimler und Porsche, schlug die dafür notwendigen Schneisen durch Stuttgart, räumte die Trümmer der zerbombten Stadt beiseite und gleich auch noch ein paar übrig gebliebene architektonische Perlen: das Kaufhaus Schocken, das Alte Steinhaus für vier Parkplätze und das Kronprinzenpalais für den berühmten Kleinen Schlossplatz, immer unterstützt von der damals größten Gemeinderatsfraktion, der SPD.
Klett hatte Affären, z.B. den Perserteppich, den er sich von Daimler-Benz zum 50. schenken ließ, was ihn heutzutage zum Rücktritt zwänge. Damals wurde er freigesprochen. Weiterlesen

Vor der OB-Wahl: Wo steht der Widerstand gegen S21 und wie geht’s weiter?

Zum selben Thema ein Artikel aus dem „Freitag“:
Entgleist jetzt auch die CDU?

Aktuelle Situation
Das Projekt Stuttgart 21 muss in diesen Tagen eine öffentlich wahrnehmbare Ohrfeige um die andere einstecken (Hangrutschgefahr im Kernerviertel, Entgleisungen, Brandschutz-Gutachten). Die Meinung in den Medien dreht sich gerade gegen den Tunnelbahnhof, v.a. aber gegen die Bahn. Doch wie kommt das an und wie geht der Widerstand damit um?

Die Tunnelpartei CDU greift zum Äußersten und fliegt die Kanzlerin als Wahlhelferin für Turner ein. Der Chef der BaWü-CDU Strobl malt sogar den Horror an die Wand: Zwei Grüne seien zu viel für S21 – dann sei S21 tot!
Diese Strobl-Äußerung kann Wahlkampfgetöse sein. Die latenten Angstgefühle vor den Grünen könnte er aber auch mit anderen Themen wecken wie Wirtschaftskompetenz, freier Autoverkehr oder steigende Energiepreise. Vielleicht will er schon mal den Grünen den Schwarzen Peter für den S21-Ausstieg zuschieben? Immerhin ist ein Tag nach der OB-Wahl die Lenkungskreissitzung – und wie man aus Medienkreisen hört, werden dabei gestiegene Kosten für S21 eine wichtige Rolle spielen.

Ursachen des Meinungswechsels
Die Stärke unserer Widerstandsbewegung ist unsere Ausdauer (bald 150 Montagsdemos!) und die inhaltliche Kompetenz. Die Medien fragen wieder nach unserer Meinung (immer wieder ernüchternd, wie informationsresistent  Journalisten sind). Weiterlesen

Gedenken, Mahnen, Achten – Ansprache zum 30.09.2012

Liebe Freundinnen und Freunde der freiheitlichen Demokratie !

Bei den Römern gab es so etwas wie ein staatlich verordnetes Vergessen, um irgendwelche Verbrechen von Behörden oder Staatsmännern aus dem Bewusstsein des Volkes zu tilgen. So würden es die Verantwortlichen auch gern mit dem 30. September 2010 tun, um diesen Ausbruch staatlicher Gewalt gegen friedliche Kinder, Jugendliche und Menschen aller Altergruppen vergessen zu machen.
Wir aber vergessen nicht.
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Predigt zum „Wassergottesdienst“ in Bad Cannstatt am 23.9.2012 von Pfarrer i. R. Friedrich Gehring

Jeremia 2, 13: Denn zweifach hat mein Volk gefrevelt: Mich hat es verlassen, den Quell lebendigen Wassers, und hat sich Brunnen gegraben, rissige Brunnen, die das Wasser nicht halten.

Vor über 2600 Jahren spricht Jeremia im Namen des Gottes, der ihn berufen hat, diese Klage über das Volk Israel aus: Das Volk hat die gute Quelle verlassen und vertraut stattdessen auf rissige Brunnen. Was ist geschehen? Die Israeliten sind von ihrem Gott aus der Sklaverei in Ägypten befreit worden, deshalb erwartet er, dass sie selbst niemals andere Menschen so behandeln werden, wie sie in Ägypten behandelt worden sind. Aber nun muss Jeremia miterleben, dass örtliche Gottheiten, Baalsgötter genannt, die Glück, Wohlergehen und Erfolg versprechen, wichtiger geworden sind. Vergessen ist der Schutz der Schwachen vor den Mächtigen.
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Einladung zum Protest-Wochenende 29./30. September

Wasser-Gottesdienst am Sonntag, 23.9.2012, 11 Uhr

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Herzliche Einladung zu diesem Gottesdienst zum Abschluss der
„Cannstatter Wassertage“

Liturgie:
TheologInnen und Theologen der Initiative „TheologInnen gegen S21“

Predigt:  Pfarrer i.R. Friedrich Gehring
„…die lebendige Quelle verlassen sie und machen sich Zisternen,
die doch rissig sind
und kein Wasser geben.“ (Prophet Jeremia 2,13)

Musikalische Gestaltung:
Bläsergruppe „Parkblech“
Elly Grünert (Orgel)

Wo?
auf der Neckaraue in Bad Cannstatt
(zwischen Wilhelmsbrücke und Mühlsteg, Nähe „Theaterschiff“)

Am besten zu erreichen von Haltestellen:
„Rosensteinbrücke“ (U13/U14): 6 Min. oder
„Bad Cannstatt“ (U1/U2/S1/S2/S3): 13 Min.

oder mit Auto: Parkhaus Mühlgrün: Überkinger/Brunnenstr.

Rückblick auf zwei Jahre Parkgebet am 9. 8. 2012

Liebe Freundinnen und Freunde des Parkgebets,

wenn Bewegungen in die Jahre kommen, dann feiern sie Geburtstag, da geht es ihnen nicht anders als uns Menschen. Nach dem Mahnwachenjubiläum vor zwei Wochen etwas weiter vorne im Park darf ich Euch die frohe Kunde überbringen, dass wir heute schon wieder einen Geburtstag feiern: Sage und schreibe zwei Jahre alt wird unser Parkgebet.
Am 11. August 2010 haben wir uns zum ersten Mal unter unserer lieben Blutbuche versammelt, ich weiß noch genau, was für ein schöner milder Nachmittag es war.

Guntrun Müller-Enßlin

 

 

 

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Zwei Jahre Parkgebet – wir feiern Geburtstag

Am 11. August 2010 fand unser erstes Gebet unter der Blutbuche statt; seither hat sich, zunächst im wöchentlichen, später im zweiwöchentlichen Rhythmus eine bis heute dreistellige Zahl von Teilnehmern zum Parkgebet versammelt.
Unser Zweijähriges wollen wir beim Parkgebet am Donnerstag, dem 9. August 2012, um 18.15 Uhr an unserem neuen Platz, der alten Kastanie bei der Lusthausruine, feiern und freuen uns, dazu viele Freundinnen und Freunde des Parkgebets zu begrüßen.
Guntrun Müller-Enßlin

Bericht von der Lieblingsdemo der Berliner Polizei

4 000 Demonstrationen soll es durchschnittlich jedes Jahr in Berlin geben, wobei eine der kleineren, aber nicht unbedeutenden, nämlich der wöchentliche Schwabenstreich rund 50 mal im Jahr zu dieser Zahl seinen Teil beiträgt.

In diesem Sommersemester 2012 bin ich auch dabei gewesen und verstärkte ein wenig die eher überschaubare Zahl von wöchentlich 5-10 Demonstrantinnen und Demonstranten auf dem Potsdamer Platz, direkt vor dem Hauptverwaltungsgebäude der „Deutschen Bahn“.
„Wir legen dem Grube den Protest direkt vor die Haustür!“- so die Meinung beim Schwabenstreich am 20. Juni, als wir im strömenden Regen zum “ Oben bleiben“ aufriefen“ und mit Trillerpfeifen den Protest gegen das unsinnige Bahnprojekt „Stuttgart 21“ zum Ausdruck brachten.

Ich war als Gast bei der Berliner Gruppe dabei, da ich in diesem Sommersemester zum Zweck der Fortbildung an der Humboldt-Universität Vorlesungen hörte. Daher hatte ich mich bei meiner Gruppe in Stuttgart, den „Pfarrerinnen und Pfarrern gegen Stuttgart 21“, beurlaubt und für diese Zeit der Berliner Schwabenstreich-Gruppe angeschlossen.

Hier in Berlin wird ganz deutlich, dass das Projekt „Stuttgart 21“ nicht isoliert zu sehen ist: Die Berliner S-Bahn kommt aus ihrer Dauerkrise nicht heraus, in die sie wegen der unverantwortlichen Politik der Bahn hineingeraten ist. Für die den notwendigen Erhalt und Ausbau des Nahverkehrs hat die „Deutsche Bahn“ kein Geld, schließlich wollen ja unsinnige Großprojekte finanziert sein und der Nahverkehr nutzt nur dem eher finanzschwachen Teil der Bevölkerung, der auf dieses Verkehrsmittel angewiesen ist und keine Alternativen dazu hat, egal wie schlecht die S-Bahn gewartet wird. Skandalös ist auch die sich ständig weiter nach hinten verschiebende Eröffnung des neuen Berliner Großflughafens. Es ist ein unglaubliches Desaster, bei dem das Volk wieder und wieder hinters Licht geführt wurde und immer noch wird. Dies gibt einen Vorgeschmack davon, wie es wäre, wenn eine solche Baukatastrophe sich nicht draußen auf der grünen Wiese vor der Stadt, sondern mitten in der Stadt Stuttgart ereignen sollte – und das es solche Katastrophen geben wird, wird keiner mehr ernsthaft abstreiten wollen, der bei nüchternem Verstand die derzeitigen Großbauvorhaben in unserm Land verfolgt.
Es ist auffällig, wie in den Vorlesungen und in den persönlichen Gesprächen die Proteste gegen „Stuttgart 21“ in Berlin eine Rolle spielen. Dieser Widerstand ist nach wie vor ein Hoffnungszeichen, dass das Volk mündig ist und bei seinen Angelegenheiten mitreden will und muss. Daher ist auch die Berliner Gruppe nach wie vor hoch motiviert, an ihrem Protest festzuhalten direkt vor der „Höhle des Löwen“ bzw. diesem Monumentalbau, von dem aus die Bahn verwaltet wird.
Übrigens:  Mitdemonstrierende sind immer herzlich willkommen. Berlin ist mehr als nur eine Reise wert und wer hier zwischendurch aus welchem Grund auch immer ist, kann gerne beim Schwabenstreich mitmachen: mittwochs, 19.00 Uhr am Potsdamer Platz.
Michael Harr

P.S.:  Jetzt hätte ich fast noch vergessen, warum der Schwabenstreich die „Lieblingsdemo der Berliner Polizei“ ist: Nicht bei allen 4 000 Demonstrationen in dieser Stadt geht es so ruhig und friedlich und gewaltfrei zu, wie es für den Schwabenstreich selbstverständlich ist. Klar, da geht man als Polizeibeamter gerne hin, zumal es nun wirklich keine schwere Arbeit ist, wie am 20. Juni als Besatzung von zwei Polizeifahrzeugen im Trockenen sitzend 6 Leuten beim Demonstrieren im Dauerregen zuzugucken.