Pfr. i. R. Friedrich Gehring: Predigt zu Joh 17, 22-26 beim ökumenischen Gottesdienst am Himmelfahrtsfest 2013 auf der Erlacher Höhe bei Großerlach

Ein großartiger Text für einen ökumenischen Gottesdienst: Wie Gott, der liebende Vater, mit seinem erhöhten Sohn Jesus Christus eins ist, so sollen auch wir als Nachfolger Jesu untereinander einig sein. Damit ist die Frage gestellt: Worin sollen wir Christen trotz der verschiedenen Konfessionen einig sein? Worin liegt das gemeinsame Christliche unserer Kirchen und wie muss sich dieses in der gegenwärtigen Welt zeigen?

Jesus gibt in dieser Abschiedsrede nach Johannes klare Hinweise: Sein himmlischer Vater ist ein Gerechter und ein Liebender, deshalb sollen Liebe und Gerechtigkeit auch unter den Nachfolgern Jesu sichtbar sein, während die Welt diesen gerechten und liebenden Vater nicht kennt. Es wäre schwärmerisch zu behaupten, die Christen seien nicht mehr Teil dieser blinden Welt, aber sie sollen als Teil dieser Welt und in dieser Welt die Alternative der Liebe und der Gerechtigkeit leben, die nicht von dieser Welt ist. Wie kann dies heute konkret geschehen?

Um dies zu erläutern habe ich mir die Schriftlesung aus Mt 6,24-34 gewünscht. Jesus macht unmissverständlich deutlich, dass wir nicht dem Gott der Liebe und dem Götzen Mammon zugleich dienen können. Mammon ist im Aramäischen, der Muttersprache Jesu, der Begriff für die zerstörerische Kraft des Geldes und des Kapitals. Bei der Übersetzung des Neuen Testaments ins Griechische und Lateinische war dieser Begriff nicht übersetzbar, weil es im griechischen und römischen Sprachraum kein Bewusstsein für diese zerstörerische Kraft gab. Jesus allerdings weiß aus der Tradition der alttestamentlichen Propheten, was Geld und Kaptal anrichten können. Er spricht deshalb vom ungerechten Mammon (Lk 16,9), denn er ist häufig ungerecht erworben und erzeugt weitere Ungerechtigkeit, indem er durch Zinsen die Reichen reicher und die Armen ärmer macht. Deshalb kennt das Alte Testament noch das Zinsverbot. Jesus rät, diese ständige Umverteilung von unten nach oben zu durchbrechen, indem wir uns Freunde machen mit dem ungerechten Mammon, d. h. ihn an die Armen rückverteilen. So wird im Sinne Jesu der Welt die Liebe und Gerechtigkeit Gottes vorgelebt.

Was der Mammon als zerstörerische Kraft in unserer globalisierten Welt anrichtet, ist heute so deutlich vor Augen wie schon lange nicht mehr. Nach der schweren Weltwirtschaftskrise von 1929 wurde die zerstörerische Gier der Anleger bis 1944 eng begrenzt. Aber in den Jahrzehnten danach, besonders seit der Regierung von Margret Thatcher, wurden die Gierigen wieder freigelassen, um mit ihren raffinierten Methoden in den Abgrund der neuen Krise von 2008 zu führen. Die sog. Eurokrise ist nicht die Krise des Euro, sondern die Krise der Gier der Mammonsjünger: Weil die Staaten die großen Casinospieler zu wenig zur Kasse gebeten haben, stieg die Staatsverschuldung immer mehr und die Anleger konnten durch Zinsen die Volkswirtschaften immer mehr ausbeuten, bis nun Staatsbankrotte das System der Ausbeutung selbst bedrohen. Die verarmenden Südeuropäer und unsere Niedriglöhner sollen nun das System retten. Aus christlicher Sicht muss dieses System aber ein Ende haben.

Um dieses Ausbeutungssystem zu überwinden, ist ein allgemeines Umdenken nötig. Die neoliberale Ideologie will uns vorgaukeln, es müssten zuerst die Reichen immer reicher werden, dann könne es den Ärmeren vielleicht auch irgendwann einmal besser gehen. Das ist nicht wahr und es ist das radikale Gegenteil von dem, was Jesus sagt. Die Reichen nehmen bisher von den Armen, die Gerechtigkeit des Reiches Gottes fordert, das Genommene zurück zu geben. Der Fall von Uli Hoeneß kann deutlich machen, worum es geht: Er war ein Reicher, der süchtig war nach immer mehr Geld und im Casino der Bankenwelt gefangen lag. Diesen ungerechten Mammon hat er dann auch noch vor dem Finanzamt versteckt. Nach außen hat er sich durch Almosen als Gutmensch getarnt. Menschen wie er können wohl nur von der Macht des Mammon befreit werden, wenn den Banken ihre Casinospiele gesetzlich wieder verboten werden wie nach 1929 und wenn die Steuerparadise der Spekulanten und der Konzerne trocken gelegt sind.

Ein dem Fall Hoeneß ähnlicher Vorgang wurde dieser Tage in der Ev. Landeskirche in Württemberg kolportiert. Der Hersteller von Tunnelbohrmaschinen Herrenknecht, ein Hauptprofiteur von Stuttgart 21 mit seinen 60 km brandgefährlichen Tunneln, soll angeblich in seiner Kirchengemeinde eine halbe Pfarrstelle bezahlen. Damit soll in neoliberaler Manier vorgegaukelt werden, wenn er hohe Profite macht, gehe es allen Gliedern der Kirche besser. Stuttgart 21 verschlechtert nachgewiesenermaßen den Bahnverkehr in der Region, die vergeudeten Milliarden, so hat es Verkehrsminister Ramsauer im März offen eingestanden, werden von den Bahnkunden und den Steuerzahlern geholt. Sie werden sinnlos ärmer, solange Herr Herrenknecht Millionen einstreicht und davon jährlich das Almosen einer halben Pfarrstelle abgibt. Unser evangelischer Landesbischof July hat im vergangenen November Stuttgart 21 als Bahnhof bezeichnet, bei dem die Bibel außen vor bleiben könne. Am 7. Juni werden drei Theologen bei ihm sein, die Ihn davon zu überzeugen versuchen, dass die Bibel bei Mammonsprojekten nicht außen vor bleiben kann.

Ob die Regierungen solchem neoliberalen Unsinn ein Ende bereiten, hängt von uns als den Wählern ab. Wir alle sind als Christen gefragt, ob wir auf der Seite des Mammon oder auf der Seite des liebenden und gerechten Vaters Jesu stehen. Der Gott der Liebe und der Gerechtigkeit schenke uns, dass wir über die Grenzen der Konfessionen hinweg in unserer Entscheidung einig sind. Amen.

Friedrich Gehring

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