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Parkgebet, 27. Oktober 2016, Pf.i.R. Gunther Leibbrand

(über Losung und Lehrtext zum Tage: Sacharja 7,10 und 1Kor 12,21f)
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Liebe Parkgemeinde,
wir sind hier versammelt, um uns vom Wort Gottes her sagen zu lassen, was Sache ist. Orientierung von dem, der Himmel und Erde gemacht hat. Der auch der Herr der Geschichte ist. Das zeigt Er uns an seinem Verhältnis zu dem Volk, das Er sich auf besondere Weise erwählt hat. Ich sage solche Dinge, weil ich von der Losung für den heutigen Tag her spreche: „Keiner ersinne in seinem Herzen Unheil gegen seinen Bruder“. (Sacharja 7,10)

Diese bis in die persönliche Herzensregung hineinreichende Empfehlung steht direkt nach der Empfehlung, Witwen und Waisen zu schützen, steht im Zusammenhang der Ablehnung jeglichen Gottesdienstes, der auf die rein religiöse Handlung beschränkt bleibt und sich eben nicht auch auf die skrupulöse Beachtung des Rechts ausdehnt. Dieses intime Wort an das Gewissen eines Menschen, seinem Bruder kein Unheil zu wünschen, steht in einem Prophetenbuch, das sozusagen die Lehre aus der totalen äußerlichen wie kulturellen Vernichtung eines Landes zieht: Diese Vernichtung wird hier bedacht und verarbeitet. Ergebnis: Die Zerstörung Jerusalems und seines Tempels und die fast 50 Jahre dauernde Deportation seiner Intelligenz und Führungsschicht nach Babylon im 6. vorchristlichen Jahrhundert sind eingegangen in die biblische Überlieferung als Strafe Gottes für die andauernde Missachtung Seines Willens. Aus ihr werden nun die Konsequenzen gezogen – bis hinein in die persönlichsten Dinge.

Der Lehrtext, in dem Paulus über die Beziehung aller Glieder und Organe eines Leibes nachdenkt, nimmt den Gedanken der Rücksichtnahme auf die – anscheinend schwächsten Glieder und Organe auf: „Das Auge kann nicht zur Hand sagen, ich brauche dich nicht, auch nicht der Kopf zu den Füßen: Ich brauche euch nicht. Vielmehr sind eben jene Glieder des Leibes, die als besonders schwach gelten, umso wichtiger.“ Im Hintergrund steht der Streit in der Gemeinde in Korinth zwischen reichen und armen Christen in der Gemeinde. diese Geschichte hat ja dazu geführt, dass es traditionell beim Abendmahl im Gottesdienst nur Brot und Wein gibt – wenn überhaupt –, weil damals die Reichen ihr gutes mitgebrachtes Essen nicht teilen wollten. Deshalb sind hier auch Auge und Kopf als wichtige Organe und Hand und Füße als weniger wichtige vorgestellt!

Liebe Freundinnen und Freunde im anhaltenden Protest gegen „Stuttgart 21“:
Es hat mich angerührt, als ich vor einiger Zeit in Esslingen bei einem Vortrag von Klaus Gebhard zu „Umstieg 21“ (siehe: http://www.umstieg-21.de) die Bemühung um das Ganze spürte. Es hat mich die darin deutlich werdende Versöhnung ganz unmittelbar angesprochen. Es war da keine Arroganz über die Fehler unserer politischen Gegner, sondern ich spürte, sah und konnte überzeugt werden von seinem Bemühen, dass aus dem, was da inzwischen gegraben und gebohrt worden ist, dennoch etwas zu machen sei, was für die echten Verkehrsprobleme unserer ganzen Region einen Schritt nach vorne bedeuten könnte.

Heute Morgen schrieb ich diese Andacht, nachdem ich die dreiviertels Seite in der Stuttgarter Zeitung zum Bericht aus dem gestern tagenden Unterausschuss des Gemeinderates gelesen hatte: „OB Kuhn verteidigt S 21: Kein Rückbau“. Natürlich müssen sich diejenigen unter uns besonders ärgern, ihm damals ihre Stimme gegeben zu haben, als vor seiner Wahl er gelobte, S 21 kritisch begleiten zu wollen. Aber, meine Lieben, da ist mehr als diejenigen, die uns enttäuschen. Wir befinden uns unter den Augen Gottes, der uns danach beurteilt, wie inbrünstig wir unsere Feinde lieben, d.h., uns um sie bemühen, sie nicht aufgeben. Nicht unsere Freunde. Diese zu lieben, ist eigentlich keine Kunst.

Was ich sagen will: Was „Umstieg 21“ vorgelegt hat, ist ein ungemein sachlicher Beitrag zum Gemeinwohl. Für Leute, die ihrer Zeit voraus waren, war das Leben nie einfach, es war vielleicht sogar schwer bis gelegentlich unerträglich, zum Hinschmeißen schwer. In den allermeisten Zeiten hätte es für Leute wir uns keinen Platz gegeben. Wenn ich mir überlege, wie lange ein Mann wie Werner Wölfle gebraucht hat, bis er endlich bereit war, als Krankenhausbürgermeister an der ehemaligen Kinderklinik in der Türlenstraße ein Schild zu erlauben, dass hier in der Nazizeit Kinder ermordet worden sind vom Klinikpersonal, nach über 71 Jahren nach der Befreiung von der Nationalsozialistischen Terrorherrschaft, wie es auch ganz staatstragend seit dem 8. Mail 1985 heißen darf. Erst 71 Jahre nach 1945 fängt es recht mühsam an zu dämmern – in Sachen des Hitlerreiches.

Wenn ich mir solche Sachen klarmache, dann grenzte es ja an ein Wunder, wenn der Herr Oberbürgermeister sich bei Stuttgart 21 in weniger Opportunismus ergehen würde. Eigentlich schlechterdings nicht zu erwarten!?

Aber wir hier sind nicht der Herr Oberbürgermeister.
Unser Geschäft ist es, aus unserem Glauben und Wissen heraus, es mit dem Herrn aller Herren zuerst zu tun zu haben, auf sachdienliche Weise Wege in die Zukunft zu suchen und zu finden. Dass „Umbau 21“ hier ganz Außerordentliches vorgelegt hat, wird die Zukunft erweisen – so oder so.

Im Übrigen: Es waren nur manchmal die gut bestallten und dafür bezahlte Menschen, die die Welt vorangebracht haben. Im Normalfall musste der Fortschritt hart erkämpft werden.

Also: Was da alles noch kommen mag: Wir bleiben weiterhin friedlich, bringen unsere exzellenten Umstiegsüberlegungen in Gesprächen und Versammlungen unter die Leute und warten ab, bis man uns ruft. Was nicht geschehen wird! Oder irgendwann doch? Eher wird geschehen, dass die entsprechenden Damen und Herren klammheimlich abschreiben und abkupfern werden. Gewusst haben sie ja noch nie etwas. Ich wünsche uns das Bewusstsein, ein Zentimeter im Roten Faden zu sein, der nach Ernst Bloch (Atheismus im Christentum) die Geschichte durchzieht. Dazu gehört zu wissen, dass der Hass auf die Juden vor allem daher kommt, weil aus ihrer Tradition das herkommt, was man „Selbstkritik“ nennt. Die Einsicht, dass es Gründe dafür gab, warum die Dinge schiefgegangen sind. Und die jüdische Überlieferung selbst davon berichtet, dass kaum jemand im Volk das hören wollte. Nur einige wenige sogenannte Propheten des einzig Lebendigen und Ewigen haben es, obwohl es auch ihnen schwerfiel, gesagt und immer wieder gesagt.

Was macht man denn mit Leuten, die den Finger in die Wunde legen und sie als eine Strafe Gottes erklären? Wer will hören, dass er etwas falsch macht, dass er umkehren muss, damit es nicht noch schlimmer wird?
Wenige! Aber, wem sage ich das!?

Wenn etwas in diese Welt Licht bringt, dann sind es Worte dieses Einzig Lebendigen und Ewigen – und diejenigen, die diese Worte für das Allerwichtigste halten – und sich entsprechend verhalten. Und es gibt auch kein Recht, das diesen Namen auch nur annähernd verdiente, das nicht den Kriterien für Recht dieses Einen entspräche.

Wir haben also die wichtigste Aufgabe, die es überhaupt auf der Welt gibt: Die anderen Menschen, die Tiere und auch die Pflanzen an unseren Worten und an unserem Verhalten abspüren zu lassen, dass wir uns stets vor diesem Ewigen wissen.

„Umstieg 21“ weist Wege aus den Sackgassen. Wir sollten sie kennen und jederzeit in‘s Gespräch bringen können. Auch dann haben die Leute, die ein Jahr lang dafür sich den Kopf zerbrochen haben, nicht umsonst gearbeitet. Aber nicht nur dann: Allein schon, dass sie sich Gedanken über Wege aus der Gefahr gemacht haben, wäre es wert gewesen. Sie haben etwas Gute versucht und geschafft – erst auf dem Papier, aber das ist nicht wenig, sondern zunächst das Entscheidende.
Das bleibt, auch wenn die direkten Adressaten davon noch lange nichts werden wissen wollen.

Aber der Ewige ist auch Herr der Zeit dieser Leute, vergessen wir das nicht. Dann verzweifeln wir auch nicht. Sondern sind dankbar darüber, dass wir nicht so versucht werden wie diese, die meinen, nur sich selber bzw. ihren kurzfristigen Profitinteressen verpflichtet sein zu können.

Amen und oben bleiben!

Liste der umnutzbaren Stuttgart 21-Baulose: hier klicken!

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Ansprache beim Parkgebet am 21. Januar 2016 von Pfarrer i.R. Gunther Leibbrand

Liebe Parkgebetsgemeinde,
am Montag dieser Woche, als ich diese Ansprache schrieb, lautete die Herrnhuter Tageslosung folgendermaßen:

„So spricht der Herr, der einen Weg bahnt im Meer und einen Pfad in mächtigen Wassern …
Seht, ich schaffe Neues, schon sprießt es, erkennt ihr es nicht?“ (Jesaia 43,16)

In diesem schönen Wort vom Sprießen des Neuen, das die Angesprochenen in ihrer aktuellen Not so schwer nur erkennen können, verbindet der Prophet Jesaja das Heute mit einer uralten Erfahrung seines Volkes: Als sein Gott ihm aus der Sklaverei wundersam herausgeholfen hatte, indem er ihm einen Fluchtweg, selbst durch ein Meer hindurch, bahnte, bis zu dem es hatten fliehen können, das es jetzt aber endgültig aufzuhalten drohte. So wäre es beinahe den Streitwagen des Pharao zum Opfer zu fallen. Aber so weit kam es nicht, weil Gott dem Mose die Wundermacht verlieh, die Wasser des Meeres zu teilen, sodass das Volk Israel weiterfliehen konnte. Aber nicht nur das: Als es gerade hindurchgekommen war und die Ägypter, ihnen nach, auch über den vormaligen Grund des Meeres, es fast erreicht hatten, ließ Mose das Meer wieder zurückströmen, sodass die Streitmacht jämmerlich von den Wassermassen ersäuft wurde.
Kein zimperliches Bild, sondern ein höchst dramatisches, für nicht wenige Menschen auf dieser Erde ein sehr realistisches Bild.

Ich bin froh, dass wir eine solche Losung heute vorgelegt bekommen. Denn auch wir – die wir nicht das Volk Israel sind – aber eines, das eingeladen ist, sich im Namen dieses Volkes von dessen Gott Segen erbitten zu dürfen, können von seiner Erfahrung lernen. Auch wir brauchen immer wieder ein Trostwort, das uns aufbaut. Ein Zeichen, an das wir uns erinnern könnten, oder wenigstens eines aus der Jetzt-Zeit, das wir eigentlich sehen könnten, das uns Mut machen könnte, wenn wir es bloß richtig zu deuten verstünden!
Ich will versuchen, Ereignisse aus unserem heutigen Zusammenhang, die es tatsächlich gibt, als Zeichen eines Neuen zu deuten, mit denen Gott uns Mut machen will:

– Zum ersten ist da der Beschluss des Verwaltungsgerichts Stuttgart vom 18. November 2015, der die brutale Polizeigewalt am 30.9.2010 gegen berechtigten Bürgerprotest als ungesetzlich feststellte.

– Dann ist da die Entscheidung von Land und Stadt, die gegen diesen Gerichtsbeschluss Revision hätten beantragen können, dieses bemerkenswerter Weise nicht zu tun.

– Und dann ist da noch eine andere bemerkenswerte Entwicklung: Der Herrenknecht-Bohrer hat den Rückzug vor der berüchtigten, aber bisher in ihrer Gefährlichkeit von den Betreibern und Befürwortern von S 21 verharmlosten, Gipsschicht angetreten!

Noch sind wir nicht so weit, dass Frau Merkel das gegen viele geltende Gesetze von ihr durchgeboxte Projekt S 21 beendet hätte. Aber Weiterlesen

Ansprache beim Parkgebet am 24. November 2015 von Pfarrer i.R. Gunther Leibbrand

Jutta liest Euch heute vor, was ich eigentlich selber tun wollte. Leider bin ich wegen einer zeitgleich sich treffenden Arbeitsgruppe der AnStifter verhindert – wegen unserer Solidarität mit Sant‘Anna di Stazzema. Aber ich bin in Gedanken und im Gebet und eben durch die hier vorgetragenen Überlegungen ganz bei Euch.

Am Dienstag dieser Woche saß ich deshalb an meinem Schreibtisch. Und deshalb auch unter dem Lehrtext zur Herrnhuter Tageslosung, der so lautete:
„und erlöse uns von dem Bösen“.
Es ist „das Böse“, das damals am 30.9.2010 wahrlich erschreckende Bilder heraufbeschwor – einschließlich des obligaten Chores der verharmlosenden Beschwichtigung im Sprachgebrauch fast aller Großkopferter, die darüber reden und schreiben, hier sei etwas „aus dem Ruder gelaufen“.
Das Gegenteil ist nun gerichtlich festgestellt: Am Schwarzen Donnerstag wurde das Recht von staatlichen Stellen eindeutig gebrochen.

Dieter Reicherter hat auf der Montagdemonstration dieser Woche hierfür klare und nüchterne Worte gefunden. Ich zitiere, wie er anhob:
„Liebe Freundinnen und Freunde der Gerechtigkeit,
manchmal geschehen doch noch Zeichen und Wunder! Zwar hatten wir auch schon in der Vergangenheit immer wieder Erfolge bei Stuttgarter Gerichten, was viele vergessen oder verdrängt hatten. Man denke nur an Entscheidungen zu den von der Versammlungsbehörde missbilligten Orten für unsere Demos, Baustopps, Freisprüche bei Nötigungsvorwürfen, Aufhebung von polizeilichen Maßnahmen beim Blockadefrühstück.
Jetzt aber hat das Stuttgarter Verwaltungsgericht für juristische Klarheit und Aufmerksamkeit in der ganzen Republik gesorgt. Alles, was vom polizeilichen Vorgehen am 30.9.2010 zur gerichtlichen Überprüfung anstand, wurde ohne Wenn und Aber für rechtswidrig erklärt: Platzverweise, Androhung des unmittelbaren Zwangs, Einsatz von Pfefferspray und Wasserwerfern. Von Schlagstockeinsätzen war keiner der Kläger betroffen, doch waren diese ebenso rechtswidrig“

Lassen Sie mich diese ruhigen Ausführungen Dieter Reicherters an „die Freundinnen und Freunde der Gerechtigkeit“, die ja auch heute Abend hier wieder zusammengekommen sind, mit ähnlich ruhigen und zugleich festen und wahrhaft souveränen Worten dieses Lehrtextes in Beziehung setzen. Weiterlesen

Ansprache beim Parkgebet am 2. April 2015 von Pf.i.R. Gunther Leibbrand

Liebe Parkgemeinde,
heute ist Gründonnerstag. Ein Tag, an dem Christen sich an Jesu bevorstehendes Leiden und Sterben erinnern.
Wir tun dies als Christinnen und Christen, die sich hier unter Protest an einer der Baugruben versammeln, die einen funktionierenden Bahnverkehr zu Grabe tragen wollen.

Es würde den Rahmen sprengen, all die Einzelheiten erwähnen zu wollen, die unseren Protest bis zum heutigen Tage nicht erlahmen lassen. Aber eine Hauptsache soll genannt werden: Die Kräfte, die hier am Werke sind, missachten sowohl geltendes Recht, das den Rückbau von Infrastrukturmaßnahmen wie den Schienenverkehr in Deutschland mit Steuermitteln ausdrücklich verbietet. Genauso, wie die Art und Weise der Durchsetzung ihrer fraglichen Absichten nicht konform geht mit einschlägigen Vorschriften rechtsstaatlicher Polizeiarbeit.

Wie können wir diese Dinge zusammenbringen mit dem Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu?
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Parkgebetansprache von Gunther Leibbrand am 20.11.14

 

Liebe Parkgebetsgemeinde,

wir stünden nicht hier, wenn es nicht schlecht bestellt wäre um
– die soziale Gerechtigkeit,
– eine unparteiische Rechtsprechung
– und eine gesetzestreue Regierung, die dem Wohl des Volkes verpflichtet ist – und nicht der Verwandlung von allem und jedem in eine Ware, mit der Geld zu machen ist.

Alles miteinander konkretisiert sich beispielhaft in dem, was unter der Bezeichnung ‚Stuttgart 21′ vor unseren Augen inszeniert und in die Tat umgesetzt wird.

Ich möchte nicht zum 1001. Male die traurigen Einzelheiten benennen, sondern vielmehr unsere Aufmerksamkeit auf die Quelle lenken, aus der sich weiterhin unsere Empörung speist und unser Widerspruch seine Kraft schöpft. Weiterlesen

Ansprache beim Parkgebet am 28.11.13, Gunther Leibbrand

Die Ansprache als pdf-Datei: Parkgebet, 28.11.13, Leibbrand

Liebe Parkgemeinde,

als ich das letzte Mal zu Ihnen sprach, am 1. August, hatte ich so geendet:
Wir stehen vor dem Jahrhundertprojekt, den Gebrauchswert der Dinge zum Leben wieder in Erinnerung zu bringen.
Dann hatte ich gesagt, dass es uns Christen um’s Leben geht, um das Leben vor dem Tod. Auch um ein Leben nach dem Tod, aber eben auch um ein wirklich gutes Leben vor dem Tod.
Und dass wir solche großen Aufgaben mit Gottes Hilfe anpacken können.

Heute möchte ich Ihnen ein Beispiel nennen von Menschen, die sich ihre Würde nicht nehmen lassen, obwohl sie wenig Erfolg haben bei der Durchsetzung ihrer wichtigen Ziele.
Ich möchte uns Mut verschaffen durch den Blick auf Leute, die seit bald sieben Jahrzehnten dafür kämpfen, dass ihnen Gerechtigkeit widerfahre und nicht weiterhin Unrecht, ja Desinteresse und Zynismus.
Ich möchte von Enrico Pieri und Enio Mancini erzählen und den anderen Überlebenden eines der fürchterlichsten deutschen Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg in Italien.

  • Wie haben es Menschen geschafft, gegen den Triumpf der Gewalt seit beinahe 70 Jahren nicht zu verstummen? Mehr noch:
  • Wie schafften sie es zu überlegenen Menschen zu werden, die nicht hassen, sondern ganz ruhig und fest nur Gerechtigkeit einfordern?
  • Wie kann es sein, dass diese damals noch im Kindesalter Stehenden nicht in der Scham über das ihnen widerfahrene Leid reaktiv ihrerseits zu Gewalttätern geworden sind, sondern zu Menschen, die ihren Schmerz authentisch zeigen können und für eine gemeinsame Zukunft mit uns Deutschen in einem friedfertigen Europa eintreten?

In einem bis auf den letzten Platz gefüllten Theaterhaus hat Enrico Pieri am 10. November bei der Verleihung des 11. Stuttgarter Friedenspreises der AnStifter  sich von seinem Sohn, einem Wirtschaftspädagogen eines Basler Gymnasiums, übersetzen lassen,  und eigentlich nur den einen Satz gesagt (ich zitiere sinngemäß): Geht zur Wahl und stimmt bei den kommenden Europawahlen für ein friedfertiges und soziales Europa. Das ist für mich die Konsequenz aus meinem Kampf für einen Prozess gegen die Mörder meiner Familie und so vieler anderer Familien meines Dorfes Sant’Anna di Stazzema. Dieser Prozess wird uns bis zum heutigen Tage in Deutschland verweigert. Aber wir werden nicht aufgeben, weil wir nicht wollen, dass sich ein solches Verbrechen in meinem Land wiederholen kann. Es wiederholt sich schon viel zu oft bis zum heutigen Tage weltweit. Kämpfen wir für ein politisches Klima, das solche Verbrechen ächtet.

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Ansprache beim Parkgebet am 1.8.13 von Gunther Leibbrand

Liebe Parkgemeinde,

ich versuche immer, ein aktuelles Ereignis oder Ergebnis von Überlegungen aus unserer Bewegung gegen S 21 im Lichte unseres biblischen Glaubens zu bedenken. Heute möchte ich das zu einer Überlegung tun, die das „Dritte Europäische Forum über unnütze und aufgezwungene Großprojekte“ herausgearbeitet hat – in einer Debatte am vergangenen Sonntagmorgen über „Ökonomische Hintergründe von Großprojekten“, an der ich auch teilgenommen habe: Großprojekte werden nicht gebaut, obwohl sie viel Geld verschlingen, sondern weil sie viel Geld verschlingen. Denn die herrschende Wirtschaftsweise hat ja zum Ziel, Geld zu machen, mehr Geld. Und deshalb zählt bei einem Projekt nicht die Steigerung des Gebrauchswertes einer Sache, sondern ihres Warenwertes. Wie schmerzlich uns diese Wahrheit hier bewusst wird, zeigt die nach oben offensichtlich offene Summe, die „Stuttgart 21“ einmal kosten  wird. Es ist sozusagen oberste Tugend im Kapitalismus, möglichst immer mehr zur Ware zu machen, die immer schneller zirkuliert. Und besonders effektiv sind hierfür natürlich Großprojekte.

Die am Gebrauchswert einer Sache orientierte Vernunft geht nicht zusammen mit dem immer schneller finanziell zu verwertenden Geldwert einer Sache. Dabei entsteht immer mehr Geld, das wieder investiert werden will, damit es zu noch mehr Geld wird. Neulich hat mir jemand gesagt, dass gerade in der Bauwirtschaft neue Häuser erst gar nicht mehr so erbaut werden würden, dass sie viele Jahre halten. Von elektronischen Geräten wissen wir, dass sie immer öfter innerhalb der Garantiezeit schon kaputt gehen, weil Soll-Bruch-Stellen planmäßig eingebaut werden.

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