Parkgebetansprache, Gründonnerstag 2013, Lukas 22, 24-34, Gunther Leibbrand

Liebe Parkgemeinde,
wir versammeln uns als Christinnen und Christen an dieser Stelle, weil wir nicht der Meinung sind, dass es mit Stuttgart 21 schon seine Richtigkeit habe. Ganz im Gegenteil.
Weil wir eins und eins zusammenzählen können, wissen wir, dass drei nicht die richtige Antwort ist. Aber es braucht noch mehr: Wir kommen hier regelmäßig auf wichtige religiöse Texte zu sprechen, die uns in Beziehung setzen zu den Quellen der Kultur, die durch dieses Projekt mit Füßen getreten wird: Wenn der Fernsehturm für Besucher gesperrt werden muss, dann ist auch S 21 nicht genehmigungsfähig.
Ich lese Lukask 22, 24-34:
24 Es erhob sich auch ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größten gehalten werden. 25 Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren. 26 Ihr aber nicht also! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.
27 Denn welcher ist größer: Der zu Tische sitzt oder der da dient? Ist’s nicht also, dass der zu Tische sitzt! Ich aber bin unter euch wie ein Diener. 28 Ihr aber seid’s, die ihr beharrt habt bei mir in meinen Anfechtungen. 29 Und ich will euch das Reich bescheiden, wie mir’s mein Vater beschieden hat, 30 dass ihr essen und trinken sollt an meinem Tische in meinem Reich und sitzen auf Stühlen und richten die
zwölf Geschlechter Israels. 31 Der HERR aber sprach: Simon, Simon, siehe, der Satanas hat euer begehrt, dass er euch möchte sichten wie den Weizen; 32 ich aber habe für dich gebeten, dass dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dermaleinst dich bekehrst, so stärke deine Brüder. 33 Er sprach aber zu ihm: HERR, ich bin bereit, mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen. 34 Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der Hahn wird heute nicht krähen, ehe denn du dreimal verleugnet hast, dass du mich kennest.

Wir hören uns diese Worte an, weil uns unser Protest auch dazu führen könnte, dass unser eigenes Kreuz auf uns zukommt. Im Schicksal des Petrus wird uns die Gefahr wie unter einem Vergrößerungsglas deutlich erkennbar: Aus Furcht vor den Konsequenzen verleugnete er Jesus auch nur zu kennen. Und weinte danach bitterlich.
Aber jetzt der Reihe nach:
Wieso wurde ein Mensch wie Jesus von Nazareth, der keiner Fliege etwas zuleide getan hatte, mit dem schlimmsten Foltertod bestraft?
Die Antwort steht in den Versen 25 – 27: Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren. Ihr aber nicht also! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener. Denn welcher ist größer: Der zu Tische sitzt oder der da dient? Ist’s nicht also, dass der zu Tische sitzt! Ich aber bin unter euch wie ein Diener.
Also: Jesus war natürlich ein Umstürzler ungerechter Zustände; kein gewalttätiger, keiner mit der Waffe in der Hand, wohl aber einer, der gewaltlose Zeichenhandlungen tat und ehrliche Worte sprach: Er hat es selber praktiziert und erklärt, wie das Leben sein sollte, damit es für alle recht ist.
Deshalb musste er sterben und zwar auf die allerfürchterlichste Weise. Zur Abschreckung für alle seine Jünger, für alle, die in ihm die Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen des Lebens fanden und zukünftig finden würden.
Alles wurde unternommen, um diese zutiefst umwälzende Kraft an die Kette zu legen. Aber immer wieder brach und bricht sie sich Bahn, die Kraft der Auferstehung: Weil Jesus und sein Wort nicht tot zu kriegen sind!
Denken wir an mutige Menschen in der finstersten Zeit unseres Landes: An Maximilian Kolbe, an Paul Schneider, an Edith Stein, an Dietrich Bonhoeffer. Denken wir an die Zeit danach: An Martin Luther King, an Oscar Romero. Alle Zeugen Jesu Christi, die ihren Herrn nicht verleugneten, das aber mit ihrem Leben bezahlen mussten.
Ich möchte den Text predigen. Deshalb sprechen wir über Petrus, der durch die Bitternis seiner tatsächlichen dreimaligen Verleugnung seines geliebten Rabbi Jehoschua hindurch musste, bis er ihn dann wohl auch wirklich zu bezeugen in der Lage gewesen war. Durch seinen Märtyrertod – später in Rom. Auch Paulus ist in Rom, dem politischen Zentrum der damaligen Welt, den Märtyrertod gestorben.
Es ist nicht zufällig, dass die Staatsmacht uns zu kriminalisieren versucht. Sehen wir uns an, was mit dem pensionierten Richter Reicherter geschieht.
Wir stören mit unserem Protest die Geschäfte von Leuten, die das große Geld hier verdienen wollen.
Wenn Sie mich fragen, dann sind es heute manche Journalisten, die an Geschichten dran bleiben, in denen sie ermitteln gegen die ganz großen Interessenverbände wie die Mafia oder ähnliches. Dort wird heute noch genauso gestorben wie eh und je. Oder denken wir an Giovanni Falcone und Paolo Borsellino, die beiden italienischen Staatsanwälte, die zusammen mit ihren engsten Mitarbeitern ermordet wurden.
Denn es darf sich immer noch nichts breit machen auf der Welt, in dem die Gesetze Jesu wirklich gelten und die üblichen Gesetze der gnädigen Herrn nicht mehr.
So möchte ich unseren Text auslegen. Wenn ich es anders täte, würde ich meinen Auftrag verleugnen.
Aber ich konnte es in der Osterfreude auf Christi Auferstehung tun. Ein Zeichen dafür ist, dass wir immer noch hier sind!
Oben bleiben

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