Offener Brief an Kanzlerin Merkel vom 14.2.2013

Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin,

Sie haben 2010 im Bundestag erklärt, an Stuttgart 21 entscheide sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 27.3.2011 sei die Volksabstimmung über dieses Projekt. Diese Wahl führte dazu, dass die grün-rote Landesregierung hinsichtlich des Projekts eine Kostendeckelung beschlossen hat, wodurch die Finanzierung von Stuttgart 21 nun für die Bahn zum Desaster wird. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Weitsicht im Blick auf den Volksentscheid gegen Stuttgart 21 bei der Landtagswahl 2011 und ermutige Sie gleichzeitig, den Volksentscheid nun auch anzuerkennen und den Ausstieg aus diesem Projekt durchzusetzen.

Sie haben wiederholt die „schwäbische Hausfrau“ zum Paradigma der Finanzpolitik erklärt. Sie sind in dieser Hinsicht nur dann konsequent und glaubwürdig, wenn Sie nun auch insofern ernst machen mit dem Erweis der Zukunftsfähigkeit Deutschlands am Projekt Stuttgart 21 , dass dieses Großprojekt doch noch auch regierungsamtlich auf seine Rentabilität und volkswirtschaftliche Sinnhaftigkeit hin durchgerechnet werden muss, nachdem bereits seit langem die Unwirtschaftlichkeit und Unsinnigkeit dieses Projekts öffentlich gemacht worden ist. Von der „schwäbsichen Hausfrau“ lernen heißt rechnen lernen.

Mit freundlichen Grüßen

Pfr. i. R. Friedrich Gehring

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2 Antworten zu “Offener Brief an Kanzlerin Merkel vom 14.2.2013

  1. Hat der Kanzlerinberater Friedrich Gehring noch nicht gemerkt, dass die Welt des Struwwelpeter untergegangen ist? Dort hieß es:
    „Der Friederich, der Friederich, der war ein arger Wüterich !“
    „Konrad“, sprach die Frau Mama, „ich geh aus und Du bleibst da.
    Sei hübsch ordentlich und fromm, bis nach Haus ich wieder komm!
    Und vor allem, Konrad hör, lutsche nicht am Daumen mehr.“
    Meint Friederich dennoch, „Mutti“ ließe sich beeindrucken, wenn er wütet?
    Oder will er sich nur selbst beeindrucken?

  2. Lieber Karl Martell,
    obwohl Dein Kommentar eher ein Beitrag für eine Kinderstunde ist, will ich Dir ernsthaft antworten. Es gibt einen alten schwäbischen Satz: „Gehe nie zu deinem Ferscht, wenn du nicht gerufen werscht“. Diese vordemokratische Devise ist nicht zuletzt geprägt worden von der lutherischen Untertanentheologie von Röm 13 und müsste seit 1918 ersetzt sein durch die Aufforderung: „Geh, wenn’s nötig, zu deim Fürst, auch wenn du nicht gerufen wirst“. Deshalb schreibe ich – auf Anregung aus der Bewegung gegen S 21 – an die Kanzlerin, obwohl sie mich nicht dazu aufgefordert hat, ihr „Kanzlerinberater“ zu sein. Wenn Du sie „Mutti“ nennst, solltest Du bedenken, was Dirk Notheis mit dieser Fehleinschätzung sich selbst und Stefan Mappus angetan hat. Sie ist eine außerordentlich Macht bewusste Politikerin und schwenkt um, wenn sie den Verlust von Wählerstimmen fürchtet, der Atomausstieg war nur eines von mehreren Beispielen.
    Mein offener Brief an die Kanzlerin hat noch eine zweite Absicht, die aus dem Text selbst nicht erkennbar ist. Wie ich kürzlich verlässlich erfahren habe, wird unser Blog von einem medialen Begleiter unseres Landesbischofs sehr genau beobachtet. Ich wollte deshalb auch unserer Kirchenleitung ein Beispiel geben, wie die Untertanentheologie von Röm 13 überwindbar ist. Dankenswerterweise hat Gunther Leibbrand beim Parkgebet am 14.2. auf den Satz Jesu aus Lk 14,26 verwiesen: Wer sich nicht aus der Fixierung auf die Autoritäten (hier Vater und Mutter) lösen kann, kann nicht Jesu Jünger sein, denn nur wer diese Autoritätsfixierung überwunden hat, kann die Herrschenden kritisieren, wo sie dem Reich Gottes der Gerechtigkeit entgegenwirken. Vielleicht lässt sich auch unsere Kirchenleitung ermutigen, zu den Herrschenden zu gehen, ohne von ihnen gerufen zu sein.

    Mit herzlichem Gruß

    Friedrich Gehring

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