Archiv der Kategorie: # Ansprachen beim Parkgebet

Parkgebet-digital am 2.4.2020 zu Pslam 90,12 von Pf. i. R. Friedrich Gehring

(hier die Ansprache als pdf-Datei)

Liebe Freundinnen und Freunde des Parkgebets,

hier kommt das zweite Parkgebet digital mit Ansprache von Pfarrer i.R. Friedrich Gehring und von Ulriche Ebert zusammengestellter Musik.

Hier ist der Link zum ganzen Parkgebet mit allen Text- und Musikteilen:
https://c.web.de/@823176437937739474/TgbUbuceQMylXOT7OIHa7g

Ihr könnt Euch durch das Parkgebet durchklicken. Und gerne könnt Ihr bei Euren Rundmails zum Besuch des virtuellen Parkgebets einladen 😉

Und hier ist die Ansprache:

Bibeltext:„Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“.(Ps90,12)

Das Stuttgarter Kirchentagsmotto „auf dass wir klug werden“ blendete den Tod aus und nahm der Botschaft ihre gesellschaftliche Bedeutung. Mit unserem politischen Motto „Klug werden aus Stuttgart 21“ waren wir Projektgegner die Exoten. Dem lutherischen Protestantismus ist kritisches politisches Engagement fremd. Uns nicht! Wer das Leiden und Sterben Jesu bedenkt, wird den Tod
nicht mehr tabuieren, sondern kann genau hinsehen. Die Wegsehenden entgehen dem Tod nicht, sie machen alles nur noch schlimmer, bei Stuttgart 21 wie in der Coronakrise.

Bereits 2013 machte eine Bundestagsdrucksache die Coronagefahr bekannt. In der Grippesaison 2017/18 starben bei uns 25.100 Menschen, an 3 Tagen so viele wie an Corona bis Ende März. Hinsehen hätte bedeutet, genügend gute Schutzmasken für alle zu produzieren. Jetzt sind sie sogar für Pflegepersonal knapp. Die starke Verbreitung des Virus im Elsass geht auf ein Kirchentreffen zurück. Gute Masken, von dem Virologen Kekulé früh gefordert, hätten die Ansteckung besonders der Risikogruppen verhindert und Kontaktverbote ersetzt, die jetzt Existenzen ruinieren. Nach versäumter Produktion von Masken fordert Minister Strobel Nachbarnbespitzelung wie zu Blockwartszeiten und bedient die Sehnsucht nach starken Führern. Wer ihr bisheriges Wegschauen sieht, erkennt ihre Schwäche. Wir müssen aber nicht in ohnmächtiger Klage verharren. Weiterlesen

Parkgebet am 19. März 2020 von Jutta Radicke

Liebe Parkgebets-Gemeinde,

aus aktuellem Anlass steht das Leben in Stuttgart, ganz Deutschland und vielen anderen Ländern weitgehend still. Die meisten Läden haben geschlossen. Sportveranstaltungen, selbst Fußball, fallen aus. Ansammlungen von Menschen müssen vermieden werden, um die Weiterverbreitung des Corona-Virus zumindest zu verlangsamen. Das betrifft auch unser Parkgebet, das seit fast zehn Jahren regelmäßig im Mittleren Schlossgarten stattfindet.

Wir haben uns entschlossen, das Parkgebet  wenigstens in sehr eingeschränkter Form digital – weiterzuführen und heißen Sie alle dazu herzlich willkommen, auch wenn wir uns nicht von Angesicht zu Angesicht sehen können.

Momentan können wir Ihnen leider nur Text- und Tondateien zur Verfügung stellen. Wir arbeiten daran, den Internet-Auftritt auszubauen. Schön, dass Sie uns auf diesem Weg begleiten.

Herzlich, Ihr Parkgebets-Team
Stuttgart, am 19.03.2020

(hier die Ansprache als pdf-Datei)

Zu viel Zeit oder zu wenig Zeit?  Jutta Radicke am 19.03.2020

Was ist „normal“? Keine Zeit zu haben. Viel zu tun, man hetzt von einem Termin zum nächsten, weiß kaum, wie man seine Aufgaben bewältigen soll.

Die berufstätige Mutter, die ihr Kind in den Kindi bringt, nebenher noch ihren Haushalt stemmt. Der Firmenchef, der Aufträge heranschaffen muss, Schüler und Studenten, die Stress in der Schule haben und auf Klausuren lernen müssen und vieles mehr. Man hat zu viel Arbeit für zu wenig Zeit.

Das kennen auch wir, die wir uns für einen vernünftigen Bahnverkehr einsetzen, darauf hinweisen, dass Stuttgart 21 weniger Kapazität bietet als der Kopfbahnhof, dass das Brandschutzkonzept völlig untauglich ist. Wir gehen hier zu einer Demo, da zu einem Vortrag, informieren über die Gefahren von Stuttgart 21, setzen uns mit Umstieg 21 dafür ein, schon gebaute Teile des Projektes sinnvoll umzunutzen und Bestehendes auszubauen. Das ist ressourcenschonend. Uns gehen nicht die Ideen aus, wohl aber die Zeit.

Und jetzt – steht das öffentliche Leben fast still. Unis, Schulen und Kitas sind geschlossen, Kinos, Discos, die meisten Läden auch, Großveranstaltungen, selbst beim Fußball, sind verboten, die Montagsdemo gibt es nur noch im Internet.

Was ist geschehen?

Von China aus verbreitet sich ein neuer Krankheitserreger. Weiterlesen

Ansprache beim Parkgebet am 6.2.2020 zu 1. Mose 20,12 von Pf. i. R. Friedrich Gehring

Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass Du lange lebest im Lande, das Dir der Herr, dein Gott, geben wird.

Die Evangelischen unter uns haben wohl bei ihrer Konfirmation die Erklärung Luthers aufsagen müssen: „..dass wir unsere Eltern und Herren nicht verachten noch erzürnen, sondern sie in Ehren halten, ihnen dienen, gehorchen, sie lieb und wert halten“. Da kommen plötzlich zu den Eltern die Feudalherren hinzu, und es geht um Gehorsam. Das Gebot meint aber ursprünglich etwas ganz anderes: Pflegebedürftige Eltern sollen gut versorgt werden, damit die Versorgenden ihren Kinder ein Vorbild sind und später von der nächsten Generation ebenso umsorgt werden und lange leben im gelobten Land. Die Brüder Grimm erzählen von einem gebrechlichen Großvater, der Suppe verschüttet und deshalb hinter dem Ofen aus einem hölzernen Schüsselchen essen muss. Der Enkel sammelt Holz für ein Schüsselchen, aus dem die Eltern später einmal essen sollen. Darauf wird der Senior wieder an den Tisch gebeten. Das Märchen weiß besser als Luther, was das vierte Gebot meint. Luther vollzieht diese krasse Fehldeutung 1520, weil er seit 1518 im Konflikt mit Kaiser und Papst auf seinen Landesherren angewiesen ist und bei ihm gut Wetter machen muss. Im Bauernkrieg ergreift Luther Partei für die Feudalherren, seine Reformation wird endgültig zur Untertanenreligion.

Luther konnte sich für diese Untertanenreligion auf Römer 13 berufen: „Seid untertan der Obrigkeit, die Gewalt über euch hat, denn sie ist von Gott eingesetzt“. Diese Vergottung menschlicher Gewalt passt sprachlich nicht zu Paulus, wirkt im Zusammenhangs des Briefs sachlich als Einschub und ist vermutlich etwa 100 Jahre nach Paulus von fremder Hand eingefügt worden. Auch wenn das zu Luthers Zeiten noch nicht so genau unterschieden wurde, so hätte Luther doch den heftigen Gegensatz zur Position Jesu erkennen müssen. Jesus nimmt den Mächtigen seiner Zeit gegenüber kein Blatt vor den Mund, er sagt: „Ihr wisst, dass die weltlichen Fürsten ihre Völker nieder halten, und ihre Mächtigen missbrauchen ihre Macht. Aber so soll es nicht sein unter euch; sondern wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht“ (Mk 10,42-44). Das griechische Wort für „Macht missbrauchen“ kommt nur im Neuen Testament vor, es fehlt im profanen Griechisch. Es ist eine christliche Spezialität. Das hätte Luther bemerken müssen, als er das Neue Testament übersetzte.

Es wird Zeit, dass wir die Fehlentwicklung des Christentum zur Untertanenreligion, angefangen von Römer 13 über die Konstantinische Wende bis hin zu zu Luther rückgängig machen und unsere Kirche zu einer Gemeinschaft wahrhaft freier Christenmenschen umgestalten. Wir müssen mit Jesus den militärischen, politischen und wirtschaftlichen Machtmissbrauch beim Namen nennen. Wie in neutestamentlicher Zeit muss die Kritik des Machtmissbrauchs zum Erkennungsmerkmal der christlichen Kirchen werden. Wir dürfen nicht müde werden, von den Herrschenden den Dienst an der Allgemeinheit zu fordern. Nur dazu gibt der barmherzige Gott ihnen die Macht. Die Alten zu ehren ist so etwas wie die Nagelprobe darauf, ob der Allgemeinheit gedient wird oder nicht.

Gerade an dieser Frage haben sich die Macher von Stuttgart 21 früh entlarvt. Unter den Senioren nehmen natürlicherweise Einschränkungen der Mobilität zu. Wir Gegner haben früh auf die drangvolle Enge in er unterirdischen schrägen Haltestelle hingewiesen. Im Katastrophenfall entstehen besondere Gefahren für mobilitätseingeschränkte Reisende. Technikvorstand Kefer brachte dazu den zynischen Vorschlag, man werde durch Lautsprecherdurchsagen die mobileren Reisenden dazu aufrufen, sich um die weniger mobilen zu kümmern. Die himmelschreiende menschenverachtende Planung hätte nicht deutlicher zum Ausdruck kommen können. Denn wie das Bergbahnunglück in Kaprun erwies und wie verschiedene Zugbrände der jüngeren Vergangenheit zeigen, werden sich auch die mobileren Reisenden im Brandfall nicht mehr retten können. Schon allein dieser Aspekt von S 21 verrät, dass hier nicht an den Dienst an der Allgemeinheit gedacht, sondern Macht missbraucht wird. Christen in der Nachfolge Jesu können dazu nicht schweigen, sondern müssen immer wieder den Finger in die Wunde legen.
Im Jahr 2014 reichte ich deshalb eine Fachaufsichtsbeschwerde gegen das Eisenbahnbundesamt ein wegen der Baugenehmigung trotz ungeklärtem Katastrophenschutz. Verkehrsminister Dobrindt ließ mir antworten, man werde den Katastrophenschutz im Rahmen der Inbetriebnahme berücksichtigen, als ob es die Berliner Flughafenprobleme nie gegeben hätte. Man nimmt also wissentlich in Kauf, dass das Milliardenprojekt zwar gebaut, aber nie in Betrieb gehen wird. Für den BER sucht man jetzt, etwa zehn Jahre nach der geplanten Eröffnung, 20.000 Komparsen für eine probeweise Inbetriebnahme. Das lässt sich auf S 21 hochrechnen. Selbst wenn die Fertigstellung bis 2026 gelänge, könnte es bis zur Inbetriebnahme noch weitere Jahre dauern. Die Stuttgarter haben dasselbe Recht wie die Berliner, Probeläufe mit Komparsen zu fordern. Dabei muss heraus kommen, was von den Ingenieuren schon vor Baubeginn mit dem Engpassmodell vor geführt wurde. Die Haltestelle ist nicht für einen wachsenden Bahnverkehr, sondern für mehr Baugelände konzipiert. Die Konsequenz muss sein, dass die engen Bahnsteige im Betrieb etwa nur einseitig mit Zügen belegt werden dürfen und der Kopfbahnhof bleiben muss.Wenn die Inbetriebnahme sich immer mehr verzögert, kann der Deutschlandtakt schon vorher im Kopfbahnhof vorgeführt werden, damit alle Welt erleben kann: S 21 wird dazu gar nicht benötigt. Der Kopfbahnhof kann, was die schräge Haltestelle nie können wird. Dann könnte es gehen wie beim Kernkraftwerk Kalkar, das ab 1970 für Milliarden gebaut wurde, aber auf Beschluss von 1991 nie in Betrieb ging. Heute ist das dortige Gelände ein Vergnügungspark. S 21 mit seinen schönen Kelchen kann Konsumtempel werden. Dafür ist das Ding geeignet. Genügend Investoren werden bereit sein, das Schnäppchen zu machen. Einst hatte der anhaltende Widerstand gegen den schnellen Brüter Erfolg, weil die Betreiber schließlich doch die Risiken dieser Technik nach Tschernobyl nicht mehr leugnen und deshalb auch selbst nicht mehr tragen konnten. Warum soll das nicht auch bei S 21 passieren?

Wir wollen deshalb nicht müde werden, die Risiken von S 21 ständig neu bewusst zu machen. Ein Auschwitz Überlebender sagte anlässlich der 75-jährigen Wiederkehr der Befreiung von Auschwitz-Birkenau, es müsse als 11. Gebot eingeführt werden, du sollst nicht gleichgültig sein, denn das Schweigen diene der Gewalt. Wir werden zum Machtmissbrauch nicht schweigen. Amen.

Anhang:

Aus dem Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur vom 11.03.2014:

„Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens werden, soweit es für das Verfahren selbst relevant ist, selbstverständlich die anerkannten Regeln der Technik berücksichtigt … . … zu beachten ist die EBA-Tunnelrichtlinie, die von Fachleuten aus den Bundesländern, der Deutschen Bahn AG, des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen und des Eisenbahn-Bundesamts erarbeitet wurde und Anforderungen des Brand- und Katastrophenschutzes an Planung, Bau und Betrieb von Schienenwegen nach dem Allgemeinen Eisanbahngesetz (AEG) enthält.

Soweit diese Regeln noch nicht im Rahmen der Planfeststellung Berücksichtigung finden konnten, ist deren Einhaltung über das Verfahren zur Inbetriebnahme einer neu erstellen Eisenbahninfrastruktur gewährleistet. … Insofern kann ich keinen Verstoß gegen den von Ihnen zitierten § 315a Abs. 1 Nr. 2 StGB erkennen. Die von Ihnen vorgebrachte Fachaufsichtsbeschwerde muss ich insofern zurückweisen.“

§ 315a Abs. 1 Nr. 2 StGB
„Mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren wird bestraft, wer … als … für die Sicherheit Verantwortlicher durch grob pflichtwidriges Verhalten gegen Rechtsvorschriften zur Sicherung des Schienenbahn- … verkehrs verstößt und dadurch Leib und Leben eines anderen … gefährdet.“

Ansprache beim Parkgebet am 23.1.2020 zu Lk 19,26 von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Jedem, der hat, wird gegeben werden; dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat.

Dieser Satz ist uns von Jesus überliefert im Gleichnis von den anvertrauten Pfunden: Ein reicher Mann gibt seinen Knechten Geld, damit sie in seiner Abwesenheit dieses Geld für ihn vermehren. Die viel anvertraut bekommen, machen einen guten Job, der am wenigsten bekommen hat, lässt das Geld liegen, ohne mehr daraus zu machen. Die angeblich guten Verwalter bekommen schließlich noch mehr anvertraut, dem schlechten Verwalter wird das zunächst anvertraute wieder weg genommen. So machen es noch heute reiche Anleger.

Bei Matthäus wird das Gleichnis moralisierend verwendet: Der unnütze Knecht wird verstoßen, denn er hat sich wenig bemüht, seinem Herrn zu dienen. Christen sollen sich bemühen, aus dem, was Gott ihnen anvertraut hat, möglichst viel zu machen. Bei Lukas wird der wohl ursprüngliche Sinn des Gleichnisses aus dem Mund Jesu deutlich. Jesus erzählt das Gleichnis, weil seine Jünger meinen, das Reich Gottes werde mit dem Einzug Jesu in Jerusalem sofort anbrechen. Das Gleichnis hat deshalb im Munde Jesu eine desillusionierende Funktion: So funktioniert die Welt der wirtschaftlich Mächtigen. Es wird nicht so ganz einfach sein, sie zu bekehren, wie bei Zachäus, von dem Lukas unmittelbar vor diesem Gleichnis berichtet. Der Reiche im Gleichnis ist bei Jesus nicht der barmherzige Gott, sondern ein Vertreter seines Gegenspielers, des Götzen Mammon, der zerstörerischen Gier des Kapitals.

Es gehört zur Tragik der Kirchengeschichte, dass die ursprüngliche Kapitalismuskritik Jesu durch moralisierende Kritik an den kleinen Leuten überlagert wurde. Auch der Reformator Luther hat sich früh auf die Seite der Herren geschlagen und die geschundenen versklavten Bauern im Stich gelassen. So wurde auch die ausgebeutete Arbeiterschaft im 19. Jahrhundert von den lutherischen Kirchen in ihrem Elend allein gelassen ebenso wie Sozialdemokraten und Kommunisten, als Hitler diese im 20. Jahrhundert verfolgte. So schwieg auch unsere württembergische lutherische Landeskirche, als die Gegner von Stuttgart 21 bei ihrem friedlichen Protest am schwarzen Donnerstag die rohe Gewalt der Staatsmacht traf, die sich auf die Seite der wirtschaftlich mächtigen Mammonsjünger schlug. In der neuesten Ausgabe der Predigttexte unserer Kirche wird das Gleichnis von den anvertrauen Pfunden bei Matthäus gegen den Urtext zum Reichsgottesgleichnis gemacht. Der treue Dienst gegenüber dem Ausbeuter soll Urbild des Reiches des barmherzigen Gottes sein, eine totale Verdrehung der Botschaft Jesu.

Es ist höchste Zeit, dass wir den Satz Jesu wieder als Satz des Protests verstehen lernen: Jedem, der hat, wird gegeben werden; dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen werden, was er hat. Erich Kästner bringt den Protest zum Ausdruck in seinem Weihnachtsgedicht: „Morgen, KInder, wird’s nichts geben, nur, wer hat, kriegt was geschenkt.“ Die allein erziehende Hartz IV-Empfängerin, die ständig ihre Bedürftigkeit nachweisen muss, wird gezwungen, über die erneuerbare Energien-Abgabe auf ihrer Stromrechnung Aluminiumkonzerne zu subventionieren, die ohne Prüfung ihrer Bedürftigkeit von der Abgabe befreit sind. Sie wird sanktioniert, wenn sie einen Termin versäumt, megareiche Anleger durften durch ihre Lobbyisten Schlupflöcher in Gesetze schreiben lassen, damit sie durch hütchenspielerisches Verschieben von Aktien jahrelang in Milliardenhöhe Steuern zurückfordern konnten, die sie nie bezahlt hatten. Erst nach vielen Jahren kommen nun Ermittlungen und Gerichtsurteile zustande, die diese cum-cum- und cum-ex-Geschäfte kriminalisieren. Gleichzeitig bekommen Kleingewerbetreibende penible Betriebsprüfungen und sinnlose Kassenbons für Brötchen sollen Steuerhinterziehung in Bäckereien verhindern. Während bei Hartz IV verfassungswidrig bis in die Obdachlosigkeit sanktioniert werden konnte, wurden den Tunnelbohrern bei S 21 sinnlose Milliardenaufträge in den Rachen geworfen. Die reiche Bahn soll 85 Mrd. Steuergelder der kleinen Leute sowie von Kunden bekommen, um pünktlich zu werden. Sie sollte besser dieses Geld durch Verkauf ihrer weltweiten Tochterfirmen flüssig machen, die sie durch Sparen am Bahnverkehr gekauft hat und die irrsinniger Weise die Hälfte ihres Geschäfts ausmachen. In einer Kirche Jesu müsste es ständig Aufschreie des Protestes geben.

Deshalb stehen wir auch als kleiner Kreis immer noch hier regelmäßig im Schlossgarten und gleichen aus, was unsere Kirchenleitung und ein großer Teil der Pfarrerinnen und Pfarrer versäumt. Wir wollen uns nicht entmutigen lassen. Auch die Friedensgebetsgruppe in der Leipziger Nicolaikirche war zeitweise eine Gruppe von 6 Menschen, wobei einer von der Stasi war. Auch wir gelten als ähnlich gefährlich, denn wir stehen unter der Beobachtung des Verfassungsschutzes. Dieser schützt aber weniger das Grundgesetz als vielmehr die ungeschriebene kapitalistische Verfassung. Diese nennt Jesus beim Namen: Den Reichen ist zu geben, den Armen wird genommen. Diese heimliche ungeschriebene Verfassung hat unser Land erobert spätestens mit der Machtergreifung des globalen Neoliberalismus nach dem Ende des kalten Kriegs.

Aber was begonnen hat, kann auch wieder beendet werden. Die SPD könnte begriffen haben, dass sie sich mit ihrer Neoliberalisierung das eigene Grab geschaufelt hat. Zumindest die Parteibasis scheint dies bei der Wahl der Vorsitzenden bemerkt zu haben. Auch die Wählerverluste der Union zeigen, dass immer mehr Menschen der neoliberalen Ideologie überdrüssig werden. In Berlin kommt ein wirksamer Mietendeckel gegen neoliberalen Wucher. In Thüringen ist der Mut zu einer linken Minderheitsregierung gewachsen. Diese zwingt bei der ständig neuen Suche nach Mehrheiten auch die AfD, konkret Farbe zu bekennen und ihren ultraneoliberalen Kurs zu offenbaren. Dabei wird ihr ihr die Maske der scheinbaren Menschenfreundlichkeit vom Gesicht fallen und die abgehängten AfD-Sympathisanten werden erkennen, dass sie mit der AfD vom Regen in die Traufe kommen. Insbesondere das neoliberale Pilotprojekt S 21 wird dazu beitragen, durch seine vielen Unsinnigkeiten den Unmut über die neoliberale Politik zu verstärken. Die Kanzlerin hat S 21 als Erkennungsmerkmal einer erfolgreichen Zukunft Deutschlands ausgerufen, es muss ihr lebenslang um die Ohren fliegen als Symbol für neoliberalen Irrsinn.

Unser Herr Jesus Christus schenke uns die Ausdauer, die heimliche ungeschriebene neoliberale Verfassung immer wieder ans Licht zu zerren, damit Barmherzigkeit die Massen ergreift und der Lobgesang der Maria wahr wird: Den Ausbeutern wird wieder genommen, was sie den Armen geraubt haben, und es wird den Armen wieder zurück gegeben. Amen.

Ansprache beim Parkgebet am 5.12.2019 zu Joh 12,13-14 von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Sie nahmen Palmzweige, zogen Jesus entgegen und riefen: „Hosianna, gepriesen sei, der da kommt im Namen des Herrn“, der König von Israel. Jesus aber fand einen jungen Esel und setzte sich darauf, wie geschrieben seht: „Fürchte dich nicht, Tochter Zion! Siehe, dein König kommt, reitend auf einem jungen Esel“

Im Advent erinnern wir uns an den Einzug Jesu in Jerusalem. Das Volk schreit seine Hoffnung laut hinaus und streut Palmzweige wie bei der Heimkehr eines siegreichen Feldherrn. Doch Jesus zeigt mit einer ebenso deutlichen Geste, dass er keinen militärischen Aufstand anführen wird gegen die römischen Besatzer. Feldherrn kommen auf Pferden daher, Jesus auf einem jungen schwachen Esel. Jesus empfiehlt einen anderen Umgang mit den römischen Feinden als die militaristischen Heißsporne seiner Zeit. Er predigt und lebt den gewaltfreien zivilen Widerstand durch Boykott des römischen Geldes, das wegen des kaiserlichen Götzenbilds darauf für Juden tabu ist (Mk 12,13-17; /2. Mose 20, 3-4). Dieser Boykott hätte freilich zu einem bescheidenen Leben gezwungen. Heute nennt man das einen kleinen ökologischen Fußabdruck. Was bedeutet das für uns?

Die Weltmacht USA hat heute die Stellung der damaligen Weltmacht Rom. Der Dollar als Weltwährung gibt den USA die Möglichkeit, sich beliebig zu verschulden und neues Geld zu drucken. Wer mit dem Gedanken spielt, den Dollar zu boykottieren und etwa den Euro zur Leitwährung zu machen, dem ergeht es wie Saddam Hussein. Er war einst guter Freund der USA gegen den Erzfeind Iran, obwohl er seine eigene Bevölkerung gelegentlich mit Giftgas mordete. Als er für sein Öl nicht mehr Dollar, sondern Euro haben wollte, wurde er zum US-Feind und mit einem verlogenen Krieg überzogen. Als er gefangen genommen war, bekam er in einem kurzen Prozess die Todesstrafe, damit seine verbrecherische Kumpanei mit den USA nicht bekannt wurde.

Wenn Deutschland heute zu wenig in den USA kauft, folgen Strafzölle auf deutsche Exporte in die USA für diesen unerlaubten Boykott. Gleichzeitig werden von uns mehr Militärausgaben verlangt, um als treue Vasallen dem US-Feudalherren in seinen verlogenen Kriegen um Öl oder andere Rohstoffe beizustehen. Ministerin Kramp-Karrenbauer gibt die treue Vasallin und propagiert eine deutsche Rüstungsindustrie sowie mehr so genannte Verantwortung, d.h. mehr militärische Vasallentreue gegenüber Kaiser Trump. Vergessen scheint der Eselritt Jesu, das C passt tatsächlich nicht mehr zur Leuchtschrift auf der Berliner CDU-Zentrale.

Von einer Partei, die sich christlich nennt, ist zuallererst zu erwarten, dass sie die Atomwaffen aus Büchel ersatzlos wegschaffen lässt, sich in der Nato nur noch an nicht militärischer Konfliktlösung beteiligt und die Bundeswehr zu einer zivilen, allenfalls polizeilichen Entwicklungshilfeorganisation umgestaltet. Ein solcher Umgestaltungsplan ist in der badischen Landeskirche entworfen worden. Im Konflikt zwischen den USA und dem Iran um atomare Bewaffnung muss Deutschland gegen das US-Verbot weiter den Handel mit dem Iran aufrechterhalten, auch wenn die USA deshalb deutsche Firmen beim Handel bestraft. Wie einst zur Zeit Jesu muss beim gewaltfreien zivilen Widerstand ein kleinerer ökologischer Fußabdruck in Kauf genommen werden. Dem Klima wird dies gut tun. Und wir werden die Verheißung Jesu erfahren, dass weniges zu teilen glücklicher macht als vieles zu raffen (Mk 6,30-44).

Ein Konsumboykott im Sinne Jesu kann auch die Konzernherren entmachten, die in der Pyramide der Macht noch über dem plumpen Kaiser Trump stehen. Sie dürfen durch ihre Lobbyisten die Gesetze so schreiben lassen, dass für sie der optimale Profit entsteht. Durch Handelsverträge wie Ceta mit dubiosen Schiedsgerichten wird ihnen ermöglicht, von uns Steuer Zahlenden zusätzlichen Profit zu holen, falls ein Gesetz doch ihre Geschäfte beschneiden sollte. Sie dürfen das alles, weil ihnen in neoliberaler Verblendung die messianische Kompetenz zuerkannt wird, für ständig wachsenden allgemeinen Wohlstand zu sorgen. Wenn wir aber massenhaft mit weniger glücklicher werden, verlieren die mammonshörigen Konzernlenker ihre Macht und die Maske der Wohltäter, weil sie trotz immer mehr digitaler Werbung keinen weiteren sinnlosen Konsum erreichen.
Solche Konsequenzen aus dem Eselritt und dem zivilen Widerstand Jesu haben auch Bedeutung für den Kampf gegen das zerstörerische Unsinnsprojekt Stuttgart 21. Winfried Wolf hat immer wieder akribisch nachgewiesen, wie Autokonzernlenker das Projekt S 21 forciert haben, weil schlechterer Bahnverkehrs angeblich die Autobranche stärkt, die scheinbar für unseren Wohlstand sorgt. Aber in Wirklichkeit macht diese autogerechte Verkehrspolitik mehr Staus und schlechtere Luft. Die jüngere Generation zieht die Konsequenzen: Sie boykottiert zunehmend das Auto, es ist nicht mehr Statussymbol, in der Stadt wird es zum Klotz am Bein, auch das E-Auto. Die SUV-Begeisterung wird mit den älteren SUV-Fans aussterben. Wenn die Auto-Region Stuttgart nicht das Schicksal von Detroit erleiden soll, dann müssen die Autokonzerne und ihre Zulieferer neben den Autos neue Produkte entwickeln, die die Welt wirklich braucht, etwa Bewässerungsanlagen für Dürregebiete, die mit erneuerbaren Energien funktionieren. Statt mit autonomem Fahren für wenige megareiche Kunden muss die Autobranche ihr Geld künftig verdienen etwa mit alternativer Energiegewinnung.

Anders als zur Zeit Jesu können wir solches Umdenken heute nicht nur durch Konsumboykott fördern, sondern auch bei Wahlen. Die neoliberal verblendete große Koalition hat dies bezüglich ja schon einiges Fett ab bekommen. Durch die mutige Wahl der SPD-Basis kann die SPD wieder sozialdemokratisch werden aus der Groko aussteigen und linke Bündnisse suchen. Das deutsche Problem ist freilich, dass aus traditioneller Linkenangst neoliberal Geschädigte nicht selten rechts wählen statt links. Die Thüringer haben nun ein hilfreiches Zeichen gesetzt: Links kann vernünftig regieren. Der rechten Wählerschaft ist nun geduldig zu vermitteln, dass die AfD zwar schreit „Merkel muss weg“, aber dann die neoliberale Politik der Kanzlerin extrem verschärft, wenn sie etwa die Abschaffung der Erbschaftssteuer fordert. Auch wenn es derzeit nicht nach dem Umstieg 21 aussieht, wir müssen unsere Hoffnung nicht aufgeben, dass die Mehrheit im Land der neoliberalen Politik überdrüssig wird, gerade am Beispiel S 21, und bei Wahlen umsteigt. Amen.

Ansprache beim Parkgebet am 21.11.2019 von Pfarrer i.R. Martin Poguntke

(hier als pdf-Datei)

Parkgebet am 21.11.2019, Jeremia 32,27

Liebe Parkgebetsgemeinde,

die Zerstörungen durch S21 werden immer größer, die Skandale dahinter werden immer empörender, der Baufortschritt geht immer weiter voran. Und wir demonstrieren und warnen, wir argumentieren und gehen vor Gericht – aber es wendet sich nichts zum Besseren. Wer soll das aushalten? Ein Wunder, wie viele überhaupt von uns immer noch nicht aufgegeben haben, sondern Woche für Woche dabeibleiben!

Dabeibleiben – vielleicht auch trotz des heimlich nagenden Glaubens-Zweifels. Des Zweifels, wieso Gott nicht dreinschlägt und endlich dem ganzen S21-Treiben den Garaus macht. Wieso lässt Gott das alles – und das viele andere weltweite Elend – zu?

Manche von Ihnen nicken wahrscheinlich innerlich und sagen: Ja, ja, die Theodizeefrage, sie lässt einen einfach nicht los. Theos, griechisch: Gott; dikee, griechisch: Gerechtigkeit. Wie können wir von einem gerechten Gott reden, wenn er doch so viel Ungerechtigkeit zulässt?

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Ansprache beim Parkgebet am 10.10.19 zu Mk 12,14-17 von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Sie kommen und sagen zu ihm: … Ist es erlaubt, dem Kaiser Steuer zu geben, oder nicht? Sollen wir sie geben oder nicht geben? … Er sprach zu ihnen: … Bringet mir einen Denar, damit ich ihn sehe! Da brachten sie einen. Und er sagte zu ihnen: Wessen ist dieses Bild und die Aufschrift? Sie antworteten ihm: Des Kaisers. Da sprach Jesus zu ihnen: Gebet dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist!

Diese Antwort Jesu wird traditionell so verstanden, dass die Juden dem Kaiser Steuern schuldig sind, weil ja auch sein Bild und Name draufsteht. Dies ist aber ein krasses Missverständnis. Jeder fromme Jude hat damals genau verstanden, warum Jesus sich das Bild auf der Münze zeigen lässt: Der Kaiser will als Gott verehrt werden, Juden dürfen aber nach dem 1. und 2. Gebot Moses (2. Mose 20, 3-4) keinen anderen Gott verehren und keine Götzenbilder haben. Das bedeutet: Die Fragenden dürfen das Kaisergeld gar nicht benutzen. Im Tempel hat man daraus die Konsequenz gezogen: Die Wechsler mussten römisches in jüdisches Geld wechseln, sonst wären die gekauften Opfertiere nicht koscher gewesen (Mk 11,15-18). Jesus gebietet also den Boykott des Kaisergelds.

Das hätte zweierlei Wirkung gehabt: Der Kaiser hätte schwerer Steuern einziehen können. Auf jüdisches Steuergeld sich einzulassen hätte den Verlust seiner Göttlichkeit bedeutet, so wären nur noch Natuaralabgaben zu nehmen gewesen. Umgekehrt hätten die Juden mit ihrem Geld eine weiche Währung gehabt, mit der sie römische Waren, vor allem Luxus, kaum hätten kaufen können. Eine gewisse Leidensfähigkeit wäre für die begüterten Juden bei dem Boykott nötig gewesen. Aber der Boykott hätte als ziviler Ungehorsam gewirkt, ungefährlicher als ein militärischer Aufstand.

Ich habe diesen Text ausgewählt, weil vor zwei Wochen im Ev. Gemeindeblatt für Württemberg von Martin Luther King berichtet wurde, er habe die Gewaltfreiheit von Jesus und den zivilen Ungehorsam von Gandhi übernommen. Warum weiß auch jemand wie King nichts mehr vom zivilen Widerstand Jesu? Der Grund ist: Schon bei Paulus (Röm 13,1-7) heißt es, alle Herrscher seien von Gott eingesetzt. Erst recht als das Chrsitentum Staatsreligion wurde, war ein Gegensatz zwischen der weltlichen Herrschaft und Gott nicht mehr denkbar. Unser Reformator Luther bezog sich ganz einseitig auf Paulus, obwohl er hätte davon wissen können, dass Jesus den weltlichen Herrschern Machtmissbrauch vorwirft und stattdessen eine Kultur des Dienens fordert (Mk 10,42-44). So ist das Chrsitentum insgesamt und speziell unsere lutherische Kirche zu einer Kirche der Untertanen verkommen, in der ein Aufmucken gegen Herrscher Gotteslästerung bedeutet hat.

Deshalb gab es von Seiten der Kirchen leitenden Personen rund um Stuttgart keinen Widerstand gegen das Projekt Stuttgart 21. Es gilt: Die Kirche soll sich aus der Politik heraushalten. Das habe ich zu hören bekommen, seit ich vor 50 Jahren in den Kirchendienst getreten bin. Die das forderten, haben dabei verdrängt, dass die Kirchen, speziell die lutherischen, von Anfang an von politischen Rücksichten geprägt und deshalb hoch politisch waren. Die württembergischen Herzöge und Könige waren bis 1918 unsere Landesbischöfe. Der Kadavergehorsam gegen die Herrscher bestand weiter und auch die bekennende Kirche verehrte Hitler als von Gott gesandten Führer, um mit ihm in den Vernichtungskrieg zu ziehen und das Leben für Gott und Vaterland zu lassen.

Es wird höchste Zeit, dass wir uns wieder an Jesus orientieren und an seiner aktiven Kritik am Machtmissbrauch der Mächtigen. Dies wird unsere Augen öffnen für das, was um uns herum wirklich geschieht. Die wahrhaft Mächtigen sind die Konzernherren, die durch ihre Lobbyisten die Gesetze schreiben dürfen, weil das Heil der Arbeitsplätze und des Wohlstands angeblich von ihnen kommt. Dieser neoliberale Aberglaube in weiten Teilen der Bevölkerung macht sie so mächtig. Je mehr Menschen sich von diesem Aberglauben abwenden, wird ihre Macht schwinden. Ein Anfang sind Sammelklagen gegen Autokonzerne in Sachen Dieselbetrug. Das wird nicht reichen.Es kommt darauf an, dass wir die gewisse Leidensfähigeit aufbringen, um uns von dem verschwenderischen Lebensstil zu trennen, der den Klimawandel verschärft. Es braucht wirksamen Konsumboykott.
Wir können hoffen, dass die Bewegung Fridays for future einen wachsenden Teil der Bevölkerung auf diesem Weg mitnimmt, damit immer mehr sich darauf besinnen, was wir wirklich brauchen und was nicht.

Ein exemplarisches besonders heftiges Beispiel für Verschwendung ist das Projekt S 21. Die Kanzlerin erklärte in ihrer neoliberalen Verblendung diesen Unsinn als Schlüsselprojekt für die Zukunft Deutschlands. Sie wird wohl noch erleben müssen, dass es das Schlüsselprojekt für die Entzauberung des Neoliberalismus wird. Die unbelehrbare Starrköpfigkeit der Befürworter geht derzeit immer schmerzhafter ans Geld. Und das Sprichwort sagt ja: Beim Geld hört der Spaß auf. Der neoliberale Aberglaube an unbegrenztes Wachstum und immer mehr Wohlstand durch immer mehr Verschwendung kommt speziell bei S 21 zunehmend ins Wanken. Seriöse Institutionen wie der Bundesrechnungshof und der Rechnungsprüfungsausschuss des Bundestags werden immer lauter und sind immer schwerer zu überhören. Die Leistungslügen bekommen ständig kürzere Beine. Die Verzögerungen werden immer offensichtlicher. Selbst wenn die schräge Untergrundhaltestelle jemals in Betrieb ginge, so würde sie ein bleibendes Mahnmal gegen den Aberglauben des Neoliberalismus zur Warnung für künftige Generationen. Auch das Kernkraftwerk Kalkar wurde für Milliarden fertiggestellt, ging aber nie in Betrieb.

Deshalb ist es wichtig, dass wir nicht nachlassen, die Finger in die Wunden zu legen und den Leidensdruck bei den Befürwortern zu erhöhen. Das klingt hart, aber auch bei uneinsichtigen Alkoholsüchtigen muss gelegentlich der Leidensdruck erhöht werden, damit sich die Süchtigen in ihrem eigenen Interesse zu einer Umkehr motiviert fühlen. Auch die zerstörerische neoliberale Gier hat Suchtcharakter. Es gilt deshalb, mit gewaltfreiem zivilem Widerstand in der Nachfolge Jesu diese Gier als zerstörerische Krankheit bewusst zu machen, die verlogenen Heilsversprechen zu entlarven und zu entzaubern und die heilsame Umkehr anzubieten. Es ist immer noch nicht zu spät für einen Umstieg 21. Amen.