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Wasser-Gottesdienst am Sonntag, 23.9.2012, 11 Uhr

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Herzliche Einladung zu diesem Gottesdienst zum Abschluss der
„Cannstatter Wassertage“

Liturgie:
TheologInnen und Theologen der Initiative „TheologInnen gegen S21“

Predigt:  Pfarrer i.R. Friedrich Gehring
„…die lebendige Quelle verlassen sie und machen sich Zisternen,
die doch rissig sind
und kein Wasser geben.“ (Prophet Jeremia 2,13)

Musikalische Gestaltung:
Bläsergruppe „Parkblech“
Elly Grünert (Orgel)

Wo?
auf der Neckaraue in Bad Cannstatt
(zwischen Wilhelmsbrücke und Mühlsteg, Nähe „Theaterschiff“)

Am besten zu erreichen von Haltestellen:
„Rosensteinbrücke“ (U13/U14): 6 Min. oder
„Bad Cannstatt“ (U1/U2/S1/S2/S3): 13 Min.

oder mit Auto: Parkhaus Mühlgrün: Überkinger/Brunnenstr.

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„Suchet der Stadt Bestes“ – Fritz Röhm

Liebe Menschen, die sich für den Erhalt des Kopfbahnhofs einsetzen!

„Suchet der Stadt Bestes!“
Dieser Ruf des Propheten Jeremia müsste Maßstab sein für eine Partei, die sich christlich nennt, die nicht verstehen will, warum wir hier sind und protestieren, und für Volksvertreter, die sich dem Wohle des Volkes verpflichten.

Das Tiefbahnhofprojekt, die Konzeption, die Risiken, die Heimlichtuerei:
Das ist nicht das Beste für die Stadt.

Hört auf das Volk! Sucht den Dialog! Geht endlich ein auf die Warnungen vieler Experten!

Ein Wort zu mir:
Ich bin Industriekaufmann. In der Evangelischen Kirche habe ich mich ehrenamtlich in vielen Bereichen engagiert. Ich spreche jedoch nicht für die Evangelische Landeskirche und nicht für die Evangelische Vereinigung Offene Kirche, sondern ich sage meine Überzeugung.

Wovon ich überzeugt bin.

Ich bin überzeugt:
Mit dem Bahnhofsprojekt Stuttgart21 droht eine massive Verschlechterung des Bahnbetriebs. Die Risiken – die finanziellen, technischen, konzeptionellen – sind so gravierend. Es ist unverantwortlich, sie einfach beiseite zu wischen.

Ich bin überzeugt:
Das Projekt Stuttgart21 führt zu einer beispiellosen Steuergeldverschwendung. Ich bin entsetzt, dass die Verantwortlichen die Kosten schon nicht mehr rechtfertigen, sondern den Neid im Land schüren.
Das Geld fließe in andere Landesteile, wenn es nicht für Stuttgart 21 ausgegeben werde – so Ministerin Gönner im SWR. Stuttgart21 sei ein Geschenk für Stuttgart, es werde aus anderen Quellen finanziert – so Bahnchef Grube. Das sind die letzten und hilflosesten Argumente, egoistisch und zynisch. Von Solidarität für das Gemeinwohl keine Spur. Wir wollen kein vergiftetes Geschenk, wir wollen den versprochenen Dialog, Herr Grube!
Von wegen Geschenk: Das Umgekehrte ist richtig. Stuttgart machte der Bahn ein Geschenk, kaufte der Bahn schon 2002 das Gleisfeld ab und verzichtete auf die Verzinsung dieser Vorauszahlung – zusammen rund 750 Millionen Euro. Und das alles nur, um das unsichere Bahnprojekt wieder auf die Schiene zu setzen. Immobilienprojekt nennt man das.

Ich bin überzeugt:
Der Widerstand kommt nicht zu spät. Von Anfang an wurde Widerspruch erhoben, aber nie aufgegriffen. Friederike Groß traf mit ihrer Karikatur in der Stuttgarter Zeitung schon 1996 den Nagel auf den Kopf, als sie das S21-Planungskomitee kommentierte mit: Mauschel, Tuschel, Zischel.
So erzeugt man Widerstand.

MAUSCHEL – TUSCHEL – ZISCHEL

Wie schön, ein Visionär zu sein,
im ruhigen, stillen Kämmerlein.
Doch könnt es nützen manchem Plan,
ließ man auch mal die Bürger ran.

Friederike Groß – Stuttgarter Zeitung, 16.03.1996

Wogegen ich Einspruch erhebe:
Ich erhebe Einspruch –
gegen die Unterstellung, der Widerstand sei ein Ergebnis des Zeitgeistes. Zitat Stuttgarter Zeitung vom 14. September, Reportage von Michael Ohnewald: „Verändert hat sich der Zeitgeist. Vorbei sind die Zeiten des Zutrauens. Dafürsein ist nicht mehr so sexy.“ Das verwechselt Ursache und Wirkung. Ich lasse meine Erkenntnisse und meine Überzeugung von Stuttgart21 nicht auf den Zeitgeist reduzieren.

Ich erhebe Einspruch –
gegen das Schüren von Angst. Noch einmal Zitat Ohnewald, er meint: „Die Umkehr von Stuttgart21 hätte weitreichende Folgen. Mit dem Ende des Verkehrsprojektes würde es auf Jahre keine Entwicklung mehr auf der Stuttgarter Schiene geben, weil es keinen bewilligten Plan B gibt.“ Zitat Ende. Nein, Herr Ohnewald, und Nein, Stuttgarter Zeitung! Ein intelligenter Kopfbahnhof ist die Zukunft. Die Alternative liegt vor. Die Alternative:
Es ist unentschuldbar, dass die Alternative K21 nicht aufgegriffen wurde. Angesichts der Dimension des Megaprojektes und der offenen Fragen ist es sträflich, diese Alternative nicht ernsthaft zu prüfen.

Ich bin überzeugt:
Das Konzept des Stuttgarter Kopfbahnhofs hat einen unschlagbaren Vorteil und Stuttgart21 hat den entscheidenden Nachteil, nämlich beim Integrierten Taktfahrplan ITF. Jedem geht ein Licht auf, wenn er sich den Film darüber ansieht auf der Internetseite Kopfbahnhof-21. Es ist einfach toll, wie am Stuttgarter Hauptbahnhof die Züge aus ganz Baden-Württemberg hinein und heraus fahren, über- und untereinander und dann Anschluss haben über 16 Gleise hinweg – und das im Halbstundentakt. (www.kopfbahnhof-21.de / Ja zum Kopfbahnhof )
Das dreistöckige Tunnelgebirge mit kreuzungsfreiem Zulauf auf 16 Gleise ist eine Meisterleistung der Bahningenieure, rund 100 Jahre alt, heute unter Denkmalschutz und die Voraussetzung für einen integrierten Taktfahrplan im Regionalbahnknoten Stuttgart. Mit dem Durchgangsbahnhof S21 ist dies nicht möglich. Das heißt für mich: Selbst wenn der Bahnhof und der halbe Schlossgarten abgerissen wären: Solange dieses Gleisvorfeld steht, ist das Verkehrsprojekt umkehrbar!

Eine andere wesentliche Kritik an S21.
Neue EU Richtlinien – seit 2009 auch deutsches Gesetz – verlangen Verbesserungen an Bahnhöfen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität, für Alte und Behinderte. Dies ist eine zwingende Vorschrift.
Im Gegensatz dazu bringt der Tiefbahnhof S21 Verschlechterungen und damit eine entscheidende gesetzeswidrige Benachteiligung dieser Menschen. Zur Überwindung der verschiedenen Ebenen brauchen Viele von denen zusätzlich fremde Hilfe und mehr Zeit. Allein durch die Engpässe an Aufzügen sind dadurch viele Anschlüsse gefährdet.

„Es gibt wichtigeres im Leben, als ständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.“ (Mahatma Gandhi.)
Ja, ich will besser reisen, nicht nur schneller fahren.

Die Alternativlosigkeit von S21 zeigt sich auch am Bürgerentscheid, wenn er kommt.
Die Fragestellung: „Stuttgart 21 – Ja oder Nein“ ist eine k-o-Frage, keine weiterführende Alternative.
Die Frage muss lauten: „Stuttgart21 oder Kopfbahnhof21?“ Beide Projekte müssen landesweit publiziert werden. Die einseitige Werbekampagne der Landesregierung für S21 muss vor dem Bürgerentscheid gestoppt werden.

Was ich will:
Ja, ich will mich nicht wie ein Maulwurf aus der Stadt schleichen. Ich will oben bleiben, wenn ich abreise. Ich will ankommen in der Stadt – bei den Hügeln und beim Grünen U. Ich will sehen, ob ich die Sonnenbrille oder den Regenschirm brauche für den Heimweg.

Ich will, dass Kritik am Verkehrskonzept nicht mit Werbung für die Ökologische Stadt übergangen wird. Die Architektur der Bibliothek21 – im Volksmund „Stammheim2“ oder „Urnenwand“ zeigt, was uns erwartet: Naturferner, phantasieloser und trostloser geht es kaum. Stuttgart zwischen Wald und Reben – das war wohl einmal.

Diese sogenannte Stadtentwicklung war von Anfang die Idee, die zur Parole führte: Bahnhof unter die Erde – Augen zu und durch! Jede Frage und jede Kritik stößt deshalb auf taube Ohren.

Ich hätte nicht gedacht, das ich nach der Anti-Atomkampagne, nach Mutlangen und nach der Menschenkette Stuttgart – Ulm mich noch einmal gezwungen sehe, auf die Straße zu gehen. Ich will, dass man die Kritik der Fachleute ernst nimmt und sich damit auseinandersetzt. Schluss mit Parolen. Experten endlich an einen Tisch!

Über das Wochenende hat sich etwas getan. Oberbürgermeister Schuster reicht die Hand und bittet um ein Gespräch. Bahnchef Grube bittet zu einem offenen Gespräch – und zwar im Namen aller Gesprächspartner. Dazu gehört meines Wissens auch die Landesregierung. Aber Ministerpräsident Mappus macht Wahlkampf und ergreift den Fehdehandschuh. Doch: Es bröckelt in der CDU: Die ersten öffentlichen Forderungen nach Baustopp von CDU-Mitgliedern wurden laut.

Das Erstaunlichste ist die Kehrtwendung von Bahnchef Grube, wenn er sagt: Die Wahrheit muss endlich auf den Tisch. Damit bestätigen Sie uns, Herr Grube: Die Wahrheit ist bisher nicht auf dem Tisch. Damit erkennen Sie endlich, warum wir protestieren.

Lasst uns den Stresstest mit diesen Gesprächsangeboten machen.

„Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist.“
Als Protestant lernte ich dies von dem Theologen Dietrich Bonhoeffer, auch als politische Konsequenz.
Deshalb sage ich:
Kirche muss sich einmischen,
– wenn wir bei Stuttgart21 mit Parolen und mit Propaganda abgespeist werden,
– wenn nur Halbwahrheiten auf den Tisch kommen und vieles gar nicht,
– wenn der Frieden in der Stadt auf dem Spiel steht,
– wenn mit dem Totschlagsargument der Unumkehrbarkeit jeder Dialog getötet wird.

Bei veränderten Voraussetzungen werden viele politische Entscheidungen überprüft und korrigiert, wie der Atomausstieg und in Stuttgart die Cross-boarder-Leasing-Geschäfte.

Die Bischöfe der evangelischen und der katholischen Kirche haben am 6. September eine Erklärung abgegeben. Sie äußern große Sorge über den Riss in der Bürgerschaft, sie sehen die Menschenwürde bedroht durch die Art des Umgangs von Gegnern und Befürwortern miteinander und nehmen Partei für eine Art der Auseinandersetzung, die dem sozialen Frieden dient. Sie respektieren die Gründe der Protestierenden, aber ohne einseitig Partei zu ergreifen.

Der Stadtdekan und viele Pfarrerinnen und Pfarrer der Evangelischen Kirche in Stuttgart haben am 15. September gefordert, eine solche Gesprächskultur wieder herzustellen, die die Würde von Andersdenkenden wahrt.

Beide Erklärungen klammern den Grund der Auseinandersetzungen aus. Die Bischöfe respektieren den Grund der Protestierenden, benennen ihn aber nicht und ziehen auch keine Konsequenz.

Ich frage meine Kirche, warum sie sich nur allgemein um den Stil der Auseinandersetzung sorgt, warum sie sich nicht getraut, auch die Gründe des Konflikts konkret beim Namen zu nennen, nämlich die Risiken des Projekts, die daraus entstandenen Ängste und den fehlenden echten Dialog. Warum fehlt in den Erklärungen der Kirche der Satz: Die Wahrheit muss endlich auf den Tisch!

Diese Partei zu ergreifen, in den Riss zu treten, ist Sache der Kirche

Ich frage meine Kirche, warum sie nicht unmissverständlich sagt, dass ein Dialog am runden Tisch nur ein unwürdiges Scheinangebot ist, wenn gleichzeitig Abrissbagger und Baumsägen vollendete Tatsachen schaffen. Es dient nicht dem Frieden in der Stadt und in der Gesellschaft, wenn die Kirche ihre Zurückhaltung zu spät überwindet. Wenn Bahnchef Grube ernst meint, dass die Wahrheit auf den Tisch muss, dann sagte er mehr, als die Kirche bisher sagte.

Das erste Plakat am Bauzaun lautete: Hört auf euer Gewissen. Stuttgart21 droht, der größte Irrtum in der Stuttgarter Geschichte zu werden. Neue Wege suchen ist nicht ehrenrührig. Darum: Kehret um!

Wer umkehrt, zeigt Einsicht und hört auf sein Herz. Nicht auf das neue Herz Europas. Sondern auf unser mutiges Herz. Dazu einige Gedanken des evangelischen Theologen Fulbert Steffensky *)

Das mutige Herz
Zwischen Ohnmacht und Mut!
Die Ohnmacht hat die besseren Argumente.
Zum Mut und zur Hoffnung braucht es die größere Liebe.
Das gebildete Herz schweigt nicht, wenn es sieht, wie die Welt verwüstet wird.
Hoffnung ist eine Qualität des Handelns und des Herzens.
Soweit Steffensky.

Dem Mut des Herzens füge ich hinzu: Die Stille. Mit dem Schwabenstreich dichtete Ludwig Uhland eine martialische, gewaltsame schwäbische Kunde. Unser Schwabenstreich ist laut, aber gewaltfrei. Er bringt uns in Aktion.

Aber wir brauchen auch die Stille, die Konzentration. Denn in der Stille liegt die Kraft. Kraft für das mutige Herz. – Deshalb bitte ich Sie jetzt um 1 Minute der Stille, der Konzentration und der Besinnung auf unser mutiges Herz, für unseren friedlichen Protest, für kreative Ideen, ohne Gewalt – und dass wir die Würde aller Beteiligten achten.

(Stille)

Oben bleiben!

*) Publik-Forum 15/2010, Seite 52-53

Fritz Röhm, Ehrenvorsitzender der Offenen Kirche,
Evangelische kirchenpolitische Gruppierung in Württemberg,
auf der Montagsdemo am 20.09.2010

„Sucht das Beste für die Stadt“ – Martin Klumpp

Liebe engagierte Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt!

Beim Propheten Jeremia (29,7) hieß es einst: „Sucht das Beste für die Stadt“. Darum geht es jetzt.
In fünf kurzen Punkten sage ich, was mir wichtig ist.

1.   Es wird uns vorgehalten, wir seien viel zu emotional.
Was sollen wir denn sonst sein? Ich habe als Kind den Krieg erlebt, sah sogar, wie Stuttgart brannte. Wenn ich heute sehe, wie ein völlig intakter Bahnhof, der als Denkmal gilt, einfach so brutal zerstört wird, dann tut’s doch weh im Magen.
Wenn die alten Platanen, Naturdenkmale, einfach so verschwinden sollen, dann zieht’s das Herz zusammen.
Wir sind keine technokratisch verbildeten Monster. Wir sind Menschen mit Herz und Seele, die sich freuen an dem Schönen, was Krieg und Nachkriegszeit übrig ließen von der Stadt.

2.   Man hält uns vor, der Widerstand käme viel zu spät.
Das kommt auch daher, weil die Projektbetreiber bis heute statt Information nur billige Emotionalisierung betrieben mit Slogans wie vom „Herz Europas“, mit Videoanimationen, als ob die schöne neue Welt entstünde.
Aber die Bürgerschaft will nicht durch Werbung überredet werden. Sie hat sich langsam selber informiert.
Ein Szenario von Schrecken über Schrecken hat sich eingestellt: Die Kosten explodieren laufend, geologische Probleme sind nicht sicher abgeklärt, der Güterverkehr hat dabei keine gute Zukunft, der Anschluss an den Nahverkehr verschlechtert sich; und was ganz schlimm ist: Wer durch Stuttgart reist, sieht nichts mehr von der schönen Stadt, nur noch dunkle Wände. Das ist ein Akt von Selbstzerstörung.

3.   Nun wird gesagt. das alles sei doch längst beschlossen.
Als demokratischer Bürger fragt man sich: Was sind das für Beschlüsse, wenn zum Zeitpunkt der Entscheidung die wahren Kosten gar nicht klar sind, wenn Gutachten verheimlicht werden, wenn nur die Werbung zählt, statt Hören auf
die Sach- und Fachkritik? Stimmt man in Parlamenten nur über wage Visionen ab oder erfordern neue Sachverhalte neue Überprüfung?
Das kennt doch jeder Unternehmer: Ein Projekt, das im Entstehen scheitert, kommt nicht auf den Markt.
Nach dem Grundgesetz geht „alle Staatsgewalt vom Volke aus“ (Art.20.2).
Deshalb sollen Regierende und Parlamentarier hörbereit sein auf das, was man im Volke denkt und fühlt.  Wenn man uns nur die kalte Schulter zeigt, stellt man uns als Bürger vor die Wahl, entweder wütend zu werden oder resigniert zu schweigen. Ein solcher Vorgang wirkt wie Gift für demokratische Kultur.

4. Jetzt kommt vielleicht der Runde Tisch. Das wäre durchaus gut. Wenn aber eine Seite meint, es ginge nur um Nettigkeit, der Abriss unseres Bahnhofs sei doch schon vollzogen, dann wird der Ärger umso größer. Da fühlt sich keiner ernst genommen. Die Wut nimmt weiter zu.
Das wäre doch ein Kompromiss: Erhaltet uns den Bahnhof, stellt ihn wieder her, saniert ihn für die Zukunft. Hände weg vom grünen U. Dann bleiben Mittel für die Strecken, auch für die in Richtung Ulm. Die Güter gehören auf die Bahn,
nicht alles auf die Straße. Macht eure Hausaufgaben, dass wir nicht täglich hören müssen: Wir bitten um Entschuldigung. Das ist doch peinlich. Das arme Personal erlebt den ganzen Unmut der Kunden.

5. Viele von Euch wissen, dass ich mehr als vierzig Jahre in der Evangelischen Kirche engagiert und tätig war. Ich spreche nicht für die ganze Kirche. Dazu gehören auch Menschen, die anders denken als wir auf diesem Platze. Trotzdem: Zwei Aspekte aus der Bibel nenne ich.
Zum Einen: Der Staat hat vor allem die Aufgabe, für Frieden und Gerechtigkeit zu sorgen.
Zum Frieden hilft nicht Stuttgart 21. Es entzweit die Bürgerschaft.
Das ist genau wie beim Turmbau zu Babel, wo die Oberen sich einen Namen machen wollen, aufs Volk nicht hören, nur Unterwerfung fordern und Chaos produzieren.
Gerechtigkeit meint: Das Gemeinwesen soll sich konzentrieren auf kulturelle Bildung und Entwicklung aller Bürger, auf Chancengleichheit für die Armen und für jene, die von sich aus wenig Chancen haben. Wo so Gerechtigkeit
gedeiht, da wächst auch Frieden.
Zum Zweiten: Die christliche Botschaft beginnt mit dem Satz: Kehrt um, denkt um, seid kritisch zu euch selbst.
Wenn die Politiker, z. B. Herr Grube, Herr Mappus, Herr Schuster und alle, die da mit entschieden haben, sagen würden: Jawohl! Wir haben uns getäuscht, es kommt doch viel zu teuer und bringt nicht, was es soll, es ist zu grob für dieses Tal und wird nicht angenommen, dann wäre das für mich nicht peinlich und nicht feige, sondern mutig.Es gehört zur Würde von uns Menschen, dass wirumdenken und umkehren können.  Ich wünsche den Politikern, dass sie in diesem Sinne Mut und Würde zeigen.  Dafür würden wir sie achten.   Dann wachsen wieder Friede und Gerechtigkeit. Und wir sind engagiert dabei.

Rede von Martin Klumpp, Prälat i.R. der Evangelischen Landeskirche, bei der Montagsdemo am 6. Sept. 2010

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