Monatsarchiv: November 2014

Parkgebetansprache von Gunther Leibbrand am 20.11.14

 

Liebe Parkgebetsgemeinde,

wir stünden nicht hier, wenn es nicht schlecht bestellt wäre um
– die soziale Gerechtigkeit,
– eine unparteiische Rechtsprechung
– und eine gesetzestreue Regierung, die dem Wohl des Volkes verpflichtet ist – und nicht der Verwandlung von allem und jedem in eine Ware, mit der Geld zu machen ist.

Alles miteinander konkretisiert sich beispielhaft in dem, was unter der Bezeichnung ‚Stuttgart 21′ vor unseren Augen inszeniert und in die Tat umgesetzt wird.

Ich möchte nicht zum 1001. Male die traurigen Einzelheiten benennen, sondern vielmehr unsere Aufmerksamkeit auf die Quelle lenken, aus der sich weiterhin unsere Empörung speist und unser Widerspruch seine Kraft schöpft. Weiterlesen

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Parkgebetansprache von Friedrich Gehring am 6.11.2014

Jesaja, Kapitel 5, Verse 1 bis 8: Wohlan, ich will meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg. Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. Und er grub ihn um und entsteinte ihn und pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte. Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte? Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er verwüstet werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen. Des HERRN Zebaoth Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit. Weh denen, die ein Haus zum andern bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und sie allein das Land besitzen!

Schon etwa 750 v. Chr. warnt Jesaja die Reichen seiner Zeit, die immer mehr wirtschaftliche Macht erstreben, um diese zu missbrauchen, und sagt ihrem Treiben den Untergang voraus. Seine Unheilsweissagung ist heute hochaktuell. Weiterlesen

Brief 5 / Stuttgart 21 und der Kirchentag

Nachdem wir uns beim letzten Mal mit der Beinahe-Katastrophe zur Zeit der Eröffnungsgottesdienste befasst haben, wollen wir uns diesmal der Frage zuwenden, welche Beiträge aus dem Bereich unserer Landeskirche auf dem Kirchentag gegeben wurden und wie über sie in der kirchlichen Presse berichtet wurde. Dabei soll es vorrangig darum gehen, was das mit unserer Frage „S 21 und der Kirchentag“ zu tun hat.

Unsere Landeskirche betrieb in Hamburg ein „Stuttgarter Gasthaus“, bei dem sie sich und ihre Arbeit vorstellte. Dazu gab es Volksbelustigungsaktionen wie zum Beispiel einen „Schwäbischen Kehrwochenwettbewerb“. Verbunden damit war eine Bühne, auf der Diskussionsveranstaltungen stattfanden, die irgendwie von den württembergischen Vertreterinnen und Vertretern, den „Südsternen“, wie sie sich nannten, organisiert wurden.

Das fand im alten Hamburger Hafenviertel an den Magellan-Brücken statt. Als ein Menetekel aus dem Ruder gelaufener Großprojekte erhob sich im Hintergrund die Elbphilharmonie und gab auch schon damit ein Thema vor.

Was hat das Gemeindeglied, das nicht in Hamburg dabei war, etwa aus dem Evangelischen Gemeindeblatt über die Aktivitäten seiner Landeskirche in Hamburg erfahren?

Es war davon zu lesen, dass eine württembergische Pfarrermannschaft beim Fußballwettbewerb „popen open“ den 1. Preis gewonnen habe. Dann wurde fleißig berichtet von dem „Schwäbischen Kehrwochenwettbewerb“. Dabei ging darum, wer die Straße am besten fegt oder so. Das war`s dann, was zu lesen war. Von inhaltlichen Beiträgen, von einer Verkündigung des Wortes Gottes aus württembergischem Mund, von wegweisenden Worten württembergischer Theologie war absolut nichts zu erfahren. Es wurde der Eindruck erweckt, dass außer banalen Volksbelustigungsversuchen nichts in dieser Landeskirche geboten werde. Es wurde der Eindruck erweckt, dass die wesentlichen Kompetenzen württembergischer Theologenschaft in ihren Waden stecke und nicht in ihren Hirnen.

Fazit: Eine Kirche, die ihre Arbeit selbst banalisiert, schafft sich selbst ab. Wozu soll ein Kirchentag noch sinnvoll sein, wen auf ihm auf die drängenden Fragen der Zeit keine biblisch fundierten Antworten gesucht werden?

Gott sei Dank stimmte der Eindruck, den die württembergische Kirchenpresse erweckte, nicht. Württembergische Theologen haben auf dem Kirchentag Stellung bezogen, auch zu Stuttgart 21. Wirklich bemerkenswert waren die Äußerungen des Stuttgarter Prälaten Mack, der sich an einer Diskussionsrunde zur Stadtentwicklung beteiligte. Ausgehend von der Auslegung der Jahreslosung „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondernd die zukünftige suchen wir.“ wandte er sich gegen die Vernutzung der Innenstädte für Luxuswohnungen und Shopping. Er forderte eine bürgerschaftliche Stadt, in der sozial schwächere Menschen und kinderreiche Familien ihren Platz haben und nicht verdrängt werden. Mit scharfen Worten wandte er sich gegen den Abriss einer Kirche im Zusammenhang mit dem Bau des Shoppingcenters im Gerber-Viertel und fand dann noch Worte zu Stuttgart 21. Oder besser gesagt zu der politischen Durchsetzung und Durchführung des Projekts. Dies kommentierte er mit den Worten „So geht’s gar nicht.“

Seine Worte riefen nicht nur in der Versammlung, sondern auch bei den Stadtplanern und Architekten auf dem Forum große Zustimmung hervor. Sie wurden als wegweisend für den Städtebau anerkannt und eine Fehlentwicklung des Städtebaus in Richtung Kommerzialisierung der Innenstädte bedauert.

Es war geradezu ein Bußruf von Prälat Mack an den Städtebau, nicht für Kaptalinteressen, sondern für die Menschen die Städte zu entwickeln – und das aus der Auslegung des biblischen Wortes heraus. Das war ein Lehrstück politischer Predigt und wäre es wert gewesen, in den Verlautbarungen unserer Landeskirche veröffentlicht zu werden.

Nun, war das nicht alles, was Württemberger in Hamburg gesagt haben. Mit einer eigenen Veranstaltung zum Widerstand gegen Rechtsextremismus und Stuttgart 21 soll sich der nächste Brief befassen.