Monatsarchiv: September 2013

Andacht zum Parkgebet am 19.09.2013 von Dorothea Ziesenhenne-Harr

Psalm 27,1+5+14
1 Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
5 Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.
14 Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Liebe Freundinnen und Freunde des Parks und des Kopfbahnhofes,

manchmal haben wir eine schwere Durststrecke zu bewältigen. Wo es mühsam wird, dran zu bleiben. Wie bei einer Bergbesteigung.

Hoch und schier unerreichbar ragt da der Gipfel über uns auf. Wolken verhangen und im dichten Nebel ist er fast nicht mehr zu erkennen. Wie abweisend und unnahbar ist das Ziel entfernt.

Da ist dann unser Durchhaltevermögen gefragt. Weiter kommen wir nur, wenn wir mit Ausdauer und Beharrlichkeit dran bleiben. Und uns auch Pausen gönnen, Erholung und Vergewisserung. Ein Auftanken unter Freundinnen und Freunden, so wie heute Abend. Und wir brauchen es, dass wir nicht alleine gehen, sondern immer zu mehreren. Wer einen steilen Berg erklimmen will, braucht eine Seilschaft, Menschen, die mit klettern, die wenn nötig, fest halten, die absichern. Mit dem Seil in Kontakt bleiben heißt: ich gehöre dazu und trage zum Gelingen bei.

Ich habe für heute ein rotes Seil mitgebracht, wie ein roter Faden, an den wir uns jetzt symbolisch und doch ganz greifbar zu einer Seilschaft verbinden können.
Ich gebe das Seil weiter und wer will, kann sich dran festhalten, die Verbindung spüren.

So ein Moment der Ruhe dient auch dazu, die eigene Befindlichkeit wahrzunehmen und die Festigkeit der Verbindung zu überprüfen. Denn wer mit am Seil hängt, der/die ist in erster Linie für sich selbst verantwortlich, dass es ihr/ ihm selbst gut geht. Habe ich genug zu essen und zu trinken dabei? Wie ist meine körperliche Kondition? Habe ich die angemessene Kleidung an, die trittfesten Bergschuhe? Wie sieht es mit meinem Durchhaltevermögen aus, gerade auch bei einer langen Durststrecke?
Nur wenn ich gut auf mich achte und vorbereitet bin, bin ich auch eine gute Teilnehmerin/ein guter Teilnehmer der Seilschaft. Denn die anderen halten mich nur, wenn ich in Not gerate.

So eine Ruhepause dient zum Kräfte sammeln. Und auch dazu, mich zu fragen: bin ich weiterhin überzeugt, dass ich wirklich weiter klettern will. Ist das immer noch der passende Berggipfel für mich oder nicht?
Bin ich abhängig davon, dass die anderen mich am Seil mitziehen oder bin ich überzeugt davon, dass das Ziel für mich immer noch gilt und ich deshalb auch weiter die Energie aufbringe, dabei zu sein, das Seil zu halten und Schritt für Schritt einen Fuß vor den anderen zu setzen. Auch wenn es mühsam ist, auch wenn es Schweiß und manchmal auch Tränen kostet?
Solche Zeiten der Vergewisserung sind für uns z.B. die Kundgebungen, die Demonstrationen, die Parkgebete und all die vielen anderen Veranstaltungen rund um das Projekt, den Kopfbahnhof in Stuttgart zu erhalten. Unseren Berggipfel.

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Parkgebet-Ansprache am 18.07.2103 Guntrun Müller-Enßlin

Liebe Freundinnen und Freunde,
dieser Tage jährt sich zum dritten Mal der Protestsommer 2010. Wir erinnern uns: Aus Demonstrantenzahlen, die immer so um die dreitausend herumschwappten, wurden auf einmal fünfstellige, Anfang August war das, und dann wurden aus 10.000 erst 20- und dann 30.000, und in der ganz hohen Zeit unseres Protests versammelten sich bis zum 60.000 Menschen im Park, auf dem Schlossplatz, zogen in riesigen Bandwürmern über den Cityring. So mancher von uns, glaubte damals zu träumen und hat gedacht, es würde nun immer so weiter gehen und es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis das Maulwurfprojekt gestoppt sei. Dieser Sommer 2010 hatte, bei all seiner Dramatik um das Wüten der Bahn auch etwas von einem Märchen, es ging immer höher mit uns hinaus, unsere Bewegung wurde bekannt, über Stuttgart, übers Ländle, schließlich über ganz Deutschland und noch weiter hinaus. Die Medien berichteten über uns, wir haben gedacht, es tut sich was, wir können was verändern, es lohnt sich, sich einzusetzen für die Stadt, für das Gemeinwesen, in dem wir leben.
Das alles – war einmal. In letzter Zeit greift an vielen Stellen der Frust um sich, auch innerhalb der Bewegung. Die Auseinandersetzungen auf unseren Blogs künden davon. Auch ich selber habe mich vor kurzem an das Märchen „Der Fischer und seine Frau“ erinnert gefühlt. Uns geht es wie den beiden. Wie der Fischer und seine Frau machten wir die Erfahrung, dass wir hoch hinaus wollten damals vor drei Jahren und das auch konnten, wir meinten, alles erreichen zu können. Am Ende sitzen der Fischer und seine Frau wieder in ihrer alten Kate, ihrer alten Fischerhütte, umgeben vom Gewohnten, als wäre nichts geschehen. Auch wir meinen manchmal, einmal im Kreis gelaufen zu sein und fragen uns, was ist anders geworden?
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Brief der Ingenieure22 an die Verkehrsminister der Länder

Stuttgart 21 – Christen sagen Nein
So lautet der Titel eines Buches mit Beiträgen zu einer christlichen Protestkultur am Beispiel von Stuttgart 21 (Peter-Grohmann-Verlag)

Sehr geehrte…

Pfarrer Martin Poguntke schreibt in diesem Buch ab Seite 175:
„Warum der Protest gegen S21 weitergeht . . .

Weil ein Milliardenbetrug nicht zur Wahrheit wird, nur weil er eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler hinter sich gebracht hat.
Das ist ganz wichtig: Auch von meinem Protest gegen Atomkraft (die freilich ganz andere Gefahren mit sich bringt – was aber die Mehrheit der Bevölkerung sehr lange auch nicht geglaubt hat) habe ich mich ja nicht dadurch abbringen lassen, dass die Mehrheit der Bevölkerung regelmäßig die Atomparteien gewählt hat.

Weil gar nicht über S21 abgestimmt wurde, sondern über ein Ausstiegsgesetz, das die Landesregierung zwingen sollte, seine Rechte auf Ausstieg aus dem Projekt wahrzunehmen.
Die grün-rote Landesregierung hat aber diesen Volksentscheid – der lediglich den Zweck hatte, den Frieden in der grün-roten Koalition herzustellen – dahingehend umgedeutet, sein Ergebnis zwinge die Landesregierung zur Unterstützung des Projekts.
Mehr noch: Der grüne Ministerpräsident Kretschmann behauptet sogar, mit dieser Abstimmung sei nicht nur der Widerstand der Landesregierung gegen S21 zu beenden, sondern auch der Protest in der Bevölkerung gegen das Projekt sei von nun an „undemokratisch“. Aber Hannah Arendt sagt: „Es gibt keine Pflicht zu gehorchen“.

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