Monatsarchiv: Dezember 2010

Liebe UnterzeichnerInnen und UnterstützerInnen

Herzlichen Dank für Ihre zahlreichen Erklärungen. Täglich kommen neue dazu. Viele Mails sind sehr lesenswert und sollten einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht werden. Bitte stellen Sie Ihre Texte wenn möglich als Kommentar in den Blog. Auch damit unterstützen Sie diese Aktion.

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Theologinnen und Theologen zu „Stuttgart 21“

Möchten Sie als Theologin/Theologe die folgende Erklärung unterzeichnen?
Möchten Sie als Nicht-Theologe die Erklärung unterstützen?
Dann sind Sie herzlich eingeladen, uns dies durch eine kurze formlose E-mail mitzuteilen: k21@t-a-f.info
 

Und hier gibt es die Gemeinsame Erklärung mit Unterschriftenliste zum Herunterladen, Ausdrucken, Weitergeben …

– Gemeinsame Erklärung –
Wir sind Theologinnen und Theologen aus Baden-Württemberg mit unterschiedlicher theologischer und politischer Prägung. Uns verbindet, dass wir das Bauprojekt „Stuttgart 21“ kritisch sehen, auch aus theologischer Perspektive.
Wir wissen wohl, dass es auch Argumente pro S21 gibt. Und wir bestreiten nicht, dass sich auch Christen pro S21 aussprechen können.
Nach Gewichtung der Fakten und Abwägung der Argumente sind wir zu der Überzeugung gekommen: K21 bietet die deutlich bessere Konzeption. Warum wir S21 ablehnen, legen wir im Folgenden in knapper Form dar.
Bei den Gesprächen am Runden Tisch gab es zwar in einigen Punkten Präzisierungen zu S21, wichtige Fragen blieben jedoch offen. Insbesondere stellt sich die Frage nach Sinn und Nutzen von S21 noch deutlicher.
Deshalb sagen wir – mit unterschiedlicher Gewichtung:
Lesen Sie hier die vollständige Erklärung

 

Ethische Orientierung für ökologisches Handeln – Kirche nimmt Stellung (Teil 2)

Immer wieder wird betont: Die Kirche muss sich beim Streit um Stuttgart 21 heraus- und neutral verhalten. Dabei wird leicht vergessen, dass die Kirche schon längst in amtlichen Verlautbarungen in guter Weise Stellung bezogen und im Hinblick auf Großprojekte klare Handlungsanweisungen gegeben hat. An dieser Stelle sei erinnert an: „Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung. Gemeinsame Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz“. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1985.

Die Schrift fordert eine klare ethische Orientierung für ökologisches Handeln. Sie führt unter anderem aus:  Ehrfurcht vor dem Leben führt zur Selbstbegrenzung; nicht was der Mensch kann, sondern was er verantworten kann, ist der Maßstab; Gefahren müssen ernst genommen und vorausschauend abgewogen werden.

Ehe ein Auszug aus der Schrift hier wieder gegeben wird, zuerst ein paar einführende Bemerkungen.

Ökologie und Schöpfung
Stuttgart 21 sei auch ein ökologisches Projekt, so die Befürworter. Zunächst ein paar Gedanken voraus, was mit Ökologie gemeint ist. Ökologie, ursprünglich die Lehre von den Häusern, ist nach Duden die Lehre der Beziehungen der Lebewesen zur Umwelt. Die Ökologie hat uns für diese Zusammenhänge in den letzten Jahrzehnten die Augen geöffnet, wie stark wir Menschen in diese Zusammenhänge eingebettet sind. Wir sind nur ein Teil dieser Welt, der belebten und unbelebten. Alles Leben ist aufs Engste mit der Natur verwoben. Nächstenliebe kann sich unter diesem Horizont nicht auf die Menschen beschränken, sondern auf alle Teile der Schöpfung. Die Menschheitsfamilie ist gerufen, so zu leben, dass die Beziehung mit der ganzen Schöpfung Leben ermöglicht und beidseitig Leben fördert. Es steht dahinter die Überzeugung, dass wir Menschen und die „Lebensgemeinschaft Erde“ in rechter Beziehung zueinander leben müssen und dass die menschliche Gemeinschaft nicht die übrige Schöpfung missbrauchen oder verkonsumieren darf.

S 21 und die Ökologie
Bei S 21 wird die Ökologie bei einer ganzen Reihe von gravierenden Maßnahmen tangiert. Man kann die Frage nicht allein auf die CO2 Bilanz reduzieren, obwohl sie sehr wichtig ist.
Es geht auch um die Gefährdung der Mineralquellen, die schweren Eingriffe in den Schlossgarten, die komplette Entfernung des Gleisvorfelds mit der dort vorhandenen Tier- und Pflanzenwelt.

Zum Beispiel: Der Schlossgarten
Unbestritten ist, dass er in allen seinen Teilen ein lebendiger und sehr sensibler Lebensraum von Tieren, Pflanzen und Bäumen darstellt, der neben der Erholung für die Menschen der Innenstadt mit seinen alten Bäumen der Luftreinhaltung der ganzen Großstadt dient. Was es bedeutet, in dieses sensible Ökosystem einzugreifen, belegen ein paar Beobachtungen, die M. Wetzler und Tomoko Arai im Zusammenhang mit den ersten Baumfällungen am 1. Oktober 2010 gemacht haben.

Bilder aus: „Stuttgarter Schlossgarten, ein Naturschatz mitten in der Stadt ist bedroht“, M. Wetzler und Tomoko Arai, 2010.

S. 3  „Diese Eichhörnchen wurden am 27.09.  unter dem Haselnussbaum, der gerade viele Nüsse trug, fotografiert. Drei Hörnchen sammelten fleißig Nüsschen. Der Haselnussbaum wurde am 01.10. gefällt. Nach der offensichtlich illegalen Abholzung wurde beobachtet, wie ein Eichhörnchen vergeblich nach seinem Baum suchte …“
S. 11 „Ein verirrter Feldhase wurde in der Nacht vom 29. Oktober auf dem Gelände beobachtet, wo die Bauarbeiten für das Wasser-Management stattfinden, ängstlich und bewegungslos …  Die größte Feldhasenpopulation innerhalb deutscher Großstädte, die im Schlossgarten vorkommt, ist durch die Abholzung bedroht.
In der von S21 geplanten Parkerweiterung kann kein großer Baum wegen des unter der Erde liegenden Tiefbahnhofdachs wachsen. Kein Tier wird auf einer solchen künstlichen Fläche eine Heimat finden !“


S 21 – ein ökologisches Projekt?
Ob Stuttgart 21 wirklich ein ökologisches Projekt ist, entscheidet sich daran, wie die ökologische Bilanz am Ende aussieht, und ob ökologisches Handeln bei seiner Verwirklichung auch diesen Namen verdient. Die Leserinnen und Leser können sich selbst eine Antwort geben, wenn sie die folgende kirchliche Stellungnahme gelesen haben.

Hier ein Auszug aus der Schrift (im folgenden kursiv gedruckt und mit Zwischenüberschriften versehen): „Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung.“ Gemeinsame Erklärung des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz. Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn 1985, S. 27-30.

Nicht was der Mensch kann, sondern was er verantworten kann, ist der Maßstab.
Beim Wahrnehmen der Verantwortung für Natur und Umwelt darf sich der Mensch nicht allein an seinen eigenen Interessen orientie­ren, auch nicht allein an dem, was er technisch machen kann. Er muß sich vielmehr darauf besinnen, was er als sittliches Subjekt tun darf und tun soll. Die heutigen ungeheuren Möglichkeiten, die Reichweite menschlichen Handelns und damit menschlicher Verantwortung ins Unfaßbare zu erweitern, legen dem Menschen neue Pflichten und neue Verantwortung auf. Welche grundlegenden ethischen Orientierungen lassen sich für eine ökologische Ethik gewinnen und benennen?

Ehrfurcht vor dem Leben führt zur Selbstbegrenzung
Nicht allein menschliches, sondern auch tierisches und pflanzli­ches Leben sowie die unbelebte Natur verdienen Wertschätzung, Ach­tung und Schutz. Die Ehrfurcht vor dem Leben setzt voraus, daß Le­ben ein Wert ist und daß es darum eine sittliche Aufgabe ist, diesen Wert zu erhalten. Das Leben ist dem Menschen vorgegeben; es ist seine Aufgabe, dieses Leben zu achten und zu bewahren. Es obliegt seiner Verantwortung, Sorge für seine Umwelt zu tragen. Dies erfordert Rücksicht, Selbstbegrenzung und Selbstkontrolle. Der Maßstab „Ehr­furcht vor dem Leben“ enthält ein Moment unbedingter Beanspru­chung und Verpflichtung, ein Schaudern vor den Folgen des Gebrauchs der Macht, das den Menschen zurückhalten soll, diese Macht zur Selbstvernichtung zu mißbrauchen. Die Ehrfurcht vor der Bestimmung des Menschen und das Schaudern und Zurückschrecken vor dem, was aus dem Menschen und seiner Umwelt werden könnte und was uns als denkbare Möglichkeit der Zukunft vor Augen steht, enthüllt uns das Leben als etwas „Heiliges“, das zu achten und vor Ver­letzungen zu schützen ist.

Ehrfurcht vor dem Leben heißt: Der Mensch muss sich als Hirte verstehen
Die Ehrfurcht vor dem Leben bewirkt auch eine Scheu vor dem rein nutzenden Gebrauch, eine Haltung der Beachtung und Schonung. So gesehen schließt sie eine „Ehrfurcht vor dem Gegebenen“ mit ein, sie weckt Wertebewußtsein und Schadenseinsicht. Diese Ehrfurcht vermittelt auch Einsicht in gegebene Grenzen, Einsicht in die Endlich­keit und Vergänglichkeit, vor allen Dingen Einsicht in die Verletzlich­keit der Schöpfung und Mitkreatur. Ehrfurcht vor dem Leben bezieht sich nicht nur auf menschliches, tierisches und pflanzliches Leben, son­dern im weiteren Sinn auf die „unbelebte“ Natur mit ihren Lebensele­menten (Wasser, Boden, Luft) und ihren funktionalen Kreisläufen als Lebensraum. Sie sind nicht als tote Gebrauchsgegenstände zu verste­hen, sondern als Teil der Lebensbedingungen des Menschen und seiner Mitkreatur. Wir Menschen müssen uns, um mit Sokrates zu sprechen, auf die Kunst des Hirten verstehen, dem am Wohl der Schafe gelegen ist, dürfen sie also nicht bloß unter dem Blickwinkel des Metzgers be­trachten.

Gefahren müssen ernst genommen und vorausschauend abgewogen werden
Die Tugend der Klugheit im Sinne der klassischen „Besonnenheit“ (lat. prudentia) gebrauchte die Menschheit, um die Folgen ihres Tuns abzuschätzen und in Konfliktfallen das geringere Übel zu wählen. Weil wir heute Folgen besser voraussehen können als frühere Genera­tionen, ist unsere Verantwortung gewachsen. Unsere Klugheit muß weitsichtiger sein. Dies gilt besonders für langfristige und unumkehr­bare Wirkungen. Weil die heute möglichen und erforderlichen Eingrif­fe aber tiefer in das Gefüge der Umwelt eingreifen, sind Neben- und Folgewirkungen weniger absehbar als zu früheren Zeiten. Unsere Klug­heit muß deshalb auch vorsichtiger sein. Ein Schaudern vor den Folgen des Gebrauchs seiner Macht müßte den Menschen die Furcht lehren, in naiver Unvorsichtigkeit zerstörerische Folgen seines Handelns zu über­sehen. Dies bedeutet nicht den Verzicht auf jegliches Risiko, wohl aber die Einschränkung und Verteilung möglicher Risiken. Im Zweifelsfall ist daher eher nach der Überlegung zu handeln, ein gewagtes Unterneh­men könne mißlingen, als nach der gegenteiligen Überlegung, es werde schon alles gut gehen.

Eingriffe in die Natur dürfen nur begrenzt vorgenommen werden
Konkret bedeutet dies: Eingriffe in den Haushalt der Natur sind möglichst sparsam und begrenzt vorzunehmen, selbst wenn unmittel­bare Nachteile nicht voraussehbar sind. Dieses Verhalten ist auch des­wegen vernünftig, weil es der Natur möglichst viel Spielraum für selbst­heilende Eigenkräfte läßt. Die Eigengesetzlichkeiten der Natur haben sich als flexibler und erfinderischer erwiesen als die Fremdsteuerung durch Mechanismen, die menschliche Erfindungskraft und Technik hervorgebracht haben.

Abwägen von Schaden und Nutzen
Kurzfristige ökonomische und technische Interessen und langfri­stige Interessen der Erhaltung von Natur und Umwelt sowie Belange des Überlebens der Menschheit können in Kollision geraten. In diesem Fall ist das langfristige Interesse gerade dann einer besonderen ethi­schen und gesellschaftliche Unterstützung bedürftig, wenn kurzfristi­ger Nutzen langfristige Schäden verursacht. In solchen Konfliktlagen bewährt sich ethische Verantwortung. Eine Abwägung zwischen kurz­fristigen und langfristigen Schäden, zwischen Schäden und Nutzen so­wie Wertvorzugsüberlegungen (Prioritätensetzungen) sind möglich und notwendig. Fragen der Umkehrbarkeit und der Regenerierbarkeit von Naturgütern sind ebenso mit zu bedenken wie die Interessen der heutigen und der künftigen Generationen.

Verfasser: Hans-Eberhard Dietrich, Pfarrer i.R.

(Schein-) Neutralität der evangelischen Kirchenleitung

Die Pressestelle der Evangelischen Landeskirche in Württemberg wird den Blog http://s21-christen-sagen-nein.org nicht auf den Seiten der Landeskirche verlinken.
Dies hat Christian Tsalos, Pressesprecher der Landeskirche, dem Administrator des Blogs mitgeteilt.

Verlinkt werden laut Tsalos nur Beiträge aus dem Blog „Koch meint“. Dort  „äußert Andreas Koch zwar seine Meinung (für S21), aber er argumentiert weder pro noch contra S21 … Dabei verlässt der Rundfunkpfarrer nie die Haltung der Landeskirche, dass Kirche in diesem Bauprojekt neutral zu sein hat“, meint der Pressesprecher.
Seine Meinung für S21 äußern, aber gleichzeitig stets neutral sein – wie soll das zusammen gehen ?  Ach so, indem man nicht argumentiert !
Stimmt auch wieder:  Der Argumentation und dem kritischen Diskurs Raum zu geben war ja noch nie die Stärke dieser Kirchenleitung.
Schön, dass die Redakteurinnen und Redakteure dieses Blogs die Haltung der Landeskirche bewusst verlassen und diese Art von (Schein-) Neutralität nicht pflegen – und das mit guten Argumenten.

Das meint tilmannfischer

Heiner Geißler – wenig Mumm

„Die Stuttgarter Tafelrunde war nur der Versuch, die Ohnmächtigen mit ihrer Niederlage zu versöhnen. Heiner Geißler hatte viel Chuzpe, aber wenig Mumm. Ein schlechteres Modell demokratischer Konfliktlösung kann es kaum geben.“
Lesen Sie den Artikel von Andreas Zielcke aus der Süddeutschen Zeitung, 3.12.2010

Geschlichtet?

„Da spürt man, wer an welcher Stelle lügt“
heißt es in dem Kommentar einer renommierten Zeitung am Tag nach der so genannten Schlichtung. Gemeint sind die Bilder von den Fakten-auf-den-Tisch-Gesprächen. „Das andauernde, zur Schau getragene Grinsen ist endlich vorbei“, seufzte erleichtert einer, der die Übertragungen verfolgt hatte. In den Debatten am Runden Tisch wurde mehr offen gelegt, als manchem der Befürworter von S21 lieb sein konnte.
Die „Fakten“, die auf den Tisch kamen, manchmal zögerlich und spät, einige auch gar nicht („Wettbewerbsverzerrung“), wären im Verborgenen geblieben, hätten nicht in großer Anzahl Bürgerinnen und Bürger geduldig, hartnäckig, deutlich ihre Kritik geäußert und Transparenz eingefordert.

Und die Fakten hinter den „Fakten“? „Doch nur ein Infrastrukturprojekt“ wurde früher immer wieder verharmlosend behauptet, als spielten Behinderte, Alte, Kleinkinder keine Rolle bei der Planung von Infrastruktur?
„Keine Kompetenz in verkehrpolitischen und juristischen Fragen“ wurde unterstellt. Unzutreffend! Selbst vehemente Betreiber konnten im Nachhinein nicht umhin, die Kompetenz auf Kritikerseite anzuerkennen.
Damit ist auch das Gerede von „unreflektierter Agitation“, von „Halbwahrheiten“ und wie die Schmähungen gegen die Kritiker alle hießen, widerlegt. Leitende und weniger leitende Vertreter der Kirchen, obwohl sie „ethische Kompetenz“ für sich in Anspruch nahmen, haben zu solchen Diskriminierungen geschwiegen, in angestrengter „Neutralität“. Immer wieder mit dem Hinweis auf „die einen – die anderen“. Gedruckte, veröffentlichte Herabsetzungen der Kritiker wurden unverhältnismäßig aufgewogen gegen Rufe aus der Menge der Protestierenden.
Die eindrücklichen, „unausgewogenen“ alten Geschichten von denen, „die sich einen Namen machen wollten“, und von dem Hirtenjungen, der gegen den Hochgerüsteten antrat, schienen sie ebenso außer Acht zu lassen wie die Option für die Armen, von der Jesus und die Apostel überzeugt waren.
Und Bewahrung der Schöpfung? Nähmen ja beide Seiten für sich in Anspruch, hieß es. Auch da lohnte sich anstatt eines „die Einen – die anderen“ genaueres Hinschauen und Hinhören. (Vgl. dazu auf diesem Blog u.a. den Artikel: „Sich einmischen – Kirche hat schon Stellung bezogen“ von Hans-Eberhard Dietrich)

Erstaunlich und mehr als respektabel war und ist, wie sich Ehrenamtliche fachkundig behauptet haben. Mit Kompetenz und Gelassenheit, Redlichkeit und Engagement gegen die materiell bestens ausgestattete Riege der Betreiber.
Vom hohen Ross herunter geholt wurden sie, die im Gestus der Arroganz der Macht anfangs nichts weiter wussten, als auf Legalität zu pochen und großmundige Sprüche zu klopfen. Und schließlich mit blanker Gewalt aufzutrumpfen.
Übrigens: Dabei ging es nicht „um die Bilder, die wir nicht mehr sehen möchten“, sondern um Menschen, die an Körper und Seele – zum Teil erheblich – verletzt worden sind.
Das „bestgeplante Großprojekt“ hat sich an etlichen Stellen als schlecht geplant erwiesen. Leistungsfähigkeit, Sicherheitsvorkehrungen, Berücksichtigung Behinderter, um nur einige Beispiele zu nennen: fraglich bis mangelhaft.
Ökologische Bestandsaufnahme: windig!
Mächtige alte Bäume aus der so wichtigen Frischluftschneise umzupflanzen: abenteuerlich!
Die Mängelliste ist lang, die Ungewissheiten angesichts erster Kommentare der Betreiber erheblich.

Dass das Projekt S21 seit Anfang mehr als ein „Geschmäckle“ hat, war vorher offenkundig und ist durch die so genannte Schlichtung nicht ausgeräumt worden.  (Vgl. dazu auf diesem Blog u.a.: Presse, „Geistige Kessellage“, SZ vom 19.10.2010; und Bassler, die Rede des ehemaligen Stadtrats vom 30.8.2010)
Das Gerede von der Alternativlosigkeit des Projekts S21 wurde entzaubert. K21 musste als ernst zu nehmende Alternative anerkannt werden. Nur sei sie („leider, leider“) nicht realisierbar, weil nicht durchgeplant und nicht finanziert, beteuerte der so genannte Schlichter. Machtlos!
Vor seinem Spruch waren die Mienen der Betreiber noch versteinert, nun hellten sie sich auf. Propaganda („Unumkehrbarkeit“) und Drohungen („Schadensersatzforderungen“) zeigten Wirkung. Wer kostenträchtige Fakten schafft anstatt rechtzeitig die Fakten offen zu legen, kann lächelnd so argumentieren.
Ob das die „besseren Argumente“ sind, darf bezweifelt werden.
Notwendigkeit und Qualität von S21 sind nach der so genannten Schlichtung nicht plausibler geworden.
Der Makel bleibt.

Karikatur: Süddeutsche Zeitung vom 2.12.2010, Seite 4