Schlagwort-Archive: Tunneltaufe

Neulich auf der Montagsdemo (der Kirchentag lässt grüßen…)

Sünde_Geld_Plakat

„Eine Kirche, der verschwendete Milliarden wichtiger sind als erhaltene Bäume, macht mich traurig. Dem Quasi-Mythos, dass man die alten Bäume opfern muss, um nach der Baustellen-Leidenszeit den von allen Problemen erlösenden Tiefbahnhof zu erhalten, sollte man nicht auf den Leim gehen.“

Sünde_nur_Feuer_Plakat, mp

„Gefahren verschwinden nicht dadurch, dass man sie ignoriert. 60 km Tunnel unter der Stadt ohne funktionierenden Brandschutz sind kriminell. Will sich die Kirche darauf beschränken, Trost zu spenden, wenn das Unglück geschehen ist?“

Sünde_nur_Pfarrer_Plakat, mp

„Ich erwarte von evangelischen Pfarrern, dass sie mit Kopf, Herz und Hand dem Evangelium verpflichtet sind und sich nicht von Geld die Sinne vernebeln lassen. Warum segnet man Einkaufszentren und Tunnelbohrmaschinen?“

Sünde_nur_Herz_Plakat, mp

„Ich erwarte, dass meine Kirche sich kritisch zu problematischen Entwicklungen in der Gesellschaft äußert. Wenn Kirche aber so eng mit Politik und Wirtschaft befreundet ist, dann ist das nicht möglich.“

Ein Gastbeitrag für unsere Homepage.

Damit wir klug werden – Thomas Felder synchronisiert Grube

Wunderbar, wie Thomas Felder hier den echten Worten des Bahnchefs Rüdiger Grube  (Minute 0:57 bis 1:17) verschiedene neue Texte unterlegt!

(Man beachte die originale(!) Lüge, durch S21 würden 100 Hektar Park geschaffen. Denn falsch ist 1., dass durch S21 überhaupt 100 Hektar Fläche frei werden – es sind nur ca. 15 Hektar, denn der Rest könnte auch bei Erhalt des Kopfbahnhofs frei gemacht werden; und falsch ist 2., dass die frei werdende Fläche womöglich komplett zu Park verwandelt werde, denn das allermeiste wird bebaut werden oder ist schon bebaut worden (LBBW; Bücherknast, Müllaneo…), und nur ein ganz kleiner Teil wird zu Park – angeblich 20 Hektar (von denen man ein Gutteil wieder abziehen muss, für an anderer Stelle wegen S21 zerstörtem Park). Wenn’s überhaupt wahr ist, denn eine vertragliche Verpflichtung dafür gibt es nicht – und wer wird City-Flächen mit einem Quadratmeterpreis von mehreren Tausend Euro so mal eben zu Park machen?)

Nach den Worten des methodistischen Pastors Bauder, ein Projekt wie S21 benötige besonders den Segen Gottes (ohne zu fragen, ob ein zerstörerisches Lügenprojekt auf diesen Segen überhaupt hoffen darf), folgt das von Thomas Felder extra zur Kirchentagslosung komponierte Lied „Damit wir klug werden“ zu Bildern von Geistlichen, die das Projekt, die Ausführenden oder die Heilige Barbara segnen, von Projekt-Betreibern und -Bewunderern und von diversen Baustellenansichten. Sehr hörens- und sehenswert!

Predigt zur „Tunneltaufe“ am 21.3.2014 am Nordbahnhof – von Pfr. i. R. Friedrich Gehring – Was ich als christlicher Pfarrer dort verkündigen würde

Liebe Festgäste,
bei Taufen werden Menschen in die christliche Kirche aufgenommen. Ein Tunnel kann natürlich nicht in die Kirche aufgenommen werden, aber diese Tunneltaufe ist offenbar nötig, um dieses Bauwerk in unsere Gesellschaft aufzunehmen, trotz des Widerstands im Volk.
Für nicht wenige Menschen in unserem Land hat das Bauen an diesem großen Bahnprojekt eine große Verheißung: Es wird Wachstum in unsere Region bringen und damit eine Mehrung unseres Wohlstands. Unsere für die Richtlinien der Politik zuständige Kanzlerin Merkel hat es auf den Punkt gebracht, indem sie mit eben diesem Projekt Stuttgart 21 die Schicksalsfrage verband, ob in Deutschland künftig noch Großprojekte möglich sind oder nicht. In ihrer Sicht entscheidet sich an diesem Bauwerk, vor dessen Teilabschnitt wir hier stehen, die wirtschaftliche Zukunft Deutschlands.
Ziemlich genau diese Hoffnung verband sich auch mit dem Bau des Atomkraftwerks Kalkar am Niederrhein vor etwa 40 Jahren. Die Atomenergie erschien als der Schlüssel für die Zukunft. So wurde der schnelle Brüter für Milliarden D-Mark gebaut, lieferte aber nie auch nur ein Kilowatt Strom, weil während des Baus erkennbar wurde, dass diese Technologie zu gefährlich war. Heute ist das Atomkraftwerksgelände ein Vergnügungspark. Es ist das große, epochale, bleibende Verdienst unserer Kanzlerin Merkel, dass sie nach der Katastrophe von Fukushima als gelernte Naturwissenschaftlerin die Umkehr aus der Atomindustrie gewagt hat.
Auch beim Projekt Stuttgart 21 haben sich seit der Planung völlig neue Gesichtspunkte ergeben: Es gibt inzwischen Wendezüge, der Tiefbahnhof schafft nicht mehr Züge als der Kopfbahnhof, von den versprochenen Arbeitsplätzen entsteht nur ein Bruchteil, der Grundstücksverkauf bezahlt den Tiefbahnhof mitnichten, das Projekt ist unwirtschaftlich, der Fildertunnel ist nicht schnell genug entrauchbar, der Tiefbahnhof bei Panik zu eng, beide werden bei einem Brand tödliche Fallen. So wird verständlich, dass Papst Franziskus mahnt: „Diese Wirtschaft tötet“. Alles in allem: Die Bahnführung würde mit dem Wissen von 2013 das Projekt nicht mehr beginnen. Kann es so Deutschlands Zukunft sein?
Die zentrale Botschaft Jesu war: „Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen“ (Mt 4,17). Buße heißt Umkehr. Wenn wir die Botschaft Jesu ernst nehmen, dann müssen wir immer offen bleiben dafür, einen falschen Weg einzugestehen und neue Wege zu beschreiten, wie wir das bei der Atomkraft tun. So müssen wir offen sein für die Möglichkeit, dass dieser Tunnel, nachdem er fertiggestellt ist, z. B. zum Züchten von Pilzen dient, weil das Projekt Stuttgart 21 zu teuer und zu gefährlich ist, so wie der schnelle Brüter von Kalkar nun als Freizeitpark die Besucher erfreut.
Das Reich des barmherzigen Gottes ist nicht gleichzusetzen mit wirtschaftlichem Wachstum um jeden Preis. Im Reich Gottes geht es um das Wachstum der Nächstenliebe und der Gerechtigkeit. In diesem Sinne wünsche ich dem Tunnelbauwerk, dessen Beginn wir heute feiern, dass alle Arbeiter an diesem Bau immer einen gerechten Lohn empfangen mögen und ihre Arbeit ohne Unfälle zu Ende bringen können. Amen

(Nicht-) äußerung der Kirchenleitung zur Tunneltaufe

Die evangelische Landeskirche glaubt immer noch, sich aus S21 heraushalten zu dürfen.
Von Georg Eberhardt, dem Assistenten des Bischofs kam eine Mail folgenden Inhalts:

„Sehr geehrter Herr Harr,
nachdem sich nun ja etliche Missverständnisse klären ließen – der selbstkritischen Äußerung des evangelisch-meth. Kollegen will ich nichts hinzufügen -, möchte ich Ihnen ein frohes Christfest wünschen.“

Naja, man kann abwarten, wie lange die Kirchenleitung die Politik des „nichts sehen – nichts hören – nichts sagen“ noch durchhält.
Noch eine Bemerkung sei gestattet mit der Frage, was denn bei der evangelisch-methodistischen Kirche so diskutiert wird. Auf dem Hamburger Kirchentag wurde beim württembergischen Zentrum eine interessante Diskussion geführt, an der auch Prälat Mack teilnahm.
Deutlich und einhellig wurde verurteilt die Vernutzung der Stadtflächen für Luxuswohnungen und Shopping auf Kosten des Raums für Öffentlichkeit, bürgerliches Zusammenleben, Gottesdienst, Raum für sozial schwache Menschen und Familien. Konkret wurde die Zerstörung einer historischen und denkmalgeschützten  methodistischen Kirche zugunsten des neuen Einkaufzentrums im Gerberviertel angesprochen.
Hier wurde ein bauliches Kleinod in der Stuttgarter Innenstadt, eine Perle methodistischen Kirchenbaus zerstört und dem Mammon geopfert. Wer diese Kirche kannte, kann nur mit Wehmut und Empörung daran denken. Aber dafür Tunnel taufen!!

Herzliche Einladung an alle evangelisch-methodistischen Glaubensgeschwister zur Demo am nächsten Montag. Bei den Kismet-Treffen der „Theologe/innen gegen S 21“ sind selbstverständlich auch freikirchliche Kolleg/innen herzlich willkommen.

Michael Harr

Einladung zur „Tunnel-Taufe“-Aktion am kommenden Freitag, 20. Dezember, 12 Uhr, Gänsheidetraße 4

Thomas Felder, S21 Tunnel-Taufe

Thomas Felder hat folgenden Brief an den Herrn Landesbischof geschrieben und ihm eine Aktion vor dem Bischofssitz in der Gänsheidestraße 4 angekündigt.
Gerne dokumentieren wir diesen Brief und laden herzlich ein, bei dieser Protestaktion dabei zu sein.

Sehr geehrter Herr Landesbischof Dr. July,

nachdem Sie auf meinen offenen Brief nicht reagiert haben, machte ich mich gestern zusammen mit der Pfarrfrau Dorothee Esche auf den Weg nach Stuttgart, um für eine kirchliche Aufklärung der Vorgänge vom 4.12.13 zu demonstrieren. Warum schweigt die Kirche zum Missbrauch der Taufe? Wo bleibt die versprochene Rüge für einen Pfarrer, der im Namen der Kirchen und des dreieinigen Gottes eine Veranstaltung eröffnet, die nicht nur S21-Gegner beleidigt? Auch »ganz normale« Kirchgänger, die nach landesbischöflichem Vorbild keine Stellung beziehen, sind empört und in ihrem religiösen Empfinden zutiefst verletzt.

Unsere Aktion hilft dabei ein gewisses Maß an Heiterkeit in die Diskussion zu bringen. »Lasset die Tunnel zu mir kommen und wehret Ihnen nicht«… Viele unterschiedliche Kommentare drangen an meine Ohren beim gestrigen Aktionstag, den Manfred Grohe fotografisch dokumentierte (siehe Bild). Ein Passant meinte schmunzelnd: »So ein Großprojekt braucht halt auch einen großen Pfarrer«. Als solcher verkleidet möchte ich am kommenden Freitag um 12 Uhr mittags vor Ihrem Amtssitz Gänsheidestr. 4 eine »S21-Tunneltaufe« symbolisch nachspielen. Frau Esche und verschiedene Medienvertreter werden mich begleiten und das Geschehen dokumentieren.

Ich lade Sie herzlich dazu ein aktiv an dem kleinen Happening teilzunehmen und öffentlich Stellung zu beziehen. Über Ihre kurze Rückmeldung würde ich mich freuen.

Mit freundlichen Grüßen
Thomas Felder

Offener Brief zur »Tunneltaufe« von Thomas Felder

Sehr geehrter Herr Landesbischof Dr. July,
als Nebelkerze hat sich entlarvt, was Sie mir am 23. 8. 2010 haben ausrichten lassen: »Zum Projekt Stuttgart 21 wird die Landeskirche keine Stellung beziehen. Sie würde Öl ins Feuer gießen, wenn sie sich im Diskurs auf die eine oder andere Seite schlagen würde«. Sie selbst haben das »Schweigen« auf Ihre Kirchenfahne geschrieben und versprachen »alles zu rügen, was den Konflikt schürt«. Doch mehren sich die Anzeichen, dass Ihre öffentlichen Verlautbarungen diametral dem widersprechen, was hinter verschlossenen Türen abgekartet wurde und wird. Ich habe den Verdacht, die Evangelische Landeskirche Württemberg arbeitet seit Anbeginn aktiv am Projekt mit! Es fing an mit der Propaganda von Frau Heike Baehrens, die sich als »Kirchenrätin und Vorstand Diakonisches Werk« werbewirksam für S21 in Szene setzte. Wo blieb da Ihre Rüge? Aus blieb sie! Kein einziges Mal musste sich Frau Baehrens verantworten – schon gar nicht bei ihrer feierlichen Verabschiedung aus kirchlichen Ämtern und Würden vor wenigen Wochen. Sie haben den Skandal nicht nur geduldet und ausgesessen sondern durch Unterlassung wissentlich verschlimmert.
Inzwischen ist gang und gäbe, dass Pfarrer im Namen der Kirchen als Hauptakteure bei Veranstaltungen mitwirken, die an Geschmacklosigkeit und Gotteslästerung kaum zu überbieten sind – so genannte Tunnel-Taufen. Allein schon die Bezeichnung erinnert an Götzendienst im finstersten Sinne des Wortes. Was hier geschieht, hat mit einer Taufe im Sinne Jesu Christi nichts mehr zu tun. Es sind Machtdemonstrationen im Dienst einer hochkriminell organisierten Mafia, die unsere Gesellschaft wie ein bösartiges Krebsgeschwür durchwuchert. Wenn schon Regierungsvertreter nicht mehr zu dem stehen können, was sie vor ihrer Wahl versprochen haben, sollte wenigstens die Kirche das Wort-Halten vorleben. Meine Fragen an Sie: Wurden Sie über die »Tunneltaufen« informiert? Haben Sie solche gebilligt? Falls nicht – schauen Sie sich das Video http://youtu.be/XLCXDJgVcVc an. Ich erwarte Ihre sofortige Stellungnahme, in der Sie sich vom Schmierentheater S21 öffentlich distanzieren!
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Felder
http://www.thomas-felder.de

Nachlese zur „Tunneltaufe“

Als erstes muss fest gehalten werden: Es war kein Pfarrer der Evangelischen Landeskirche, der bei der „Tunneltaufe“ am Barbaratag mitgewirkt hat. Es war der Leitende Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche in Esslingen, Markus Bauder, der an dieser Veranstaltung mitwirkte und durch seine Begrüßung „im Namen der Kirchen“ den Eindruck erweckt hatte, eben auch im Auftrag der Landeskirche zu sprechen

Insofern müssen wir die Überschrift des früheren Beitrags „Landeskirchlicher Pfarrer tauft Tunnel“ korrigieren.

Wir baten Markus Bauder um eine Stellungnahme zu seiner Mitwirkung an der „Tunneltaufe“. Vor allem wurde er gefragt, ob er dazu autorisiert worden sei, im Namen der Landeskirche an dieser Tunneltaufe mitzuwirken. Wir frugen auch beim Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart nach, ob Pastor Bauder autorisiert worden sei, für die Landeskirche zu sprechen. Bislang kam auf diese Frage noch keine Antwort.

Markus Bauder erklärte folgendes:
Die ökumenische Barbarafeier wurde von mir nicht im Namen der Kirchen „eröffnet“, sie fand „im Namen Gottes, der Vaters, der Sohnes und des Heiligen Geistes“ statt. „Im Namen der Kirchen“ habe ich die Mineure, Arbeiter und anderen Gäste „begrüßt“. Dieser Unterschied ist mir schon wichtig.
Ich gebe zu, dass diese Formulierung möglicherweise etwas ungeschickt war. Ich hätte besser sagen sollen „Ich begrüße Sie als ein Vertreter der Kirchen“.
Des Weitern legt Markus Bauder darauf Wert, dass er nur gebetet habe für den Segen und den Schutz Gottes für die Mineure und Arbeiter bei der gefährlichen Arbeit im Berg. Damit sei keine Stellungnahme zu Stuttgart 21 verbunden gewesen. Dies sei ein Projekt, dem gegenüber er viele Bedenken der Gegner teile, aber die Volksabstimmung respektieren wolle.
Wie es überhaupt dazu kam, dass er dabei war, erklärt er mit einer Anfrage des katholischen Betriebseelsorgers zu S 21, des katholischen Diakons, der die Barbara-Statue weihte und zur Bedeutung der Heiligen Barbara predigte.

Soweit die Erklärungen von Pastor Bauder.

Dazu soll fest gehalten werden: Pastor Bauder erweckte den Eindruck, von den Kirchen, und das heißt auch von der Evangelischen Landeskirche autorisiert, bei dieser Veranstaltung dabei zu sein. Weiterlesen