6 Jahre Parkgebet: Donnerstag, 11. August, 18.15 Uhr

Wir feiern Geburtstag! 6 Jahre Parkgebet – so heißt es am kommenden Donnerstag, 11.08. um 18.15 Uhr im unteren Schlossgarten bei der Lusthausruine.
Der Abend steht unter dem Thema: Beten – wofür? Hilft beten? Warum hören wir nicht auf, weiterzubeten?
Wir wollen uns erinnern an die Anfänge vor 6 Jahren, damals noch bei der – für das dümmste Großprojekt seit dem Turmbau zu Babel mittlerweile gefällten – Blutbuche.
Das erstaunliche Jubiläum wollen wir begießen mit einem Glas Sekt. Die Gruppe Parkblech wird das Jubiläum musikalisch umrahmen. Die ganze Parkgemeinde ist herzlichst eingeladen zum Mitfeiern, Mitbeten und Mitsingen.
Guntrun Müller-Enßlin

Parkgebet 7. Juli 2016 Hans-Eberhard Dietrich, Pf. i.R.

Matthäus 5 Vers 13-16
Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es ist zu nichts mehr nütze, als dass man es wegschüttet und lässt es von den Leuten zertreten.
Ihr seid das Licht der Welt. Es kann die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es allen, die im Hause sind.
So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.

Liebe Parkgemeinde,
1.
ein Bibeltext aus der Bergpredigt soll heute im Mittelpunkt der Ansprache stehen. Die Bergpredigt steht ja in Verdacht, reine Utopie zu sein. Was da drin steht über Feindesliebe und Sorglosigkeit, über Vergebung und die schmale Pforte, das kann man ja sowieso nicht erfüllen. Und so haben die Christen zu allen Zeiten versucht, diese steilen Forderungen zu entschärfen, zu domestizieren, haushäbig zu machen oder schlicht mit Helmut Schmid zu sprechen: „ Mit der Bergpredigt kann man nicht die Welt regieren.“ (Helmut Schmid auf einem Kirchentag)

Nun, wenn wir heute ein paar Verse hören, dann wollen wir auch nicht die Welt regieren, sondern uns stärken und ermutigen lassen für unser Anliegen im Protest und in der Kritik an S21.
Das kann die Bergpredigt auf alle Fälle, sie will und kann unsere Gesinnung, unser Wertesystem, unsere Ethik beeinflussen, sie will auf unser Herz und Gemüt einwirken und uns mit einer guten, glaubwürdigen Gesinnung füllen, und aus solcher Gesinnung folgt das reche Tun. Und was dann daraus wird, können wir getrost Gott überlassen.

2.
O-Ton Jesu: Ihr meine Jüngerinnen und Jünger, ihr seid das Salz der Erde, das Licht der Welt.
Betrachten wir uns das Salz. Im Altertum war es die einzige Möglichkeit, Speisen haltbar zu machen, also unverzichtbar. Salz wird somit ein Symbol für das göttliche Bewahren.
In gleicher Weise das Licht. Es gibt ja nur wenig Lebewesen auf der Welt, die ohne Licht gedeihen. Und geht es uns nicht auch so: Nach den langen, dunklen Wintertagen, genießen wir es, wenn die Tage länger werden und die Sonne hell scheint und nicht ständig von Wolken verhangen ist. Wir brauchen das Licht. Es will leuchten und erleuchten, aber auch warnen, denken wir an Blinklichter am Auto, die Ampeln an Übergängen, Leuchtbojen auf dem Meer. Licht ist unverzichtbar.

Und jetzt zu uns Christen und unserem Tun in unserer Welt: Unverzichtbar? Braucht man die Christen überhaupt in der Welt? Nehmen wir uns da nicht zu wichtig? In unserem Land sind wir gerade noch 50% der Bevölkerung, Tendenz abnehmend. Und selbst, wenn wir mehr wären, überfordert uns diese Aufgabe nicht? Zugegeben, das ist anspruchsvoll. Aber unser Herr hat sich dabei bestimmt etwas gedacht. Probieren es einfach aus.

3.
Warnen, auf Gefahren aufmerksam machen, vor Verderbnis und Fäulnis schützen, den rechten Weg ausleuchten. Das aber sollen wir nicht für uns im stillen Kämmerlein tun, da vielleicht auch. Sondern im Alltag der Welt, in unserer Umwelt, in der Kommune, in der Lokalpolitik.
Wenn wir uns dann konkret einmischen und uns äußern, dann tönt es uns gleich entgegen: Ihr Christen habt da nichts zu suchen. Hier herrschen eben Zwänge der Politik, Eigengesetzlichkeiten der Wirtschaft. Gleichwohl, wir sehen uns zum Handeln genötigt. Wenn wir uns einmischen, dann sind wir nicht auf uns allein gestellt. Wir müssen das Rad nicht neu erfinden, Maßstäbe und Ethik nicht neu entwickeln. Die Kirchen haben in einer Reihe von Denkschriften vor etlichen Jahren im Hinblick auf politische Entscheidungen, wie z.B. bei Großprojekten, solche Maßstäbe entwickelt und veröffentlicht. Darin drückt sie die Überzeugung aus:
„dass die Predigt des Evangeliums die Welt verändern will und zur Nachfolge auch im Bereich des mitmenschlichen Zusammenlebens aufruft. Zu dieser Nachfolge gehört das Nachdenken und Mitdenken über die Stellung und den Beitrag der Christen in Fragen des öffentlichen Lebens.“ (Denkschrift: Aufgabe und Grenzen kirchlicher Äußerungen zu gesellschaftlichen Fragen. 1970, S. 41. In: Die Denkschriften der Evangelischen Kirche in Deutschland, 1978, Band 1)
Wenn wir uns dann äußern, muss es freilich sachlich fundiert sein. Wir müssen „die Ursachen, Bedingungen und Auswirkungen wirtschaftlicher und sonstiger Abläufe und Geschehnisse aufdecken,… und scheinbaren Sachzwängen gegenüber die Freiheit des Menschen zu verantwortlichen Entscheidungen ins Spiel zu bringen.“ (a.a.O. S. 55)

Diese Maßstäbe und Werte beanspruchen, nicht nur für den Raum der Kirche, also für die Glaubenden zu gelten. Sie wollen einen Beitrag für den politischen und gesellschaftlichen Diskurs sein, weil die fachlich und sachlich begründet und durchdacht sind. Leider hat unsere Landeskirche oder die Kirche in unserer Stadt nie diese Maßstäbe ins Gespräch gebracht. Aus welchen Gründen auch immer. Damit sind sie aber nicht aus der Welt verschwunden. Sie gelten noch immer.

4.
Ich will zwei solcher Maßstäbe christlichen Handelns nennen,
Erstens: Das Maß aller Dinge ist nicht, was der Mensch kann, was machbar ist, sondern was verantwortbar ist: Verantwortbar gegenüber den Tieren und Pflanzen, der Artenvielfalt und den Ressourcen wie Mineralwasser und Grundwasser.
Machbarkeit.
Am Anfang des Projekts stand eine sogenannte Machbarkeitsstudie, erstellt von der Bahn. Sie kam zum Schluss: S21 ist machbar. Und die Politiker und Betreiber stürzten sich darauf: Dann machen wir das auch. Und Machbarkeit in diesem Horizont bedeutet: Beherrschbar: wir können das schon. Und was nicht beherrschbar ist, da bleibt eben ein Restrisiko, wie beim Brandschutz und den Fluchtwegen.

Zweitens: Wer Entscheidungen treffen muss, bzw. wenn Gremien Entscheidungen treffen müssen, dann müssen sie Alternativen haben und sie auch ehrlich diskutieren. Das wendet sich gegen das unselige „alternativlos“. Sie erinnern sich: Das Unwort des Jahres 2010 hieß alternativlos. Und die Jury, die dieses Wort kürte, definierte es so:

„Das Wort suggeriert sachlich unangemessen, dass es bei einem Entscheidungsprozess von vornherein keine Alternativen und damit auch keine Notwendigkeit der Diskussion und Argumentation gebe.“ (Zitat der Jury-Entscheidung)

Beim Prüfen von Alternative muss man vor allem den Maßstab: Bewahrung der Schöpfung ins Spiel bringen. Aus unserer Verantwortung gegenüber der Schöpfung müssen wir ablassen von Machtphantasien über die Natur. Wir müssen die Grenzen unseres Handlungsspielraums und unser eigen Begrenzung anerkennen. Wir müssen Abschied nehmen von dem Glauben an ein unbegrenztes Wachstum und an Fortschritt ohne Ende. Wir müssen uns am Maßstab des Lebens orientieren und an dem, was dem Leben dient.

Zu S21 gab es ja von Anfang an sehr brauchbare Alternativen. Sie wurden alle verworfen. Über die Gründe müssen wir jetzt nicht mehr sprechen, sie sind hinlänglich bekannt.

Jetzt aber haben kluge Köpfe bei den Architekten und Ingenieure und andere eine Alternative entwickelt, nicht Ausstieg, sondern Umstieg und sie wird Stück für Stück einer breiten Öffentlichkeit präsentiert.
Diese Alternative, der sog. Plan B ist leistungsfähiger, ökologischer, umweltfreundlicher. Und vor allem billiger.
Und da muss man ausnahmsweise den Professor Martin recht geben, wenn er schon vor Jahren sagte: „Wenn man für das gleiche Geld mehr bekommt, sollte man sich für das Bessere entscheiden.“ Unser Plan B ist nicht nur billiger, sondern um ein Vielfaches auch besser.

Wenn der Mensch eine bessere Möglichkeit hat, dann ist es ethisch geboten, sie zu ergreifen.
Besser im Sinne von Leistungsfähigkeit, Geld, Ökologie u.v.a.m. Diese Alternative stellt nicht die ökonomischen Interessen einiger weniger Menschen über die ökologischen Bedürfnisse der breiten Mehrheit.

5.
Salz der Erde, Licht der Welt. Das sollen wir Christenmenschen sein. Nicht einfach dem Mainstream folgen, weil es so bequem ist, weil man sich so wohl fühlt, wenn man/frau tut und denkt, was man/frau so tut und denkt. Überfordert sind wir nicht, wenn wir zuerst darauf schauen, was uns schon geschenkt ist. Licht können wir nur sein, soweit wir es empfangen haben. So wie ein Spiegel, einfach reflektiert, nicht aus uns selbst, sondern einfach widerspiegeln, nur weitergeben, was uns der Herr schon gegeben hat. Und wir trauen es ihm zu, dass er uns mit einer solchen Fülle von Leben erfüllt, dass sie ausreicht, weiterzugeben. Die göttliche Fülle, von der wir leben, reicht aus, Licht und Salz zu sein. Ein solches Denken wird ganz andere Kräfte in uns freisetzen, andere Möglichkeiten des Lebens uns eröffnen.
Hinter diesen Möglichkeiten sollen wir nicht zurückbleiben. „Ihr sollt vollkommen sein wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ So heißt es ein paar Verse weiter in der Bergpredigt.

Ihr seid das Salz der Erde.
Ihr seid das Licht der Welt. So lasst euer Licht leuchten vor den Leuten, damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen.
Amen

1.) Samstags-Demo am 16. Juli 2016 um 13.30 Uhr auf dem Schlossplatz, Stuttgart —————————- 2.) Veranstaltung „Umstieg 21“ am Freitag, 15. Juli um 17 Uhr im Gewerkschaftshaus

Bitte weitersagen!

Herzliche Einladung an alle alten und neuen S21-GegnerInnen: kämpferische, resignierte, hartnäckige, müde gewordene oder ganz neu zu S21-Zweiflern gewordene: Bringen Sie seit Langem einmal wieder Nachbarn und FreundInnen, Kind und Kegel mit!

Denn noch nie stand es um das Zerstörungsprojekt „Stuttgart 21“ so schlecht, wie zurzeit. Weil es zurzeit auf allen Ebenen höchst dramatisch knirscht, wollen wir – vielleicht ein letztes Mal – mit einer außerordentlichen Demo für unser Ziel auf die Straße gehen:

Jetzt ist Zeit für den Umstieg auf eine Modernisierung des Kopfbahnhofs,

denn Vieles von dem Wenigen, das für S21 bereits gebaut wurde, lässt sich hervorragend in diese Pläne integrieren (eindrucksvolle Visualisierungen und Erläuterungen hier: www.parkschuetzer.de/galerien/35)

Deshalb herzliche Doppel-Einladung:

  1. zur Demo am Samstag, 16. Juli, um 13.30 Uhr auf dem Stuttgarter Schlossplatz (mit anschließendem Umzug zum Hauptbahnhof)!
  2. zur Veranstaltung „Umstieg 21“, am Freitag, 15. Juli, um 17 Uhr im Gewerkschaftshaus, Willil-Bleicher-Straße 20, Stuttgart Mitte

Samstags-Demo 16.7.16, Flyer

Die interessanten Kundgebungs-Redner sind dem hier eingefügten Einladungsflyer zu entnehmen. Besonders erfreulich ist, dass wir den bekannten ehemaligen SWR1-Leute Moderator Stephan Siller, für ein Grußwort gewinnen konnten.

An die Kundgebung auf dem Schlossplatz um 13.30 Uhr schließt sich ein Demozug zum Hauptbahnhof an, zu dem Ort, der so schnell wie möglich zu einer zentralen integrierten Verkehrsdrehscheibe mit leistungsfähigem Kopfbahnhof, ZOB, Leihwagenzentrum und Fahrradparkplatz modernisiert werden soll, statt durch S21 zu einem unbedeutenden, schrägen Provinz-Bahnhalt herabgestuft zu werden.

Allen politisch Verantwortlichen bei Bahn, Land, Stadt und Parteien sollen die Augen dafür geöffnet werden, dass das Projekt nun endgültig gescheitert ist – finanziell, technisch und vom Zeitablauf her. Wenn jetzt der Umstieg in Angriff genommen wird, werden Politik, Wirtschaft und Ingenieursstand Deutschlands weltweite Bewunderung erfahren, weil sie – trotz aller Krisenszenarien einen Aufbruch in die Zukunft geschafft haben.

…und zusätzlich eine Informationsveranstaltung:

Zusätzlich wollen wir am Tag vor der Demo unsere Kopfbahnhof-Pläne in einer großen Veranstaltung im Gewerkschaftshaus der Öffentlichkeit vorstellen:
Freitag, 15. Juli, von 17 bis 19 Uhr im Großen Saal, Willi-Bleicher-Straße 20, Stuttgart Mitte.
Eine hoch interessante Veranstaltung, in der Sie verblüffende Details über dieses von hervorragenden Fachleuten entwickelte Konzept anschaulich kennenlernen.

KonferenzUmstieg

Die Initiative „TheologInnen gegen S21“ unterstützt Veranstaltung und Demo nachdrücklich, weil sie sich für einen nachhaltigen Umgang mit der Schöpfung und mit den finanziellen und natürlichen Ressourcen einsetzt. Und weil sie das Ziel eines wirklich barrierefreien Bahnhofs unterstützt, der gleichermaßen für Pendler, Familien und Geschäftsreisende attraktiv ist. Zugleich ist dies eine wichtige Umkehr zu mehr Lebensqualität in der Stadt Stuttgart, denn dann kann der Schlossgarten erweitert und wieder zu einem vollgültigen Park erneuert werden und gleichzeitig ab sofort Wohnraum auf den von der S21-Baustellenlogistik freiwerdenden Grundstücken erstellt werden – nicht erst in frühestens 10 Jahren und auf stadtklimatisch sensiblen Flächen, wie bei S21.
Jetzt umsteigen auf die Modernisierung des Kopfbahnhofs, weil wir Verantwortung tragen für Natur und Mensch – und nicht zuletzt dafür, dass der Wahrheit wieder zum Recht verholfen wird.

Die Wahrheit wird euch frei machen. Ansprache zu Joh 8,31-32 beim Parkgebet am 23.6.2016 von Friedrich Gehring

Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

An Jesus zu glauben heißt nicht, ihn einen lieben guten alten Religionsgründer sein zu lassen, sondern ihm als Jünger nachzufolgen im Kampf um eine gerechtere barmherzige Welt. Auf diesem Weg werden die Nachfolger Jesu die Lüge entlarven und die Wahrheit erkennen. Bezogen auf heute bedeutet dies: Die neoliberale Lüge, der wachsende Reichtum weniger werde zum Wohl aller führen, wird enttarnt als Ungerechtigkeit des Mammons (Lk 16,10) durch die Erkenntnis Jesu: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen, was er hat (Lk 19,26). Die Erkenntnis dieser Wahrheit wird uns als Nachfolger Jesu frei machen, gerade auch im Blick auf das neoliberale Schlüsselprojekt Stuttgart 21.

Dieses Projekt war von Anfang an auf Lügen angewiesen. Es ist vor über 10 Jahren nur in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden, weil bewusst verlogene Kosten genannt wurden. Weitere Kosten- und Leistungslügen haben das Projekt gefördert, um reichen Baukonzernen zu geben und den Bahnkunden und Steuerzahlern zu nehmen. Die grün-rote Regierung hat die Wahrheit im Prospekt zur Volksabstimmung bewusst unterschlagen zugunsten des koalitionären Machterhalts. Und unser so beliebter Ministerpräsident, der jetzt sogar als künftiger Bundespräsident in Betracht kommt, hat als gelernter katholischer Ethiklehrer die Lüge noch hoffähig gemacht durch seine skandalöse Behauptung, in der Demokratie gehe Mehrheit vor Wahrheit. Die Wahrheit Jesu aber erkennt: In der neoliberal verblendeten Scheindemokratie gehen die Interessen von reichen Minderheiten vor dem Wohl der Mehrheit.

Nun zeigt sich allerdings seit einigen Wochen, dass auch die neoliberalen Lügen über Stuttgart 21 zu kurze Beine haben. Volker Kefer will abdanken und das sinkende Schiff verlassen. Er grinst nicht mehr und die Bahn-Aufsichtsräte tun nun plötzlich so, als seien sie von Kefer nicht genügend informiert worden. Das Gegenteil aber ist wahr. Kefer wollte seine Karriere dadurch bauen, dass er den neoliberalen Eliten das in die Tasche log, was sie hören wollten. Die Aufsichtsräte waren im März 2013 von uns Gegnern hinreichend darüber informiert, dass Stuttgart 21 unrentabel ist und nach Aktienrecht nicht weiter geführt werden durfte. Schon damals hätte die Wahrheit sie befreien können. Aber sie haben sich der Kanzlerin angepasst, die in völliger Verblendung immer noch in Stuttgart 21 die Zukunft Deutschlands sah. Nun müsste eigentlich auch ihr dämmern, dass Projekte wie Stuttgart 21 den Niedergang Deutschlands als Techniknation bedeuten. Sie bewundert die schwäbische Hausfrau, weil sie selbst keine ist. Die Wahrheit könnte sie jetzt dazu befreien, den schwäbischen Hausfrauen nachzueifern und als Vertreterin der Alleinaktionärin Bundesrepublik Deutschland das völlig unrentable Projekt so schnell wie möglich abzublasen, um nicht schlechtem Geld nicht noch eine Unmenge gutes nachzuwerfen, was der schwäbischen Hausfrau als klassische Todsünde der Betriebswirtschaft gilt.

Als Gipfel der Absurdität muss es erscheinen, wenn in der Südwestpresse darüber spekuliert wird, ausgerechnet Pofalla könnte Grube beerben. Grube hat sich immerhin schon 2009 beschwert, dass Stuttgart 21 kurz vor seinem Amtsantritt beschlossen wurde. Auch hat er 2013 sehr deutlich erklärt, dass er das Projekt mit dem aktuellen Wissen nicht angefangen hätte. Pofalla aber hat 2013 im Auftrag der Kanzlerin die Aufsichtsräte beschwatzt, gegen das Aktienrecht weitere Gelder in das Projekt zu verschwenden mit Rücksicht auf die Wahlchancen der Kanzlerin. Die Pofalla als Grubes Erben sehen wollen, verweisen darauf, dass er als Vorstand für Wirtschaft, Recht und Regulierung vom Desaster Stuttgart 21 unberührt sei. Das Gegenteil ist wahr. Gerade sofern er für das Recht zuständig ist, steckt er mit seiner Kanzleramtsvergangenheit ganz tief im Schlamassel Stuttgart 21. Wer etwas rachsüchtig eingestellt ist, könnte ihm geradezu gönnen, Grube nachzufolgen und die Suppe Stuttgart 21 auslöffeln zu müssen. Aber dazu wird es ja hoffentlich nicht kommen.

Die Bahnaufsichtsräte wollen sich ja in den nächsten Monaten der von Kefer unterschlagenen Wahrheit nähern. Das muss sie eigentlich frei machen, sich für die Pläne des Aktionsbündnisses zu öffnen, die aus der Katstrophe Stuttgart 21 retten können. Da leuchtet Licht auf am Ende des Tunnels. Das Ende der schrägen Tunnelhaltestelle kann aus dem jetzigen Baustand einen zukunftsfähigen Kopfbahnhof für integrierte Taktfahrpläne machen mit Busbahnhof und Parkplätzen für Fahrräder, Autos und Vermietstationen. Die Bahnverantwortlichen könnten sich als gute schwäbische Hausfrauen profilieren, die Geld sparen für die wirklich wichtigen und guten Projekte wie die Rheintalstrecke, weitere Elektrifizierungen, funktionierende Weichen und pünktlichen Verkehr, Nachtzüge und erweiterten Güterverkehr. Der Mut zur Wahrheit setzt die Kräfte frei, die für das fortgesetzte Lügen und Verdrängen der Wahrheit verschwendet worden sind. Selbst der Stuttgarter Wohnungsbau wird profitieren. Das Immobilienprojekt Stuttgart 21 wird durch den Verzicht auf Stuttgart 21 viele Jahre früher anlaufen, weil die großen Flächen, die durch die Baulogistik blockiert sind, viel früher bebaut werden können. Die Gelder aus dem Rückkauf des Kopfbahnhofgeländes und der Zufahrtsgleise durch die Bahn können für sozialen Wohnungsbau verwendet werden.

Zu alldem kann die Wahrheit frei machen. Wir wollen unbeirrt dafür beten und alles in unserer Kraft stehende dafür tun, dass die Verantwortlichen durch die Wahrheit Jesu befreit werden. Amen.

Offener Brief an den Aufsichtsrat der DB

Der S21-Ausstieg ist alternativlos

Sehr geehrte Damen und Herren im Aufsichtsrat der Deutschen Bahn!

In diesen dramatischen Tagen, in denen Sie sehr grundsätzliche Entscheidungen zur Zukunft der Bahn und insbesondere des Projekts „Stuttgart 21“ zu treffen haben, wendet sich die Initiative „TheologInnen gegen Stuttgart 21“ in einem Offenen Brief an Sie, der auch an die Medien geht. Als ProjektkritikerInnen und Bahnfreunde, die die jetzt offenbar werdenden Probleme von S21 seit langem haben kommen sehen, bitten wir Sie dringend, sich ernsthaft mit unseren Analysen und Forderungen zu befassen:

1. Als ChristInnen, die sich aus ihrem Glauben heraus für die Menschen und die Schöpfung als Ganze mitverantwortlich wissen und nicht zuletzt auch von Politik und Wirtschaft ein Mindestmaß an Wahrhaftigkeit erwarten, fordern wir einen

sofortigen Umstieg auf eine Modernisierung des Stuttgarter Kopfbahnhofs.

Ein Weiterbauen „als wäre nichts gewesen“ ist gegenüber der Bevölkerung nicht zu verantworten. Zu groß und zu viele sind die Schwächen und Risiken des geplanten Tiefbahnhofs. Zu groß und zu viele sind die Verschleierungsversuche der Bahn, was tatsächliche Kosten, Leistung und Probleme des Baus betrifft.

2. Als ChristInnen, die als Konsequenz aus ihrem Schöpferglauben mit wachen Augen soziale und ökologisch relevante Vorgänge in der Gesellschaft beobachten, stellen wir fest:

Ein Umstieg auf eine Modernisierung des Kopfbahnhofs hätte beeindruckende Vorteile:

  • Der Bahnhof würde erheblich mehr Bahnverkehr bewältigen können als der geplante Tiefbahnhof, aber etliche Milliarden weniger kosten.
  • Große Teile des wenigen bereits für S21 Gebauten könnten mit neuer Funktion mitverwendet werden und wären nicht umsonst erstellt worden.
  • Schon in den nächsten Jahren könnte auf den frei werdenden Baulogistikflächen mit dem Bau großer neuer Wohnquartiere begonnen werden – nicht erst Ende der 20-er-Jahre wie beim Rosensteinquartier.
  • Der Stuttgarter Hauptbahnhof bliebe weiterhin ein bedeutender Landesbahnhof mit wichtiger bundesweiter Verkehrsbedeutung – kein untergeordneter Haltepunkt mit eingeschränkten Funktionen.

3. Als ChristInnen, die von den staatlichen Institutionen erwarten, dass sie zum Wohle der Bevölkerung – insbesondere der Schwächeren der Gesellschaft – handeln, beobachten wir irritiert:

Die Politik will mit dem Festhalten am Projekt „Stuttgart 21“ beweisen, dass in Deutschland Großprojekte umgesetzt werden können.

Tatsächlich aber würde sie mit dem Weiterbau der Stadt und dem Land großen Schaden zufügen und den Wirtschaftsstandort Deutschland weltweit blamieren:

  • Nach dem Berliner Flughafen würde ein weiteres Großprojekt in Deutschland der Politik und der technisch-wirtschaftlichen Planung völlig entgleiten.
  • Ein Großprojekt würde über weitere mindestens 10 Jahre mit immer neuen Problemen im Fokus der Öffentlichkeit stehen.
  • Die Politik würde als unfähig dastehen, aus erkannten Fehlern zu lernen.

Ein Auswechseln verantwortlicher Köpfe erscheint uns notwendig, aber allein noch nicht nachhaltig genug,

weil die Probleme mit S21 vom Projekt selbst herrühren. Sie sind nicht von den verantwortlichen Personen verursacht, sondern lediglich von ihnen verschwiegen worden.

4. Deshalb fordern wir als ChristInnen, die sich in der Verantwortung wissen, Politik und Wirtschaft konstruktiv zu beobachten und zu kontrollieren, die Verantwortlichen auf:

Beschließen Sie jetzt ein Moratorium, in dem die Rahmenbedingungen des Projekts S21 – von dem erst höchstens 20 Prozent gebaut sind – noch einmal grundsätzlich und ehrlich überprüft werden, mit dem letztlichen Ziel eines sowohl wirtschaftlich als auch verkehrstechnisch sinnvollen Umstiegs auf die Modernisierung des Kopfbahnhofs.

Mit freundlichen Grüßen im Namen der Initiative „TheologInnen gegen Stuttgart 21“, MP

Parkgebet am 9. Juni 2016 zu 1. Timotheus 2 Vers 1–3 von Eberhard Dietrich

Liebe Parkgemeinde,

1. Gebet für die Stadt, unter diesem Motto stehen unsere Gottesdienste alle zwei Wochen hier im Schlossgarten. Gebet, das ist für die meisten zunächst etwas ganz privates, ja Intimes zwischen mir und Gott. Ein „Reden des Herzens mit Gott“, wie es Martin Luther in seiner Erklärung zum Gebet ausdrückte. Darin schütte ich Gott mein Herz aus, was mir Sorge macht, was ich von ihm erhoffe, aber ich sage auch Danke für so vieles in meinem Leben, womit ich immer wieder neu beschenkt werde und was mich reich macht.

Gebet für die Stadt, das geht nun über diesen ganz privaten Bereich hinaus. Hier kommen unsere Mitmenschen in den Blick, die Gemeinschaft, die Gesellschaft, die Kommune.

Und das ist dann nicht nur eine Rede des Herzens mit Gott, sondern eine Sache, die man mit anderen Menschen gemeinsam macht. Aber nicht privat, so unter Freunden und Gleichgesinnten, sondern öffentlich. Dafür wird eingeladen, es ist für jedermann und jede Frau zugänglich.

Mit einem solchen Gebet stellen wir uns hinein in eine alte christliche Tradition, die es schon am Ende des ersten Jahrhunderts gab. Ich lese dazu ein paar Verse aus dem 1.Timotheusbrief des Paulus an seinen getreuen Missionsgehilfen Timotheus.

Predigttext: 1.Tim. 2 Vers 1-3
(1)So ermahne ich nun, dass man vor allen Dingen tue Bitte, Gebet, Fürbitte und Danksagung für alle Menschen.
(2)Für die Könige und alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und stillen Leben führen können in aller Frömmigkeit und Ehrbarkeit.
(3)Das ist gut und wohlgefällig vor Gott, unserem Heiland, welcher will, dass allen Menschen geholfen werde und sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.

2. Liebe Parkgemeinde, ich weiß nicht wie es Ihnen geht, manche Wendungen dieser Verse hören sich recht spießbürgerlich an: z.B. das mit dem „ruhigen und stillen Leben führen in aller Ehrbarkeit“.

Das soll uns aber nicht daran hindern, auf die Botschaft zu hören: Wir werden aufgefordert: öffentliches Gebet für die Obrigkeit.

Obrigkeit, das ist für uns nicht mehr ein König oder Fürst von Gottes Gnaden, sondern das sind für uns alle Menschen, die in unserer Gesellschaft Verantwortung tragen, die Parlamente und in unserer Stadt die Stadträte und Bürgermeister. Ihnen gehorcht man auch nicht mehr einfach, weil sie Obrigkeit sind. So hat man es früher oft verstanden, und so denken viele Menschen heute auch noch. Wer Verantwortung trägt, tut es für die Gemeinschaft und wird hoffentlich auch von der Öffentlichkeit einer mündigen Bürgergesellschaft kontrolliert.

Ich denke, wir alle hier sind ein Teil dieser kritischen Öffentlichkeit. Und deshalb werden wir auch nicht müde, z.B. S21 zu kritisieren.

Diese Kontrolle und Kritik ist kein Selbstzweck. Es hat zum Ziel, dass auch „sie zur Erkenntnis der Wahrheit kommen.“

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Parkgebet am 14.4.16 zu 1. Joh. 5,4b von Martin Poguntke

Ansprache als pdf-Datei

Liebe Parkgebetsgemeinde!

Es ist schon eine gewaltige Wucht, mit der die S21-Betreiber scheinbar unaufhaltsam ihren Weg vorangehen. Mit welcher Rücksichtslosigkeit sie zerstören! Mit welcher Leichtigkeit sie Lügen verbreiten und Gesetze bis zum Zerbrechen biegen zu ihrem Vorteil! Mit welcher Beharrlichkeit so viele Menschen, die es besser wissen könnten und vermutlich auch besser wissen – mit welcher Beharrlichkeit sie ihresgleichen unterstützen, decken, verteidigen!

Ich frage mich immer wieder: Warum tun die das? Warum machen sich Menschen so verbissen zu Werkzeugen der Zerstörung und des Betrugs?

Als Versuch einer Antwort darauf ist in mir in den letzten Jahren die Überzeugung gereift: Das ist eine Glaubensfrage. Diese Leute haben einen ganz anderen Glauben. Sie dienen – ohne sich dessen bewusst zu sein – einem ganz anderen Gott.

Ich will heute anhand eines Satzes – des Kernsatzes – aus dem Predigttext vom kommenden Sonntag der Frage nachgehen, was unseren Glauben ausmacht. Und im Umkehrschluss: was wohl den Glauben dieser S21-Verteidiger ausmacht.

Dieser Kernsatz des Predigttextes steht im 1. Johannesbrief, Kapitel 5, dort am Ende von Vers 4, und er lautet:

 „Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt überwunden hat.“

Bevor ich frage, was das für ein Glaube ist, von dem da so Großes gesagt wird, möchte ich ein wenig auffächern, was mit diesem Satz gesagt ist. – Wenn ich’s richtig sehe, dreierlei:

1. Unser Glaube ist der Sieg, der dazu führt, dass uns das Treiben der Welt nicht mehr gefangen hält.

Mit dem Treiben der Welt meine ich in erster Linie diesen kapitalistischen Zwang zum immer weiteren Wachstum, egal, wodurch, und koste es, was es wolle. Das ist ja der einzige Sinn von Stuttgart 21: dass Geld in die Wirtschaft gepumpt wird, damit auf Teufel komm raus die Wirtschaft wachsen kann. Ob das Projekt am Ende funktioniert, ist völlig egal – Hauptsache, die Wirtschaft wird angekurbelt. Und wenn man hinterher teure Korrekturen und Ergänzungen machen muss – umso besser: dann kann man noch mehr Geld in die Wirtschaft lenken.

Aber so widersinnig und absurd einem dieses Treiben erscheinen mag – es hat eine ungeheure Kraft: Wir können uns diesem System nicht wirklich entziehen. Unmerklich und ohne es verhindern zu können, werden wir alle zu Teilen dieses Systems. Wir tragen es mit durch unsern Konsum. Wir tragen es mit, weil wir durch unser ganzes Leben Teil dieses weltweit zerstörenden Ausbeutersystems sind.

Wir können uns dieser Welt nicht entziehen, aber: Weiterlesen