Landesbischof July zu S21: Die Kirche sollte sich nicht in jeden tagesaktuellen Diskurs einmischen

… war es mir immer wichtig zu sagen, der Streit muss mit sachlichen Argumenten geführt werden. …

Die Bibel sollte also außen vor bleiben.
Genau. Viele gesellschaftliche Fragen haben mit theologischen Standpunkten zu tun, die Bibel gibt Orientierungswissen. Der Bau eines Bahnhofs hat erst einmal mit Kosten-, Technik- und Planungsfragen zu tun. …

Was hat der Konflikt mit der Landeskirche gemacht? Es gab viele Austritte und Proteste wegen des Engagements einzelner Pfarrer.
Es gibt auch bei anderen gesellschaftlichen Konflikten Menschen, die sagen, ich verstehe die Kirche nicht und trete aus, aber das sind Einzelfälle. Wir sind nicht erpressbar. Mein erster Bischofsbericht im Jahr 2005 war überschrieben mit der These, Religion ist mehr als Privatsache, und dazu stehe ich auch heute. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Kirche in jeden tagesaktuellen Diskurs einmischen sollte.

Wir haben uns unserer Verantwortung nicht entzogen, sondern versucht, einen Konflikt zu entdramatisieren. Theologen dürfen in bestimmten Situationen nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. …

Eine Anmerkung des Administrators sei erlaubt:
Müsste es nicht besser heißen:  … einen Konflikt zu bagatellisieren ??

Lesen Sie hier das ganze Interview mit dem evangelischen Landesbischof Frank Otfried July

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10 Antworten zu “Landesbischof July zu S21: Die Kirche sollte sich nicht in jeden tagesaktuellen Diskurs einmischen

  1. http://www.ekd.de/download/denkschriftendenkschrift.pdf
    könnte man nicht mal den Landesbischof und weitere Theologen und Synodale zu einer Diskussionsveranstaltung einladen auf Grundlage dieser Denkschrift der EKD, in der nämlich ganz vernünftige Sachen stehen? Das würde die Angelegenheit bestimmt wie gewünscht sehr versachlichen.
    Es interessiert mich nämlich wirklich, warum man sich seitens der Landeskirche bei einem Thema raushält und bei einem anderen nicht. Da muß es doch Kriterien geben. Theologische. Oder ethische. Bisher hat mir niemand darauf schlüssig antworten wollen. Was ich sehr schade finde.

    • Kirchen, nein danke.

      Mich interessieren diese Kriterien nicht. Ich werde nun auch austreten, es reicht. Diese Männer (Generationenproblem?) sind vollkommen weltfremd und was entscheidend fehlt, ist echtes Interesse an der Sache und Empathie für die Menschen. Aber was will man auch erwarten? Wenn selbst der sogenannte „Landesvater“, der sich selbst gerne immer als besonders katholisch verkauft, im Zusammenhang um die Konflikte zu S21 immer wieder gerne erwähnt, es „handelt sich hier nur um einen Bahnhof“.
      In ihrer Ignoranz stehen sich die beiden Herren in NICHTS nach.

  2. Einfach schade, dass sich sogenannte „Christen“ offensiv gegen ein politisches und gesellschaftliches Projekt wenden.
    Einfach schade, dass sich sogenannte „Christen“ gegen demokratische Spielregeln verhalten: „S21-Volksentscheid: Die Mehrheit der Abstimmenden (58,8 Prozent) hatte sich im November 2011 für einen Weiterbau des Milliardenprojektes ausgesprochen. Die S21-Kritiker verfehlten außerdem das Quorum von 33 Prozent der Wahlberechtigten“.
    Einfach schade, dass Sie letztlich die Verlierer sein werden!

    Einfach gut, dass die demokratische Mehrheit gesiegt hat und wir in 10 Jahren einen genialen Bahnhof haben werden.

    • Kirchen, nein danke.

      In zehn Jahren darfst du die Augen schließen und das, was du da siehst, ist das, was du haben wirst: Ein schwarzes Loch und darüber hinaus Milliarden Schulden (die hoffentlich im Schweiße deines Angesichts und unter scheren Einbußen für deine Altersvorsorge) als Befürworter natürlich gerne abtragen wirst. Darüber hinaus eine zerstörte Stadt, eine unterirdische U-Bahn-Station, die keine der Anforderungen erfüllt und deshalb NIE in Betrieb gehen wird. Vielleicht einfach jetzt schon mal versuchen nach Berlin zu fliegen an den tollen neuen Flughafen :-). BER ist ein Waisenkind im Vergleich zu den Anforderungen an S21. Aber was soll man den Ahnungslosen erzählen….sie begreifen es doch nie. Also SPÜREN MÜSSEN.

      • „Also SPÜREN MÜSSEN“….
        Vielleicht haben Sie alles richtig gesagt. Vielleicht werden wir in 10 Jahren als bitterlich bereuen, vielleicht muss ich dann noch mehr Steuern zahlen, um den Bahnhof zu finanzieren, vielleicht…..

        Vielleicht sind Sie in Ihrer Ideologie auch zu negeativ geprägt, vielleicht wird es nicht so teuer, vielleicht klappt alles und wir haben einen genialen Bahnhof.

        Kennen Sie die Wahrheit oder kenne ich die Wahrheit? ie Wahrheit kennt letztlich nur einer….

        Aber mit Sicherheit kann ich sagen, dass S21 demokratisch beschlossen wurde! Basta! Sollte alles völlig schief gehen (wie in Ihrem negativen Denken vorhergesagt), dann kann ich zumindest sagen, die Mehrheit des Volkes hat es so gewollt. So läuft nunmal die Demokratie – schade halt für Sie, dass Ihre Minderheitenmeinung letztlich niemand interessieren wird.

  3. „warum könnte man nicht mal den Landesbischof und weitere Theologen und Synodale zu einer Diskussionsveranstaltung über Zensur einladen?“

  4. Die demokratischen Spielregeln sind das eine. Die sogenannte Volksabstimmung hat sich nicht mal an ihre eigenen Spielregeln gehalten. Aber das ist nicht mein Punkt. Ich erwarte, daß die Kirchenleute sich die Mühe machen, theologisch zu argumentieren. Auch hier geht es mir nicht primär um für den einen oder für den anderen Bahnhof, sondern um die Bemühung, die Realität in Stuttgart mit den Begriffen der eigenen Religion in Beziehung zu setzen. Man kann ja vielleicht zu dem Schluß kommen, die Tiere im Schloßgarten, die nun ihren Lebensraum verloren haben, hätten nichts mit Tierschutz (Jubiläum übrigens in diesem Jahr!) und Bewahrung der Schöpfung zu tun. Man kann ja vielleicht zu dem Schluß kommen, die Wasserwerfer im Schloßgarten hätten dem Frieden gedient und das beschädigte Bahnhofsdach sei einzig und allein dazu da, die Fahrgäste zu mehr Gottvertrauen zu erziehen. Wer weiß. Was ich möchte, ist, daß wir uns gegenseitig ernst nehmen in dem, was für uns wichtig und schützenswert ist. Wo kämen wir denn hin, wenn eine Mehrheit darüber beschließen könnte, wie ich meinen christlichen Glauben zu verstehen habe? Wo kämen wir denn hin, wenn mir eine Mehrheit sagen wollte, ob ich vor Tunnelbränden Angst haben darf oder nicht?
    Bitte, Herr Bischof, belehren Sie mich mal über das biblische Orientierungswissen, insofern es für S21 relevant ist.
    Und bitte, warum läßt sich niemand auf diese oben erwähnte Denkschrift ein? Ist das so ketzerisch, was da steht?

  5. Die Volksabstimmung ist ein politisches Problem, die angebliche Neutralität der Landeskirche zu S21 ist ein kirchliches Problem, und die Unfähigkeit, die Sichtweise der sich um die Stadt, Bahnhof und Parkanlagen sorgenden Menschen wahrzunehmen, ist ein zwischenmenschliches Problem.
    Vielleicht hilft es, wenn wir das auseinanderhalten.

  6. Die Kirche und deren Vertreter stehen hinter der Zerstörung eines anmutigen alt herangewachsenen Park mit seiner Anderwelt und für Menschen besonders wertvollen Bäume sowie einem historisch-handwerklich-bedeutsamen- best funktionierenden Bahnhof – diese nehmen billigend die Zerstörung der Mineralquellen in Kauf.
    Sie würdigen Gottes Geschenke nicht. Zerstörung von Volksgut!

    Die VA war ausgelegt durch falsche Fakten
    S21 ist sorgfältig geplant, geprüft und baureif
    S21 hält den Finanzierungsrahmen ein
    S21 ist leistungsfähig
    S21 schützt Mensch und Umwelt
    S21 stärkt den Wirtschaftsstandort

    Mahnt sie denn nicht, die innere Stimme, wie sie Gott beleidigen?

    Ich hörte den Aufruf „Heilung der Erde und Wahrung der Menschenwürde“

  7. Herr July zum Kirchentagsmotto.
    „Wir müssen es offenbar immer wieder neu: klug werden. Damit wir zum Beispiel nicht Absaufen im täglichen digitalen Kommunikationswahnsinn. Information, Wissen ist heute leichter denn je zugänglich. Aber wie ist es einzuordnen? Wie zu werten? Welche Schlüsse sind daraus zu ziehen? Mir ist wichtig: Zur Klugheit, die von Gott kommt, gehören Achtung und Respekt voreinander, gehört es, klug zu argumentieren und Argumente auszutauschen, abzuwägen. Diese Klugheit wünsche ich mir in gesellschaftlichen Diskussionen, die wir führen.“

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