Archiv der Kategorie: Harr

Nadelstiche beim Kirchentag

Aktionen gegen Stuttgart 21 gehören seit einigen Jahren zur Begleitmusik des Kirchentags. Auch beim Berliner Kirchentag, der vor kurzem über die Bühne ging, gab es diese:
jeden Tag einen Schwabenstreich am Potsdamer Platz, direkt beim DB-Gebäude.

Es sei daran erinnert, dass der Kirchentag vor zwei Jahren nach Stuttgart gekommen war, ausdrücklich auch wegen des bürgerschaftlichen Engagements gegen Stuttgart 21. Nach dem die Entscheidung für Stuttgart dann gefallen war, hat irgendjemand daran gedreht und dafür gesorgt, dass dieses Thema aus der Agenda des Kirchentags gänzlich verschwand: Nur aufgrund großen Drucks von unserer Seite, gab es wenigstens eine einzige (und bemüht ausgewogene) Veranstaltung zu Stuttgart 21. Ansonsten dröhnendes Schweigen.

Umso wichtiger ist es, dass wir das Thema auf den Kirchentagen nicht ruhen lassen – alle zwei Jahre wieder.

In Berlin war es dieses Jahr keine Massendemonstration – das Thema ist offenbar in Kirchenkreisen gänzlich aus dem Blick. Sondern es war eher die Schar der Unentwegten, die sich hier traf: Sie sorgte für deutlich hörbare Schwabenstreiche. Und: Sie verteilte größere Mengen Informationsmaterial und führte Gespräche mit erstaunten Passant/innen und hoch interessierten Polizeibeamten.

Es war nicht der große Hammer, was da in Berlin geschah. Sondern es waren Nadelstiche gegen Stuttgart 21. Aber Nadelstiche, die deutlich machten:
„Ihr werdet uns nicht los. Wir euch schon.“

Der Berliner Kirchentag und S 21

Vor einigen Monaten, als die ersten Überlegungen zu einem täglichen Schwabenstreich auf dem Berliner Kirchentag anliefen, sagte ein Bekannter zu mir. „Das ist doch völlig überflüssig. Bis dahin ist das doch Stuttgart 21 längst erledigt.“ Leider hat besagter Bekannter nicht recht behalten, sondern der Irrsinn bohrt sich weiter durch den Stuttgarter Untergrund.

Und noch hartnäckiger ist unser Protest dagegen.

Erinnern wir uns an die massive Zensur, die auf dem Stuttgarter Kirchentag ausgeübt wurde.  Hoffen wir, dass sich das  in Berlin nicht fortsetzt. Kirchentag will in seinem Grundgedanken dem Raum geben, was das Kirchenvolk bewegt, und nicht dem, was kirchliche Obrigkeit als zu denken für nötig erachtet.

Daher:
Kommt zum Potsdamer Platz und macht Euren Protest sichtbar und hörbar!

Und an die Bahn-Oberen:  „Ihr werdet uns nicht los – wir euch schon!“

Michael Harr

Kein Kirchentag ohne Demo gegen S 21!

Seit Jahren veranstalten hartnäckige S21-Gegner/innen jede Woche in Berlin am Potsdamer Platz einen Schwabenstreich gegen den Irrsinn.

Auch während des Kirchentags (24. bis 28. Mai) haben wir einen täglichen Schwabenstreich am Potsdamer Platz vor dem DB-Gebäude angemeldet.

Wir treffen uns dort an drei Abenden zu Demo und Schwabenstreich: Donnerstag, 25., Freitag, 26. und Samstag, 27. Mai,
jeweils von 18.45 bis 19.15

Ihr werdet uns nicht los – auch nicht auf dem Kirchentag.

Nach dem Kirchentag ist vor dem Kirchentag

Vom 24. bis 28. Mai 2018 soll der nächste Kirchentag über die Bühne gehen – zum einen in der Bundeshauptstadt Berlin, zum anderen in dem doch eher provinziellen, wenngleich historisch bedeutsamen Wittenberg.
Gemäß dem Motto: „Ihr werdet uns nicht los – wir euch schon“, werden wir auch diesmal dabei sein. Genau genommen hoffen wir, dass das Thema Stuttgart 21 bis dahin erledigt ist, aber schaden kann es trotzdem nicht, den Protest auf dem Kirchentag schon mal vorzubereiten.
Nun ist Berlin von Stuttgart aus gesehen zwar am anderen Ende der Republik, aber mit seinem Flughafenprojekt BER stellt sich auch hier die Frage nach unverantwortlich und unfähig geplanten Großvorhaben der deutschen Bauindustrie.
Wöchentlich und zwar derzeit jeden Dienstag um 19.00 Uhr findet vor dem DB-Sitz am Potsdamer Platz ein Schwabenstreich gegen Stuttgart 21 statt. Auch so wird der Protest wachgehalten. Wer mal in Berlin ist und das einrichten kann, ist immer zum Mitdemonstrieren herzlich willkommen.
Was im Einzelnen geplant wird, werden wir noch sehen. Wir halten Euch auf dem Laufenden. Jedenfalls muss klar sein: So lange der Irrsinn von S 21 nicht aufhört, soll es auch keinen Kirchentag ohne Protest gegen diesen Irrsinn geben!

Denkmalpflege, Barbarei und Unglauben

Sehr lesenswert ist im neuen Heft der Denkmalstiftung Baden-Württemberg „Denkmalstiftung 4 / 2015“ ein Interview mit dem emeritierten Bauhistoriker Dietrich W. Schmidt. Die bei den für das Bauwesen in Stuttgart Verantwortlichen seit Jahrzehnten vorherrschende Stimmung „Weg mit dem alten Glomp!“ wird von ihm kommentiert mit den Worten „Aber in Stuttgart hat(te) die Denkmalpflege einen furchtbaren Stand.“

Von der Zerstörung des Steinhauses bis zur Zerstörung des Reichsbahndirektoriums und der Flügel des Bonatz-Baus ist ein erschreckend weiter Bogen zu schlagen. Der verächtliche Umgang mit hochwertiger historischer Bausubstanz ist eine einzige Schande für diese Stadt.

Das ist auch theologisch relevant. Dabei sei Friedrich Daniel Schleiermacher zitiert. „Soll der Knoten der Geschichte so auseinander gehen? Das Christentum mit der Barbarei und die Wissenschaft mit dem Unglauben?“

Der Widerstand gegen den barbarischen Umgang mit der kulturellen Überlieferung sollte sich für Christen und Kirche von selbst verstehen. Die barbarische Zerstörung von Kulturgütern geht sehr schnell mit Menschenverachtung Hand in Hand.

Das Heft kann bestellt werden unter: denkmalstiftung-baden-wuerttemberg.de

Michael Harr

Brief 7 / Stuttgart 21 und der Kirchentag

Der Kirchentag ist vorbei, und es soll nun doch noch eine kleine Nachlese geben, was sich konkret aus dem ergeben hat, was auf dieser Seite in den Briefen zu Stuttgart 21 zum Kirchentag und gesagt wurde.
Zwei Punkte sind es, die ich dabei besonders in den Vordergrund stellen will. Zum einen geht es um die Frage nach der Sicherheit des Kirchentags und zum anderen um die Frage nach dem Ausschluss vieler Gruppen und Initiativen von dieser kirchlichen Großveranstaltung.

Es ist festzuhalten, dass es keine nennenswerten Sicherheits-Probleme und -Schwierigkeiten gegeben hat. Nach meiner Beobachtung haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsbetriebe sehr um einen reibungslosen Verlauf gekümmert. Ihnen soll für ihre Arbeit unter dieser manchmal erheblichen Hitze an dieser Stelle auch gedankt werden.
Waren die Befürchtungen, dass die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher des Kirchentags nicht hinreichend gewährleistet sei, damit überflüssig? Weiterlesen

Brief 6 / Stuttgart 21 und der Kirchentag

Kirchentag zwischen Banalität und Sicherheitsrisiko?

Wer das Publik Forum-Heft vom 8. Mai 2015 gelesen hat, der stieß dort auf ein Thema, zu dem ich schon lange etwas schreiben wollte. Nun ist es schon mal klar gesagt: Die Kirchentagsleitung hat kritische Gruppen, die der Meinung sind, dass der Kopf nicht vor allem dazu da ist, dass man ihn in den Sand steckt, systematisch aus dem Kirchentag herausgehalten.
Es ist mir ja selbst so passiert, dass mir Mitte des letzten Jahres gesagt wurde, dass eine von mir und anderen geplante Veranstaltung zum NSU-Komplex nicht ins Programm könne. Das sei schon voll. Die Behauptung „Das Programm ist schon voll.“ haben dann auch andere Anti-Faschisten, Friedensbewegte, Palästina-Engagierte, Tierschützer usw. zu hören bekommen.
Nun gibt es stattdessen eine Fülle von Veranstaltungen, die man aus dem Kirchentag draußen gehalten hat und die nun selbst organsiert stattfinden. Das, was man bisher nur von Katholikentagen kannte, nämlich so etwas wie einen alternativen Katholikentag, einen „Katholikentag von Unten“, eigene Veranstaltungen von Publik Forum, das haben wir jetzt auch auf dem evangelischen Kirchentag. Man muss es klar sagen: Der evangelische Kirchentag hat sich verändert, und zwar nicht zu seinem Vorteil, sondern zu seinem Nachteil. Der Stuttgarter Kirchentag ist insofern ein Meilenstein auf dem Weg zu einer Kirche, die bewusst den Weg in die Bedeutungslosigkeit wählt. Die Banalität der württembergischen Beiträge in Hamburg darf als bezeichnend für diese Entwicklung gesehen werden.
Was hat das mit Stuttgart 21 zu tun? Weiterlesen