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Ansprache beim Parkgebet am 26.1.2017 zu Lk 18, 40-43 von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Und Jesus fragte ihn: Was willst du, dass ich dir tun soll? Er antwortete: Herr, dass ich wider sehend werde. Und Jesus sprach zu ihm: Werde wieder sehend! Dein Glaube hat dich gerettet. Und sofort wurde er wieder sehend, und er folgte ihm nach und pries Gott.

Die Heilung des Blinden in Jericho wirkt auf uns heute beim ersten Hören fremd, denn wir wissen von der modernen Medizin, wie Menschen durch Operationen wieder sehen können. Erst beim zweiten Hinsehen wird die Aktualität der Erzählung deutlich. Jesus ist auf dem Weg nach Jerusalem, wo er nicht auf körperliche, sondern geistige Blindheit treffen wird. Unmittelbar nach der Heilung in Jericho besucht Jesus den Zachäus, der vor Gier blind ist und nicht sieht, dass er sich durch diese Gier selbst durch Isolierung im Ort bestraft. Durch die Begegnung mit Jesus wird er sehend, legt seine schädliche Gier ab und folgt Jesus nach auf dem Weg in das Reich Gottes des fairen Teilens. Aus diesem Blickwinkel wird die Wunderheilung in Jericho plötzlich hochaktuell, denn die schädliche Gier macht heute so blind wie damals und ist hartnäckig verbreitet. Ärztliche Kunst ist so machtlos dagegen, dass es einem Wunder gleichkommt, wenn Menschen davon befreit werden.
Die blinde Gier wurde bei uns epidemisch durch die Machtergreifung des Neoliberalismus. Angeregt durch ihre Heilspropheten Thatcher und Reagan ergriff sie auch unser Land mit der schwarz-gelben Revolte gegen Helmut Schmidt. Unterstützt von Roman Herzog, dem jetzt vielgerühmten Ruckpropagandisten, breitete sie sich weiter aus unter Gerhard Schröder und Angela Merkel, weil ihre großen Heilsversprechen geglaubt wurden. Wenn es den großen Konzernen gut geht, so wurde verkündet, dann wird es allen gut gehen, denn von ihrem Reichtum tropft wie in Sektkaskaden der Wohlstand auf breite Schichten der Bevölkerung herab. Deswegen müssen die fettesten Pferde gefüttert werden, damit für die armen Spatzen viele Rossäpfel abfallen. So wurden den Konzernen blind Opfer gebracht, so genannte zurückhaltende Lohnforderungen, Steuergeschenke, günstige Investitionsbedingungen aus der öffentlichen Hand und die Lobbyisten schrieben die Gesetze. So wurden Abgasmanipulationen gefördert und Bankbetrügereien und Anlagegeschäfte, bei denen nicht gezahlte Steuern erstattet wurden, und vieles anderes mehr. Wir Kritiker des Projekts Stuttgart 21 können die Liste noch stattlich verlängern, die aufzeigt, wie nicht nur die Wahrheit, sondern auch enorme öffentliche Ressourcen auf dem Altar der blinden Gier der Konzerne geopfert werden. Den Gipfel der Blindheit erleben wir derzeit darin, dass die überlegene Lösung des Umstiegskonzepts nicht gesehen werden kann. OB Kuhn sagt, der Umstieg werde noch teurer. OB scheint hier zu stehen für „Ober-Blind“.

Besonders verhängnisvoll wirkt sich aus, dass die wirtschaftswissenschaftlichen Lehrstühle an unseren Universitäten zu 90 % von neoliberal verblendeten Professoren besetzt sind. Eine Generation von ebenso erkrankten Wirtschaftsverantwortlichen wird so nachwachsen. Der US-Professor Roubini, der schon 2004 die Krise von 2008 voraussagte, wurde von der gesamten Zunft verspottet. Der Nobelpreisträger Robert Lucas verkündete dagegen 2003, das Crash-Problem sei für Jahrzehnte gelöst. Als der Crash dann eintrat, gab es kein Umdenken, keine Rückbesinnung auf die wichtigsten modernen Wirtschaftsfachleute wie Adam Smith, Karl Marx oder John Meynard Keynes. Die epidemische Blindheit blieb resistent gegen die erfahrbare Wirklichkeit.

Wir sind hier zum Parkgebet beisammen, weil wir uns nicht anstecken lassen. Deshalb müssen wir vom Verfassungsschutz beobachtet werden, der nicht unsere Verfassung, sondern die neoliberale Lobbykratie und mutmaßliche Mörder wie Böhnhardt und Mundlos oder vielleicht auch Amri schützt. Aber wir lassen uns nicht einschüchtern. Wir schauen weiter genau hin und nennen die Missstände und Fehlentwicklungen beim Namen. Wir lassen uns nicht beirren, wenn in den USA ein Präsident an die Macht kommt, der als Milliardär messianische Erwartungen auf sich zieht. Es wird sich sehr schnell herausstellen, dass er nicht wirklich helfen wird, sondern nur seinen Reichtum und den seiner Milliardärskollegen mehrt. Er hat die Mehrheit der Wahlmänner, nicht aber die des Volkes hinter sich. Vielleicht brauchen die USA einen Trump, um reif zu werden für einen Bernie Sanders und eine von christlicher Barmherzigkeit getragene friedliche Politik.
Wir jedenfalls wollen uns von Jesus die Augen öffnen lassen und schauen genau hin, wo die Selbstzerstörungskraft des blinden neoliberalen Mammons sichtbar wird. Wenn der großmäulige Milliardär und Präsident Trump von Strafzöllen spricht für Autobauer, die nicht genug Arbeitsplätze in den USA schaffen, kann der angeblich mächtigste Mann der Welt nicht verhindern, dass die Premiumautos weiterhin gekauft werden. Denn diese werden nicht bestellt, weil sie billig sind, sondern gerade weil sie teure Statussymbole darstellen. Dann werden diese Zölle zu Luxussteuern, die er gar nicht wollte, und der Maulheld entzaubert sich als blinder Stammtischredner. Bei seinem Stammtischhorizont ist er auch blind dafür, dass die Beendigung der Handelsabkommen die USA kleiner und dafür China größer macht.

Auch bei Stuttgart 21 schauen wir genau hin, wie die Projektpartner sich über dem Kostenstreit zerfleischen werden. Wir sind gespannt, ob sich Ministerpräsident Kretschmann schließlich doch noch gezwungen sieht, das Bundesverfassungsgericht anzurufen, um die Verfassungswidrigkeit des Schmiergeldes klären zu lassen. Das hat er ja einst auch großmäulig versprochen, um dann das Versprechen ganz schnell auf dem Altar der Macht zu opfern für die grünrote Koalition. Es kann sich also durchaus noch herausstellen, dass der Volksentscheid zwar Käse war, aber noch lange nicht gegessen, sondern allenfalls vergammelt ist.

Wir schauen also nicht auf die großmäuligen scheinbar Mächtigen wie das Kaninchen auf die Schlange. Wir lassen uns von dem Mammonskritiker Jesus den Blick schärfen, der uns für die blinden Blindenführer so gefährlich macht, dass sie den Verfassungsschutz auf uns ansetzen.
Im Blick auf unsere gegenwärtige Weltsituation fällt mir ein Lied ein, das Rudolf Alexander Schröder am Vorabend des 2. Weltkriegs im dunklen NS-Deutschland schrieb (EKG 378, 3+4):
Es mag sein, dass Frevel siegt, wo der Fromme niederliegt; doch nach jedem Unterliegen wirst du den Gerechten sehn lebend aus dem Feuer gehen, neue Kräfte kriegen.
Es mag sein – die Welt ist alt – , Missetat und Missgestalt, sind in ihr gemeine Plagen. Schau dir’s an und stehe fest: nur wer sich nicht schrecken lässt, darf die Krone tragen. Amen.

Predigt zu Lk 2, 1-14, 26.12.2016 im Stuttgarter Schlosspark von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Die himmlischen Scharen über dem Stall von Bethlehem verkünden Frieden. Wie soll das gehen? Die Hoffnung der alttestamentlichen Frommen lag auf dem erhofften Messias, dem von Gott gesalbten König, dessen Regentschaft Frieden bringen sollte. Das konnten die Regierten nur abwarten, selbst dazu beitragen konnten sie nichts. Jesus, das Kind in der Krippe, wird als Erwachsener mit dieser Hoffnung konfrontiert. Aber weder gibt er sich für eine militärische Erhebung gegen die römische Kolonialmacht her noch zaubert er den Frieden für das Volk herbei. Er sammelt Friedensstifter und verspricht ihnen: „Glücklich sein werden die Friedfertigen, denn sie werden Kinder des barmherzigen Gottes genannt werden“ (Mt 5,9). Wie das Reich Gottes nicht von außen in die Welt hereinbrechen wird, sondern aus der Mitte der Jüngerschar heraus wachsen wird (Lk 17,20-21), so kommt auch der Friede nicht wie der winterliche Schnee vom Himmel, sondern aus den Menschen, an denen der barmherzige Gott Wohlgefallen hat. So sagen es die Engel in der Weihnachtsgeschichte (Lk 2,14).

Die Frage, wie Frieden wird, fällt also auf uns, die Fragenden, zurück: Wie werden wir zu friedfertigen Menschen, die dem barmherzigen Gott wohlgefallen? Der Dreh- und Angelpunkt für die Antwort auf diese Frage liegt für mich in dem drastischen Bildwort Jesu vom Balken im eigenen Auge und dem Splitter im Auge des Bruders: „Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken jedoch in deinem Auge nimmst du nicht wahr? … Ziehe zuerst den Balken aus deinem Auge, dann magst du zusehen, dass du den Splitter aus dem Auge deines Bruders ziehst.“ (Mt 7,1-5). Jesus durchkreuzt damit das allseits beliebte Gesellschaftsspiel, von eigenen Fehlern oder Bösartigkeiten abzulenken, indem auf die der anderen gezeigt wird. Verhängnisvoll ist dabei oft, dass das Böse der anderen die Aggression auf dieses Böse rechtfertigt. Je mehr das eigene Böse auf die anderen projiziert und dann noch gewalttätig abgestraft wird, umso mehr entsteht scheinbar gerechtfertigte Gewalttätigkeit. Diesem Unfrieden stiftenden Verhalten setzt Jesus den Bußruf entgegen, mit dem seine Wirksamkeit beginnt (Mk 1,15). Wenn alle zuerst vor der eigenen Türe kehren und sich dann bemühen, die alten Fehler nicht mehr zu begehen, werden sie auch mit den Fehlern der anderen gnädiger umgehen. Das führt zur Solidarität der Sünder, sie ist die Keimzelle für christliche Vergebung und gemeinsamen Neuanfang zum Besseren. So kann Frieden wachsen.

Nicht nur in unseren Familien, Nachbarschaften und Vereinen führt Selbstkritik zum Frieden untereinander, auch in der großen Weltpolitik. Eines der krassesten Negativbeispiele bot der fromme fundamentalistische Christ G.W. Bush. Als Präsident der USA, die große Mengen von Massenvernichtungswaffen besitzen und damit gelegentlich drohenden Gebrauch machen, ließ er verlogenerweise solche dem Irak andichten und nahm dies als Rechtfertigungsgrund, in den Irak einzumarschieren gemeinsam mit anderen willigen Nationen. Auch Deutschland leistete dabei logistische Unterstützung. Der Krieg forderte schätzungsweise eine Million Tote. Die entmachteten Sunniten wurden vom neuen schiitischen Regime so benachteiligt, dass die brutalen IS-Kämpfer leichtes Spiel hatten, als angebliche Retter der benachteiligten Sunniten große Territorien zu erobern und ihr Terrorregime zu installieren. Nun soll z. B. die Stadt Mossul durch gute Truppen von den bösen IS-Terroristen zurück erobert werden und es ist abzusehen, dass es gehen wird wie in Aleppo. So entsteht immer mehr Unfrieden, den wir oft erst bemerken, wenn immer mehr Flüchtlinge bei uns Asyl beantragen.

Auch in diesen furchtbaren Kriegen gilt der Bußruf Jesu, zuerst den Balken im eigenen Auge wahrzunehmen und diesen herauszuziehen. Statt über Flüchtlinge und Abschiebungen zu streiten sollten wir in Deutschland die enorme Waffenproduktion in friedliche Produktion umwandeln. Als Exportnation sollten wir uns eingestehen, wie viele Existenzen etwa unsere Geflügelabfälle in Westafrika vernichten oder wie unsere billigen Kleiderimporte Textilarbeiterinnen in Asien und Lateinamerika in Hunger und Elend treiben. Auch unsere Wirtschaftsmacht tötet, um Papst Franziskus zu zitieren. Statt Waffen sollten wir z.B. solar betriebe Anlagen exportieren, die Meerwasser zu Trinkwasser entsalzen, um in Dürregebieten das Überleben der Selbstversorger zu sichern. Dies könnte unser Beitrag zum Frieden auf Erden sein.
Wenn wir uns auf diese Weise in der Welt profiliert haben, dann können wir auch die so oft beschworene Verantwortung in Krisengebieten übernehmen, nicht mit Soldaten, die sowieso immer schwerer zu rekrutieren sind, sondern als nichtmilitärische humanitäre Vermittler. Frieden stiften ist möglich. So haben einige wenige Christen in Mosambik 1992 nach Jahrzehnten eines brutalen Bürgerkriegs mit einer Million Toten Friedensverhandlungen, einen Waffenstillstand und einen Friedensvertrag ermöglicht, weil sie keinerlei militärische oder wirtschaftliche Macht besaßen, aber auf beiden Seiten humanitäre Hilfe geleistet hatten. In ähnlicher Weise ist ein Friedensprozess in Kolumbien im Gang, weil auch dort eingestanden wird, dass nicht nur die Rebellen, sondern auch die Regierungstruppen mit furchtbarer Grausamkeit gewütet haben. Wenn es den Vermittlern gelingt, auf beiden Seiten die Balken in den eigenen Augen bewusst zu machen, kann Frieden werden.

Wie die Friedensstifter in Mosambik stehen auch wir als Gegner des zerstörerischen Projekts Stuttgart 21 ohne äußere Machtmittel da. Das war und ist bisweilen schmerzhaft, ganz besonders z. B. im Blick auf den „Schwarzen Donnerstag“. Nicht nur dort haben wir die Arroganz der Macht erfahren. Aber diese äußere Machtlosigkeit war die große Chance der Friedensstifter in Mosambik und das ist auch unsere große Chance. Wir stehen mit nichts da als der blanken Macht der Argumente und neuerdings auch mit der Überzeugungskraft der besseren Alternative. Wir vermitteln nicht zwischen Kriegsparteien, sondern zwischen Projektpartnern, die gegen einander prozessieren um höheres Schmiergeld zum Schaden der Bevölkerung. Wir bieten den Zerstrittenen wie in Mosambik die bessere Lösung an. Dies ist unser humanitärer Einsatz, weil unsere Alternative den Menschen in unserer Region wirklich dient. Auf diese gewaltlose Kraft können wir vertrauen. Das Kind in der Krippe ist der extreme Ausdruck von äußerer Machtlosigkeit, aber dieses Kind verändert die Welt, wenn immer mehr Menschen sich auf den Weg in seine Nachfolge machen, wenn sie nicht mehr die eigenen Fehler den anderen andichten und sie dann hassen, sondern umkehren und neu anfangen. So wird an einer besseren Welt, dem Reich des barmherzigen Gottes, gearbeitet. Lassen wir uns an diesem Weihnachtsfest neu Mut dazu machen. So wird Frieden. Amen.

Ansprache beim Parkgebet am 10.11.2016 zu Mk 10, 42-44 von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Jesus sprach: Ihr wisst, dass diejenigen, die als Beherrscher der Völker gelten, sie gewaltsam unterwerfen und die Mächtigen ihnen gegenüber ihre Macht missbrauchen. Aber so soll es unter euch nicht sein; sondern wer groß sein will unter euch, der sei euer Diener, und wer unter euch der Erste sein will, der sei der Knecht aller.

Das griechische Wort für „Macht missbrauchen“ kommt nur im neutestamentlichen Griechisch vor, im übrigen griechischen Sprachraum fehlt das Bewusstsein dafür. Aber Jesus, der in der Tradition der gesellschaftskritischen Propheten Israels zu Hause ist, kann die Dinge beim Namen nennen. Der Kaiser in Rom lässt Widerständler am Kreuz zu Tode foltern wie Erdogan die Oppositionellen, und hätte der Kaiser Nagelbomben oder chemische Waffen gehabt wie Assad, er hätte sie eingesetzt. Die römische Politik lebt vom gewaltsamen Niederhalten, vom Machtmissbrauch. Diesem setzt Jesus den rechten Gebrauch der Macht gegenüber. Sie muss zum Dienst an allen genutzt werden.

Das ist eine klare Vorgabe für die Christenheit. Wie ist diese Vorgabe umgesetzt worden? Bis zur konstantinischen Wende, als das Christentum Staatsreligion wurde, durften die Christen in dem römischen Unterdrückerstaat nicht als Beamte oder Soldaten dienen. Als aber das Christentum in Rom an die Macht gekommen war, ging diese Vorgabe Jesu unter. Zwar prangerte Luther den Machtmissbrauch des Papstes am Beispiel des Ablasses an, deshalb feiern wir seit 11 Tagen das Reformationsjubiläum. Aber bereits 1520 missbrauchte Luther selbst das vierte Gebot zur Forderung nach Untertänigkeit im Feudalismus seiner Zeit. Das 4. Gebot fordert die Sorge um die alten Eltern, damit die Jungen später auch lange leben dürfen. Luther schreibt dazu 1520 im Kleinen Katechismus lapidar: „ williger Gehorsam, demütickeit, undertenickeit umb gottis wolgefallen willen“. 1524 missbraucht Luther seine Macht, indem er den anders denkenden Kollegen Karlstadt durch den Fürsten des Landes verweisen lässt, obwohl dessen Frau hochschwanger ist. Nach 1525 werden auf lutherisches Betreiben Mennoniten umgebracht, weil sie sich gegen den Kriegsdienst wehren. So wurden die lutherischen Kirchen zu Duckmäuserkirchen, in denen es unmöglich oder gar tödlich war, den Machtmissbrauch anzuprangern, wie Jesus das vorgelebt hat. Besonders verhängnisvoll wurde, dass die lutherische unausweichliche Forderung nach dem Kriegsdienst in den beiden Weltkriegen zur kirchlichen Kriegshetze geführt hat. Selbst die „Bekennende Kirche“ hat beim Erntedankfest 1939 nicht nur für die Ernte, sondern auch für den schnellen Sieg in Polen gedankt und beten lassen: „Und bitten dich droben, du Lenker der Schlachten, mögst stehen uns fernerhin bei“. Das „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ vom Oktober 1945 sprach von der Schuld des deutschen Volkes, nicht von der der lutherischen Kirchen. Es wird höchste Zeit, am Erntedankfest des Jubiläumsjahrs einen Bußgottesdienst zu feiern, der zur Friedensbotschaft Jesu zurückführt. Das wäre die angemessene Reformation des Reformationsjubiläums.

Christen, die sich gegen Stuttgart 21 engagiert haben, waren von Anfang an schwer enttäuscht über die Haltung der Kirchenleitung der Württembergischen Ev. Landeskirche im Konflikt um dieses Großprojekt. Die Prägung der lutherischen Kirchen als Untertanenkirchen dürfte ein Hauptgrund sein für diese Unfähigkeit, den Machtmissbrauch im Rahmen der Durchsetzung dieses unsinnigen Projekts zu benennen. Nicht einmal der Schwarze Donnerstag hat hieran etwas geändert. Immerhin glichen die Szenen im Stuttgarter Schlosspark sehr stark denen im Gezipark von Istanbul. Dort wird in unserem Land von Presse und Regierung sehr wohl wahrgenommen, wie Erdogan seine Macht missbraucht in einer Weise, die dem Vorgehen Hitlers nach dem so genannten „Röhmputsch“ ähnelt. Immerhin bestellte Außenminister Steinmeier den türkischen Botschafter ein, nachdem Erdogan dieser Tage kritische Journalisten und Oppositionspolitiker verhaften ließ. Aber von Seiten lutherischer Kirchen war zum „Schwarzen Donnerstag“ keine nennenswerte Kritik am Machtmissbrauch hier im Schlossgarten zu hören, auch nicht, nachdem die Unrechtmäßigkeit gerichtlich festgestellt war.

Wir sind hier beim Parkgebet zusammen, weil wir nicht bereit sind, uns damit abzufinden. Wir beharren darauf, den Machtmissbrauch im Rahmen des Projekts Stuttgart 21 anzuprangern. Dabei geht es nicht nur um den „Schwarzen Donnerstag“. Die gesamte herrschende neoliberale Politik, für die Stuttgart 21 ein Schlüsselprojekt darstellt, missbraucht Macht, weil sie nicht mehr allen, sondern nur ein paar wenigen dient zum Schaden der großen Mehrheit. Wie Rom setzt die neoliberale Elite auf die Strategie „Brot und Spiele“. Das Zauberwort für Brot heißt „Arbeitsplätze“, die blutigen Spiele in den römischen Arenen sind ersetzt durch entsprechende Computerspiele, und eine hoch korrupte FIFA macht auch ihren Teil. Mit dem Versprechen von mehr Brot wird bei CETA und ähnlichen Projekten verschleiert, dass es um ein Ermächtigungsgesetz für Konzerne zu deren endgültiger Machtergreifung geht, um einen Staatsstreich. Der Widerstand gegen diese angeblichen Handelsverträge wird mit aller Macht von den Eliten klein geredet und eine Unterzeichnung inszeniert, als ob CETA nun in Kraft wäre. Das ist noch lange nicht ausgemacht. Der Widerstand gegen diesen Staatsstreich ist strukturell vergleichbar dem Widerstand gegen Stuttgart 21. Deshalb ermutigt es uns, dass nicht nur die Wallonen, sondern z. B. auch die Bundesverfassungsrichter erkannt haben, wie CETA unsere Demokratie gefährdet, und Forderungen aufstellen, die die Akteure im internationalen Handel, speziell die marktbeherrschenden Großkonzerne, demokratisch einhegen.

Wir sind durch Jesus selbst aufgerufen, unbeirrt zu fordern, dass die Mächtigen in Wirtschaft und Politik der Allgemeinheit zu dienen haben und nicht umgekehrt. Wir werden uns nicht ablenken lassen durch angebliches Brot und brutale oder sonstige Spiele. Wir sind nicht allein. Und vor allem, wir engagieren uns auf der richtigen Seite, auf der Seite Jesu und seines barmherzigen Vaters.
Amen.

Die Wahrheit wird euch frei machen. Ansprache zu Joh 8,31-32 beim Parkgebet am 23.6.2016 von Friedrich Gehring

Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn glaubten: Wenn ihr bleiben werdet an meiner Rede, so seid ihr in Wahrheit meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.

An Jesus zu glauben heißt nicht, ihn einen lieben guten alten Religionsgründer sein zu lassen, sondern ihm als Jünger nachzufolgen im Kampf um eine gerechtere barmherzige Welt. Auf diesem Weg werden die Nachfolger Jesu die Lüge entlarven und die Wahrheit erkennen. Bezogen auf heute bedeutet dies: Die neoliberale Lüge, der wachsende Reichtum weniger werde zum Wohl aller führen, wird enttarnt als Ungerechtigkeit des Mammons (Lk 16,10) durch die Erkenntnis Jesu: Wer da hat, dem wird gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird auch das genommen, was er hat (Lk 19,26). Die Erkenntnis dieser Wahrheit wird uns als Nachfolger Jesu frei machen, gerade auch im Blick auf das neoliberale Schlüsselprojekt Stuttgart 21.

Dieses Projekt war von Anfang an auf Lügen angewiesen. Es ist vor über 10 Jahren nur in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden, weil bewusst verlogene Kosten genannt wurden. Weitere Kosten- und Leistungslügen haben das Projekt gefördert, um reichen Baukonzernen zu geben und den Bahnkunden und Steuerzahlern zu nehmen. Die grün-rote Regierung hat die Wahrheit im Prospekt zur Volksabstimmung bewusst unterschlagen zugunsten des koalitionären Machterhalts. Und unser so beliebter Ministerpräsident, der jetzt sogar als künftiger Bundespräsident in Betracht kommt, hat als gelernter katholischer Ethiklehrer die Lüge noch hoffähig gemacht durch seine skandalöse Behauptung, in der Demokratie gehe Mehrheit vor Wahrheit. Die Wahrheit Jesu aber erkennt: In der neoliberal verblendeten Scheindemokratie gehen die Interessen von reichen Minderheiten vor dem Wohl der Mehrheit.

Nun zeigt sich allerdings seit einigen Wochen, dass auch die neoliberalen Lügen über Stuttgart 21 zu kurze Beine haben. Volker Kefer will abdanken und das sinkende Schiff verlassen. Er grinst nicht mehr und die Bahn-Aufsichtsräte tun nun plötzlich so, als seien sie von Kefer nicht genügend informiert worden. Das Gegenteil aber ist wahr. Kefer wollte seine Karriere dadurch bauen, dass er den neoliberalen Eliten das in die Tasche log, was sie hören wollten. Die Aufsichtsräte waren im März 2013 von uns Gegnern hinreichend darüber informiert, dass Stuttgart 21 unrentabel ist und nach Aktienrecht nicht weiter geführt werden durfte. Schon damals hätte die Wahrheit sie befreien können. Aber sie haben sich der Kanzlerin angepasst, die in völliger Verblendung immer noch in Stuttgart 21 die Zukunft Deutschlands sah. Nun müsste eigentlich auch ihr dämmern, dass Projekte wie Stuttgart 21 den Niedergang Deutschlands als Techniknation bedeuten. Sie bewundert die schwäbische Hausfrau, weil sie selbst keine ist. Die Wahrheit könnte sie jetzt dazu befreien, den schwäbischen Hausfrauen nachzueifern und als Vertreterin der Alleinaktionärin Bundesrepublik Deutschland das völlig unrentable Projekt so schnell wie möglich abzublasen, um nicht schlechtem Geld nicht noch eine Unmenge gutes nachzuwerfen, was der schwäbischen Hausfrau als klassische Todsünde der Betriebswirtschaft gilt.

Als Gipfel der Absurdität muss es erscheinen, wenn in der Südwestpresse darüber spekuliert wird, ausgerechnet Pofalla könnte Grube beerben. Grube hat sich immerhin schon 2009 beschwert, dass Stuttgart 21 kurz vor seinem Amtsantritt beschlossen wurde. Auch hat er 2013 sehr deutlich erklärt, dass er das Projekt mit dem aktuellen Wissen nicht angefangen hätte. Pofalla aber hat 2013 im Auftrag der Kanzlerin die Aufsichtsräte beschwatzt, gegen das Aktienrecht weitere Gelder in das Projekt zu verschwenden mit Rücksicht auf die Wahlchancen der Kanzlerin. Die Pofalla als Grubes Erben sehen wollen, verweisen darauf, dass er als Vorstand für Wirtschaft, Recht und Regulierung vom Desaster Stuttgart 21 unberührt sei. Das Gegenteil ist wahr. Gerade sofern er für das Recht zuständig ist, steckt er mit seiner Kanzleramtsvergangenheit ganz tief im Schlamassel Stuttgart 21. Wer etwas rachsüchtig eingestellt ist, könnte ihm geradezu gönnen, Grube nachzufolgen und die Suppe Stuttgart 21 auslöffeln zu müssen. Aber dazu wird es ja hoffentlich nicht kommen.

Die Bahnaufsichtsräte wollen sich ja in den nächsten Monaten der von Kefer unterschlagenen Wahrheit nähern. Das muss sie eigentlich frei machen, sich für die Pläne des Aktionsbündnisses zu öffnen, die aus der Katstrophe Stuttgart 21 retten können. Da leuchtet Licht auf am Ende des Tunnels. Das Ende der schrägen Tunnelhaltestelle kann aus dem jetzigen Baustand einen zukunftsfähigen Kopfbahnhof für integrierte Taktfahrpläne machen mit Busbahnhof und Parkplätzen für Fahrräder, Autos und Vermietstationen. Die Bahnverantwortlichen könnten sich als gute schwäbische Hausfrauen profilieren, die Geld sparen für die wirklich wichtigen und guten Projekte wie die Rheintalstrecke, weitere Elektrifizierungen, funktionierende Weichen und pünktlichen Verkehr, Nachtzüge und erweiterten Güterverkehr. Der Mut zur Wahrheit setzt die Kräfte frei, die für das fortgesetzte Lügen und Verdrängen der Wahrheit verschwendet worden sind. Selbst der Stuttgarter Wohnungsbau wird profitieren. Das Immobilienprojekt Stuttgart 21 wird durch den Verzicht auf Stuttgart 21 viele Jahre früher anlaufen, weil die großen Flächen, die durch die Baulogistik blockiert sind, viel früher bebaut werden können. Die Gelder aus dem Rückkauf des Kopfbahnhofgeländes und der Zufahrtsgleise durch die Bahn können für sozialen Wohnungsbau verwendet werden.

Zu alldem kann die Wahrheit frei machen. Wir wollen unbeirrt dafür beten und alles in unserer Kraft stehende dafür tun, dass die Verantwortlichen durch die Wahrheit Jesu befreit werden. Amen.

Ansprache zum Parkgebet am 31.3.16 zu Jer 38, 14-18 von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Und der König Zedekia sandte hin und ließ den Propheten Jeremia zu sich holen. … Und der König sprach zu Jeremia: Ich will dich etwas fragen; verbirg mir nichts! Jeremia sprach zu Zedekia: Sage ich dir etwas, so tötest du mich doch; gebe ich dir einen Rat, so gehorchst du mir nicht. Da schwor der König Zedekia dem Jeremia heimlich und sprach: So wahr der Herr lebt, der uns dieses Leben gegeben hat: ich will dich nicht töten, noch den Männern in die Hände geben, die dir nach dem Leben trachten. Und Jeremia sprach zu Zedekia: So spricht der Herr, …, der Gott Israels, wirst du hinausgehen zu den Obersten des Königs von Babel, so sollst du am Leben bleiben, und diese Stadt soll nicht verbrannt werden, sondern du und dein Haus sollen am Leben bleiben; wirst du aber nicht hinausgehen zu den Obersten des Königs von Babel, so wird diese Stadt den Chaldäern in die Hände gegeben und sie werden sie mit Feuer verbrennen, und auch du wirst ihren Händen nicht entrinnen.

Jeremia hat vor militärischen Abenteuern gegen die Großmacht der Babylonier gewarnt. Der König ließ zu, dass die kriegslüsternen Hardliner Jeremia in den Sumpf einer Zisterne warfen, um ihn verhungern zu lassen. Ein afrikanischer Migrant rettet Jeremia. Der König fühlt die Katastrophe näher kommen, lässt Jeremia rufen und erbittet dessen Rat. Jeremia konfrontiert den König mit dessen Beratungsresistenz. Es steht so schlimm um den König, dass er heimlich schwört, seinen kriegstreiberischen Beratern in den Rücken zu fallen und Jeremia wegen seiner schonungslosen Lageanalyse nicht zu verfolgen. Jeremia sagt ihm die unangenehme Wahrheit auf den Kopf zu: Er kann die Stadt und sich selbst samt Familie nur retten, wenn er mit der Großmacht einen Unterwerfungsfrieden schließt. Der König ist zu schwach, um gegen die Militaristen zu handeln. Jerusalem wird erobert und zerstört, die Söhne des Königs vor seinen Augen hingerichtet und der König selbst geblendet nach Babylon in die Gefangenschaft verbracht.

Ich habe diesen biblischen Bericht ausgewählt, weil die Aufsichtsratsmitglieder der DB AG am 15. März beschlossen haben, Gutachten einzuholen zu den Ausstiegskosten und zu ihrer persönlichen Haftung in Sachen Stuttgart 21. Die schonungslose Lageanalyse des Aktionsbündnisses, die allen Aufsichtsräten vor der Sitzung zugegangen ist, und der erneute Strafantrag wegen Untreue gegen die Aufsichtsräte scheinen Wirkung zu zeigen. Sie können offenbar nicht mehr verdrängen, dass es um ihren Kopf geht, wenn der Untreuevorwurf vor Gericht kommt. Ein Richterspruch kann sie nicht nur das Amt, sondern ihre wirtschaftliche Existenz kosten, denn sie haften mit Schadenersatz für veruntreute Gelder. Die Verantwortlichen sehen sich wie einst Zedekia genötigt, um Rat zu fragen, der vermutlich sehr unangenehme Wahrheiten ans Licht bringen wird. Das kann bedeuten, dass das Projekt Stuttgart 21 in einem Stadium angelangt ist, das der Situation Jerusalems entspricht kurz vor dem Fall im Jahr 587 v. Chr..

Es wird jetzt darauf ankommen, ob das Bahnaufsichtsgremium in selbstzerstörerische Beratungsresistenz verfällt oder sich den Ernst der Lage sagen lässt und die Konsequenzen daraus zieht. Jeremia konfrontiert den Zedekia nüchtern: Sage ich dir etwas, so tötest du mich; gebe ich dir einen Rat, so gehorchst du mir nicht. Die militaristische herrschende Kaste in Jerusalem hat einst die Selbstzerstörung gewählt. Das ist auch heute für die herrschende neoliberale Elite nicht auszuschließen. Die Äußerung des Hauptverantwortlichen für Stuttgart 21 im Eisenbahnbundesamt zum fehlenden Nachweis der Ungefährlichkeit der Gleisneigung im geplanten Neubau weist in diese Richtung: Man werde bei der Inbetriebnahme schon eine Lösung finden, und das Bauwerk sei ja auch nur eine Haltestelle. Es ist also auch jetzt nach den Beschlüssen vom 15.3. im Bahnaufsichtsrat noch nicht entschieden, wie die Sache ausgeht. Gefälligkeitsgutachten dürften in der gegenwärtigen Situation sehr schwer zu bekommen sein, aber wir sind in dieser Hinsicht ja Kummer gewohnt. Und selbst wenn der Bahnaufsichtsrat Einsicht zeigen sollte, ist da immer noch die Vertreterin der Alleinaktionärin Bundesrepublik Deutschland, Kanzlerin Merkel. Sie hat ja vor drei Jahren noch aus wahltaktischen Gründen die Verantwortlichen zum Weiterbau drängen lassen. Bahnchef Grube hat seinen Unwillen darüber damals sehr deutlich artikuliert. Er muss inzwischen noch unwilliger sein. Auch hier liegt eine Parallele zum Jerusalem vor 2.600 Jahren vor: Der König wollte wohl auf Jeremia hören, aber die Macht lag bei den Kriegstreibern. Die Bahnaufsichtsräte scheinen dazu zu neigen, ihren Kopf zu retten, aber die wirkliche Macht liegt im Kanzleramt.

Der Widerstand gegen das Milliardengrab Stuttgart 21 muss deshalb eine doppelte Strategie verfolgen. Einerseits muss der Druck auf die Bahnverantwortlichen aufrecht erhalten werden durch die Anklage wegen Untreue. Andererseits muss die Kanzlerin für ihre Verschwendungspolitik belangt werden, etwa durch einen Bundestagsuntersuchungsausschuss zu Stuttgart 21, der zeitlich so terminiert wird, dass er im Wahlkampf 2017 wirkt. Um Kretschmanns Terminologie aufzunehmen: Im Untersuchungsausschuss geht es nicht mehr um Mehrheit, sondern um Wahrheit. Falschaussagen ziehen empfindliche Strafen nach sich. Es muss der Kanzlerin klar gemacht werden, dass ein Festhalten an Stuttgart 21 ihre Chancen verschlechtert, ein Ausstieg verbessert. Mit politischen Kehrtwenden hat sie ja lange Zeit gute Erfahrungen gemacht. Sie wird klug genug sein, einem Untersuchungsausschuss zuvorzukommen durch eine Erlaubnis zum Ausstieg.

Wir haben deshalb derzeit keinen wirklichen Grund zur Resignation. Vielmehr können wir uns durch Propheten wie Jeremia ermutigen lassen, die schonungslosen Analysen den Mächtigen auf den Kopf zuzusagen und unbeirrt das Ende des sinn- und nutzlosen Milliardengrabs Stuttgart 21 zu fordern. Gerade in der jetzigen österlichen Zeit können wir Mut daraus schöpfen, dass die Botschaft Jesu vom Reich des barmherzigen Gottes auch durch den Tod am Kreuz nicht zu beseitigen war, sondern danach noch viel größere Kreise zog. Der Auferstandene schenke uns den Mut zum Berge versetzenden Glauben an ihn und sein Reich. Amen.

Ansprache beim Parkgebet am 5.3.2015 zu Mt 4,8-10 von Friedrich Gehring

Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: „Weg mit dir, Satan, denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.“ (Mt 4,8-10)

Liebe Parkgebetsgemeinde,
wer ist dieser Teufel, der Jesus die Weltherrschaft anbieten kann unter der Bedingung, vor ihm niederzufallen und ihn anzubeten? Weiterlesen

Ansprache beim Parkgebet am 22.1.2015 zu Mt 5,43 von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Liebe Parkgebetsgemeinde,
kurz vor dem Weihnachtsfest überfielen Taliban eine pakistanische Schule und ermordeten etwa 150 Menschen, vorwiegend Kinder und Jugendliche. In Nordnigeria löschten dieser Tage die Mörder von Boko Haram eine ganze Ortschaft mit 2000 Menschen aus. Die westliche Welt ist entsetzt seit den Mordtaten an 17 Menschen in Paris. Es werden Vorschläge zur Terrorabwehr gemacht. Marine Le Pen von den französischen Nationalisten fordert die Todesstrafe. Sie scheint nicht zu wissen, dass Selbstmordattentäter bei ihren Anschlägen den eigenen Tod in Kauf nehmen. Die deutschen Konservativen rufen erneut nach der Vorratsdatenspeicherung. Sie haben nicht mitbekommen, dass diese in Frankreich praktiziert wird, aber die Morde in Paris nicht verhindert hat. Die EU- Außenminister beraten über eine bessere Zusammenarbeit der Geheimdienste, als wüssten wir nichts über den Verfassungsschutz und den Nationalsozialistischen Untergrund. Ministerpräsident Kretschmann fordert mehr muslimischen Religionsunterricht. Er hat vermutlich nie Ethik bei gewaltbereiten Rechtsradikalen unterrichtet. Als ich vor Jahren in einer solchen Klasse Religionsunterricht hielt, war nicht das Christentum Thema, sondern die Gewalt. Die Schüler waren nicht gewalttätig, weil in der Bibel vom Heiligen Krieg die Rede ist, sondern weil sie Wut angesammelt hatten.

Wie können wir auf die terroristischen Mordtaten als Christen angemessen reagieren? Weiterlesen