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Wir dokumentieren Verstöße gegen das FTG und bringen diese zur Anzeige

Die Deutsche Bahn arbeitet auf den S21-Baustellen seit Jahren regelmäßig auch sonntags – ohne jede Genehmigung. Sie behauptet, sie brauche keine, die Feiertagsarbeit sei mit der grundsätzlichen Genehmigung des Eisenbahnbundesamtes (EBA) mit genehmigt.

Bitte melden Sie eigene Beobachtungen über sonntägliche S21-Arbeiten oder, wenn Sie selbst Anzeige erstatten möchten, an die eMail-Adresse:  ftg2017@web.de

Oder beteiligen Sie sich an dieser Aktion auf der Seite der taz-Bewegung:
http://www.bewegung.taz.de/aktionen/wir-dokumentieren-verstoesse-gegen-das-ftg

In Stuttgart gibt es dazu ein wahrhaftiges Behördenkarussell, das sich munter dreht:

Die Stadt Stuttgart behauptet wahrheitswidrig, dass ihr die Hände gebunden seien und dass sie leider, leider nichts gegen die Verstöße der Bahn und der von ihr beauftragten Unternehmen gegen das Sonn- und Feiertagsgesetz (FTG) unternehmen könne. Sie verweist auf das Eisenbahnbundesamt (EBA), das mit der Planfeststellung auch die Missachtung des FTG genehmigt habe (und wiederholt damit brav, was die Bahn behauptet). Das EBA aber verweist auf das Land und die Stadt, die für Ausnahmegenehmigungen vom FTG zuständig seien. Die Stadt verweist stattdessen zusätzlich noch auf das Freiburger Bergamt, das natürlich nur für die Sprengungen, aber nicht für das FTG zuständig ist. Und so verweist das Bergamt wiederum auf die Stadt. Letztlich verweisen alle auf die Stadt. Aber der Name der Stadt ist Hase: sie weiß von nichts.

Wir werden versuchen, das Behördenkarussell auszubremsen und die Stadt wachzurütteln.

Dabei geht es beim FTG nicht in erster Linie um die Kirche, sondern um den Erhalt der grundgesetzlich garantieren Sonntagsruhe für die gesamte Bevölkerung. Es geht auch nicht nur um Lärmbelästigung, sondern um „öffentlich bemerkbare Arbeiten“ aller Art. Selbst ein Arbeiter, der lautlos die Werkstore öffnet, stellt eine solche „Störung der Sonntagsruhe“ dar – weil der Sonntag für die gesamte Bevölkerung ein „Tag der Arbeitsruhe und der Erhebung“ sein soll, an dem deshalb auch keine arbeitenden Arbeiter zu sehen sein sollen.

Wir haben deshalb auch bereits einen Offenen Brief an Ministerpräsident Kretschmann geschrieben, auf den wir bislang allerdings keinerlei Reaktion bekommen haben.

Wer Informationen über sonntägliche S21-Arbeiten hat oder selbst Anzeige erstatten möchte, wende sich bitte an die eMail-Adresse:  ftg2017@web.de
Es wäre doch wunderbar, wenn die Verwaltung der Stadt Stuttgart in einer Welle von Anzeigen und Beschwerden untergehen und erst wieder auftauchen würde, wenn sie endlich den verfassungswidrigen Sonntagsarbeiten Einhalt gebietet.

Von den Kirchen hat sie für Ausnahmegenehmigungen keine Zustimmung zu erhoffen.

Jedenfalls wenn man die Neujahrsbotschaft des Landesbischofs zum Neuen Jahr zum Maßstab nimmt. Dort schreibt Landesbischof Otfried July u.a.: „Ich sehe mit Sorge auf die Aushöhlung des Sonntagsschutzes durch wirtschaftliche Interessen. Dazu gehören nicht nur die ausufernden verkaufsoffenen Sonntage, sondern zum Beispiel auch der sonntägliche Betrieb einer Großbaustelle wie Stuttgart 21.“ Die Sonn- und Feiertage seien Ruhepunkte, die der Gesellschaft einen Rhythmus geben und den Mehrwert des Lebens jenseits der Arbeit erfahrbar machen, so July weiter. «Diese gemeinsamen Zeiten der Ruhe gehören zum Fundament unserer Werteordnung.»“ (siehe: https://s21-christen-sagen-nein.org/2016/12/30/sonntagsruhe-landesbischof-july-kritisiert-s21-bauarbeiten/)

Siehe auch die aktuelle bundesweite Bewegung zum Sonntagsschutz:
http://www.ekiba.de/html/content/allianz_fuer_den_freien_sonntag.html
http://www.ekd.de/sonntagsruhe/index.html
http://www.allianz-fuer-den-freien-sonntag.de (Link ist möglicherweise gestört)

Berlin, Berlin, wir fahren – schon wieder – nach Berlin

Liebe Stuttgart-21-Gegner/innen und Unterstützer/innen eines modernen Kopfbahnhofes!

Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn hat die Entscheidung, ob S21 weitergebaut werden darf, inzwischen zum dritten Mal verschoben. Die nächste Sitzung findet nun am Montag, 30. Januar statt.
Natürlich ist unsere Bewegung wieder in Berlin dabei und lenkt die mediale Aufmerksamkeit auf den Bahn-Tower. Dort wird dann doch hoffentlich endgültig beschlossen, dass das zerstörerische Bahnhofsverkleinerungsprojekt auch für die Bahn viel zu groß und viel zu teuer ist. Das seit Jahren auch von der Bahn als unwirtschaftlich erkannte Vorhaben würde die ohnehin marode Bahn vollends kaputt machen.

berlin_zug Wie zu den letzten Terminen des Aufsichtsrats hat unsere Bewegung auch dieses Mal eine Fahrt nach Berlin organisiert. „Locomore“, der neue Anbieter von presigünstigen und komfortablen Bahn-Fahrten nach Berlin wird es sein, der eine hoffentlich wieder große Gruppe von Stuttgartern transportiert.
So können wir hoffen, dass wir wieder angemessen in der Bundeshauptstadt manifestieren, dass es den Widerstand gegen Stuttgart 21 nach wie vor gibt und dass wir nicht nachgeben werden, nach dem Motto:

Sie bekommen uns nicht los, wir sie schon.

Für viele ist die Fahrt in zwischen ein willkommener Anlass geberlin_demonstrantenworden, noch einen Blick auf die eine oder andere Sehenswürdigkeit Berlins zu werfen. Man kann ja vorher oder nachher noch ein paar Tage dranhängen und nur hin oder zurück mit der ganzen Gruppe fahren.

Die Reise geht los am Sonntagmorgen, dem 29.01.17:
Stuttgart Hbf ab 06:21, Berlin Hbf an 13:05 Uhr (Locomore)
und wieder zurück am Montagabend, dem 30.01.17:
Berlin Hbf ab 18:03 Uhr, Stuttgart Hbf an 23:10 Uhr (DB)
Übernachtungen sind durch die Teilnehmer selbst zu organisieren.

Der Fahrpreis beträgt aktuell noch 44 EUR. Genaueres – und was in Berlin abgeht – ist noch in der Planung. Infos, Rückfragen und Reservierunganfragen an Andy Kegreiss.

berlin_tor
Bei Interesse an der Fahrt ist eine Kontaktaufnahme mit Andreas Kegreiß erforderlich:
andikeg@aol.com oder SMS/WhatsApp 0173 6636932
Meldet euch bitte mit den Infos: Name und Mail-Adresse.

Wer noch nicht genug Lust bekommen hat zum Mitfahren
– hier 2 x 3 Minuten wunderbare Impressionen von einer der letzten großen Berlin-Fahrten…

https://www.youtube.com/watch?v=Y1S4tp14SnM
https://www.youtube.com/watch?v=1YBR_dLikvc

Und wer selbst keine Zeit hat: einfach eine Freifahrt für andere spenden!
Kto.-Nr. Aktionsbündnis K21:
DE02 6009 0100 0469 3750 00 – Stichwort: Spende Berlinfahrt
(bitte E-Mail-Adresse angeben!
und am besten kurze Mail an Andy Kegreiss
damit der Dank sein Ziel findet :-))

Sonntagsruhe: Offener Brief an Ministerpräsident Kretschmann

als pdf-Datei: Sonntagsruhe, TheologInnen gegen S21 an Kretschmann

OFFENER BRIEF

Stuttgart, 4. Januar 2017

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann!

Wir fordern Sie auf, sich unverzüglich für die Einhaltung des Feiertagsschutzgesetzes (FTG) auf den S21-Baustellen einzusetzen. Es kann nicht angehen, dass ausgerechnet in einem Land mit einer zutiefst christlichen Tradition wie Baden-Württemberg das grundgesetzlich geschützte Rechtsgut der Sonntagsruhe ohne Not preisgegeben wird.

Sie wissen, dass der Landesbischof der württembergischen evangelischen Landeskirche Frank Otfried July sich in seiner Neujahrsbotschaft darüber besorgt erklärt hat, dass – auch bei den S21-Bauarbeiten – aus Gewinninteresse der Schutz des Sonntags ausgehöhlt wird. Vor jeder Ausnahmegenehmigung von der Einhaltung des FTG hätten die Kirchen von der zuständigen Behörde gehört werden müssen. Das ist bei den S21-Baustellen in keinem Fall geschehen.

Das Innenministerium argumentiert in dieser Sache falsch, wenn es behauptet, mit dem Planfeststellungsbeschluss (PFB) für S21 seien auch die Tunnel-Arbeiten an Sonntagen genehmigt worden. Das ist schon deshalb falsch, weil auch bei dieser Ausnahmegenehmigung die Kirchen hätten gehört werden müssen. Das ist aber auch deshalb nicht richtig, weil der PFB genauso wenig den Feiertagsschutz aufheben kann, wie er Arbeitsschutzrechte außer Kraft setzen kann – es sei denn, es liege von anderer zuständiger Stelle eine Zustimmung dafür vor.

Es argumentiert auch irreführend, wenn es behauptet, die S21-Arbeiten seien über das Arbeitszeitgesetz geregelt, nicht über das Feiertagsgesetz. Die beiden Gesetze haben überhaupt nichts miteinander zu tun, sondern das eine regelt die arbeitsrechtlichen Fragen der Beschäftigten und das andere die Rechte der Bevölkerung auf einen ungestörten Tag der Ruhe.

Ausnahmen vom FTG für Baustellen in der Stadt Stuttgart kann nur die Stadt Stuttgart genehmigen (wenn es sich um Einzelfälle geringer Bedeutung handelt) oder das Innenministerium (wenn es um allgemeinere Fälle geht). Beide müssten aber vor der Entscheidung die Kirchen hören. Tertium non datur.

Dass weder die Ortsbehörde, noch das Innenministerium auf Einhaltung des FTG pochen, noch die örtliche bzw. die Landes-Polizeibehörde dessen Missachtung verfolgen, ist ein skandalöses Staatsversagen. Es steht der Verdacht im Raum, dass das nicht geschieht, weil man fürchtet – und wie wir in der Neujahrsbotschaft nun vernehmen: wohl zu Recht –, dass die Kirchen einer Ausnahmeregelung nicht zustimmen werden.

Wir fordern Sie deshalb dringend auf: Lassen Sie nicht zu, dass der Rechtsstaat Schritt für Schritt wirtschaftlichen oder politischen Interessen zur Beute überlassen wird! Wir erwarten von Ihnen, dass Sie – als Regierungschef und oberster Repräsentant des Landes – die Behörden des Landes unverzüglich anweisen, alle S21-Sonntagsarbeiten stoppen zu lassen, bis eine rechtskonforme Regelung dafür getroffen ist.

Grundsätzlich geben wir zu bedenken, dass die Probleme mit der Sonntagsruhe ebenso wie die Finanzierungsstreitigkeiten zu überwinden sind, indem die Sprechklausel genutzt wird zu Gesprächen über den Umstieg auf einen wirklich zukunftsfähigen modernisierten Kopfbahnhof.

Mit freundlichen Grüßen
im Namen der Initiative „TheologInnen gegen S21“,
Martin Poguntke

Ansprache beim Parkgebet am 8.12.2016 von Dorothea Ziesenhenne-Harr

Hier als pdf-Datei: Andacht als pdf-Datei zum Herunterladen

Liebe Freundinnen und Freunde des Parks und des Kopfbahnhofs,
es ist eine ganze Weile her, dass ich die Andacht beim Parkgebet gehalten habe. Genau gesagt ein Jahr und sieben Monate ist das her.
In dieser Zeit wurde das Unrecht, die Geldverschwendung, die Lügen, die Umweltzerstörungen weiter fortgesetzt. Als gäbe es kein Recht, als gäben es keine klaren und guten Alternativen, als gäbe es nicht die Aufdeckung der Lügen und die Schritt für Schritt Bestätigung der Gefahren und der technisch dauerhaften Unmöglichkeiten bei diesem Kellerbau.
Nächste Woche Mittwoch, am 14.12., werden wir wieder miterleben, ob der Aufsichtsrat der Bahn tatsächlich seinen Auftrag erfüllt und die Bahnvorstände mit ihren Bauvorhaben kontrolliert. Oder ob die Aufsichtsräte erneut die Augen und Ohren zumachen und so tun, als gäbe es das letzte Gutachten nicht, in dem mal wieder das bestätigt wird, was wir seit mindestens 6 Jahren sagen.
Wir sind hier, um uns Kraft und Zuversicht in der Gemeinschaft, im Gebet und im Vertrauen auf Gott zu erbitten. Gerade auch für diese Zeit.
Um das in Worte zu fassen, habe ich eine Weihnachtsgeschichte geschrieben, die ich euch heute Abend mitgebracht habe. Dabei dreht es sich nicht um den Kellerbau, sondern darum, wie sich Wut über Unrecht und zerbrochene Vorstellungen in Zuversicht und Hoffnung wandeln kann.

Ein fast zerbrochenes Weihnachtsfest (2016)
von Dorothea Ziesenhenne-Harr
Ihre Vorstellung vom Weihnachtsfest war zerbrochen. Es geschah in dem Moment, als sie das grässliche Knacksen hörte.
Sie war gestürzt, die Straße war vereist.
Jetzt liegt sie im Krankenhaus.
Alle sind freundlich zu ihr. Sie ist unfreundlich zu allen.
Sie ist wütend. Auf das Eis. Auf die Kälte, auf die Stadtverwaltung, die am Streudienst spart. Auf die Polizei, die keine Warnschilder aufgestellt hat. Auf die Nachbarn, die den Schnee vom Bürgersteig auf die Straße geschippt haben. Dort wurde er dann von den Autos verteilt. Und dann gefror er zu Eis.
Im Prinzip ist sie auf alle stockend sauer.
Sie haben mir mein Weihnachtsfest kaputt gemacht, wie meine Knochen.
Damit haben sie auch etwas in mein Leben zerstört. Wer weiß, ob ich je wieder so laufen kann wie vorher. Vielleicht kann ich das Haus überhaupt nicht mehr verlassen. Es ist so ungerecht. Jetzt muss ich für die Fehler der anderen büßen.
Frau Kolbin verliert sich in dunklen Gedanken.
Im Flur des Krankenhauses warnen sich die Pflegerinnen gegenseitig: „Wenn du zu Frau Kolbin rein musst, mach dich auf dicke Luft gefasst“, sagt Schwester Inge. Schwester Ayshe schließt sich an:“ wir haben sie extra in ein Einzelzimmer verlegt, damit sie andere Patientinnen nicht mir ihrer üblen Laune ansteckt.“
Stationsschwester Fatma seufzt: „Ja, es ist schwierig mit ihr. Sie ist so wütend auf alles und jeden. Ich glaube, es liegt daran, dass sie über Weihnachten im Krankenhaus bleiben muss. Für sie ist das Weihnachtsfest ganz wichtig. Dabei hat sie nicht mal Kinder und Enkel, mit denen sie zusammen feiern könnte. Sie ist ganz alleine und das ist ja schon schlimm genug.“
Am nächsten Tag ist wieder Treffen im Flur wegen Frau Kolbin. „Es wird schlimmer mit ihr“ stöhnt Ayshe. „Jetzt verweigert sie sogar das Essen, weil es ihr nicht schmeckt.“
Stephanie ist dazu gekommen und meint: „Ich habe Frau Kolbin laut schimpfen gehört, als ich in ihrem Zimmer war. „Kein Mensch wird jetzt den Stollen backen. Niemand wird sich um die Kerzen und die Tischdekoration kümmern. Außer mir macht ja keiner was. Niemand setzt sich heute noch wirklich für andere ein. Die Menschen drehen sich nur noch um sich selbst und ihr eigenen Pläne, ohne dabei an die Folgen für andere zu denken,“ hat sie vor sich hin gewütet. Die Pflegerinnen nicken sich wissend und etwas genervt zu.
Während dessen liegt Frau Kolbin in ihrem Bett und weint.
Aus der Wut ist Trauer geworden.
Der Glanz des Weihnachtsfestes hat ihr immer für das ganze Jahr Mut und Hoffnung gegeben. Ja, ihr Leben erhellt. Nun ist alles tief schwarz.
Sie hatte so viel Freude beim Vorbereiten der Feier am Heiligen Abend für alle Einsamen, für Leute, die keine Familien haben und nicht wissen, wohin.
Mit großer Sorgfalt und voller Eifer hat sie für alle kleine Geschenke gebastelt.
Das ganze Jahr über.
Wenn dann die Kerzen am Weihnachtsbaum leuchteten und sie das: „Ah und Oh, wie ist das schön“ hörte und die stille Freude all der Menschen im Gemeindesaal wahrnahm, dann wurde ihr warm ums Herz. Sie fühle sich selbst geborgen und getröstet in der Gemeinschaft mit den anderen.
Und jetzt? Alles umsonst! Und das nur wegen der anderen, die alles falsch gemacht haben. Die einfach ihren Aufgaben nicht richtig nachgekommen sind.
Die nicht sorgfältig überprüft haben, welche Auswirkungen ihre Entscheidungen für andere Menschen haben. Frau Kolbin ist verzweifelt.
Alles kaputt, zerbrochen, wie ihre Knochen. Woher sollte sie ohne das Fest am Heiligen Abend die Kraft für das neue Jahr herbekommen? In diesem öden grässlichen Krankenhaus etwa, wo alle über sie lästern und hinter ihrem Rücken über sie flüstern. Sie ist ja nicht blöd. Und schon kommt die Wut wieder hoch. Es ist unerträglich, wenn die eigenen Vorstellungen durch das falsche Verhalten von anderen kaputt gemacht werden.
Die Luft in Zimmer 24 vibriert regelrecht vor Zorn, Wut und Trauer. Da schmeckt wirklich kein Essen mehr.
Am Heiligen Abend tut das Bein von Frau Kolbin besonders weh. Statt dass der Bruch heilt, schein er immer größer zu werden. So fühlt es sich für sie an.
Frau Kolbin liegt im Dunkeln. Sie will nichts mehr sehen und hören. Es ist eh schon alles vorbei. Sie spürt nur die kochende Wut und das Gefühl: niemand versteht sie. Niemand berücksichtigt sie und nimmt ihre Wünsche ernst. Sie ist allen egal.
Da öffnet sich die Tür. Schwester Stephanie und Schwester Inge halten Kerzen in den Händen. Sie singen: „Alle Jahre wieder, kommt das Christus Kind auf die Erde nieder, wo wir Menschen sind.“
Schwester Ayshe und Schwester Fatma treten auch ein. Sie tragen Tabletts, auf denen Schalen stehen mit duftendem Gebäck, Tee und Mandarinen. Sie summen die Melodie mit.
Hinter ihnen drängen Patienten/innen mit in das Zimmer.
Da ja nur ein Bett darin steht, ist Platz für alle. Immer mehr singen das Lied mit. Und dann noch „Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern“
und „Stern über Bethlehem, zeig uns den Weg“.
Frau Kolbin merkt plötzlich, dass sie mitsingt, sogar am lautesten von allen.
Einfach so. Sie kennt ja alle Lieder auswendig.
Die Pflegerinnen haben Stühle herbeigeholt. Das Zimmer erstrahlt im Kerzenlicht. Der Tee wird herumgereicht und die Leckereien gekostet.
Und mitten drin Frau Kolbin, eifrig erzählt sie von vielen Heiligen Abend Feiern im Gemeindehaus.
Da merkt sie mit einem Mal: ihr Krankenzimmer ist jetzt das Gemeindehaus.
Bei dieser Erkenntnis wird sie still und ruhig, geradezu friedlich.
Alle um sie herum auch. Mitten in diese Stille hinein erzählt Frau Kolbin die Weihnachtsgeschichte, natürlich auswendig.
Da wird das Kommen des Sohnes Gottes lebendig. Und wie seine Geburt im Stall alle Vorstellungen von diesem sehnlichst erwarteten Ereignis zerbrochen hat. Statt im Königspalast wird dieses besondere Kind bei Ochs und Esel geboren. So kommt Gott in diese Welt und bringt dadurch etwas Neues mit. Er zeigt, wie wir unsere Erwartungen und Vorstellungen loslassen können. Um offen zu werden für das, was stattdessen geschieht. Verbunden mit der Hoffnung, dass alles gut werden kann, auf eine andere Weise als gedacht.
Während Frau Kolbin spricht, strahlt sie eine friedliche Zuversicht aus und lässt damit allen an der Hoffnung teilhaben, dass Gott in unsere Dunkelheiten leuchtet, unsere zerbrochene Vorstellungen mit neuen, unerwarteten Erfahrungen heilt und unser Leben hell macht.

Sonntagsruhe – Landesbischof July kritisiert S21-Bauarbeiten

„Der Sonntag ist eines der schönsten Geschenke, die Gott uns gemacht hat. Ich sehe mit Sorge auf die Aushöhlung des Sonntagsschutzes durch wirtschaftliche Interessen. Dazu gehören nicht nur die ausufernden verkaufsoffenen Sonntage, sondern zum Beispiel auch der sonntägliche Betrieb einer Großbaustelle wie Stuttgart 21.“

Mit diesen Worten wendet sich der württembergische Landesbischof in seiner „Neujahrsbotschaft 2017“ an die evangelischen ChristInnen. Angesichts der üblichen Leisetreterei der hiesigen Landeskirche ist das ein starkes Votum, mit dem Frank Otfried July die unhaltbare Situation in der Landeshauptstadt geißelt: Seit Jahren – und in letzter Zeit vermehrt – bohrt und sprengt die Bahn auch sonntags und feiertags auf ihren Tunnel-Baustellen.

Behörden spielen Schwarzer Peter

Zahllose Beschwerden und Anzeigen dagegen sind bislang fruchtlos geblieben, weil – vom Rathaus Stuttgart über Polizei, Staatsanwaltschaft und Innenministerium bis hin zum Eisenbahnbundesamt – eine Behörde die Verantwortung auf die andere verschiebt. Und auch zahllose Klagen bei der Kirchenleitung und Bitten an sie, diesem rechtsbrecherischen Treiben entgegenzutreten, sind bislang fruchtlos geblieben.

Sonntag ist für alle da

Nun endlich wird die Landeskirche deutlich: Es kann nicht sein, dass ein Betrieb – und schon gar nicht ein staatlicher wie die Bahn – aus wirtschaftlichen Gründen fortgesetzt das Feiertagsgesetz bricht. Dabei geht es nicht nur um das Interesse der Kirchen am geschützten Sonntag, sondern auch um das Recht der Anwohner auf Ruhe und um das Recht der Arbeitskräfte auf gemeinsame freie Tage.

Bahn unter Druck

Für die Bahn ist das besonders unangenehm, hat sie doch angekündigt, in nächster Zeit im 24-Stunden-7-Tage-Betrieb arbeiten zu wollen, um eine absehbare Verlängerung der Bauzeit und entsprechende zusätzliche Kosten zu sparen. Das wird nun schwieriger.

Der Geist ist aus der Flasche

Da wird es jetzt sicherlich ein paar eilige Telefonate geben, und möglicherweise auch ein paar Dementis. Aber der Geist ist aus der Flasche: Landesweit wird von nun an genau beobachtet, wie die Bahn mit dem Feiertagsgesetz umgeht – und ob sie nun endlich das tut, wovor sie offenbar bislang zurückgeschreckt ist: eine offizielle Genehmigung zu beantragen, bei der dann auch die Landeskirche gehört werden muss. Die aber hat sich nun selbst in Zugzwang gesetzt: Sie kann nun nicht mehr ohne weiteres ihr Einverständnis geben. Und das ist gut so.

Wieder ein Mosaikstein fürs Ziel

Denn alles, was der Bahn bei S21 Schwierigkeiten bereitet, ist hilfreich für unser großes Ziel: Baustopp und Umsteuern auf Modernisierung des Kopfbahnhofs (www.umstieg-21.de).

Danke, Frank Otfried July! Oben bleiben!

http://www.elk-wue.de/news/28122016-zur-sprache-bringen-was-dem-leben-dient/

http://www.focus.de/regional/stuttgart/kirche-bischof-july-sonntag-muss-besonders-geschuetzt-bleiben_id_6415935.htm

Der Weihnachts-Gottesdienst im Schlossgarten am 26.12.2016 in Ton und Bild

Alle Videos des Weihnachtsgottesdienstes im Schlossgarten 2016:

Alle Videos in der Playlist: https://www.youtube.com/playlist?list=PLq3Z8p9t1o14TmShmOkgXGpWMULy3IJrg

Einstimmung mit Parkblech
https://youtu.be/IoqgO8eiajY

Begrüßung (Jutta Radicke)
Lied „Es ist ein Ros entsprungen (Begleitung: Parkblech)
„Lobgesang der Maria“
https://youtu.be/TP4wsPpip0Y

Eingangsgebet (Friedhelm Vöhringer)
https://youtu.be/sTx8iI8XDmo

Lesung: Lk 2, 1-20 „Weihnachtsgeschichte“ (Martin Poguntke)
https://youtu.be/szGKlRHrZLM

Lied „Freu dich, Erd und Sternenzelt“ (Begleitung: Parkblech)
https://youtu.be/nm5PT-wy7HE

Predigt (Friedrich Gehring)
https://youtu.be/RorSq6yGYuY
Text: https://s21-christen-sagen-nein.org/2016/12/26/predigt-zu-lk-2-1-14-26-12-2016-im-stuttgarter-schlosspark-von-pfr-i-r-friedrich-gehring/
pdf: Predigt als pdf-Datei

Lied „Weil Gott in tiefster Nacht erschienen“ (Begleitung: Parkblech)
https://youtu.be/-den_LTYIKA

Fürbitten (Jutta Radicke, Friedhelm Vöhringer),
Vater Unser
Ankündigung Agape: Mandarinen und Datteln (Jutta Radicke)
https://youtu.be/2IN0_AQC4bQ

Ankündigung Agape: Mandarinen und Datteln (Gunther Leibbrand)
https://youtu.be/gxlDiM6cIhM

Musikstück „Hallelujah“, Leonard Cohen (Parkblech)
https://youtu.be/1yWkdE7nFEs

Lied „Oh du fröhliche“ (Begleitung: Parkblech)
Nachruf auf Bettina Boksch (Jutta Radicke)
Segen (Friedrich Gehring)
Schlußlied „We shall overcome“ (Begleitung: Parkblech)
https://youtu.be/2ZDrwJr_1ZU

Nachspiel (Parkblech)
https://youtu.be/yrzpA_XYJO8

Nachspiel (Parkblech)
https://youtu.be/ge0ZTWeybDs

Ansprache beim Parkgebet am 24.11.2016 zu Johannes 14,6;16,12 von Pf.i.R. Hans-Eberhard Dietrich

Liebe Parkgemeinde,

Joh 14,6: Jesus spricht: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.

Joh 16,12: Wenn aber der Geist der Wahrheit kommen wird, der wird euch in alle Wahrheit leiten.

  1. Die „gefühlte“ Temperatur

wenn ich mein Smartphone nach der Temperatur von morgen frage, so kommt da z.B. die Angabe 9 Grad Celsius, drunter steht dann: gefühlt wie 6 Grad. Eigentlich wollte ich nicht wissen, wie irgendein Wetterfrosch sich fühlt, sondern wie kalt oder warm es wirklich wird. Das hat sich bei uns irgendwie eingebürgert, von einer gefühlten Wirklichkeit zu sprechen. Eigentlich ist das banal, kaum der Rede wert, Nebensache. Aber könnte es nicht auch Ausdruck einer ganz neuen Denkweise sein? Ein Denken jenseits der Wirklichkeit, jenseits aller Wahrheit? Auf Neudeutsch heißt das dann „postfaktisches Zeitalter“?

  1. Das postfaktische Zeitalter

Liebe Parkgemeinde, ehrlich gesagt, vor ein paar Monaten kannte ich diesen furchtbarbaren Begriff noch nicht: „postfaktisches Zeitalter“. Aber plötzlich las ich ihn immer wieder und stellte fest, er hat es bis in das Feuilleton seriöser Zeitungen geschafft.

Und jetzt las ich in der Zeitung: Es ist das Wort des Jahres. Die Jury begründete es so: „Das Adjektiv beschreibe Umstände, in denen die öffentliche Meinung weniger durch objektive Tatsachen als durch das Hervorrufen von Gefühlen und persönlichen Überzeugungen beeinflusst werde. Angetrieben von dem Aufstieg der sozialen Medien als Nachrichtenquelle und einem wachsenden Misstrauen gegenüber Fakten, die vom Establishment angeboten werden, habe das Konzept des Postfaktischen seit einiger Zeit an Boden gewonnen.“

Ich möchte es mit meinen eigenen Worten sagen: Die Menschen machen sich die Wirklichkeit zurecht, wie es ihnen gefällt, wie sie sich gerade fühlen. Für sie zählt Wahrheit, zählen Fakten nicht, sondern nur eine gefühlte Wirklichkeit. Man muss sie nur häufig genug behaupten und wiederholen, es wird genügend Menschen geben, die sie glauben. Schlimmer noch, es wird immer genügend Menschen geben, die sie glauben wollen, weil diese Art der Wirklichkeit ihren eigenen Illusionen entspricht. Es zählen nicht die besseren Argumente. Es zählt nur der starke Auftritt, die perfekte Inszenierung. Fakten sind weder richtig noch falsch, richtig sind sie nur, wenn sie der eigenen Sache dienlich sind.

Und wer auf Fakten besteht, der wird noch als Verlierer verhöhnt: „Fakten sind die Krücke der Verlierer, mit denen sie durchs Leben humpeln.“ (Zeit, 29.9.2016 S. 48) Sieger brauchen keine objektiven Fakten, sie schaffen sich ihre Welt, wie es ihnen gefällt. Wahr ist allein das Faktum der Macht, die ist echt. Und es gibt viele Menschen, denen das gefällt, die darauf reinfallen. Oder sollen wir lieber sagen; die gerne darauf reinfallen wollen?

  1. Postfaktische Zeitalter, leider auch unsere Wirklichkeit in Stuttgart

Kommt Ihnen das nicht irgendwie bekannt vor? Wir müssen gar nicht nach Amerika schauen, wo Donald Trump das gerade perfekt und mit viel Beifall praktiziert hat und damit zum Entsetzen der ganzen Welt auch einen Wahlsieg erzielt hat.

Das erleben wir hier in Stuttgart zur Genüge, seit Jahr und Tag. Jüngstes Beispiel: Beharrlich weigerte sich der Oberbürgermeister, gestützt von der Mehrheit des Stadtrates, einen Faktencheck zu S21 zu machen. Weiterlesen