Monatsarchiv: März 2013

Parkgebetansprache, Gründonnerstag 2013, Lukas 22, 24-34, Gunther Leibbrand

Liebe Parkgemeinde,
wir versammeln uns als Christinnen und Christen an dieser Stelle, weil wir nicht der Meinung sind, dass es mit Stuttgart 21 schon seine Richtigkeit habe. Ganz im Gegenteil.
Weil wir eins und eins zusammenzählen können, wissen wir, dass drei nicht die richtige Antwort ist. Aber es braucht noch mehr: Wir kommen hier regelmäßig auf wichtige religiöse Texte zu sprechen, die uns in Beziehung setzen zu den Quellen der Kultur, die durch dieses Projekt mit Füßen getreten wird: Wenn der Fernsehturm für Besucher gesperrt werden muss, dann ist auch S 21 nicht genehmigungsfähig.
Ich lese Lukask 22, 24-34:
24 Es erhob sich auch ein Zank unter ihnen, welcher unter ihnen sollte für den Größten gehalten werden. 25 Er aber sprach zu ihnen: Die weltlichen Könige herrschen, und die Gewaltigen heißt man gnädige Herren. 26 Ihr aber nicht also! Sondern der Größte unter euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste wie ein Diener.
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Preisausschreiben – helft uns suchen!!!

Wer kann ein Mitglied des Kirchentags-Lenkungssausschusses nennen, das die Widerstandsbewegung gegen S21 vertritt?

Der Herr Landesbischof (oder wer auch immer) hat einen „Lenkungsausschuss“ zusammengestellt, der den Kirchentag 2015 in Stuttgart vorbereiten soll. Darin ist u.a. ein Vertreter der „Christus-Bewegung“ vertreten – weil „der besondere Charakter der Landeskirche“ dargestellt werden und daher ein Vertreter des Pietismus in diesem Ausschuss dabei sein soll.
Soweit so gut. Nun ist ja die Widerstandsbewegung gegen Stuttgart 21 und die Initiative „Stuttgart 21 – Christen sagen nein“ auch etwas sehr Spezifisches in Württemberg und in unserer Landeskirche. Daraus schließen wir, dass in diesem Ausschuss doch auch jemand sitzen muss, der oder die unsere Anliegen vertritt.
Bloß: Wir haben diese Person einfach noch nicht entdeckt.
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„Schwabenstreich“ auf dem Kirchentag

Die Verantwortlichen des Hamburger Kirchentags erhoffen sich einen Kirchentag, bei dem sie vom Thema „Stuttgart 21“ und vorallem von der Bürgerrechtsbewegung gegen den Irrsinn verschont bleiben, aber es müssen ja nicht alle Hoffnungen wahr werden. Darum, und um einen Weckruf laut werden zu lassen, wollen wir einen täglichen Schwabenstreich am Hamburger Hauptbahnhof während der Zeit des Kirchentages erschallen lassen. Wer dabei mitmachen möchte und das auch mit vorplanen will, sende bitte eine Mail mit Namen und Telefonnummer an folgende Adresse unserer Gruppe: theologinnen-gegen-s21@online.de

Kirchentag ohne „Stuttgart 21“?

Für den Kirchentag 2015 wurde Stuttgart als Veranstaltungsort ausgewählt. Die Begründung für diese Entscheidung seitens des Kirchentagspräsidiums lautete:

„Die Stadt des 35. Deutschen Evangelischen Kirchentages hat während der zurückliegenden Monate im Streit um das Projekt „Stuttgart 21“ neue Formen offener und öffentlicher Debatte erlebt. Nachhaltiger Protest und zivilgesellschaftliches Engagement haben eine landesweite Diskussion über die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Entscheidungen in der Demokratie ausgelöst. In diesem Kontext hat der Kirchentag die Einladung nach Stuttgart besonders gern angenommen.“

Da war es schon sehr verwunderlich, dass auf dem Dresdener Kirchentag 2011 „Stuttgart 21“ gerade mal bei einem einzigen Forum thematisiert wurde, bei dem „Schlichter“ Heiner Geißler gesprochen hat. Den Gegnern von „Stuttgart 21“ wurde keine Möglichkeit gegeben, sich durch Beiträge bei Veranstaltungen zu artikulieren.

Genauso sieht es nun in den Planungen für Hamburg aus. Stuttgart 21 und der Widerstand wird ausschließlich zum Thema durch eine sehr mysteriöse Veranstaltung, die recht weit außerhalb liegt (Programm Seite 391). Wir drucken die Ankündigung ab mit der Frage: „Versteht ihr, was ihr da lest?“ Was haben sich die Organisatoren dieser Veranstaltung dabei gedacht? – falls sie sich etwas gedacht haben sollten.

Bühne Magellan-Terrassen p 60
14.30–16.00 Hat Unzufriedenheit Zukunft?
• Rechtsextremismus überwinden
• Demokratie erneuern
• Wutbürger oder Mutbürger? Stuttgart 21 und die Folgen

Moderation:
Thomas Adomeit, Pastor, Oldenburg
Wolfgang Kruse, Beauftragter Ev. Landeskirche in Württemberg für den 35. Deutschen Ev. Kirchentag in Stuttgart
Musik: Staryend, Reutlingen

Dem dringenden Wunsch, bei dieser Veranstaltung mit einer Person aus unserer Gruppe „Pfarrerinnen und Pfarrer gegen S 21“ auf dem Podium vertreten zu sein, wurde bislang nicht entsprochen. Man kann gespannt sein, was bei dieser Veranstaltung raus kommen soll.

Brandschutz und Profitmaximierung

Leserbrief für die Backnanger Kreiszeitung
(Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel, Herrn Finanzminister Nils Schmid und Herrn Landesbischof Dr. Frank Otfried July zur Kenntnis gegeben)

Wer die Särge der Mutter und ihrer sieben Kinder in Backnang gesehen hat, muss fassungslos sein angesichts des politischen Streits um Rauchmelder, wenn der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke im Blick auf die Finanzierung der Kontrolle von Rauchwarnern von einem „bürokratischen Moloch“ spricht (Backnanger Kreiszeitung vom 12.3.2013, S. 5). Es erscheint ihm unzumutbar, z. B. Schornsteinfeger mit dieser Aufgabe zu betrauen, die ohnehin schon Feuerstätten regelmäßig kontrollieren müssen.
Hier zeigt sich die Klientelpolitik, die schon bei den Steuergeschenken an Hoteliers sichtbar war, in einer noch abscheulicheren Variante: Vermögende Investoren sollen ihre Profite maximieren dürfen, Menschenleben sind demgegenüber zu vernachlässigen. Es ist dieselbe Politik, die für das Projekt Stuttgart 21 kämpft, das ohne genehmigungsfähigen Brandschutz genehmigt wurde.
Selbst wenn dort der teuerste Brandschutz finanziert würde, wäre der Tiefbahnhof immer noch sehr viel gefährlicher als der oberirdische Kopfbahnhof. Aber dieser zweitpünktlichste Bahnhof Deutschlands muss weg, damit die Bahn den Spekulationsgewinn einfahren und Investoren auf diesem Gelände satte Profite scheffeln können.
Wenn eine Elektrolok brennt, kann sie schon oberirdisch sehr schwer gelöscht werden, wenn sie in einem Tiefbahnhof brennt, wird sie für die Fahrgäste zu einem tödlichen Inferno. Es bleibt zu hoffen, dass Nils Schmid noch an seine Backnanger Trauerrede denkt, wenn es das nächste Mal um den unsinnigen und brandgefährlichen Tiefbahnhof geht. Vor allem aber sollten die Wähler an die tödlichen Gefahren der schwarz-gelben Klientelpolitik denken, wenn sie im Herbst an die Wahlurnen treten.

Friedrich Gehring, Backnang