Aufruf zur Wahl der Württ. Landessynode am 1. Dezember

Die evangelischen Kirchenwahlen rücken heran. Am Sonntag, den 1. Advent ist es soweit, dass die evangelischen Kirchengemeinderäte in Baden und Württemberg und die Landessynode in Württemberg gewählt werden.
Sonderlich spannend war es in diesem „Wahlkampf“ ja nicht, was geboten wurde. Es fällt mir nichts dazu ein, was zu einem so inhaltsleeren Vorgeplänkel zu diesen Wahlen zu sagen sein sollte. Selbst Andreas Koch auf der Seite „koch meint“ ist dazu nichts mehr eingefallen.
Man fragt sich schon, ob diese Kirche noch etwas zu irgendwas zu sagen haben will.

Aber so weit so schlecht. Unsere Gruppe „Theolog/innen gegen Stuttgart 21“ hat versucht, mit einer theologisch begründeten Erklärung zu Stuttgart 21 ein Thema in diesem „Wahlkampf“ aufzugreifen, das den Menschen in diesem Land auf den Nägeln brennt. Die biblische Botschaft ist nicht ein Wort aufs Leere hin, sondern will in aller Vorläufigkeit Menschen und Welt gestalten und verändern – auch in Stuttgart.
Zu unserer Erklärung gab es eine kleine Diskussion auf unserer Website und ein paar Rektionen von Personen, die für die Synode kandidieren.

Wir wollen nun alle evangelischen Kirchenmitglieder unter den Stuttgart 21-Gegner/innen auffordern, an diesen Wahlen teilzunehmen und ihre Stimme abzugeben. Es geht auch darum zu zeigen, dass es uns gibt und dass unser Widerstand auch aus der Mitte der Gesellschaft und der Kirche kommt. Wir wollen darum zur Wahlteilnahme dringend auffordern, auch wenn wir längst wissen, dass mit Wählen allein noch lange nichts getan ist.

Wir sind keine Randgruppe, sondern sind auch innerhalb der evangelischen Landeskirchen eine weit vernetzte Bewegung, die wahrgenommen und gehört wird.
Unsere Initiative gibt keine Wahlempfehlung für eine der Synodalgruppen ab, die bei diesen Wahlen antreten. Es hat keine von ihnen sich so geäußert, dass wir das tun könnten. Dennoch soll darauf hingewiesen werden, dass zu unserer Initiative „Theolog/innen gegen Stuttgart 21“ Sabine Löw zählt, die in Stuttgart für die Gruppe „Kirche für morgen“ antritt; wir können es empfehlen sie zu wählen. Sowie Brigitte Lösch von der „Offenen Kirche“, die ebenfalls zur Widerstandsbewegung gegen den Irrsinn zählt. Außerdem hat schon vor langer Zeit Markus Brenner, ebenfalls Kandidat der Gruppe „Kirche für morgen“ im Kirchenkreis Stuttgart, auf dieser Internetseite die „Gemeinsame Erklärung gegen S21“ unterschrieben.

Darum nochmals: Nehmen Sie diese Wahl zum Anlass, die Bedeutung unserer Bewegung auch in der evangelischen Kirche deutlich zu machen. Gerade im Vorfeld des Stuttgarter Kirchentags 2015, der auf der größten Baustelle Europas stattfinden soll, ist es wichtig, auch diese Chance zu nutzen. Wir sind da und wir bleiben da, auch in der evangelischen Kirche.

Michael Harr

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Eine Antwort zu “Aufruf zur Wahl der Württ. Landessynode am 1. Dezember

  1. Folgender Brief an die SynodalkandidatInnen hat mich erreicht. Ich will ihn gerne hier als Kommentar öffentlich machen:

    Sehr geehrte Kandidatinnen und Kandidaten für die Synodalwahl …
    an der Synodalwahl werde ich mich dieses Jahr mit einem ungültigen Wahlzettel beteiligen. Es ist mir ein Anliegen, Ihnen mitzuteilen, warum.

    Sie sind der Kandidat/ die Kandidatin in meinem Wahlkreis in Stuttgart. Ich habe mir in den vergangenen Jahren Sorgen gemacht um die Stadt, um das Wohlbefinden der Menschen in der Stadt, um das Miteinander in der Stadt, um das, was Lebensqualität bedeuten könnte. Ich war an Gottesdiensten, Vorträgen und Konzerten im evangelischen Rahmen immer interessiert.

    Nun ist es so, dass ich mich zunehmend unverstanden fühlte in dem, was ich in der Stadt beobachtete, und ich fragte mich, wie meine Kirche die Lage wahrnimmt und darauf einwirkt. Konkret meine ich die Spaltung der Stadtbevölkerung in Obenbleiber und Tiefbahnhoffreunde. Sie erinnern sich? An den Buttons erkannte man ‚Freund und Feind’, und es gab üble Beschimpfungen. Vonseiten des Landesbischofs gab es ein paar halblebige Versuche, ‚zur Versöhnung’ beizutragen, die jedoch gescheitert sind. Hat man sich je gefragt, warum? Kirchliche Stimmen verwiesen immer wieder auf politische Beschlüsse und Maßnahmen (Schlichtung, Volksabstimmung), jedoch nie auf theologische oder ethische Argumente. (Warum eigentlich nicht?) Und man hat es versäumt, sich nach den Motiven der Christen zu erkundigen, die sich im Park (auch mit geistlichen Übungen) engagierten. Ja, ich weiß nicht einmal, ob man sie als Teil der Kirche in Stuttgart überhaupt registriert hat.

    Ich betone, es ist mir egal, ob Sie persönlich für den Kopf- oder den Tiefbahnhof sind. Darum geht es mir in diesem Brief nicht. Es geht mir darum, dass ich finde, dass es der Kirche in Stuttgart nicht egal sein darf, wenn Menschen in einer Parkanlage mitten im Herzen der Stadt von der Polizei mit Duldung oder Anweisung der Politik verprügelt und verletzt und dann noch von Gemeinderäten, Bürgermeistern und anderen ’lieben Mitmenschen’ beschimpft und mit Häme überschüttet werden. Anliegen der Demonstranten ist und war es, sich für Bäume, Tiere und Menschen einzusetzen, also für Schöpfung. Dieses Anliegen wurde in der württembergischen Landeskirche nie wirklich wahrgenommen und gewürdigt, obwohl man sich dazu noch nicht mal hätte positionieren müssen. Bei der Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten für die Synodalwahl hat es niemand für nötig gehalten, öffentlich ein Wort über Stuttgart 21 und die damit zusammenhängenden Verwerfungen zu verlieren, obwohl die Veranstaltung, die ich besuchte, das Thema ’Gesellschaft’ hatte. Das Thema Baustellen in Stuttgart, so scheint mir, ist der Kirche lästig. Die Proteste werden den Kirchentagstouristen als Folklore präsentiert werden. An inhaltliche Fragen wagt man sich nicht.

    Das Stuttgart 21-Problem betrifft das Verhältnis von Kirche und Politik. Wenn Kirche nur dazu da ist, Fehlentwicklungen der baden-württembergischen Landespolitik zu übernehmen und sozusagen abzusegnen, dann gebe ich dazu meine Stimme nicht her. Sie, liebe Synodale und sonstige kirchenpolitisch engagierte Menschen, haben in den nächsten Jahren die Möglichkeit, mir zu zeigen, dass es auch anders geht.

    Mit freundlichen Grüßen

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