Offener Brief zur »Tunneltaufe« von Thomas Felder

Sehr geehrter Herr Landesbischof Dr. July,
als Nebelkerze hat sich entlarvt, was Sie mir am 23. 8. 2010 haben ausrichten lassen: »Zum Projekt Stuttgart 21 wird die Landeskirche keine Stellung beziehen. Sie würde Öl ins Feuer gießen, wenn sie sich im Diskurs auf die eine oder andere Seite schlagen würde«. Sie selbst haben das »Schweigen« auf Ihre Kirchenfahne geschrieben und versprachen »alles zu rügen, was den Konflikt schürt«. Doch mehren sich die Anzeichen, dass Ihre öffentlichen Verlautbarungen diametral dem widersprechen, was hinter verschlossenen Türen abgekartet wurde und wird. Ich habe den Verdacht, die Evangelische Landeskirche Württemberg arbeitet seit Anbeginn aktiv am Projekt mit! Es fing an mit der Propaganda von Frau Heike Baehrens, die sich als »Kirchenrätin und Vorstand Diakonisches Werk« werbewirksam für S21 in Szene setzte. Wo blieb da Ihre Rüge? Aus blieb sie! Kein einziges Mal musste sich Frau Baehrens verantworten – schon gar nicht bei ihrer feierlichen Verabschiedung aus kirchlichen Ämtern und Würden vor wenigen Wochen. Sie haben den Skandal nicht nur geduldet und ausgesessen sondern durch Unterlassung wissentlich verschlimmert.
Inzwischen ist gang und gäbe, dass Pfarrer im Namen der Kirchen als Hauptakteure bei Veranstaltungen mitwirken, die an Geschmacklosigkeit und Gotteslästerung kaum zu überbieten sind – so genannte Tunnel-Taufen. Allein schon die Bezeichnung erinnert an Götzendienst im finstersten Sinne des Wortes. Was hier geschieht, hat mit einer Taufe im Sinne Jesu Christi nichts mehr zu tun. Es sind Machtdemonstrationen im Dienst einer hochkriminell organisierten Mafia, die unsere Gesellschaft wie ein bösartiges Krebsgeschwür durchwuchert. Wenn schon Regierungsvertreter nicht mehr zu dem stehen können, was sie vor ihrer Wahl versprochen haben, sollte wenigstens die Kirche das Wort-Halten vorleben. Meine Fragen an Sie: Wurden Sie über die »Tunneltaufen« informiert? Haben Sie solche gebilligt? Falls nicht – schauen Sie sich das Video http://youtu.be/XLCXDJgVcVc an. Ich erwarte Ihre sofortige Stellungnahme, in der Sie sich vom Schmierentheater S21 öffentlich distanzieren!
Mit freundlichen Grüßen
Thomas Felder
http://www.thomas-felder.de

Nachlese zur „Tunneltaufe“

Als erstes muss fest gehalten werden: Es war kein Pfarrer der Evangelischen Landeskirche, der bei der „Tunneltaufe“ am Barbaratag mitgewirkt hat. Es war der Leitende Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche in Esslingen, Markus Bauder, der an dieser Veranstaltung mitwirkte und durch seine Begrüßung „im Namen der Kirchen“ den Eindruck erweckt hatte, eben auch im Auftrag der Landeskirche zu sprechen

Insofern müssen wir die Überschrift des früheren Beitrags „Landeskirchlicher Pfarrer tauft Tunnel“ korrigieren.

Wir baten Markus Bauder um eine Stellungnahme zu seiner Mitwirkung an der „Tunneltaufe“. Vor allem wurde er gefragt, ob er dazu autorisiert worden sei, im Namen der Landeskirche an dieser Tunneltaufe mitzuwirken. Wir frugen auch beim Evangelischen Oberkirchenrat in Stuttgart nach, ob Pastor Bauder autorisiert worden sei, für die Landeskirche zu sprechen. Bislang kam auf diese Frage noch keine Antwort.

Markus Bauder erklärte folgendes:
Die ökumenische Barbarafeier wurde von mir nicht im Namen der Kirchen „eröffnet“, sie fand „im Namen Gottes, der Vaters, der Sohnes und des Heiligen Geistes“ statt. „Im Namen der Kirchen“ habe ich die Mineure, Arbeiter und anderen Gäste „begrüßt“. Dieser Unterschied ist mir schon wichtig.
Ich gebe zu, dass diese Formulierung möglicherweise etwas ungeschickt war. Ich hätte besser sagen sollen „Ich begrüße Sie als ein Vertreter der Kirchen“.
Des Weitern legt Markus Bauder darauf Wert, dass er nur gebetet habe für den Segen und den Schutz Gottes für die Mineure und Arbeiter bei der gefährlichen Arbeit im Berg. Damit sei keine Stellungnahme zu Stuttgart 21 verbunden gewesen. Dies sei ein Projekt, dem gegenüber er viele Bedenken der Gegner teile, aber die Volksabstimmung respektieren wolle.
Wie es überhaupt dazu kam, dass er dabei war, erklärt er mit einer Anfrage des katholischen Betriebseelsorgers zu S 21, des katholischen Diakons, der die Barbara-Statue weihte und zur Bedeutung der Heiligen Barbara predigte.

Soweit die Erklärungen von Pastor Bauder.

Dazu soll fest gehalten werden: Pastor Bauder erweckte den Eindruck, von den Kirchen, und das heißt auch von der Evangelischen Landeskirche autorisiert, bei dieser Veranstaltung dabei zu sein. Weiterlesen

S21-Gegnerin siegt bei Kirchenwahl landeskirchlicher Pfarrer „tauft“ S21-Tunnel (Korrektur: nicht landeskirchlicher, sondern freikirchlicher Pfarrer „tauft“ S21-Tunnel)

Die Kirchenwahl ist vorbei. Wir gratulieren Brigitte Lösch, deren Wahl wir empfohlen hatten, für ihren 1. Platz bei der Wahl in Stuttgart. Auch darin kann man, so man es denn will, etwas davon erkennen, wie das Stuttgarter Kirchenvolk zu großen Teilen denkt. Der Herr Landesbischof hat zur Wahl (laut „Stuttgarter Zeitung“ vom 3. Dezember) bemerkt: „In einem großstädtischen Bereich leben viele Menschen, die sich bewusst gesamtgesellschaftlicher Fragen und Fragen des Zusammenlebens annehmen.“ Nun, wo er recht hat, hat er recht, aber als Dorfpfarrer darf ich ergänzen: Solche Leute leben nicht nur in der Großstadt, sondern auch in der Kleinstadt und auf den Dörfern. Und: Nach unserer Ansicht ist das nicht nur Sache von Menschen in der Großstadt, sondern Fragen des Zusammenlebens und gesamtgesellschaftliche Fragen sind per se auch Fragen der Kirche.

Wenn wir an den Kirchentag in Hamburg denken, von dem in der kirchlichen Presse Württembergs nur zu lesen war, dass die württembergischen Pfarrer die besten Kicker beim „popen open“ waren und dann noch etwas von diesem unsäglichen Kehrwochenwettbewerb, dann kommen einem schon Zweifel, ob diese Kirche sich ihres Auftrags bewusst ist.

Und wenn wir denken, welches Chaos beim Nahverkehr schon da ist und welch größeres noch droht, aber dennoch unverdrossen nach Stuttgart auf die größte Baustelle Europas zum Kirchentag eingeladen wird, dann fasst man sich schon gelegentlich an den Kopf.

Es ist an der Zeit für biblisch begründete und theologisch durchdachte Worte zu der architektonischen, ökologischen und sozialen Verwüstungszone, die Stuttgart 21 durch Stadt und Land legt. Nur zu schweigen, kann für unsere Kirche nicht mehr reichen.

Soweit dieser Artikel, bevor der Autor auf youtube ein Video sah und feststellen musste, dass unsere Landeskirche doch nicht mehr zu Stuttgart 21 schweigt. In ihrem Auftrag fleht ein mir unbekannter Kollege auf dem Hintergrund des DB-Logos den Segen Gottes bei der „Tunneltaufe“ in Untertürkheim auf dieses Projekt herab. Dazu fallen mir im Moment leider nur noch nicht-theologische Worte ein, die ich aufgrund meiner guten Kinderstube weder in den Mund nehmen, noch zu Papier bringen will. Wer sich das antun will und kann, schaue http://youtu.be/XLCXDJgVcVc bzw. http://youtu.be/ca-YnCXij88 .

Ich war nicht imstande, mir das zur Gänze anzuschauen. Das hat mich psychisch überfordert. Da kann ich nur sagen: Es wäre doch besser die Landeskirche würde schweigen, als bei so was mitzumachen.

Michael Harr

Parkgebet vom 12. auf 19. Dezember verlegt!

Eiliger Hinweis:

Das nächste „Parkgebet“
wurde verlegt von Donnerstag, 12. Dezember
auf – neuer Termin –: Donnerstag, 19. Dezember!

Wie immer:
18.15 Uhr, Stuttgart, Mittlerer Schlossgarten, bei der Lusthaus-Ruine
und  musikalisch begleitet von „Parkblech“.

Ansprache beim Parkgebet am 28.11.13, Gunther Leibbrand

Die Ansprache als pdf-Datei: Parkgebet, 28.11.13, Leibbrand

Liebe Parkgemeinde,

als ich das letzte Mal zu Ihnen sprach, am 1. August, hatte ich so geendet:
Wir stehen vor dem Jahrhundertprojekt, den Gebrauchswert der Dinge zum Leben wieder in Erinnerung zu bringen.
Dann hatte ich gesagt, dass es uns Christen um’s Leben geht, um das Leben vor dem Tod. Auch um ein Leben nach dem Tod, aber eben auch um ein wirklich gutes Leben vor dem Tod.
Und dass wir solche großen Aufgaben mit Gottes Hilfe anpacken können.

Heute möchte ich Ihnen ein Beispiel nennen von Menschen, die sich ihre Würde nicht nehmen lassen, obwohl sie wenig Erfolg haben bei der Durchsetzung ihrer wichtigen Ziele.
Ich möchte uns Mut verschaffen durch den Blick auf Leute, die seit bald sieben Jahrzehnten dafür kämpfen, dass ihnen Gerechtigkeit widerfahre und nicht weiterhin Unrecht, ja Desinteresse und Zynismus.
Ich möchte von Enrico Pieri und Enio Mancini erzählen und den anderen Überlebenden eines der fürchterlichsten deutschen Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg in Italien.

  • Wie haben es Menschen geschafft, gegen den Triumpf der Gewalt seit beinahe 70 Jahren nicht zu verstummen? Mehr noch:
  • Wie schafften sie es zu überlegenen Menschen zu werden, die nicht hassen, sondern ganz ruhig und fest nur Gerechtigkeit einfordern?
  • Wie kann es sein, dass diese damals noch im Kindesalter Stehenden nicht in der Scham über das ihnen widerfahrene Leid reaktiv ihrerseits zu Gewalttätern geworden sind, sondern zu Menschen, die ihren Schmerz authentisch zeigen können und für eine gemeinsame Zukunft mit uns Deutschen in einem friedfertigen Europa eintreten?

In einem bis auf den letzten Platz gefüllten Theaterhaus hat Enrico Pieri am 10. November bei der Verleihung des 11. Stuttgarter Friedenspreises der AnStifter  sich von seinem Sohn, einem Wirtschaftspädagogen eines Basler Gymnasiums, übersetzen lassen,  und eigentlich nur den einen Satz gesagt (ich zitiere sinngemäß): Geht zur Wahl und stimmt bei den kommenden Europawahlen für ein friedfertiges und soziales Europa. Das ist für mich die Konsequenz aus meinem Kampf für einen Prozess gegen die Mörder meiner Familie und so vieler anderer Familien meines Dorfes Sant’Anna di Stazzema. Dieser Prozess wird uns bis zum heutigen Tage in Deutschland verweigert. Aber wir werden nicht aufgeben, weil wir nicht wollen, dass sich ein solches Verbrechen in meinem Land wiederholen kann. Es wiederholt sich schon viel zu oft bis zum heutigen Tage weltweit. Kämpfen wir für ein politisches Klima, das solche Verbrechen ächtet.

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Aufruf zur Wahl der Württ. Landessynode am 1. Dezember

Die evangelischen Kirchenwahlen rücken heran. Am Sonntag, den 1. Advent ist es soweit, dass die evangelischen Kirchengemeinderäte in Baden und Württemberg und die Landessynode in Württemberg gewählt werden.
Sonderlich spannend war es in diesem „Wahlkampf“ ja nicht, was geboten wurde. Es fällt mir nichts dazu ein, was zu einem so inhaltsleeren Vorgeplänkel zu diesen Wahlen zu sagen sein sollte. Selbst Andreas Koch auf der Seite „koch meint“ ist dazu nichts mehr eingefallen.
Man fragt sich schon, ob diese Kirche noch etwas zu irgendwas zu sagen haben will.

Aber so weit so schlecht. Unsere Gruppe „Theolog/innen gegen Stuttgart 21“ hat versucht, mit einer theologisch begründeten Erklärung zu Stuttgart 21 ein Thema in diesem „Wahlkampf“ aufzugreifen, das den Menschen in diesem Land auf den Nägeln brennt. Die biblische Botschaft ist nicht ein Wort aufs Leere hin, sondern will in aller Vorläufigkeit Menschen und Welt gestalten und verändern – auch in Stuttgart.
Zu unserer Erklärung gab es eine kleine Diskussion auf unserer Website und ein paar Rektionen von Personen, die für die Synode kandidieren.

Wir wollen nun alle evangelischen Kirchenmitglieder unter den Stuttgart 21-Gegner/innen auffordern, an diesen Wahlen teilzunehmen und ihre Stimme abzugeben. Es geht auch darum zu zeigen, dass es uns gibt und dass unser Widerstand auch aus der Mitte der Gesellschaft und der Kirche kommt. Wir wollen darum zur Wahlteilnahme dringend auffordern, auch wenn wir längst wissen, dass mit Wählen allein noch lange nichts getan ist.

Wir sind keine Randgruppe, sondern sind auch innerhalb der evangelischen Landeskirchen eine weit vernetzte Bewegung, die wahrgenommen und gehört wird.
Unsere Initiative gibt keine Wahlempfehlung für eine der Synodalgruppen ab, die bei diesen Wahlen antreten. Es hat keine von ihnen sich so geäußert, dass wir das tun könnten. Dennoch soll darauf hingewiesen werden, dass zu unserer Initiative „Theolog/innen gegen Stuttgart 21“ Sabine Löw zählt, die in Stuttgart für die Gruppe „Kirche für morgen“ antritt; wir können es empfehlen sie zu wählen. Sowie Brigitte Lösch von der „Offenen Kirche“, die ebenfalls zur Widerstandsbewegung gegen den Irrsinn zählt. Außerdem hat schon vor langer Zeit Markus Brenner, ebenfalls Kandidat der Gruppe „Kirche für morgen“ im Kirchenkreis Stuttgart, auf dieser Internetseite die „Gemeinsame Erklärung gegen S21“ unterschrieben.

Darum nochmals: Nehmen Sie diese Wahl zum Anlass, die Bedeutung unserer Bewegung auch in der evangelischen Kirche deutlich zu machen. Gerade im Vorfeld des Stuttgarter Kirchentags 2015, der auf der größten Baustelle Europas stattfinden soll, ist es wichtig, auch diese Chance zu nutzen. Wir sind da und wir bleiben da, auch in der evangelischen Kirche.

Michael Harr

Parkgebet am 14.11.2013, MartinPoguntke

(hier als pdf-Datei: Parkgebet, 14.11.13, Martin Poguntke)

Liebe Parkgebetsgemeinde!
Ich möchte heute mit Ihnen ein bisschen darüber nachdenken, was es mit dem Segen Gottes auf sich hat, mit der Kraft Gottes. Wo wirkt Gottes Kraft, wo nicht? Wie kommt man an sie dran? Was kann man dafür tun? Welche Rolle spielen unsere Gebete und Gottesdienste dabei?
Claus Schmiedel hat ja in einer seiner denkwürdigen Reden gesagt, auf dem Projekt Stuttgart 21 liege Gottes Segen. Nun, die bisherige Geschichte des Projekts lässt einen daran sehr zweifeln.
Ein bisschen klang es aber damals auch wie ein Beschwörungsversuch von Schmiedel: Irgendwie wollte er wohl auch – so ein bisschen magisch – die guten Kräfte beschwören und auf sein Lieblingsprojekt lenken. Nicht bewusst – er findet sicher, dass er als Sozi eher atheistisch sein müsse – aber irgendwie unbewusst.
Jetzt fragen wir uns aber mal ganz selbstkritisch: Tun wir womöglich was ganz Ähnliches? Wenn wir uns hier zu Parkgebeten versammeln – versuchen wir dann womöglich auch, die guten Kräfte des Schöpfers und der Schöpfung auf unseren Widerstand zu lenken? Parkgebete so ein bisschen als Zaubertrank, wie bei Asterix und Obelix?
Lassen wir die Antwort noch ein bisschen offen und gehen noch einmal von einer ganz anderen Seite dran. Da gibt es nämlich einen ganz störenden Ausspruch von Jesus. Der Mann kannte ja kein Pardon, der hat ja ständig unsere vertrauten religiösen Orientierungsmarken durcheinander gebracht.
Ich denke gerade an den Satz Jesu, den Matthäus in die Bergpredigt mit eingebaut hat: „Gott lässt seine Sonne aufgehen über Böse und Gute und lässt regnen über Gerechte und Ungerechte“.
Ich möchte nicht verhehlen, dass es für mich immer wieder eine kleine Zumutung ist, das den „Bösen“ und „Ungerechten“ zuzugestehen, dass auch sie rundum von der göttlichen Kraft versorgt werden. Nur wenn ich mich selbst beim Bösesein ertappe, höre ich den Satz mit etwas Erleichterung, dass Gott die Sonne auch für die Bösen scheinen lässt.
Aber es scheint so zu sein, dass der Gott, wie Jesus ihn glaubte, nicht nur für die Guten da ist, sondern auch für die Bösen. Wenn wir das weiter denken, müssen wir sagen: Ja, auch Schmiedel und seine ganzen S21-Befürworter – alle haben sie Anteil an dieser unendlichen göttlichen Kraft – genauso, wie auch wir Gegner des Projekts.
Mit welcher anderen Kraft sollten sie auch ihre Lügen in die Welt tragen und sich den Geldhaien andienen? Es gibt ja keine andere Kraft in der Welt als die eine göttliche Kraft. Es gibt ja keine zwei Götter: einen guten und einen bösen. Und auch das, was manche „Teufel“ nennen, wird in der Bibel als gefallener Engel gesehen – also als ebenfalls vom einen Gott stammender Störenfried.
Wozu feiern wir dann eigentlich Gottesdienste? Ist es denn so, dass dann auf der einen Seite die Gegner und auf der anderen Seite die Befürworter jeweils ihre Gottesdienste feiern und damit jeweils versuchen, Gott für sich zu reklamieren und ihn mit seiner Kraft auf ihre Seite zu ziehen? Weiterlesen

Bürgerbegehren – Bitte unterschreiben!

Storno21 LeistungsrueckbauS21_Logo_200

Die S21-Gegner haben zwei neue Bürgerbegehren gestartet (die aus juristischen Gründen getrennt durchgeführt werden). Beide haben zum Ziel, dass die Stadt Stuttgart die S21-Finanzierungsverträge kündigt, weil sie von ihrem Vertrags„partner“ Deutsche Bahn 1. über die wahren Kosten und 2. über die wahre Leistungsfähigkeit des geplanten Bahnhofs wissentlich getäuscht wurde. Eine Fortsetzung des Vertragsverhältnisses sei deshalb für die Stadt Stuttgart nicht zumutbar.

Für beide Bürgerbegehren („Storno 21“ und „Leistungsrückbau S21“) werden je 20 000 Unterschriften von wahlberechtigten Stuttgarter BürgerInnen gebraucht. Termin gibt es keinen; aber die Unterschriften sollten natürlich so schnell wie möglich zusammen kommen.
Es gibt keine Online-Möglichkeit zur Unterzeichnung, weil die originalen Unterschriften gezählt werden müssen.

Hier die beiden Unterschriftenlisten zum Selberausdrucken:
Unterschriftenliste, Storno21
Unterschriftenliste, Leistungslüge

Wer also selbst in Stuttgart wohnt
oder einen kennt, der in Stuttgart wohnt,
oder eine kennt, die eine kennt, die in Stuttgart wohnt…
oder… – bitte um Unterschrift bitten und zurückschicken an:
DenkMacherei, Werastraße 90, 70190 Stuttgart.

Gerne auch Blätter mit nur einer Unterschrift zurück schicken! Jede einzelne ist wichtig!

Vielleicht weiß auch jemand einen Laden, in dem man Listen auslegen könnte?
(Aber bitte dran denken, sie auch regelmäßig abzuholen!)

Weitere Infos und Argumentationshilfen zu den beiden Bürgerbegehren hier: http://storno21.de/ und hier: http://www.leistungsrueckbau-s21.de/

Brief an die SynodalkandidatInnen

Am 1. Dezember 2013 wird in den Evangelischen Landeskirchen von Baden und Württemberg das Kirchenparlament – die Landessynode – gewählt. Wir „TheologInnen gegen S21“ haben den KandidatInnen einen Brief geschrieben, in dem wir sie um Auskunft bitten, wie sie zum Projekt „Stuttgart 21“ stehen.

Hier der Brief
und die Datei als pdf zum Runterladen (Theols_geg_S21 an Landessynodale):

„Theologinnen und Theologen gegen Stuttgart 21“
Anfrage an die Kandidatinnen und Kandidaten
für die Landessynodalwahlen 2013 in Baden und Württemberg

Sehr geehrte Damen und Herren,
mit diesem Schreiben wenden wir uns an Sie, weil es für uns bei den anstehenden Kirchenwahlen von großer Bedeutung ist, wie sich die Kandidatinnen und Kandidaten für die Landessynoden zum Projekt „Stuttgart 21“ stellen. Auch denkbare Wahlempfehlungen hängen für uns davon ab.
In den 80-er Jahren des letzten Jahrhunderts beschlossen die christlichen Kirchen den sog. „konziliaren Prozess“ und verpflichteten sich, Ungerechtigkeit, Unfrieden und Zerstörung der Schöpfung in ihrem jeweiligen gesellschaftlichen Umfeld zu analysieren und zu überwinden.
Folgende vier Grundüberzeugungen des konziliaren Prozesses hindern uns, das Projekt „Stuttgart 21“ mitzutragen:
1. „Wir bekräftigen, dass Wahrheit zur Grundlage einer Gemeinschaft freier Menschen gehört. Jesus lebte ein Leben der Wahrhaftigkeit“.
„Stuttgart 21“ hat durch vielfältige Rechtsbrüche, Unwahrheiten und schließlich brutale Polizeigewalt Unfrieden gestiftet. Nach unwahren Kosten- und Leistungsbehauptungen hat die Staatsgewalt am 30. September 2010 die noch nicht genehmigte Fällung von Bäumen im Schlossgarten für das Projekt „Stuttgart 21“ in einem brutalen Polizeieinsatz gegen friedlich demonstrierende Menschen durchgesetzt, wie es in diktatorischen Regimen üblich ist. Dadurch wurde der Friede in unserem Land schwer gestört. Die juristische Aufarbeitung der Gewalttaten ist nicht zufriedenstellend. Die Geschädigten warten noch zu einem großen Teil auf die Wiederherstellung des Rechtsfriedens.
2. „Die einzig mögliche Grundlage für einen dauerhaften Frieden ist Gerechtigkeit“
„Stuttgart 21“ steht für uns jedoch dem biblischen Grundwert der Gerechtigkeit diametral entgegen. Denn dieses Projekt dient den Profiten weniger (z.B. Deutsche Bahn, Großkonzerne, Großbanken) und bürdet die verharmlosten Kosten des Projektes den Steuerzahlern und Bahnkunden auf. Die ohnehin schon dramatischen Staatsschulden werden noch weiter erhöht mit entsprechenden Zinslasten, die Mobilitätskosten werden besonders für die steigen, die sich keine arbeitsplatznahe Wohnung leisten können. Die Botschaft Jesu ist solchem wirtschaftlichen Handeln genau entgegengesetzt: Indem die Reichen ihr Hab und Gut mit den Armen teilen, geschieht Gerechtigkeit und wächst das Reich Gottes.
3. „Wir bekräftigen, dass Gott die Schöpfung liebt. Gott, der Schöpfer, ist der Ursprung und der Erhalter des ganzen Kosmos.“
Als Gottes Ebenbilder haben wir die Aufgabe, zur Erhaltung der Schöpfung beizutragen. Damit stehen wir in der Pflicht, bei Eingriffen in die Natur die Risiken für Menschen und Umwelt daraufhin zu überprüfen, ob sie in einem angemessenen Verhältnis zum zu erwartenden Nutzen stehen. Durch die S21-Baumaßnahmen entstehen aber unkalkulierbare Risiken für das Stuttgarter Mineralwasser, die Bäume der verbliebenen Flächen des Schlossgartens und die Häuser an den Hängen. An möglichem Nutzen stehen dem lediglich ca. 15 ha neu gewonnene Baufläche gegenüber, für einige wenige Züge Fahrzeitgewinne von wenigen Minuten und eine wenig komfortable und von nur Wenigen benötigte ICE-Verbindung zum Flughafen – eine mögliche Parkerweiterung hat nichts mit S21 zu tun. Der mögliche Nutzen ist so gering, dass selbst Bahnchef Grube das Projekt heute nicht mehr beginnen würde.
4. „Wir bekräftigen, dass Gott auf der Seite der Armen steht… Jene, die die Gesellschaft als die ‚Geringsten‘ behandelt, nennt Jesus seine Geschwister“
Als Christen sind wir aufgerufen, uns auf die Seite der Schwachen in unserer Gesellschaft zu stellen – und damit insbesondere auch für Menschen mit Behinderungen und Einschränkungen einzutreten. Bei S21 sind aber die Bahnsteige, Treppen und Aufzüge so eng bemessen, dass sie in den Stoßzeiten und in Gefahrensituationen die zu erwartenden Personenströme nicht bewältigen können. Außerdem sind die Bahnsteige nicht ebenerdig erreichbar. Beides stellt vor allem für Menschen mit Behinderungen, für Senioren und für Eltern mit Kinderwagen eine besondere Gefährdung dar, die im bestehenden Kopfbahnhof nicht gegeben ist.
Die Brandschutzeinrichtungen im Tiefbahnhof und in den ca. 60 km Tunnelröhren sind völlig unzureichend, und erforderliche Nachrüstungen würden an den Bahnsteigen weiteren wertvollen Platz kosten.
Aus diesen und etlichen weiteren Gründen bitten wir um Auskunft, ob Sie sich für oder gegen das Projekt „Stuttgart 21“ positionieren, und machen Sie gleichzeitig darauf aufmerksam, dass wir Ihnen bei Wahlveranstaltungen entsprechende Fragen stellen werden.
Mit freundlichen Grüßen
im Namen der Initiative „Theologinnen und Theologen gegen Stuttgart 21“
Martin Poguntke
( TheologInnen-gegen-s21@online.de )

PS: Gerne machen wir Sie an dieser Stelle auch aufmerksam auf unsere „Gemeinsame Theologische Erklärung gegen S21“ (http://s21-christen-sagen-nein.de/gemeinsame-erklarung-von-theologinnen), die inzwischen von über 1200 Christinnen und Christen mit getragen wird.

Der letzte Brief – Vorsicht Satire

Sehr geehrter Herr Landesbischof Juli,
sehr geehrter Herr Erzbischof a.D. Zollitsch!

Noch immer von großer Freude und Dankbarkeit erfüllt schaue ich auf den Festgottesdienst am Tag der Deutschen Einheit in „meiner“ Kirche, der altehrwürdigen Stiftskirche, zurück. Auch wenn und gerade weil ich diesen Event als Höhepunkt im meinem Mesnerinnenleben betrachte (beim Festgottesdienst 1997 mit Helmut Kohl und Georges Bush war ich noch an einer anderen Kirche), kann ich nicht umhin, Ihnen einige kritische Anmerkungen zukommen zu lassen. Auch eine Mesnerin macht sich ja so ihre Gedanken, auch wenn Sie das in der Tiefe Ihres Herzens einer Frau vermutlich nicht zutrauen mögen. Ich bin mir zwar bewusst, dass ich, wenn ich diese Gedanken nun auch noch öffentlich ausspreche, damit gegen den biblischen Rat „das Weib schweige in der Gemeinde“ verstoße. Aber mit Gottes Hilfe will ich es dennoch wagen und hoffe dabei auf Ihre bischöfliche Nachsicht.

Nun zu meinen Beobachtungen und Einsichten. Da kommt mir als erstes der rote Teppich in den Sinn, der zwischen Schillerplatz und Eingangsportal ausgelegt war und auf dem die Gottesdienstbesucher feierlich zur Kirche schritten. Zunächst war ich als evangelische Mesnerin darüber etwas verwundert. Auch wenn die Gemeinde wohl ausschließlich aus hoch gestellten Persönlichkeiten und geladenen Ehrengästen bestand, ist ein Gottesdienst doch etwas grundlegend anderes als ein Staatsakt! Und vor Gott zählt schließlich weder Ansehen noch Ehre noch gesellschaftliche Position eines Menschen, sondern allein die Reinheit des Herzens. Psalm 15 ist da ganz eindeutig. Allerdings muss ich ehrlicherweise zugeben, dass ich am nächsten Tag beim Putzen den roten Teppich dann nachträglich doch noch zu schätzen wusste. Der Reinigungsaufwand war dieses Mal deutlich geringer als an den normalen Sonntagen.

Von Ihrer Predigt, verehrter Herr Erzbischof a.D., ist mir besonders die Anrede in unangenehmer Erinnerung. Anstelle der gewohnten Anrede: „liebe Gemeinde“ oder „liebe Brüder und Schwestern in Christus“ sprachen Sie zunächst direkt und namentlich die Oberhäupter des Staates an und schließlich auch die „Brüder und Schwestern“. Auch hierbei fühlte ich mich eher an die Ansprache bei einem Staatsakt erinnert oder auch an Zeiten des landesherrlichen Obrigkeitsstaates, die Gott sei Dank der Vergangenheit angehören. Und in der Anrede der Predigt sollte doch wohl schon die biblische Wahrheit zum Ausdruck kommen, die da lautet: „Hier ist nicht Jude noch Grieche, nicht Sklave noch Freier, nicht Mann noch Frau. Denn ihr seid allesamt einer in Christus Jesus“.

„Soli Deo Gloria” war, ist und bleibt das Motto unserer Gottesdienste.
Und deshalb bin ich auch ausgesprochen dankbar dafür, dass sich die Paramentenwerkstatt in der Kürze der Zeit nicht imstande sah, Antependien in unseren Nationalfarben schwarz rot gold für Altar und Kanzel zu fertigen. So gab es dann nur einen neutralen Kanzelbehang in schlichtem Rot. Vielleicht aus Ihrer Sicht ein kleiner Schönheitsfehler an diesem Tag, den unser Herrgott Ihnen aber sicher verzeihen wird.
Zwar bin ich in den langen Jahren meiner Dienstzeit so einiges an neumodischem Schnickschnack gewohnt, wie Sie sich denken können. Aber der Tanz um den Altar hat mich doch sehr befremdet. Musste das denn unbedingt sein? Jeder halbwegs bibelfeste Zuschauer und besonders ich, die Sonntag für Sonntag von Amts wegen eine Bibelstunde absolviert, musste sich erinnert fühlen an die Geschichte vom „Tanz ums Goldene Kalb“. Sie wissen ja, wie diese ausgegangen ist. Der zu Recht aufs Äußerste erzürnte Mose befahl seinen linientreu gebliebenen Leviten, ihr Schwert zu erheben und „Bruder, Freund und Nächsten“ zu erschlagen, was dann 3 000 Männern das Leben kostete. Auch wenn Sie als Bischöfe quasi selbst die Nachkommen der Leviten sind und von daher nichts zu befürchten zu haben glauben, ist es zumindest denkbar, dass sich beim Tanz ums Goldene Kalb eines Tages die Verhältnisse bei der Bestrafung der Abgefallenen umkehren könnten.

Auf jeden Fall halte ich es für angeraten, solche unseligen Assoziationen durch dem Zeitgeist geschuldete Verkündigungsformen erst gar nicht aufkommen zu lassen. Wie wir wissen, lässt der Blick auf die Kirche in Geschichte und Gegenwart bei immer mehr Menschen den – natürlich völlig unbegründeten – Verdacht aufkommen, auch der Kirche gehe es nur ums Geld. Diesem falschen Eindruck ist gezielt zu wehren, was ja gerade der neue Papst Franziskus von Anfang an schon durch seine Namenswahl deutlich machte und nun auch noch dadurch, dass er das „Papamobil“ durch einen alten Renault 4 mit 360 000 Kilometern auf dem Buckel ausgetauscht hat. Wie wäre es, wenn Sie, verehrter Herr Landesbischof July, es dem Papst gleichtun und Ihre Mercedes S-Klasse etwa gegen einen 2 CV austauschen? Das war mein erstes Auto, und ich bin damit auch im Winter jede Steigung hinauf gekommen. Dies sage ich deshalb, weil Sie ja vor einiger Zeit die Befürchtung geäußert haben, ohne den Vierradantrieb Ihres Mercedes in den Wintermonaten nicht rechtzeitig zu Gottesdiensten auf die Schwäbische Alb zu kommen. Allenfalls müssten Sie eben etwas früher aufstehen, was Ihnen in Erinnerung an die früher in unserer Kirchen üblichen Frühandachten nicht schwer fallen dürfte.

Auf jeden Fall wäre ein solcher Fahrzeugwechsel ein deutliches Zeichen dafür, dass auch unsere evangelische Kirche gewillt ist, wieder etwas erkennbarer jesuanisch werden zu wollen. Immerhin hatte unser Herr, im Unterschied zu Füchsen und Vögeln, die wenigstens eine Höhle bzw. ein Nest haben, nicht einmal einen Ort, wo er sein Haupt hätte hinlegen können, geschweige denn ein Fahrzeug. Wenn man dann in einer Zeit, in der in beiden Kirchen aus Geldmangel Gehälter gekürzt, Personalstellen gestrichen, Kirchen umgewidmet oder abgerissen, diakonische Einrichtungen marktkonform geführt werden und so weiter, lesen muss, dass der Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, sich einen Protzbau für 31 Millionen Euro als Bischofssitz bauen lässt, dann muss man sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen aus der Kirche austreten.
Nach dieser kurzen Abschweifung, die ich zu entschuldigen bitte, zurück zum Festgottesdienst. Von ganzem Herzen froh bin ich darüber, dass sich die Diskussion um die Länge der Röcke des katholischen Mädchenchors schließlich in Wohlgefallen aufgelöst hat. Die Mädchen hätten ursprünglich ja auf der Sängerempore mit dem Glasgeländer singen sollen, oberhalb des Altars. Und da wäre realistischerweise zu befürchten gewesen, dass Gottesdienstbesucher ihnen unter die Röcke geschaut hätten. Dies wurde aber Gott sei Dank noch rechtzeitig erkannt. Ich will mir gar nicht vorstellen, welche neuerlichen Diskussionen das ausgelöst hätte, wenn Fernsehkameras solche Blicke eingefangen und in die Welt hinaus übertragen hätten! Der Mädchenchor wurde dann ja, mit langen Röcken züchtig verhüllt, auf die Nebenempore platziert.

Noch eine Kleinigkeit, gleichwohl erwähnenswert, möchte ich ansprechen. Wie Sie vielleicht wissen, wurden in der Unterkirche sämtliche Mitwirkende fernsehgerecht geschminkt. Die Solisten bekamen zwei Lagen Make-up mehr aufs Gesicht. Schminken und Kirche, das passt für mich nun wirklich nicht zusammen. Fernsehen hin oder her. Gott schaut ohnehin durch jede Maske, so dick sie auch sein mag. Auf jeden Fall sollte das eine Ausnahme bleiben. Im Gegensatz zum Pudern der Hände des Organisten. Herr Johannsen hat ja ganz hervorragend gespielt. Sicher haben seine gepuderten Hände ein Übriges dazu getan. Eventuell könnte das Pudern der Hände vor dem Gottesdienst in die Richtlinien für den Organistendienst aufgenommen werden. So wäre er oder sie sich stets bewusst, dass Einer ihm immer auf die Hände schaut, auch ohne Fernsehkamera. Das würde mit Sicherheit das Niveau des Orgelspiels in unseren Kirchen heben.

Sollten Sie noch an weiteren Erkenntnissen meinerseits über diesen Stuttgarter Jahrhundertgottesdienst interessiert sein, dürfen Sie mich gerne zu einem Gespräch einladen.

Einstweilen grüßt Sie hochachtungsvoll die Mesnerin der Stuttgarter Stiftskirche

Maria Martha Sauberle

Ansprache zum Parkgebet am 3.10.2013 zu Mt 5,10 von Pfarrer i. R. Friedrich Gehring

Ein Parkgebet am 3. Oktober muss zwangsläufig an die Friedensgebete in der Leipziger Nicolaikirche erinnern, die der Ursprung der Befreiung von der DDR-Diktatur waren und uns die deutsche Wiedervereinigung schenkten, die wir heute feiern. Anders als bei den Jubelreden dieser Tage hier in Stuttgart muss aber heute im Parkgebet auf eine unrühmliche Parallele hingewiesen werden, die uns hier im Park mit den einstigen Betern in Leipzig verbindet: In der Nicolaikirche war stets ein Mensch von der Stasi dabei, der für die DDR-Überwachungsdiktatur Berichte schrieb. Bei unseren Parkgebeten hier im Schlossgarten müssen wir ebenfalls davon ausgehen, dass jemand vom Verfassungsschutz anwesend ist, um über uns zu berichten. Die Überwachung einer Versammlung von friedlichen christlichen Betern ist normalerweise nur nötig in einer Diktatur. So entsteht die Frage: Welche Diktatur braucht unsere Überwachung? Es ist dieselbe Frage, die wir auch am vergangenen Montag in Erinnerung an den schwarzen Donnerstag stellen mussten: Welche Diktatur braucht einen solchen polizeilichen Gewaltexzess gegen friedliche Demonstranten? Unsere unbeugsame Antwort ist: An die Stelle der Diktatur der DDR-Parteibonzen ist die heutige Diktatur der Lobbyisten getreten mit Baden-Württembergischen Innenministern als ihren willfährigen Erfüllungsgehilfen.
In dieser Situation möchte ich erinnern an die trotzige Seligpreisung Jesu aus Mt 5,10: Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn ihrer ist das Himmelreich.
Ich habe mit dieser Seligpreisung in meinem Leben nicht viel anfangen können, denn ich habe mich zwar gelegentlich gemobbt fühlen müssen, aber mich dabei nicht wirklich als verfolgt betrachtet, weil ich schwerere Verfolgungen überall auf der Welt vor Augen hatte. Auch will ich nicht die Unterschiede zwischen der DDR-Diktatur und der heutigen verwischen: Wenn ich diese Ansprache in der DDR gehalten hätte, dann wäre es möglich gewesen, dass mir angedroht worden wäre, meine Frau würde gelegentlich bei einem Verkehrsunfall umkommen. So weit sind wir heute noch nicht. Das befreit uns allerdings nicht davon, den Anfängen unseres Überwachungsstaats zu wehren. Spätestens seit dem „Schwarzen Donnerstag“ ist die staatliche Verfolgung vor aller Augen, auch dass die Geschädigten wegen ihres Einsatzes für die Gerechtigkeit verfolgt werden. Denn das Projekt Stuttgart 21 ist erwiesenermaßen ein Beitrag dazu, dass die Schere zwischen Arm und Reich weiter auseinandergeht: Wenige Profiteure stecken ein, was der Gesamtheit der Steuerzahler und Fahrgäste unnötigerweise aus der Tasche gezogen wird. Genau darum ist es das Lieblingsprojekt von Kanzlerin Merkel, die uns in ihrer neoliberalen Verblendung vorgaukeln will, wenn es auf Kosten der Mehrheit einigen Profiteuren gute gehe, sei das für alle besser. Jesus spricht in solchen Zusammenhängen vom „ungerechten Mammon“ und fordert Gerechtigkeit durch die Rückverteilung von den Reichen zu den Armen: „Machet euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“ (Lk 16,9). Jesus verheißt denen, die ihm darin nachfolgen, das Himmelreich nicht als jenseitiges Wolkenkuckucksheim, sondern als ganz diesseitige Erfüllung der Verheißung des barmherzigen Gottes, dessen „Wille geschehe wie im Himmel, so auf Erden“ (Mt 6,10). Für dieses Himmelreich auf Erden setzen wir uns beim Parkgebet ein.

Deshalb fordern wir, sofern jemand vom Verfassungsschutz anwesend sein sollte, die entsprechenden Personen dazu auf: Machen Sie Ihren Job, berichten Sie Innenminister Gall, dass wir ihm unbeugsam zurufen: Der Horcher an der Wand, hört seine eigne Schand. Wir sind durch Beobachtung nicht einzuschüchtern. Hier bei uns ist zu lernen, wie unsere Verfassung wahrhaft zu schützen ist. Freiheiten, die nicht genutzt werden, gehen verloren. Wir nutzen die Freiheit, uns als kritische Christen zu versammeln, wir verteidigen unsere freiheitliche demokratische Grundordnung vor der völligen Machtergreifung der Lobbydiktatur.
Unseren Kirchenleitungen rufen wir zu: Brechen Sie Ihr Schweigen zu den Gewaltexzessen gegen diejenigen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen. Beziehen Sie Stellung zu dem bisherigen Verteilungsprozess von unten nach oben.
Dem im Wahlkampf gemeinsam angetretenen rot-grünen Bündnis rufen wir zu: Nehmt die gewählte linke Mehrheit im neuen Bundestag an für eine neue Politik, die die schwarz-gelbe Umverteilung zu den reichen Hoteliers und Stromfresserfirmen umkehrt und soziale Gerechtigkeit schafft im Sinne der Botschaft Jesu vom Reich Gottes.
Uns selbst wollen wir ermutigen lassen von der Verheißung Jesu: Glücklich sein werden die, welche um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden, denn Ihnen gehört das Reich des barmherzigen Gottes. Amen

Ort der Montagsdemos Stellungnahme der „TheologInnen gegen S21“

Wir beobachten mit wachsender Sorge, dass die Frage des Orts der Montagsdemo zu einer Art Glaubenskrieg zwischen verschiedenen Fraktionen der Anti-S21-Bewegung zu werden droht. Wir bitten daher alle Beteiligten darum, keine Maximalforderungen zu stellen, sondern die jeweils andere Perspektive als ebenfalls berechtigte zu akzeptieren. Unseres Erachtens gibt es für beide Orte – Schillerstraße und Marktplatz – gute Gründe.

Für die Mehrheit unter uns überwiegen beim Ort Schillerstraße die Nachteile:
• Der Verkehrslärm wirkt störend und erschwert das Verstehen.
• Dass viele Leute bis dicht an den Rand des Autoverkehrs stehen, erscheint uns gefährlich.
• Man kann nach der Demo nicht stehen bleiben und reden, weil die Schillerstraße schnell wieder frei gemacht werden muss.
• Es bekommen nur sehr wenige Menschen etwas von der Demo überhaupt mit und noch weniger von den Inhalten, weil sie in den Autos nur schnell vorbeifahren.
• Die Beschallung ist teuer, weil diese Straße akustisch sehr ungünstig ist.
• Die Atmosphäre des Ortes ist hässlich (Verkehr, blaue Rohre…)

Die Befürworter der Schillerstraße führen als Vorteile an:
• Wir demonstrieren dort, wo der Gegenstand unseres Protests sich befindet: der Bahnhof.
• Wir sehen „unseren“ Bonatzbau.
• Wir sind an einem Verkehrsknotenpunkt und werden deshalb wahrgenommen.
• Wir sind auf der Straße und erzeugen damit eine spürbare Störung.

Dem gegenüber scheinen uns am Marktplatz die Vorteile zu überwiegen:
• Es herrscht kein Verkehrslärm, sodass man alles gut verstehen kann.
• Wir sind vor dem Rathaus – dem klassischen Ort der Volksversammlung und einem der Orte, an dem für uns bedeutsame Entscheidungen gefällt werden.
• Der in sich geschlossene Platz schafft eine ästhetische, ruhige, fast geborgene Atmosphäre, welche die Erfahrung der Gemeinschaft stärkt.
• Nach der Demo kann man noch in Grüppchen stehen bleiben und die Gelegenheit zum Austausch von Meinungen und Ideen nutzen.
• Viel mehr Leute bekommen en passant etwas mit von den Inhalten der Beiträge, weil sie entweder zu Fuß unterwegs sind oder in einer der benachbarten Straßenkneipen sitzen.
• Die Kosten der Demos werden nicht unnötig in die Höhe getrieben, weil die Beschallung kostengünstiger geht.

Als Nachteile des Markplatzes wird gesehen:
• Wir sind „fernab“ vom Geschehen – was man aber auch genau umgekehrt sehen kann: Am Marktplatz sind wir im Zentrum der Stadt.
• Wir blockieren keinen Verkehr und werden deshalb zu wenig wahrgenommen – andere sagen: Wir werden dort nicht weniger wahrgenommen, sondern nur weniger als Ärgernis wahrgenommen.

Unter Abwägung dieser Vor- und Nachteile kommen wir zu dem Schluss, dass der Marktplatz aus unserer Sicht der derzeit geeignetere Ort für die Montagsdemos ist. Denn wir haben den Eindruck, dass wir gegenwärtig die Montagsdemos vorrangig für die eigene Selbstvergewisserung und zum Aufbau innerer Stabilität brauchen.

Wir haben aber auch Verständnis für die Befindlichkeit eines für uns durchaus wichtigen Teils der Bewegung, der aus unterschiedlichen Gründen die direkte Konfrontation mit dem bedrohten Bahnhof und wenigstens niederschwellige Blockadeaktionen für unverzichtbar hält. (Allerdings können die Blockadeaktionen unseres Erachtens genauso wirksam beim Demozug im Anschluss an die Kundgebung auf dem Marktplatz stattfinden.)

Wir bitten deshalb alle Akteure, ihre Verantwortung für die Bewegung als Ganze nicht im bloßen Durchsetzen ihrer eigenen Vorstellungen zu sehen, sondern in der Erhaltung der guten Vielfalt unserer Bewegung. Niemand sollte die Bewegung beschädigen, weil er seine eigenen politischen Vorstellungen für die allein richtigen hält.

Könnte eine Lösung darin bestehen, für die Montagsdemos beide Orte im Wechsel zu nutzen? Nach einem bestimmten Modus, der noch festzulegen wäre? Dabei ist uns bewusst, dass auch dieser Vorschlag seine Tücken hat (Kommunikationsprobleme mit Mitstreitern ohne Internet, usw.). Vielleicht gibt es keine glatte Lösung.

Unsere Stärke ist unsere Vielfalt.
Bitte sucht eine Lösung, die dieser Stärke und unserer augenblicklichen Situation am besten gerecht wird! Ein Ende der Montagsdemos kommt für uns jedenfalls nicht in Betracht.

(Text als pdf-Datei: Montagsdemos, Ort, Stellungnahme, Theols, final)

Andacht zum Parkgebet am 19.09.2013 von Dorothea Ziesenhenne-Harr

Psalm 27,1+5+14
1 Der Herr ist mein Licht und mein Heil; vor wem sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft; vor wem sollte mir grauen?
5 Denn er deckt mich in seiner Hütte zur bösen Zeit, er birgt mich im Schutz seines Zeltes und erhöht mich auf einen Felsen.
14 Harre des Herrn! Sei getrost und unverzagt und harre des Herrn!

Liebe Freundinnen und Freunde des Parks und des Kopfbahnhofes,

manchmal haben wir eine schwere Durststrecke zu bewältigen. Wo es mühsam wird, dran zu bleiben. Wie bei einer Bergbesteigung.

Hoch und schier unerreichbar ragt da der Gipfel über uns auf. Wolken verhangen und im dichten Nebel ist er fast nicht mehr zu erkennen. Wie abweisend und unnahbar ist das Ziel entfernt.

Da ist dann unser Durchhaltevermögen gefragt. Weiter kommen wir nur, wenn wir mit Ausdauer und Beharrlichkeit dran bleiben. Und uns auch Pausen gönnen, Erholung und Vergewisserung. Ein Auftanken unter Freundinnen und Freunden, so wie heute Abend. Und wir brauchen es, dass wir nicht alleine gehen, sondern immer zu mehreren. Wer einen steilen Berg erklimmen will, braucht eine Seilschaft, Menschen, die mit klettern, die wenn nötig, fest halten, die absichern. Mit dem Seil in Kontakt bleiben heißt: ich gehöre dazu und trage zum Gelingen bei.

Ich habe für heute ein rotes Seil mitgebracht, wie ein roter Faden, an den wir uns jetzt symbolisch und doch ganz greifbar zu einer Seilschaft verbinden können.
Ich gebe das Seil weiter und wer will, kann sich dran festhalten, die Verbindung spüren.

So ein Moment der Ruhe dient auch dazu, die eigene Befindlichkeit wahrzunehmen und die Festigkeit der Verbindung zu überprüfen. Denn wer mit am Seil hängt, der/die ist in erster Linie für sich selbst verantwortlich, dass es ihr/ ihm selbst gut geht. Habe ich genug zu essen und zu trinken dabei? Wie ist meine körperliche Kondition? Habe ich die angemessene Kleidung an, die trittfesten Bergschuhe? Wie sieht es mit meinem Durchhaltevermögen aus, gerade auch bei einer langen Durststrecke?
Nur wenn ich gut auf mich achte und vorbereitet bin, bin ich auch eine gute Teilnehmerin/ein guter Teilnehmer der Seilschaft. Denn die anderen halten mich nur, wenn ich in Not gerate.

So eine Ruhepause dient zum Kräfte sammeln. Und auch dazu, mich zu fragen: bin ich weiterhin überzeugt, dass ich wirklich weiter klettern will. Ist das immer noch der passende Berggipfel für mich oder nicht?
Bin ich abhängig davon, dass die anderen mich am Seil mitziehen oder bin ich überzeugt davon, dass das Ziel für mich immer noch gilt und ich deshalb auch weiter die Energie aufbringe, dabei zu sein, das Seil zu halten und Schritt für Schritt einen Fuß vor den anderen zu setzen. Auch wenn es mühsam ist, auch wenn es Schweiß und manchmal auch Tränen kostet?
Solche Zeiten der Vergewisserung sind für uns z.B. die Kundgebungen, die Demonstrationen, die Parkgebete und all die vielen anderen Veranstaltungen rund um das Projekt, den Kopfbahnhof in Stuttgart zu erhalten. Unseren Berggipfel.

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Parkgebet-Ansprache am 18.07.2103 Guntrun Müller-Enßlin

Liebe Freundinnen und Freunde,
dieser Tage jährt sich zum dritten Mal der Protestsommer 2010. Wir erinnern uns: Aus Demonstrantenzahlen, die immer so um die dreitausend herumschwappten, wurden auf einmal fünfstellige, Anfang August war das, und dann wurden aus 10.000 erst 20- und dann 30.000, und in der ganz hohen Zeit unseres Protests versammelten sich bis zum 60.000 Menschen im Park, auf dem Schlossplatz, zogen in riesigen Bandwürmern über den Cityring. So mancher von uns, glaubte damals zu träumen und hat gedacht, es würde nun immer so weiter gehen und es sei nur noch eine Frage der Zeit, bis das Maulwurfprojekt gestoppt sei. Dieser Sommer 2010 hatte, bei all seiner Dramatik um das Wüten der Bahn auch etwas von einem Märchen, es ging immer höher mit uns hinaus, unsere Bewegung wurde bekannt, über Stuttgart, übers Ländle, schließlich über ganz Deutschland und noch weiter hinaus. Die Medien berichteten über uns, wir haben gedacht, es tut sich was, wir können was verändern, es lohnt sich, sich einzusetzen für die Stadt, für das Gemeinwesen, in dem wir leben.
Das alles – war einmal. In letzter Zeit greift an vielen Stellen der Frust um sich, auch innerhalb der Bewegung. Die Auseinandersetzungen auf unseren Blogs künden davon. Auch ich selber habe mich vor kurzem an das Märchen „Der Fischer und seine Frau“ erinnert gefühlt. Uns geht es wie den beiden. Wie der Fischer und seine Frau machten wir die Erfahrung, dass wir hoch hinaus wollten damals vor drei Jahren und das auch konnten, wir meinten, alles erreichen zu können. Am Ende sitzen der Fischer und seine Frau wieder in ihrer alten Kate, ihrer alten Fischerhütte, umgeben vom Gewohnten, als wäre nichts geschehen. Auch wir meinen manchmal, einmal im Kreis gelaufen zu sein und fragen uns, was ist anders geworden?
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Brief der Ingenieure22 an die Verkehrsminister der Länder

Stuttgart 21 – Christen sagen Nein
So lautet der Titel eines Buches mit Beiträgen zu einer christlichen Protestkultur am Beispiel von Stuttgart 21 (Peter-Grohmann-Verlag)

Sehr geehrte…

Pfarrer Martin Poguntke schreibt in diesem Buch ab Seite 175:
„Warum der Protest gegen S21 weitergeht . . .

Weil ein Milliardenbetrug nicht zur Wahrheit wird, nur weil er eine Mehrheit der Wählerinnen und Wähler hinter sich gebracht hat.
Das ist ganz wichtig: Auch von meinem Protest gegen Atomkraft (die freilich ganz andere Gefahren mit sich bringt – was aber die Mehrheit der Bevölkerung sehr lange auch nicht geglaubt hat) habe ich mich ja nicht dadurch abbringen lassen, dass die Mehrheit der Bevölkerung regelmäßig die Atomparteien gewählt hat.

Weil gar nicht über S21 abgestimmt wurde, sondern über ein Ausstiegsgesetz, das die Landesregierung zwingen sollte, seine Rechte auf Ausstieg aus dem Projekt wahrzunehmen.
Die grün-rote Landesregierung hat aber diesen Volksentscheid – der lediglich den Zweck hatte, den Frieden in der grün-roten Koalition herzustellen – dahingehend umgedeutet, sein Ergebnis zwinge die Landesregierung zur Unterstützung des Projekts.
Mehr noch: Der grüne Ministerpräsident Kretschmann behauptet sogar, mit dieser Abstimmung sei nicht nur der Widerstand der Landesregierung gegen S21 zu beenden, sondern auch der Protest in der Bevölkerung gegen das Projekt sei von nun an „undemokratisch“. Aber Hannah Arendt sagt: „Es gibt keine Pflicht zu gehorchen“.

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Termine im September

Für alle, die nach den Sommerferien wieder einen neuen Anlauf nehmen wollen: Im September starten wir „Theologinnen gegen S21“ wieder durch mit neuen Terminen:

Montag, 9. September, 19.30 Uhr, Gaststätte Kismet, Stuttgart, Kernerplatz 5: Treffen der „TheologInnen gegen Stuttgart 21“.
Wie immer sind neue (und alte) Gesichter sehr willkommen.

Donnerstag, 19. September, 18.15 Uhr, Stuttgart, Mittlerer Schlossgarten, bei der Lusthaus-Ruine: „Parkgebet“, musikalisch begleitet von „Parkblech“.

Montag, 23. September, 19.30 Uhr, Gaststätte Kismet, Stuttgart, Kernerplatz 5: Treffen der „TheologInnen gegen Stuttgart 21“.
Wie immer sind neue (und alte) Gesichter sehr willkommen.

(Bitte immer auch unter „Termine“ nachsehen, was es an neuen Terminen gibt!)

Imaginäres Theologisches Streitgespräch zum Großprojekt Stuttgart 21

Beim 3. Europäischen Forum gegen unnütze und aufgezwungenen Großprojekte stellte Friedrich Gehring im Workshop „Theologie, Kirche und Großprojekte“ das folgende Streitgespräch zur Diskussion:
Moderator : Ich darf zu Beginn die Beteiligten auf dem Podium vorstellen: Zu meiner Rechten sitzt Herr Pfarrer Bückle, er hat sich sehr profiliert zu dem Großprojekt Stuttgart 21 geäußert, in welcher Weise, das werden wir gleich von ihm hören. Ihm gegenüber darf ich Herrn Pfarrer Aufrecht vorstellen, seine Einschätzungen unterscheiden sich stark von den Auffassungen von Pfarrer Bückle, deshalb haben wir ihn eingeladen, damit es ein spannendes Gespräch werden kann. Ich bin Pfarrer Ausgleich, auch mein Name ist gewissermaßen Programm, ich werde versuchen, zwischen den beiden Positionen zu vermitteln, denn Jesus sagt ja: „Selig sind die Friedfertigen“.  So wollen wir auch hier und heute möglichst Konflikte vermeiden. Das sagt Jesus zwar nicht so, aber das ist ja heute die Hauptaufgabe der Kirchen in unserer friedlosen, konfliktreichen Welt. Ich kann mir zu Beginn den Hinweis nicht verkneifen: Sie erleben heute eine Premiere: Noch nie ist es bisher gelungen, zwei Pfarrer mit gegnerischen Positionen zu Stuttgart 21 an einen Tisch zu bringen zu einer theologischen Disputation. Wir dürfen also alle sehr gespannt sein, und ich darf nun Herrn Bückle bitten zu beginnen, denn er war der erste, der sich als Pfarrer zu dem umstrittenen Projekt so geäußert hat, dass es einen öffentlichen Aufschrei gab. Bitteschön, Herr Bückle.
Bückle: Vielen Dank, Herr Ausgleich, für die Einladung. Ich freue mich sehr, endlich einmal zusammenhängend meine theologischen Argumente für Stuttgart 21 vorbringen zu können. Die biblischen Wurzeln meiner Argumente stammen von unserem Apostel Paulus, dem ja gerade die reformatorischen Kirchen so unendlich viel verdanken. Wie wir alle wissen, ist das Projekt Stuttgart 21 in einem vorbildlichen Planungsprozess von allen zuständigen parlamentarischen Gremien beschlossen und schließlich noch durch einen Volksentscheid legitimiert worden. Dass dieser Volksentscheid die Regierungsbeschlüsse bestätigt hat, darf insbesondere in Baden-Württemberg nicht wundern, denn unser christlich geprägtes Musterländle weiß ganz besonders seit der Reformation, dass die Unterordnung unter die Regierung und ihre Beauftragten eine oberste Christenpflicht darstellt, wie wir im wichtigsten Brief des Apostels Paulus, dem Römerbrief, im 13. Kapitel lesen:  „Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott“. Da nun dieses Projekt Stuttgart 21 von der Obrigkeit beschlossen ist, darf es im Volk keinen Widerstand mehr gegen den Bau dieses Tiefbahnhofs geben, zumindest in dem Teil des Volks, das sich als christlich versteht.
Aufrecht: Lieber Bruder Bückle, es dürfte sich doch inzwischen herumgesprochen haben, dass Römer 13 ein Einschub von späterer Hand in den Römerbrief des Paulus ist, was am Zusammenhang und an der Begrifflichkeit erkennbar ist, die sonst bei Paulus nie auftaucht. Aber selbst wenn es ein Text aus der Hand des Paulus wäre, so steht dem doch die unmissverständliche Herrschaftskritik Jesu gegenüber, wie wir in Markus 10 lesen, wo Jesus warnt: „Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an. Aber so ist es unter euch nicht; sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein; und wer unter euch der erste sein will, der soll aller Knecht sein“. Wir dürfen also in unserem christlichen Land von einer Regierung erwarten, dass sie dient und das Volk fragt, was ihm dient, bevor ein Großprojekt beschlossen wird. Die Kanzlerin hat selbst die Landtagswahl vom 27. März 2011 zur Volksabstimmung über Stuttgart 21 ausgerufen. Diese Wahl hat dazu geführt, dass die Regierung einen Kostendeckel für das Projekt beschlossen hat. Damit war klar, dass das Projekt nicht mehr finanzierbar ist. Eine im Sinne Jesu dem Volk dienende Regierung hätte damit das Projekt aufgeben müssen. Nun haben wir aber miterleben müssen, dass der Bahnaufsichtsrat weitere Milliarden zugesagt hat, ohne von der Bundesregierung daran gehindert zu werden. Der Bund als Alleinaktionär wäre nach Aktienrecht dazu verpflichtet gewesen. Kurz danach hat Bundesverkehrsminister Ramsauer öffentlich verkündet, dass wenn die Landesregierung sich an den weiteren Kosten nicht beteiligt, das Geld von den Bahnkunden aufgebracht werden muss. Eine dem Volk dienende Regierung sieht anders aus.
Bückle: Sie scheinen zu übersehen, wem die Regierung dient. Sie dient z. B. dem Unternehmer Herrenknecht, der die Bohrmaschinen für die Tunnel liefern darf. Das schafft Arbeitsplätze. Außerdem bezahlt Herr Herrenknecht aus seinen Profiten eine halbe Pfarrstelle. So dient die Regierung nicht nur Herrn Herrenknecht, sondern auch dessen Mitarbeitern und den Mitgliedern seiner Kirchengemeinde.
Aufrecht: Sie scheinen dabei das entscheidende zu übersehen: Im Sinne Jesu müsste die Regierung der Knecht aller sein, nicht nur der von Herrn Herrenknecht und seinen Mitarbeitern. Die Regierung schädigt aber die weit überwiegende Mehrheit dadurch, dass sie Herrn Herrenknecht erlaubt, den Bahnkunden Milliarden aus der Tasche zu ziehen für ein völlig überflüssiges Projekt, das den Bahnverkehr für alle auch noch verschlechtert. Herr Herrenknecht mag sein Geld mit vernünftigen Projekten verdienen, die wirklich sinnvoll sind, aber doch nicht mit einem solchen Unsinnsprojekt, bei dem mit massivster Polizeigewalt der Widerstand aus der Bevölkerung niedergeknüppelt werden muss.
Bückle: Ich kann nicht glauben, dass die Bibel sich widerspricht. Und wenn ich in Röm 13 von der Regierung als der Dienerin Gottes lese, die das Schwert nicht umsonst trägt, sondern gerade als Dienerin Gottes die Bösen strafen muss, dann können sie doch nicht irgend ein anderes Bibelwort dagegen anführen. Die Polizisten hätten ihre Knüppel und Wasserwerfer nicht benutzen müssen, wenn sich die Demonstranten gehorsam entfernt hätten.
Aufrecht: Ich halte ihnen nicht irgendein Bibelwort entgegen, sondern ein Wort Jesu. Er ist von seiner Obrigkeit brutal zu Tode gefoltert worden, das Kreuz war die Strafe für Regimegegner, um alle Kritiker abzuschrecken. Und sie wollen dem Wort und dem Kreuzestod Jesu das angebliche Pauluswort von der Obrigkeit entgegensetzen, die zu Recht Gewalt gegen die Untertanen übt und damit Gott dient?
Bückle: Natürlich! Wie wir alle wissen, hat die römische Obrigkeit durch die Kreuzigung Jesu die Sünden der Welt getilgt. Nicht nur Paulus, Jesus selbst hat von seinen Jüngern Gehorsam gegen den Kaiser gefordert, als er sagte: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“, nachzulesen in Mk 12.
Aufrecht: Dieses Jesuswort meint das genaue Gegenteil von Gehorsam. Es geht hier um das Steuern zahlen an den Kaiser. Jesus lässt sich von denen, die ihn aufs Glatteis führen wollen, eine kaiserliche Münze zeigen. Jeder Jude damals wie heute versteht sofort weshalb. Das Bild des Kaiser, der Gott sein will, macht die Münze zu einem Götzenbild, das nach den 10 Geboten kein Jude in die Hand nehmen oder gar in der Tasche tragen darf. Das Wort Jesu: Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist, bedeutet deshalb einen Boykott römischen Geldes, eine sehr effektive Form des Widerstands und des Ungehorsams gegen den Kaiser, denn ohne kaiserliches Geld kann er das Volk nicht mehr so einfach unterdrücken und ausbeuten. Deshalb musste Jesus als Regimegegner sterben.
Bückle: Sie verstehen es hervorragend, Jesus die Worte im Mund herumzudrehen.
Ausgleich: Bevor wir allzu spitzfindig werden, möchte ich doch daran erinnern, dass wir über das Projekt Stuttgart 21 sprechen wollten. Was hat der Auslegungsstreit zu Mk 12 mit diesem Bahnhof zu tun.
Bückle: Die Gegner können es einfach nicht verwinden, dass sie verloren haben.
Aufrecht: Das ist jetzt aber kein theologisches Argument. Entscheidend ist, dass Jesus zum Kampf gegen Ausbeutung durch die Mächtigen mit friedlichen Mittel aufruft. Stuttgart 21 ist ein krasses Beispiel für die Ausbeutung breiter Schichten der Bevölkerung durch ein paar wenige Profiteure, die von der Regierung freie Hand bekommen. Die neoliberale Politik will uns einreden, das sei gut für alle. Als Christen müssen wir in der Nachfolge Jesu klarmachen, dass dabei die Armen ärmer und die Reichen reicher werden und dass deshalb Widerstand Christenpflicht ist, alles andere wäre Mammonsdient.
Bückle: Es wird ihnen nichts nützen, wenn sie immer nur den Reichtum schlecht machen wollen. Wohlstand ist uns von Gott geschenkt, wir sollten ihm dafür dankbar sein.
Aufrecht: Dann sollten sie aber dazu sagen, was Jesus von den Reichen erwartet. Nehmen sie doch den reichen Mann, dem Jesus rät, all seine Habe zu verkaufen und den Erlös an die Armen zu verteilen, nachzulesen Mk 10,21.  Oder erinnern sie an das Wort Jesu: „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“, nachzulesen Lk 16,9; oder an die Warnung Jesu: „Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen“, nachzulesen Mt 6,24.
Ausgleich: Also jetzt habe ich fast den Eindruck, dass die Worte Jesu zu theologischen Totschlagargumenten werden. Dazu habe ich einen hübschen Schwank von Johann Peter Hebel mitgebracht:
In Hertingen, als das Dorf noch rothbergisch war, trifft ein Bauer den Herrn Schulmeister im Felde an.
„Ist’s noch euer Ernst, Schulmeister, was ihr gestern den Kindern zergliedert habt: So dich jemand schlägt auf deinen rechten Backen, dem biete den anderen auch dar?“ Der Herr Schulmeister sagt: „Ich kann nichts davon, ich nicht dazu tun.  Es steht im Evangelium“. Also gab ihm der Bauer eine Ohrfeige, und die andere auch, denn er hatte schon lang einen Verdruss auf ihn.
Indem reitet in einer Entfernung der Edelmann vorbei und sein Jäger. „Schau doch nach, Joseph, was die beiden mit einander haben“. Als der Joseph kommt, kommt der Schulmeister, der ein starker Mann war, gab dem Bauern auch zwei Ohrfeigen, und sagte, es steht auch geschrieben: „Mit welcherlei Maß ihr messet, wird euch gemessen werden. Ein voll gerüttelt und überflüssig Maß wird man in euren Schoß geben“. Und zu dem letzten Sprüchlein gab er ihm noch ein halbes Dutzend drein.
Da kam der Joseph zu seinem Herrn zurück und sagte: „Es hat nichts zu bedeuten, gnädiger Herr; sie legen einander nur die heilige Schrift aus.“
Merke: man muss die heilige Schrift nicht auslegen, wenn man’s nicht versteht, am allerwenigsten so. Denn der Edelmann ließ den Bauern noch selbige Nacht in den Turm sperren auf 6 Tage, und dem Herrn Schulmeister, der mehr Verstand und Respekt vor der Bibel hätte haben sollen, gab er, als die Winterschule ein Ende hatte, den Abschied.  Soweit Johann Peter Hebel.
Ich denke, wir sollten so viel Respekt vor der Heiligen Schrift haben, dass wir bei einem Bahnhof, auch wenn er umstritten ist, die Bibel außen vor lassen. Wir können bei technischen Entscheidungen nicht so tun, als habe die Bibel eine klare Weisung, was dabei besser oder schlechter, christlicher oder unchristlicher sein könnte. Es muss doch unter Christen immer vor allem darum gehen, dass wir bei Meinungsverschiedenheiten friedlich bleiben und Toleranz gegenüber den anders denkenden üben. Insofern bedanke ich mich bei Ihnen, meinen Gesprächspartnern, dass Sie friedlich und tolerant ihre Argumente ausgetauscht haben und das Projekt Stuttgart 21 nun seinen friedlichen Gang nehmen kann. Und Ihnen allen danke ich für Ihre Aufmerksamkeit.

3. Europäisches Forum gegen unnütze und aufgezwungene Großprojekte: Beitrag der Theolog/Innen/Christ/Innen gegen S21

Friedrich Gehring und Hans-Eberhard Dietrich boten am 27. Juli 2013 im Rahmen des Forums einen Workshop zu dem Thema an:
„Protestantische Kirchen und Großprojekte“.
Mit ihrem Beitrag wollten sie der Frage nachgehen, inwieweit die evangelische Kirche sich zu dem Thema Großprojekte positioniert hat. Sie gingen aus von der Feststellung, dass sich weder die Württembergische Landeskirche noch der Kirchenkreis Stuttgart inhaltlich zu Stuttgart21 geäußert haben.
Das ist umso erstaunlicher, als die Evangelische Kirche in Deutschland sich durchaus in einer Reihe von „Denkschriften“ zu dieser Problematik geäußert hat.
Aus dem Workshop sollen hier zunächst 2 Texte veröffentlicht werden, die den Workshop eröffnet haben:
1. Einleitung
2. Wie die Kirche einen öffentlichen Diskurs anstoßen kann und welche Kriterien die Denkschriften im Hinblick auf Großprojekte entwickelt haben

1. Text: Einleitung
Hans-Eberhard Dietrich
In unserem Workshop wollen uns darüber Gedanken machen ob die Kirche eine Meinung zu Großprojekten hat, haben muss und wenn ja, wie sie Großprojekten steht und sich entsprechend positionieren kann. Wenn sich die Kirche dazu äußert, verlässt sie nach traditioneller Auffassung ihren primären Bereich: Aufgabe sei ja, sich um das Seelenheil der Menschen zu kümmern. Großprojekte aber seien Aufgabe der Politik.
Nun hat sich aber in den letzten Jahrzehnten ein Konsens dazu herausgebildet, dass sich die Kirchen und natürlich auch einzelne Christen durchaus in die Belange der Politik einmischen dürfen, ja vielleicht auch sollen. Allerdings gehen in der Kirche die Meinungen dazu auseinander, wie das im Einzelnen geschehen soll.

Eine Form der Äußerung /Einmischung sind die sog. Denkschriften.
Denkschriften sind eine Form, mit der sich die offizielle Kirche, meist die EKD, zu einem bestimmten Thema äußert, das in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert wird.
Sie entstanden in der Nachkriegszeit aus dem Erschrecken darüber, dass die Kirchen gegenüber den Verbrechen des Dritten Reiches versagt hatten. Für die Kirche war nun klar, dass sie eine Mitverantwortung für die Erhaltung und Gestaltung der Welt hat, nicht nur die Sorge um das ewige Heil, sondern auch um das irdische Wohl der Menschen.

Inhaltlich kann man sie so charakterisieren
“Kirchliche Äußerungen zu gesellschaftlichen Fragen wol¬len vom christlichen Glauben her das rechte Wort zur rechten Zeit sagen. Sie machen aufmerksam auf gegenwärtige und ab¬sehbare Herausforderungen und Problemlagen. Sie antworten auf aktuelle Fragen, die von gesamtgesellschaftlicher und po¬litischer Bedeutung sind. Sie versuchen, auch selbst wichtige Fragen zu formulieren, Themen neu ins Bewusstsein zu heben und die Horizonte aufzuzeigen, vor denen Antworten gefun¬den werden können. Sie nehmen Stellung zu divergierenden Positionen im öffentlichen Diskurs, zu widerstreitenden In¬teressen und zu notwendigen Güterabwägungen. (FN 1: Denkschrift: Das rechte Wort zu rechten Zeit. 2008, S. 32.)“

An wen richten sich die Denkschriften?
„Zunächst zielen kirchliche Äußerungen auf eine innerkirchliche Klärung und Besinnung. […] Zum anderen leisten kirchliche Stellungnahmen einen Beitrag zur öffentlichen Diskussion bestimmter Fragen; sie versuchen, die Bewusstseins- und Meinungsbildung zu beeinflussen […] und Denkanstöße zu vermitteln.“ (FN 2: Aufgabe und Grenzen kirchlicher Äußerungen zu gesellschaftlichen Fragen. 1970, S. 45. In: Die Denkschriften der Evangelischen in Deutschland, 1978, Band I.)

Wie ist eine Denkschrift aufgebaut?
Zuerst wird ausführlich und sachlich über ein Problem informiert, dann werden biblisch-theologische Maßstäbe in Erinnerung gerufen und schließlich werden konkrete Handlungsvorschläge abgewogen. Zu beachten ist, dass sich die Denkschriften nicht nur an die innerkirchliche Öffentlichkeit, d.h. an die Glaubenden richtet, sondern an alle Menschen, auch an die Nichtchristen. Deshalb wird auf die sachliche Darstellung der Probleme und die logische, vernünftige Herleitung der Argumente großen Wert gelegt.
„Indem sich kirchliche Äußerungen an den einzelnen Christen wenden, fordern sie ihn auf, seinen Glauben auch im politisch-gesellschaftlichen Bereich zu bewähren.“ (A.a.O., S. 65.)
Wie verbindlich sind Denkschriften?
Die Denkschriften sind keine lehramtliche Äußerungen der Kirche, so wie wir es von der katholischen Kirche her kennen. Sondern die Menschen sollen „diese Denkschriften weder kritiklos hinnehmen noch sich voreilig davon distanzieren, sondern sie in verantwortungsbewusster Auseinandersetzung kritisch prüfen.“ ( Vgl. a.a.O., S. 62)

Welche Themen werden in den Denkschriften aufgegriffen?
Die Zahl der Denkschriften und die Themen sind erstaunlich groß. In der Nachkriegszeit ging es sehr oft um die Schulpolitik, die Landwirtschaft, konfessionsverschiedene Ehen, Ehe und Familie. Vor allem das Thema: Bundeswehr, atomare Bewaffnung, Nachrüstung erregten für Jahrzehnte die Öffentlichkeit.

Welche Kritik wird gegen die Denkschriften vorgebracht?
Gegen die Denkschriften und eine kirchliche Einflussnahme zu gesellschaftlichen Verhältnissen erhob sich immer wieder Protest. Es wurde auf die Eigengesetzlichkeit und die Sachzwänge des politischen, wirtschaftlichen und technischen Geschehens hingewiesen.
Dem widersprach die Kirche mit dem Argument, „dass die Predigt des Evangeliums die Welt verändern und zur Nachfolge auch im Bereich des mitmenschlichen Zusammenlebens aufruft. Zu dieser Nachfolge gehört das Nachdenken und Mitdenken über die Stellung und den Beitrag der Christen in Frage des öffentlichen Lebens.“ (Vgl. a.a.O., S. 41.)

Was sagen Denkschriften zu Großprojekten?
Im Zusammenhang mit anderen Themen, insbesondere mit dem Thema Bewahrung der Schöpfung und politisches Engagement von Christen wird auch eine Reihe von Aussagen zu Großprojekten gemacht. Ihre Aufgabe sieht die Kirche in zwei Bereichen. Ganz allgemein gilt: Ein Schweigen der Kirche oder Neutralität verbietet sich, wenn ihr Schweigen einer Verleugnung ihres Glaubens gleichkommt.

Zunächst aber geht es um das Zustandebringen einer öffentliche Diskussion.
Wenn es jetzt um größere Planungsvorhaben geht, z.B. um Großprojekte, die die Belange der Natur (Schöpfung) berühren und tief in die Lebensverhältnisse der Menschen eingreifen wie z.B. einen Flughafen, ein riesiges Messegelände, Kraftwerke usw. dann muss die Kirche, gemeint ist hier die offizielle Kirche, Fragen stellen und Kriterien für eine Entscheidungsfindung aufstellen und diese Kriterien auch auf ihre Verwirklichung hin überprüfen.
Die Kirche muss zunächst gar nicht konkret Stellung nehmen, oder sich gar für die eine oder andere Seite entscheiden. Ihre Aufgabe ist es, einen gesellschaftlichen Diskurs mit allen Interessierten und Beteiligten anzustoßen und dafür zu sorgen, dass er fair und sachlich ausgetragen wird. Sie muss sich dafür einsetzen, dass solche Vorhaben nicht durchgeführt werden, bevor schwerwiegende Zweifel ausgeräumt sind.

Eine Zusammenfassung von insgesamt sieben solcher Kriterien soll in einem zweiten Schritt dargestellt werden.

Was aber haben wir hier in Stuttgart mit S21 erlebt?
Dieser öffentliche Dialog fand vor Beginn nicht statt. Die Kirche in Stuttgart und in der Landeskirche blieben weitgehend stumm. Die Anregungen der Denkschriften wurden nicht nur von wenigen aufgegriffen.
Eine kontroverse theologische Auseinandersetzung über Stuttgart 21 fand bisher nicht statt.

2. Text
Wie die Kirche einen öffentlichen Diskurs anstoßen kann
und welche Kriterien die Denkschriften im Hinblick auf Großprojekte entwickelt haben
Hans-Eberhard Dietrich

Ein Bereich, der in der Gegenwart besondere Aufmerksamkeit auf sich zieht, ist die Verpflichtung, die Schöpfung zu bewahren. Dieses Thema wurde neben vielen anderen Impulsen durch den Anstoß aus der Ökumene ins Bewusstsein gerückt. Der Ökumenische Rat der Kirchen rief 1983 in Vancouver auf der VI. Vollversammlung seine Mitgliedskirchen auf, in einen konziliaren Prozess gegenseitiger Verpflichtung für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung einzutreten.

Wenn es jetzt um größere Planungsvorhaben geht, z.B. um Großprojekte, die die Belange der Natur (Schöpfung) berühren und tief in die Lebensverhältnisse der Menschen eingreifen wie z.B. einen Flughafen, ein riesiges Messegelände, Kraftwerke usw. dann muss die Kirche, gemeint ist hier die offizielle Kirche, Fragen stellen und Kriterien für eine Entscheidungsfindung aufstellen und diese Kriterien auch auf ihre Verwirklichung hin überprüfen.
Die Kirche muss zunächst gar nicht konkret Stellung nehmen, oder sich gar für die eine oder andere Seite entscheiden. Ihre Aufgabe ist es, einen gesellschaftlichen Diskurs mit allen Interessierten und Beteiligten anzustoßen und dafür zu sorgen, dass er fair und sachlich ausgetragen wird. Sie muss sich dafür einsetzen, dass solche Vorhaben nicht durchgeführt werden, bevor schwerwiegende Zweifel ausgeräumt sind.

Fragen für diesen Diskurs könnten z.B. sein: (FN 3:Vgl.: Frieden in Gerechtigkeit für die ganze Schöpfung. Text des Forums: „Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung der Arbeitsgemeinschaft christliche Kirchen in der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West) e.V. Stuttgart 1988, S. 103-106. EKD Texte 27.)
• Gibt es Alternativen, die weniger in die Natur eingreifen? Dann müssen sie ergriffen werden.
• Zieht dieses Vorhaben tiefgreifende, dauerhafte und nicht wiedergutzu¬machende Schäden nach sich?
• Sind die Auswirkungen des Vorhabens in ihrer zeitlichen und räumlichen Erstreckung übersehbar?
• Sind Nebenfolgen so erheblich, dass sie nicht in Kauf genommen werden können?
• Ist die Würde der Menschen und die Artenvielfalt durch dieses Vorhaben bedroht?

Im Folgenden werden aus kirchlichen Denkschriften sieben Kriterien aufgezählt. Sie erheben nicht den Anspruch auf Vollständigkeit. Sie können aber eine gute Grundlage für einen öffentlichen Diskurs sein.

1. Entscheidungen von großer Tragweite müssen zuvor öffentlich debattiert werden
In der Kirche wird die Überzeugung der Politik geteilt, dass Entscheidungen von großer Tragweite, insbesondere wenn sie tief in die Lebensverhältnisse vieler Menschen und der Natur eingreifen, zuvor auf breiter Grundlage und unter Einbeziehung aller gesellschaftlicher Gruppen samt Bürgerinitiativen diskutiert werden müssen („ was alle angeht, soll auch von allen entschieden werden“) und zwar mit offenem Ausgang und ohne vorherige Festlegungen. (Vgl. a.a.O., S. 105f.)
Großprojekte müssen bei ihrer Planung und Durchführung gewissen Kriterien entsprechen, ehe sie ethisch gerechtfertigt sind.
Beschlüsse, die mit weitreichenden Konsequenzen in die Lebensverhältnisse der Menschen eingreifen, verlangen eine möglichst breite und direkte Zustimmung und eine intensive Beteiligung aller betroffenen Bürger. Besonderes Augenmerk ist bei solchen Entscheidungen auf das Verfahren zu richten, wie sie zustande kommen. (FN 4:Vgl. Denkschrift der EKD: Evangelische Kirche und freiheitliche Demokratie. Der Staat des Grundgesetzes als Angebot und Aufgabe, 1985, S. 31f.)

2. Bei der Entscheidungsfindung der politischen Entscheidungsträger müssen Bürgerinitiativen einbezogen werden
Dieser Diskurs kann nicht nur innerhalb der Parteien und zwischen ihnen erfolgen, sondern muss auch Bürgerinitiativen mit einbeziehen, weil damit die Chance gegeben ist, dass wirklich alle wichtigen Gesichtspunkte ins Gespräch kommen. (Vgl. a.a.O., S. 31.)

3. Die Prüfung von Alternativen
Ökonomische Interessen dürfen nicht Vorrang vor ökologische Interessen beanspruchen. Wir müssen in Wirtschaft und Politik auf die Überprüfung und Einhaltung folgender Kriterien zu drängen: Umweltverträglichkeit, Sozialverträglichkeit, Generationenverträglichkeit. Schon die Entstehung von Umweltschäden gilt es zu vermeiden. Wir müssen uns am Maßstab des Lebens und dessen, was dem Leben dient, orientieren. (Vgl. FN 1, a.a.O., S. 104f.)

4. Eingriffe in die Natur dürfen nur begrenzt vorgenommen werden
Eingriffe in den Haushalt der Natur sind möglichst sparsam und begrenzt vorzunehmen. Der Natur muss möglichst viel Spielraum für selbstheilende Eigenkräfte belassen werden. (FN 5:Vgl. Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung. Gemeinsame Erklärung des Rates der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz 1985, Zi. (37).)

5. Bei Eingriffen in die Natur muss die Kirche theologische Gesichtspunkte, z.B. „Bewahrung der Schöpfung“ und „Ehrfurcht vor allem Leben“ zur Geltung bringen
Wenn es bei Großprojekten um gravierende Eingriffe in die Natur geht, muss die Kirche besonders sorgfältig Alternativen prüfen und gewichtige theologische Gründe wie z.B. „Bewahrung der Schöpfung“ (1. Mose 2, 15) und „Ehrfurcht vor allem Leben“ zur Sprache bringen. (Vgl. FN 1, a..a.O., S. 103f.)

6. Gefahren müssen ernst genommen, vorausschauend abgewogen werden
Dies gilt besonders für langfristige und unumkehrbare Wirkungen. Weil die heute möglichen und erforderlichen Eingriffe aber tiefer in das Gefüge der Umwelt eingreifen, sind Neben- und Folgewirkungen genau abzuwägen. Dies bedeutet nicht den Verzicht auf jegliches Risiko, wohl aber die Einschränkung und Verteilung möglicher Risiken. Wir können nicht darauf bauen, alles werde schon gut gehen. (Vgl. FN 3, a.a.O., Zi (36).)

7. Abwägen von Schaden und Nutzen Ein kurzfristiger Nutzen darf keine langfristigen Schäden verursachen. Fragen der Umkehrbarkeit und der Regenerierbarkeit von Naturgütern sind ebenso mit zu bedenken wie die Interessen der heutigen und der künftigen Generationen. (Vgl. FN 3, a.a.O., Zi (38).)

Ansprache beim Parkgebet am 1.8.13 von Gunther Leibbrand

Liebe Parkgemeinde,

ich versuche immer, ein aktuelles Ereignis oder Ergebnis von Überlegungen aus unserer Bewegung gegen S 21 im Lichte unseres biblischen Glaubens zu bedenken. Heute möchte ich das zu einer Überlegung tun, die das „Dritte Europäische Forum über unnütze und aufgezwungene Großprojekte“ herausgearbeitet hat – in einer Debatte am vergangenen Sonntagmorgen über „Ökonomische Hintergründe von Großprojekten“, an der ich auch teilgenommen habe: Großprojekte werden nicht gebaut, obwohl sie viel Geld verschlingen, sondern weil sie viel Geld verschlingen. Denn die herrschende Wirtschaftsweise hat ja zum Ziel, Geld zu machen, mehr Geld. Und deshalb zählt bei einem Projekt nicht die Steigerung des Gebrauchswertes einer Sache, sondern ihres Warenwertes. Wie schmerzlich uns diese Wahrheit hier bewusst wird, zeigt die nach oben offensichtlich offene Summe, die „Stuttgart 21“ einmal kosten  wird. Es ist sozusagen oberste Tugend im Kapitalismus, möglichst immer mehr zur Ware zu machen, die immer schneller zirkuliert. Und besonders effektiv sind hierfür natürlich Großprojekte.

Die am Gebrauchswert einer Sache orientierte Vernunft geht nicht zusammen mit dem immer schneller finanziell zu verwertenden Geldwert einer Sache. Dabei entsteht immer mehr Geld, das wieder investiert werden will, damit es zu noch mehr Geld wird. Neulich hat mir jemand gesagt, dass gerade in der Bauwirtschaft neue Häuser erst gar nicht mehr so erbaut werden würden, dass sie viele Jahre halten. Von elektronischen Geräten wissen wir, dass sie immer öfter innerhalb der Garantiezeit schon kaputt gehen, weil Soll-Bruch-Stellen planmäßig eingebaut werden.

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3 Jahre Parkgebet

Am 15. August ist dieses Jahr beim „Parkgebet“ (noch) keine Sommerpause. Denn an diesem Tag jährt sich zum 3. Mal der Start der „Parkgebete“. 3 Jahre sind es inzwischen, dass ununterbrochen – anfangs wöchentlich, seit einiger Zeit 14-täglich – sich eine bunt gemischte Gemeinde von (zurzeit ca. 100) Menschen im Schlossgarten versammelt, um ihren Einsatz gegen die Zerstörung der Stadt durch Stuttgart 21 und für mehr Demokratie geistlich und theologisch zu begleiten und einander seelsorgerliche Hilfe zu geben.
Diesen Donnerstag werden Guntrun Müller-Enßlin und Sylvia Rados im Parkgebet auch an diese Geschichte erinnern und dieses durchaus zwiespältige Jubiläum gebührend begehen:
Donnerstag, 15. August, 18.15 Uhr,
Schlossgarten Stuttgart
(bei der Lusthausruine).
Wie gewohnt werden die Bläser von „Parkblech“ für angemessene musikalische Begleitung sorgen.

Guntrun Müller-Enßlin

Ansprache Tour de Nature. Sonntag, 28. Juli 2013 Mittleren Schlossgarten (Hans-Eberhard Dietrich. Pfarrer)

Im Rahmen des 3. Europäischen Forums gegen unnütze Großprojekte startete die diesjährige Tour de Natur, die in Etappen von Stuttgart bis nach Marburg führt. Die Tour de Natur ist eine Fahrrad-Demo für eine sinnvolle ökologische Verkehrspolitik.

Die Gruppe Christen/Theologen gegen S21 verabschiedete im Rahmen eines Extra-Parkgebetes die Radler am Sonntagmorgen (28. Juli 2013) im Mittleren Schlossgarten mit einer Andacht und einen Reisesegen.

Ansprache Tour de Nature. Sonntag, 28. Juli 2013 Mittleren Schlossgarten (Hans-Eberhard Dietrich. Pfarrer)

„Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist,
der Erdkreis und die darauf wohnen.“ Psalm 24 V.1.

Mit diesem Satz, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,

werden wir  daran erinnert, wem diese Erde wirklich gehört: Unserem Gott. Wir Menschen sind auf dieser Welt lediglich Gäste eines gastfreundlichen Gottes. Er will uns und alle seine Geschöpfe wie Mitglieder einer großen Familie bewirten. Und er will uns so bewirten, dass wir alle satt werden.

Dieser Satz ist aber auch zugleich eine deutliche Kritik an Menschen, die – um im Bild von Gast und Gastgeber zu bleiben –  nicht wissen, wie man sich zu Tisch benimmt. Wenn wir irgendwo zum Essen eingeladen sind, dann nehmen wir nicht ungefragt, sondern warten, bis man uns ausschöpft oder wir aufgefordert werden, uns zu bedienen. Und wenn wir uns dann bedienen, dann achten wir darauf, dass alle anderen am Tisch auch noch etwas abbekommen und nicht leer ausgehen.

Es fällt wohl nicht schwer, dieses Bild auf uns zu übertragen. Wir sind nicht allein auf dieser Welt und dürfen sie nicht einfach „vervespern“ ,wie man im Schwäbischen so schön sagt. Denn so wie es bei einem Festmahl in der Regel reichlich zu essen gibt, aber nicht unendlich, so steht es auch mit dieser Erde.

Diese Erde ist zwar riesig groß, aber eben begrenzt, begrenzt sind die Bodenschätze, das Wasser, die Luft, der Ackerboden für die Nahrung, die Wiesen, Wälder und Seen. Begrenzt die Vielfalt der Arten an Pflanzen und Tieren.

Und überhaupt: Diese Welt ist einfach zu schön, zu wertvoll, vielleicht auch zu zerbrechlich als dass wir Menschen sie einfach nach Belieben und ohne Ehrfurcht gebrauchen und verbrauchen dürften.

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Wort am Sonntag zum Babylonischen Turmbau am 28.7.2013 in Stuttgart beim 3. Europäischen Forum gegen unnütze aufgezwungene Großprojekte von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Die Übersetzung in heutigem Deutsch von 1982, aus der ich eben vom Turmbau in 1. Mose 11 vorgelesen habe, überscheibt die Turmbauerzählung mit den Worten: „Die Menschheit will es mit Gott aufnehmen“. So deutet seit etwa 3000 Jahren eine an Herrschaft interessierte Theologie diesen Bibelabschnitt. Das steht aber nicht im biblischen Text. Die hier beschriebenen Nomaden, die sich niederlassen, um eine Stadt und einen Turm zu bauen, denken dabei überhaupt nicht an Gott, sie wollen nur „in aller Welt berühmt“ und nicht wieder „über die ganze Erde zerstreut werden“. Die Basis der Bevölkerung beschließt hier also vorbildlich ohne die Gängelung durch Behörden, was der Festigung der Gemeinschaft dient. Von Gott ist in der Erzählung erst die Rede, als die Menschen sich erfolgreich ans Werk machen. Das hält dieser Gott nicht aus, die Menschen werden ihm zu mächtig. Wenn das so weiter geht, sagt dieser Gott, dann werden sie „alles ausführen, was ihnen in den Sinn kommt.“ Das kann dieser Gott nicht dulden, er sorgt dafür, dass sie einander nicht mehr verstehen, er zerstreut sie über die ganze Erde, damit sie ihre Pläne aufgeben.
Gegen die übliche Auslegung der Erzählung vom Turmbau zu Babel stelle ich die Frage: Wer ist hier das Problem? Und ich kann nur eine Antwort finden: Die hier dargestellte Vorstellung von Gott schafft die Probleme. Gott verhält sich hier wie ein orientalischer Despot, der eifersüchtig seine Macht verteidigt gegen das gemeinschaftlich starke Volk. Nicht dieses Volk ist gefährlich, sondern dieser Gott. Er hat über Jahrtausende hinweg den Herrschenden als theologische Rechtfertigung gedient für das Prinzip „Teile und herrsche“. Dieser Gott passt gut zum ehemaligen Bahnchef Dürr, der meint, Großprojekte wie Stuttgart 21 müssten dem Volk „überfallartig“ präsentiert werden, um Gegnern keine Chance zu lassen. Dieses Gottes- und Menschenbild leitet wohl auch SPD-Fraktionschef Schmiedel, wenn er behauptet, Gott lege seinen Segen auf das Überrumpelungs-Projekt. Landesbischof July, der dieses Mammonsprojekt der herrschenden Profiteure als Bahnhof hinnimmt, bei dem die Bibel außen vor bleiben könne, muss sich mit dieser Gottesvorstellung und ihren politischen Konsequenzen nicht auseinandersetzen. Ich sehe mich jedoch gezwungen weiter zu fragen: Können wir als Christen dieses Gottesbild vom eifersüchtig herrschenden Despoten und seine politischen Auswirkungen gut heißen? Ich denke, diese Frage zu stellen heißt zugleich, sie zu verneinen.
Denn Jesus stellt uns seinen Gott als den liebenden Vater dar, der seinen Kindern Gutes zutraut, wohl wissend, dass sie auch Fehler machen können, dass sie aber zugleich daraus zu lernen vermögen und von falschen Wegen umkehren können. Im Gleichnis vom barmherzigen Vater in Lk 15, 11 ff zahlt der Vater dem jüngeren Sohn sein Erbe aus, er traut ihm zu, damit vernünftig umzugehen. Als der Sohn durch eine Teuerung alles verliert, was sein Lebensstil vom Erbe übrig gelassen hat, gesteht dieser seinen Misserfolg ein und kehrt zu seinem Vater um, der ihn mit offenen Armen empfängt und ihm einen Neuanfang gewährt. So ist Gott, sagt uns Jesus. Wenn wir das ernst nehmen, dann müssen wir in aller Entschlossenheit dem Gottes- und Menschenbild widerstehen, das bei Managern wie Ex-Bahnchef Dürr Pate steht. Das Volk ist in den Augen des barmherzigen Vaters Jesu nicht grundsätzlich böse und verdient kein grundsätzliches Misstrauen, sowenig die Herrschenden grundsätzlich die Guten sind, die das böse Volk in Schach halten müssen. Das Volk muss aus der Sicht von Jesus nicht überrumpelt werden.
Die Schweiz hat beim Gottharttunnelprojekt vorgeführt, wie die Verantwortungsträger mit dem Volk zusammen Großprojekte vernünftig planen können. Bahnchef Grube hat gezeigt, wie man Fehler eingestehen kann, als er bekannte, mit dem Wissen von 2013 hätte er das Projekt Stuttgart 21 nicht begonnen. Es fehlt jetzt nur noch an der Umkehr von dem als falsch erkannten Weg. Der barmherzige Vater Jesu wartet jederzeit mit offenen Armen auf die Umkehr von uns Menschen, so geben auch wir die Hoffnung nicht auf, dass aus den sattsam bekannten Unsinnigkeiten des Projekts Stuttgart 21 doch noch die Konsequenzen gezogen werden. Unser barmherziger und gnädiger Gott segne die geduldige Überzeugungsarbeit, speziell im Blick auf die kommende Bundestagswahl, damit aus der Erkenntnis der Fehler auch wirksame Umkehr werden kann. Amen.

3. Europäisches Forum gegen unnütze Großprojekte

Als Gruppe der Theolog/Innen gegen S21 bieten wir bei diesem Forum 3 Beiträgen:

Workshop Samstag 27. Juli 16-18 Uhr Wagenhallen
Motto: Protestantische Kirchen und Großprojekte.
Im Hinblick auf Großprojekte haben die Kirchen Grundsätze und Leitlinien entwickelt, mit denen sie solche Vorhaben aus christlicher Sicht ablehnen müssen oder bei Planung und Durchführung kritisch begleiten müssen.
Ziel des Workshop ist es, die Teilnehmer/Innen zu befähigen, Großprojekte theologisch zu beurteilen und eine eigene Position formulieren zu können.
Dazu beschäftigen wir uns mit kirchlichen Denkschriften und Verlautbarungen der letzten Jahrzehnte.
Moderatoren: Gehring/ Dietrich

Wort zum Sonntag zum babylonischen Turmbau
Sonntag, 28. Um 09.45 bis 10.00 Uhr Wagenhallen
Friedrich Gehring

Andacht und Reisesegen für die Teilnehmer/Innen der Tour de Natur
Motto: Wem gehört unsere Erde?
Sonntag, 28. Juli 09.30 bis 10.00 Uhr Schlossgarten (vor dem Start der Tour)
Dietrich/Rados

Eberhard Dietrich

„Gestalten – wie schaumgeboren“

Bei der Anhörung zu den Einwendungen gegen das Grundwassermanagement musste am 16. Juli 2013 Regierungsdirektor Joachim Henrichsmeyer von der Aufgabe, diese Anhörung zu leiten, entbunden werden. Es erschien nicht mehr gewährleistet, dass er für diese Aufgabe hinreichend unparteiisch sei.
Grund zu den Zweifeln an seiner Eignung für diese Aufgabe war unter anderem, dass er dereinst mit der Vokabel „schaumgeboren“ in hübscher und blumiger Weise das Erscheinen der Gegner/innen auf der Baustelle von Stuttgart 21 mit dem Auftauchen der Aphrodite, der altgriechischen Göttin der Liebe und Schönheit, aus dem Schaum des Meeres verglichen hatte. Damit hatte er sich unzweifelhaft Verdienste um die Pflege der deutschen Sprache erworben, denn ein solches Wort wie „schaumgeboren“ ist es wert, der Vergessenheit entrissen zu werden.
Das Wort „Gestalten“ ist von ihm in diesem Zusammenhang leider unglücklich gewählt gewesen. Sein Gebrauch der Vokabel „Gestalten“ erinnert an die „Zueignung“ aus Goethes „Faust“, 1.Teil: „Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten, die früh sich einst dem trüben Blick gezeigt.“ Das passt nun nicht so recht zu der erotischen Anmutung der schaumgeborenen Göttin Aphrodite und deren plötzlichem Auftauchen aus dem Meer.
Es sei hierzu noch auf die Darstellung Botticellis „Geburt der Venus“ (Venus als römische Entsprechung zur griechischen Aphrodite) hingewiesen. Eindrücklich ist auch die Zitation dieser Schaumgeburt in den James Bond-Filmen „James Bond jagt Dr. No“ (Honey Rider / Ursula Andress entsteigt dem Meer) und „Stirbt an einem anderen Tag“, wo Jacintha Jinx Johnson / Halle Berry aus dem Meer auftaucht.
Wer will, kann Herrn Henrichsmeyers Darlegungen, die bei der Anhörung zum Grundwassermanagement am 16. Juli 2013 eine große Rolle spielten, selbst nachlesen unter:
https://kochmeint.wordpress.com/2011/11/20/volk-stimm-ab, und zwar dort im vierten Kommentar.
Nun hat Joachim Henrichsmeyer im Laufe der Jahre sich nicht nur Verdienste um die deutsche Sprache erworben. Als Jurist und Beamter hat er in seiner unerschrockenen Weise an mehreren Stellen einen bemerkenswerten Einsatz für den Natur- und Landschaftsschutz, den Denkmalschutz und die Bekämpfung der Drogenkriminalität in Baden-Württemberg gezeigt. Das soll trotz seiner problematischen Äußerungen zu Stuttgart 21 auch erwähnt werden.
Es wäre jedenfalls eine tolle „Schaumgeburt“, wenn Joachim Henrichsmeyer demnächst überraschend bei einer Montagsdemonstration auftauchen würde. Wer weiß?

Michael Harr

Zahlmeister Bahnkunde und der Zustand unserer Demokratie aus christlicher Sicht

Die Südwestpresse vom 25.6.2013 berichtete von anstehenden Fahrpreiserhöhungen der Deutschen Bahn AG. Bahnchef Grube begründe diese mit den Kosten der Energiewende. Fairerweise weist die Südwestpresse darauf hin, dass die Bahn bei den Energiewendekosten recht glimpflich davonkommt. Es handelt sich also um eine ganz schlechte Ausrede. Grube meint wohl, die Bahnkunden würden schnell vergessen, was Bundesverkehrsminister Ramsauer nach der großzügigen Freigabe weiterer Milliarden für Stuttgart 21 durch den Bahnaufsichtsrat laut hinausposaunt hat: Wenn die Steuerzahler diese Milliarden nicht zahlen wollen, dann müsste das Geld eben bei den Bahnkunden eingetrieben werden.

Hier erfahren wir einiges über den Zustand unserer parlamentarischen Demokratie. Nachdem die von der Kanzlerin zur Volksabstimmung über Stuttgart 21 ausgerufene Landtagswahl von 2011 zur Deckelung der Kosten seitens des Landes geführt hatte, war die Finanzierung für das Projekt faktisch gescheitert, weil alle wussten, dass die 4,5 Mrd. niemals reichen würden.
Die Volksabstimmung konnte zwar die grün-rote Koalition, aber nicht mehr die Finanzierung von Stuttgart 21 retten. Nun hat der Bahnaufsichtsrat ohne jegliche demokratische Legitimierung und ohne wirksame Kontrolle durch den Alleinaktionär Bund die grün-rote Haushaltsentscheidung als parlamentarisches Königsrecht ausgehebelt, um den Wählern von 2011 dreist in die Tasche zu greifen. Unsere parlamentarische Demokratie mutiert damit zu einer Lobbyherrschaft der Profiteure.

Von christlicher Seite kann diese von einer christlichen Kanzlerin gedeckte dreiste Umverteilung von unten nach oben nicht unwidersprochen bleiben. Denn Jesus fordert immer wieder die umgekehrte Umverteilung von oben nach unten. Er erwartet von Wohlhabenden, ihre Güter an die Armen zu verteilen (Mk 10, 21). „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“, fordert Jesus unmissverständlich (Lk 16,9), weil er noch weiß, was heute vergessen scheint: Der Mammon wird in der Regel den ärmeren Bevölkerungsschichten von den wirtschaftlich Mächtigeren aus der Tasche gezogen, diese Transfers müssen deshalb den Ärmeren zurückzugeben werden. Neben den Bahnfahrpreisen ist gerade die Verteilung der Energiewendekosten ein besonders schreiendes Beispiel für Ungerechtigkeit: Während die Empfänger von Hartz-IV sich die erhöhten Stromkosten vom Mund absparen müssen, werden Großunternehmen mit riesigem Energieverbrauch oder Golfplätze von den Erhöhungen verschont ohne Prüfung ihrer Bedürftigkeit. Das ist Neoliberalismus pur.

In Brasilien ist aus Anlass von Fahrpreiserhöhungen ein breiter Protest entstanden. Welch bewundernswert wache Demokratie! Und was geschieht bei uns? In Brasilien spricht die höchste Repräsentantin des Staats von Korruption, die überwunden werden müsse. Wer nimmt dieses Thema bei uns auf? Wann wird eine deutsche christliche Regierung endlich die Bahn daran hindern, ein derart gefährliches und unrentables Milliardengrab wie Stuttgart 21 zu bauen, von dem Grube selbst sagt, er würde es heute nicht mehr anfangen?

Pfarrer i. R.  Friedrich Gehring, Backnang

Parkgebet am 4. Juli 2013, Ansprache von Martin Poguntke

(Ansprache als pdf-Datei: Parkgebet, Spielregeln ändern, 130704)

Liebe Parkgebetsgemeinde!
„Sonne der Gerechtigkeit“ haben wir vorhin gesungen. Dieses Lied fällt mir immer ein, wenn ich Dinge wie das Folgende höre:
„Wir müssen jetzt bauen, bauen und noch mal bauen“, sagte S21-Sprecher Dietrich vor einer oder zwei Wochen. „Über die Kosten reden wir dann, wenn sie eintreten.“
In bemerkenswerter Offenheit sagt der Mann damit: Uns geht es jetzt ausschließlich ums Faktenschaffen. Die Finanzierung gibt sich dann schon, weil ja entweder die öffentliche Hand des Landes zahlt oder die öffentliche Hand des Bundes: Das Land zahlt, wenn sich die sogenannte „Sprechklausel“ als Verpflichtung des Landes herausstellt, auch Mehrkosten von S21 zahlen zu müssen. Der Bund zahlt, wenn die Bahn auf den Kosten sitzen bleibt, weil die Bahn gehört ja dem Bund. Zahlen wird auf jeden Fall der Steuerzahler, so kalkuliert Dietrich. Ob er das über das Land oder über den Bund tut, ist Dietrich egal.
Was ist das für ein Spiel?, fragen wir uns. Was sind das für Spielregeln, nach denen derart brutales Erpressen offenbar kein Foulspiel ist? Weiterlesen

Kundgebung und Demo: Samstag, 15. Juni, 17 Uhr, Schlossplatz, Stuttgart

Herzliche Einladung zu Kundgebung und Demozug am kommenden Samstag, 15. Juni!
Beginn ist um 17 Uhr auf dem Stuttgarter Schlossplatz
mit Reden (u.a.) von Volker Lösch und Albrecht Müller – und verschiedenen SprecherInnen anderer deutscher und internationaler Großstadt-Initiativen
– und
einer Videoleinwand mit einer Direktschaltung nach Istanbul.
(weitere Infos hier: http://www.parkschuetzer.de/termine/3403)

Mit dieser Demo unter dem Motto „Stuttgart 21 ist überall – wehrt euch, vernetzt euch!“ ist zweierlei beabsichtigt:
Zum Einen soll das Kalkül von Bahn, CDU und Grünen gestört werden, das Projekt Stuttgart 21 bis zur Bundestagswahl aus den Schlagzeilen zu bringen.
Zum Anderen soll in den Blick gerückt werden, dass europaweit Großprojekte nach dem „Prinzip Stuttgart 21“ durchgesetzt werden.

Demo-Flyer, 15.6.13

Parkgebet, 23. Mai 2013, Ansprache von Waltraud Müller-Hartmann

Hier gibt’s die Ansprache als pdf-Datei: Parkgebet, Ansprache, wmh, 130523

Liebe denkende, betende, streitbare Gemeinde!

Ein Bursch aus dem Schwarzwald, Köhler seines Zeichens, also der Kohlenmunkpeter, wünscht sich ein besseres Leben und lässt sich mit dem Glasmännlein ein und ruft zu diesem Behufe den Schatzhauser im grünen Tannenwald herbei. (Einen Schatzhauser nennen wir heute ganz profan einen Ökonomen.) „Peter, wünsch dir Verstand!“, rät das gute und fromme Geistlein immer wieder. Ja, mit Bildung, Bildung, Bildung kommt man weiter, das wissen wir heute genau. Aber was wünscht sich Peter Munk? Geschickt will er sein wie der Tanzbodenkönig und immer so viel Geld in der Tasche haben wie der dicke Ezechiel: Peter will das schnelle Geld, Reichtum und Ansehen. Das Glasmännlein lässt es dem Sonntagskind hingehen – und ist besorgt. Als aber der Spieler und Spekulant Ezechiel, mit dem Peter gleichziehen will, nichts mehr in der Tasche hat, hat auch der Kohlenmunkpeter verloren. Aber er hat beim Glasmännlein noch einen Wunsch frei – falls es ein vernünftiger ist. Wir Montagsdemonstranten sind längst so klug und besonnen wie das Glasmännlein. Wir Bildungsbürger setzen schließlich schon seit zwanzig, zehn oder drei Jahren bei unseren Wünschen und politischen Forderungen auf Argumente, Vernunft und Verstand. Jede Woche besuchen wir die größte Openair-Volkshochschule und lernen alles über Denkmalschutz, Architektur, Ingenieurskunst, Geologie, Finanzen, Wirtschaft, Bankenwesen, Recht, Justiz, Ökologie und Ethik, ergänzt um Kulturbeiträge jeglicher Art. Wir haben Teilerfolge erlebt, Rückschläge eingesteckt – und an Selbstbewusstsein und Ansehen gewonnen. Doch im Ganzen lähmt uns, etwa seit dem beginnenden Wahlkampf ab März, die Ohnmacht: Dass es auf Verstand und Bildung nicht ankommt; dass Argumente nicht ziehen und Vernunft nichts gilt, sofern sie nicht dem Machterhalt, den Interessen des Großkonzerns Bahn und der Kapitalverwertung dienen. Sind wir damit verloren? Weil wir an unseren Kräften zu zweifeln beginnen?
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Termine im Juni

Außer den weiterhin jeden Montag um 18 Uhr (in der Regel auf dem Stuttgarter Marktplatz stattfindenden) Montagsdemos
gibt es in diesem Monat folgende Termine, zu denen wir herzlich einladen:

Montag, 3. Juni, 19.30 Uhr, Gaststätte Kismet, Stuttgart, Kernerplatz 5:
Treffen der „TheologInnen gegen Stuttgart 21“.
Wie immer sind neue (und alte) Gesichter sehr willkommen.

Donnerstag, 6. Juni, 18.15 Uhr, Stuttgart, Mittlerer Schlossgarten, bei der Lusthaus-Ruine:
„Parkgebet“, musikalisch begleitet von „Parkblech“

Samstag, 15. Juni, 17 Uhr, Stuttgart, Schlossplatz:
Kundgebung und Demo: „Stuttgart 21 ist überall – wert euch und vernetzt euch!“
(Bitte ladet über eure Verteiler möglichst vielfältig ein!)

Donnerstag, 20. Juni, 18.15 Uhr, Stuttgart, Mittlerer Schlossgarten, bei der Lusthaus-Ruine:
„Parkgebet“, musikalisch begleitet von „Parkblech“

(weitere „Parkgebet“-Termine: 4.7., 18.7., 1.8.)

Kirchentags-Lenkungsausschuss – lame duck?

Es hat keinerlei Einsendungen zu unserem Preisausschreiben gegeben. Niemand hat jemanden gefunden, der oder die im Lenkungsausschuss, den der Herr Landesbischof einberufen hatte, die Anliegen der Stuttgart 21-Gegner und -gegnerinnen zu artikulieren bereit ist.

Dennoch gab es aus zuverlässigen Quellen Mitteilungen, die wir der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wollen. Wir  nennen unsere Quellen einfach mal „Württemberg 1“ und „Württemberg 2“.
„Württemberg 1“ berichtete, dass unter den für den Kirchentag verantwortlichen Personen aus Württemberg eine große Zahl von Personen sei, die schon auch irgendwie eigentlich gegen Stuttgart 21 seien, aber dies eben nicht öffentlich sagen würden. Aha, wer hätte das gedacht?
Wir können alle heimlichen Stuttgart 21-Gegner/innen nur auffordern, sich zu outen und nicht bloss hählinge im stillen Kämmerlein ihre Ansichten im Herzen zu bewegen. Denn genau das erwarten die Betreiber dieses irrsinnigen Projekts, dass man eben den Mund hält. Also: Macht ihn auf, auch wenn das nicht karriereförderlich ist.
„Württemberg 2“ berichtete, dass es sinnlos sei, im Lenkungsausschuss vertreten sein zu wollen. Der Ausschuss habe eh nichts zu sagen, da alles in Fulda entschieden werde.
Das ist natürlich ein Argument, denn wir als Gegnerinnen und Gegner dieses Projektes haben nun wirklich Besseres zu tun, als unsere Zeit in sinnlosen Sitzungen eines sinnlosen Ausschusses zu verplempern.
Daher beenden wir das Preisausschreiben, wünschen den Ausschussmitgliedern beim gemeinsamen Kaffeetrinken viel Vergnügen und wenden uns hinkünftig der wichtigen Frage zu, wie die Sicherheit in Stuttgart 2015 gewährleistet werden soll. Dazu wollen wir demnächst Näheres berichten.
Michael Harr