Ansprache beim Parkgebet am 24. November 2015 von Pfarrer i.R. Gunther Leibbrand

Jutta liest Euch heute vor, was ich eigentlich selber tun wollte. Leider bin ich wegen einer zeitgleich sich treffenden Arbeitsgruppe der AnStifter verhindert – wegen unserer Solidarität mit Sant‘Anna di Stazzema. Aber ich bin in Gedanken und im Gebet und eben durch die hier vorgetragenen Überlegungen ganz bei Euch.

Am Dienstag dieser Woche saß ich deshalb an meinem Schreibtisch. Und deshalb auch unter dem Lehrtext zur Herrnhuter Tageslosung, der so lautete:
„und erlöse uns von dem Bösen“.
Es ist „das Böse“, das damals am 30.9.2010 wahrlich erschreckende Bilder heraufbeschwor – einschließlich des obligaten Chores der verharmlosenden Beschwichtigung im Sprachgebrauch fast aller Großkopferter, die darüber reden und schreiben, hier sei etwas „aus dem Ruder gelaufen“.
Das Gegenteil ist nun gerichtlich festgestellt: Am Schwarzen Donnerstag wurde das Recht von staatlichen Stellen eindeutig gebrochen.

Dieter Reicherter hat auf der Montagdemonstration dieser Woche hierfür klare und nüchterne Worte gefunden. Ich zitiere, wie er anhob:
„Liebe Freundinnen und Freunde der Gerechtigkeit,
manchmal geschehen doch noch Zeichen und Wunder! Zwar hatten wir auch schon in der Vergangenheit immer wieder Erfolge bei Stuttgarter Gerichten, was viele vergessen oder verdrängt hatten. Man denke nur an Entscheidungen zu den von der Versammlungsbehörde missbilligten Orten für unsere Demos, Baustopps, Freisprüche bei Nötigungsvorwürfen, Aufhebung von polizeilichen Maßnahmen beim Blockadefrühstück.
Jetzt aber hat das Stuttgarter Verwaltungsgericht für juristische Klarheit und Aufmerksamkeit in der ganzen Republik gesorgt. Alles, was vom polizeilichen Vorgehen am 30.9.2010 zur gerichtlichen Überprüfung anstand, wurde ohne Wenn und Aber für rechtswidrig erklärt: Platzverweise, Androhung des unmittelbaren Zwangs, Einsatz von Pfefferspray und Wasserwerfern. Von Schlagstockeinsätzen war keiner der Kläger betroffen, doch waren diese ebenso rechtswidrig“

Lassen Sie mich diese ruhigen Ausführungen Dieter Reicherters an „die Freundinnen und Freunde der Gerechtigkeit“, die ja auch heute Abend hier wieder zusammengekommen sind, mit ähnlich ruhigen und zugleich festen und wahrhaft souveränen Worten dieses Lehrtextes in Beziehung setzen. Weiterlesen

Ansprache beim Parkgebet am 15. Oktober 2015 von Pfarrer Martin Poguntke

Bitte hier klicken, um die Ansprache als pdf-Datei herunterzuladen:
Parkgebet, 151015, Heilung des Gelähmten

Liebe Parkgebetsgemeinde,

Eberhard Dietrich hatte letztes Mal zufällig über genau diesen Psalm 32 gesprochen, den wir vorhin gebetet haben – und er hat sehr Wichtiges dazu gesagt. Nämlich, dass in Stuttgart der Rechtsfrieden gestört ist, weil die Verantwortlichen für den 30.9. sich noch immer nicht zu ihrer Schuld bekannt haben. Unvergebene Sünden stehen noch im Raum.
Auch im Predigttext vom vergangenen Sonntag – in der Geschichte von der Heilung eines Gelähmten aus Markus 2, Vers 1 bis 12 – spielt diese Sündenvergebung eine Rolle. Ich will deshalb heute ein wenig mit Ihnen über diese Geschichte nachdenken.

Ich bin ja der Überzeugung, dass die biblischen Schriftsteller die Wundergeschichten vor allem deshalb weitererzählt haben, weil sie und ihre LeserInnen selber darin vorkommen.
Deshalb will ich mich heute Abend mit Ihnen, liebe Parkgebetler, auf die Suche machen: Wo kommen wir denn in der Geschichte vor? Ich erzähle sie kurz:
Jesus war wieder zurück nach Kapernaum gekommen. Nicht nur die Frommen strömten herbei, sondern auch all die Neugierigen, die einfach bloß sehen und hören wollten, was dieser Wanderprediger wohl sagen und tun würde.
Und ein paar Freunde eines gelähmten Mannes versuchten nicht nur, selbst zu Jesus vorzudringen, sondern für ihren gelähmten Freund vielleicht die Chance seines Lebens zu nutzen. Aber es gab kein Durchkommen, die vielen Leute verstopften die Eingänge und machten keinen Platz für sie.
Da nahmen sie die Matratze, auf der sie den Gelähmten hergetragen hatten, und stiegen den Leuten buchstäblich aufs Dach – das muss man manchmal tun, auch auf Bahnhofsdächern–, räumten oben ein paar Ziegel ab und seilten ihren auf Heilung Hoffenden direkt vor Jesu Füße ab.
Und Jesus macht nun etwas ganz Überraschendes: Er heilt den Gelähmten nicht, sondern er sagt zu ihm: Deine Sünden sind dir vergeben.
Jesus vergibt dem Gelähmten die Sünden, und eigentlich nur nebenbei – weil die Leute glauben, es sei schwieriger einen Gelähmten zu heilen als Sünden zu vergeben – nur so als Ergänzung sagt schließlich Jesus zu dem Mann in der Mitte: Nimm deine Matratze und geh heim. Und der geht tatsächlich heim – geheilt von seiner Lähmung.
Und die Leute scheinen nicht zu erkennen, was für eine tiefe Heilung hier geschehen ist. Sie nehmen nur die Sensation wahr: „Wow, so etwas haben wir ja noch nie gesehen!“

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, liebe Parkgebetsgemeinde. Aber ich fühle mich schon auch immer wieder wie gelähmt, dabei zum Zusehen verdammt, wie sie da unsere Stadt und einen der besten Bahnhöfe Deutschlands ruinieren. All mein Tun kommt mir dann vor wie das hilflose Fuchteln des Gelähmten, der dadurch doch nicht vom Fleck kommt.
Ohne die Hilfe der anderen geht gar nichts. Und das Schlimme: Sind nicht die anderen hier in Stuttgart alle gleich gelähmt wie ich? Sind nicht die einzigen Nicht-Gelähmten die Betreiber und Unterstützer von S21? Sie handeln doch Tag um Tag! Weiterlesen

Ansprache beim Parkgebet am 1.10.2015 zu Psalm 32,1-5 von Pfr. i. R. Eberhard Dietrich

V. 1 Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist.
V. 2 Wohl dem Menschen, dem der Herr die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Betrug ist.
V. 3 Denn als ich es wollte verschweigen,
verschmachteten meine Gebeine durch mein tägliches Klagen.
V. 5 Darum bekannte ich dir meine Sünde
und meine Schuld verhehlte ich nicht. Ich sprach: Ich will dem Herrn meine Übertretungen bekennen.Da vergabst du mir die Schuld meiner Sünden.
Liebe Parkgemeinde

1.Der Psalm und seine Bedeutung
Wenn ich heute diesen ungewöhnlichen Bibeltext der Ansprache zugrunde lege, will ich ein paar einleitende und erklärende Worte voranschicken. Psalm 32 ist der zweite von sieben „Bußpsalmen“ der Kirche. Er ist in der Lutherbibel überschrieben:
„Vom Segen der Sündenvergebung“.
Der Anfangsvers nimmt uns gleich in diesen Gedanken hinein:
„Wohl dem, dem die Übertretungen vergeben sind, dem die Sünde bedeckt ist!
Wohl dem Menschen, dem der HERR die Schuld nicht zurechnet, in dessen Geist kein Betrug ist!“

Zuerst wollte der Beter seine Sünde verschweigen, doch er merkte, wie sich die Sünde wie ein Virus in seinem Körper auswirkte. Und er merkte die Hand Gottes, die schwer auf ihm lag. Wir würden heute sagen: Er hatte ein schlechtes Gewissen.
Das brachte ihn dazu Gott seine Sünde und
Schuld zu bekennen und er erfuhr Vergebung und Befreiung und ein erleichtertes Gewissen. Auf diese Weise ist dieses ganz intime Bekenntnisse der Schuld vor Gott zugleich auch Modell und Vorbild für andere, mit ihrer eigenen Schuld umzugehen.

2.Die öffentliche Dimension ihrer Taten: Störung des Rechtsfriedens. Wer zu den Tätern gehört
Wir müssen uns keine Gedanken darüber machen, wie die Täter vom 30. 9. mit ihrer Schuld vor Gott umgehen oder umgegangen sind. Das würde bedeuten, ihre Schuld einfach auf ihr Privatleben zu beschränken, und damit wäre ihr Tun für die Öffentlichkeit irrelevant.
Das Verhalten der Täter, ihr Tun und Agieren hat den Rechtsfrieden in unserer Bürger und Zivilgesellschaft empfindlich verletzt. Darüber wollen und müssen wir sprechen. An diese persönliche Schuld der Täter wollen wir erinnern.
Täter, um das noch einmal zu wiederholen, das sind für mich die Polizisten auf allen Stufen der Hierarchie, aber auch die Akteure im Hintergrund in der Politik, nicht nur damals vor fünf Jahren, sondern in gleicher Weise bis heute. Keiner der Verantwortlichen hat bis heute ein solches Schuldeingeständnis gemacht.

Was am 30. September 2010 passierte, war kein Tsunami, der über den Schlossgarten hereinbrach. Hier waren Menschen beteiligt. Alles war von langer Hand vorbereitet und geplant. Dabei wurde billigend in Kauf genommen, dass Menschen verletzt wurden, ja vielleicht nicht nur billigend in Kauf genommen, sondern mit Absicht. Denn warum hat man die Sanitäter nicht in den Schlossgarten gelassen?

Jeder einzelne von den Tätern hätte anders gekonnt.
Der Polizeipräsident hätte den Einsatz abbrechen können.
Die Täter in den Reihen der Polizisten hätten nur ihre Vorschriften beachten müssen.
Die Politiker und Justiz hatten fünf Jahre Zeit, ihre Pflicht zu tun und das Strafrecht anzuwenden.
Aber sie haben es nicht getan. Das ist ihre Schuld.
Was wir fordern und erwarten ist nicht eine oberflächliche Entschuldigung, wie wir es uns im Alltag angewöhnt haben mit den Worten: „Ach Entschuldigung“, eine Floskel, die wir letztlich gar nicht ernst meinen. Oder wie viele sagen: „Schwamm drüber“, so als wenn man früher auf einer Schiefertafel einfach einen Fehler wegwischte.
Wir fordern von den Tätern und Verantwortlichen das Eingeständnis ihrer individuellen Schuld, die Reue und die Bitte um Vergebung bei den Opfern. Erst dann ist Vergebung möglich. Und wir werden nicht müde werden, daran zu erinnern, bis der Rechtsfrieden wieder hergestellt ist.
Es ist unsere Aufgabe, die Gewissen zu schärfen, nicht sie einzulullen. Es ist unsere Aufgabe beharrlich das Unrecht zu benennen
und Vergebung zu verweigern.

3. Warum wir nicht vergessen dürfen
Warum aber soll man Schuld nach so langer Zeit thematisieren und daran erinnern?
Müssen wir uns als Christen nicht für Versöhnung und Vergebung stark machen? Als Christen müssen wir auch mal einen Schlussstrich unter Vergangenes ziehen. In der Tat, das müssen wir. Aber wie wir im Psalm gelernt haben, steht vor der Vergebung und Versöhnung und dem guten Gewissen das Eingeständnis der Schuld. Auch von der Psychologie her wissen wir, dass man Schuld nicht einfach unter den Teppich des Verdrängens und Vergessens kehren darf.

Und ich erinnere an eine kleine Szene aus dem Leidensgeschichte Jesu. Als während des Verhörs vor dem Hohenpriester einer der Soldaten ihn grundlos ins Gesicht schlägt, stellt er ihn zur Rede. „Habe ich übel geredet, so beweise, dass es böse ist; habe ich recht geredet, was schlägst du mich? (Joh. 18,23)
Das heißt für mich: Wir dürfen das Unrecht beim Namen nennen und den Täter an seine böse Tat erinnern.

Wenn wir uns gegen das Vergessen aussprechen, dann aus zwei Gründen:
Der Rechtsfrieden muss wieder hergestellt werden. Ein gedeihliches Zusammenleben in unserer Stadt, in unserer Bürger- und Zivilgesellschaft kann es nicht geben, solange offensichtliches Unrecht ungesühnt bleibt, solange Täter nicht zur Rechenschaft gezogen werden.
Wenn wir das Unrecht einfach vergessen, dann rechtfertigen wir die Täter und geben ihnen im Nachhinein Recht und ein gutes Gewissen.

Nicht nur als Christen wissen wir um die unheilvolle Macht des Bösen. Und dieses Böse, diese Schuld muss vergeben werden, erst dann ist ein Neuanfang möglich. Um zu vergeben, muss der Täter seine Schuld einsehen, anerkennen und um Vergebung bitten
und sofern es möglich ist, wieder gut machen und sühnen. Erst dann ist Vergebung keine billige wohlfeile Gnade, so nach dem Motto eines Spötters über den christlichen Glauben der sagte: Der Beruf des lieben Gottes ist es eben zu vergeben. Und er wollte damit wohl sagen: Jetzt können wir Menschen eben tun und lassen, was wir wollen, es hat keine Konsequenzen weder bei Menschen noch bei Gott.

Wir stemmen uns zweitens gegen das Vergessen um der Opfer willen. Das sind wir auch den Opfern gegenüber schuldig. Viele von uns wurden verletzt an Leib und Seele. Wenn wir das Böse einfach vergessen, machen wir sie erneut zu Opfern. Dann nehmen wir ihre Verletzungen nicht ernst und erwarten von ihnen, wenn auch unausgesprochen, das alles einfach wegzustecken.
Wir wollen uns nicht scheuen, das als Unrecht, als Böses zu benennen, auch wenn es vielleicht ein weltlicher Richter anders sieht oder entschuldigt.
Das Tun der Täter ist nicht einfach blindes Geschick oder Schicksal, sondern persönliche Schuld. Sie hätten auch anders gekonnt, wenn sie gewollt hätten. Gestörter Rechtsfrieden ist gestörte Gemeinschaft und die kann nur durch die Gemeinschaft wieder geheilt werden. Nur so ist ein Neuanfang möglich.
4.Gegen alle Selbsttäuschung
Und damit kommen wir zu einem letzten Gedanken unseres Psalmes. „Wohl dem Menschen, in dessen Geist kein Betrug ist.
Wir erleben es gerade im Hinblick auf den Schwarzen Donnerstag, wie gewissenlos Menschen im Umgang mit ihren Mitmenschen sein können. Warum können sie so handeln? Der Psalm spricht von Betrug, Täuschung, wir könnten auch sagen: Ausreden, Rationalisierungen..

Kaschieren von Gewalt. Auskosten von Macht. Ich erinnere an die kleine Szene aus dem Markusevangelium, wo Jesus vor denen warnt, die bei den Menschen als die Herrscher gelten und die ihre Völker nieder halten und ihnen Gewalt antun. (Mk 10,42)

Der Polizeipräsident hat z.B. ein halbes Jahr später in der Hospitalkirche eine Plattform bekommen, sich zu rechtfertigen und er stellte sein Tun unter das Motto: „Wieviel Sicherheit braucht unser Zusammenleben?“
Perverser geht es wohl nicht mehr. Als wenn die Sicherheit für die Stadt von einer friedlichen Schülerdemo gefährdet worden wäre.

Vielleicht werden Menschen erst zu solchen Taten fähig, weil sie sich etwas vormachen, sich selbst betrügen, weil sie Gottes Gebote missachten, ihren Gehorsam gegen Befehle als höchsten Wert ihres Lebens sehen, ihre Karriere nicht gefährden wollen oder einfach feige sind.
Über die Motive der Täter kann man trefflich spekulieren.
Wir aber messen sie an ihren Taten.
Wir wollen nicht mehr aber auch nicht weniger als dass das Unrecht erkannt und gesühnt wird. „Wohl dem Menschen, in dessen Geist kein Betrug ist.“

Brief 7 / Stuttgart 21 und der Kirchentag

Der Kirchentag ist vorbei, und es soll nun doch noch eine kleine Nachlese geben, was sich konkret aus dem ergeben hat, was auf dieser Seite in den Briefen zu Stuttgart 21 zum Kirchentag und gesagt wurde.
Zwei Punkte sind es, die ich dabei besonders in den Vordergrund stellen will. Zum einen geht es um die Frage nach der Sicherheit des Kirchentags und zum anderen um die Frage nach dem Ausschluss vieler Gruppen und Initiativen von dieser kirchlichen Großveranstaltung.

Es ist festzuhalten, dass es keine nennenswerten Sicherheits-Probleme und -Schwierigkeiten gegeben hat. Nach meiner Beobachtung haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Verkehrsbetriebe sehr um einen reibungslosen Verlauf gekümmert. Ihnen soll für ihre Arbeit unter dieser manchmal erheblichen Hitze an dieser Stelle auch gedankt werden.
Waren die Befürchtungen, dass die Sicherheit der Besucherinnen und Besucher des Kirchentags nicht hinreichend gewährleistet sei, damit überflüssig? Weiterlesen

Ansprache beim Parkgebet am 16.7.2015 zu Lk 12,16-21 von Friedrich Gehring

Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach: Es war ein reicher Mensch, des Feld hatte wohl getragen. Und der dachte bei sich selbst und sprach: Was soll ich tun? Ich habe nicht, wo ich meine Früchte hin sammle. Und er sprach: Das will ich tun: Ich will meine Scheunen abbrechen und größere bauen und will darin sammeln all mein Korn und meine Güter und will sagen zu meiner Seele: Liebe Seele, du hast einen Vorrat auf viele Jahre; habe nun Ruhe, iss und trink und habe guten Mut! Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und was du gesammelt hast, wem wird es zufallen? So geht es dem, der für sich Schätze sammelt und ist nicht reich vor Gott.

Diese Warnung Jesu aus dem Lukasevangelium spielt auf die Klugheit an, die das Sprichwort formuliert: „Das letzte Hemd hat keine Taschen“. Wir können von unserem Besitz nichts mitnehmen über unseren Tod hinaus. Die Losung des diesjährigen Kirchentags „auf dass wir klug werden“ meint ursprünglich dasselbe, sie wurde aber aus dem Zusammenhang des 90. Psalms gerissen wo es heißt: „Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden“. Wenn wir unsere Vergänglichkeit bedenken, bekommen wir ein anderes Verhältnis zum materiellen Besitz, das gierige Raffen verliert seinen Sinn. Das wäre die zentrale Botschaft des Kirchentags geworden, wenn man den Zusammenhang des Psalms berücksichtigt hätte. Die Hauptaufgabe des Christentreffens hier in Stuttgart wäre dann die Auseinandersetzung mit dem herrschenden Neoliberalismus geworden.

Dann wäre nicht nur zur Sprache gekommen, dass unser Tod die Gier zur Narretei macht, es wären noch andere Aspekte des närrsichen Raffens in den Blick gekommen. Der neoliberale Mainstream in unserem Land verkündet ja immer wieder voll Stolz und Selbstgefälligkeit, dass wir Exportweltmeister sind, weil wir die Löhne und Lohnnebenkosten niedrig halten und deshalb konkurrenzfähig sind. In großer Überheblichkeit empfiehlt die neoliberale politische Kaste in unserem Land allen möglichen anderen, uns diese Politik nachzumachen. Alle Welt soll an diesem deutschen Lohndumpingunwesen genesen. Speziell den Griechen wurde diese Politik 5 Jahre lang aufgezwängt, obwohl sie stetig in den Abgrund führte. Diese Politik denkt so kurz, so borniert, dass sie nicht merkt, was eine Steigerung der Konkurrenzfähigkeit in Griechenland für Deutschland bedeutet. Wenn die Löhne im griechischen Tourismussektor sinken, steigt dort die Zahl der Gäste aufkosten auch der deutschen Tourismusbranche. Das wird vernachlässigt, weil Deutschland seinen Wohlstand vorrangig aus Industrieproduktion erwirtschaftet. Aber auch die Exportüberschüsse dieser Branche haben eine Haken: Wenn mehr exportiert als importiert wird wie bei uns, müssen sich die Länder verschulden, in die wir exportieren. Das mag eine Weile gutgehen, aber am Ende kommt die Zahlungsunfähigkeit der Importländer, und die Gelder, die wir ihnen geliehen haben, damit sie bei uns kaufen, sind verloren. Unser toller Exportüberschuss macht das eingenommene Geld wieder kaputt.

Ihr Narren, sagt Gott den neoliberalen Wirtschaftsweisen, die den Exportüberschuss preisen. Ihr hättet darauf achten müssen, dass ihr die Importländer auch was verdienen lasst, damit der Handel tatsächlich funktioniert. Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, das ist die Weisheit des barmherzigen Gottes gegenüber dem dummen Raffen des Götzen Mammon. Das gilt auch für die Binnenwirtschaft. Wer verkaufen will, der muss die Arbeitnehmer so am Gewinn beteiligen, dass sie die Produkte kaufen können. Lohndrückerei führt den Binnenmarkt in die Rezession.

Wir sind hier im Schlosspark zusammen, um ein besonders dummes Projekt der Gier zu brandmarken. Die gierigen Investoren, die innerstädtisches Bauland für ihre Profite brauchen, haben sich zunächst in die Tasche gelogen, der Tiefbahnhof könne mit dem Geld aus dem Verkauf des Bahngeländes bezahlt werden. Aber auch was wir uns in die Tasche lügen, hat eben kurze Beine. Als die Bahn die Lüge erkannte, hat sie das Projekt S 21 aufgegeben, ließ sich aber durch die Zuzahlungen von Stadt und Land bestechen, doch weiterzumachen. Zu dumm: Jetzt kommt die Zahlung der Stadt vor das Bundesverwaltungsgericht. Bahnchef Grube gab zu, er würde das Projekt mit dem Wissen von 2013 nicht mehr beginnen. Zu dumm: Jetzt wird mehr und mehr nachweisbar, dass die Kanzlerin im März 2013 das unrentable Projekt durchgedrückt hat. Sie schwärmt für die sparsame „Schwäbische Hausfrau“. Zu dumm: Sie ist das Gegenteil davon. Sie hat Stuttgart 21 zur Zukunft Deutschlands erklärt. Zu dumm, Stuttgart 21 wird zum Fiasko, schlimmer als die Elbphilharmonie und der Berliner Flughafen zusammen.
Ihr Narren, sagt der barmherzige Gott, ihr wollt Schätze sammeln und vergesst den wahren Reichtum, der vor dem barmherzigen Gott gilt. Wahrer Reichtum entsteht, wenn das Wohl für alle geschaffen wird. Da muss gefragt werden, was für alle gut ist, welcher Bahnhof der Allgemeinheit dient bei einem positiven Kosten-Nutzen-Faktor. Da kommt es darauf an, dass von den Unternehmensgewinnen im Land alle einen gerechten Lohn empfangen, nicht nur eine kleine Gruppe von Reichen. Und da muss darauf geachtet werden, dass nicht nur einzelne Nationen wirtschaftlich blühen, sondern dass auch in der Völkerwelt gerecht geteilt wird. Das ist Reichtum vor dem barmherzigen Gott. Das bringt wahren Frieden.
Lasst uns deshalb unbeirrt auf den barmherzigen Gott schauen, damit wir wahrhaft klug werden.
Amen.

Rede beim Parkgebet am 18.6.15 von Heinz Wienand

Impulstext
Farin Urlaub, Deine Schuld

(Text und Musik auch im Kirchentags-Liederbuch Nr. 107)

Hast du dich heute schon geärgert, war es heute wieder schlimm?
Hast du dich wieder gefragt, warum kein Mensch was unternimmt?
Du musst nicht akzeptieren, was dir überhaupt nicht passt,
wenn du deinen Kopf nicht nur zum Tragen einer Mütze hast.

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.
Es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.

Glaub keinem, der dir sagt, dass du nichts verändern kannst.
Die, die das behaupten, haben nur vor Veränderung Angst.
Es sind dieselben, die erklären, es sei gut so, wie es ist.
Und wenn du etwas ändern willst, dann bist du automatisch Terrorist.

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.
Es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.
Weil jeder, der die Welt nicht ändern will, ihr Todesurteil unterschreibt.

Lass uns diskutieren, denn in unserm schönen Land
sind zumindest theoretisch alle furchtbar tolerant.
Worte wollen nichts bewegen, Worte tun niemandem weh.
Darum lasst uns drüber reden, Diskussionen sind okay.
Nein, geh mal wieder auf die Straße, geh mal wieder demonstriern,
denn wer nicht mehr versucht zu kämpfen, kann nur verliern.
Die dich verarschen, die hast du selbst gewählt,
darum lass sie deine Stimme hörn, denn jede Stimme zählt.

Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist.
Es wäre nur deine Schuld, wenn sie so bleibt.

Liebe Parkgemeinde!

„Das Gewurschtel am Bahnhof finde ich gar nicht so schlimm“, meinte ein Kirchentagsbesucher, als ich ihm vor einer Schule den Flyer „kann denn Bahnhof Sünde sein …“ entgegenstreckte. Er kam hörbar nicht aus dem Ländle. Vermutlich hatte er auf dem Weg vom Durchgang zur Bahn-hofshalle seinen Kopf durch eines der Fenster gestreckt und in eine der Baugruben geschaut. Den Flyer lehnte er dankend ab.

Der 35. Deutsche Evangelische Kirchentag ist Geschichte. Das Programm wies – sage und schreibe – über 2.000 Veranstaltungen auf! 95.000 Dauergäste nahmen teil. Landesbischof July und der Präsident des Kirchentags, Professor Barner, lobten die Vielfalt der Themen und die Lockerheit der Teilnehmenden. OB Fritz Kuhn lobte den Kirchentag über den grünen Klee und bezeichnete ihn als ein „Geschenk für Stuttgart“.

Im Programm des Kirchentags spielte Stuttgart 21 so gut wie keine Rolle. Obwohl das Präsidium im Jahr 2011 Stuttgart als Ort des 35. Kirchentags auserkor mit der Begründung, die baden-württembergische Landeshauptstadt habe im Streit um das Projekt Stuttgart 21 neue Formen offener und öffentlicher Debatte erlebt. Nachhaltiger Protest und zivilgesellschaftliches Engagement hätten eine Diskussion über die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Entscheidungen in der Demokratie ausgelöst. In diesem Kontext habe der Kirchentag die Einladung nach Stuttgart besonders gern angenommen. So die offizielle Verlautbarung.

Dennoch war das Thema Stuttgart 21 präsent. Weiterlesen

Rede des Theater-Regisseurs Volker Lösch bei der Kirchentags-Kundgebung: „Aus S21 klug werden: Oben bleiben!“ am 6. Juni 2015

Rede von Volker Lösch zum Kirchentag als pdf-Datei zum Herunterladen.
…und hier als Video: https://www.youtube.com/watch?v=yaVQdWSzxtE

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, liebe Gäste des Kirchentages!

Seit fünf Jahren und in wöchentlicher Neuauflage gibt es diese Bühne, diese Öffentlichkeit in Stuttgart am Bahnhof oder auf dem Marktplatz, gegründet im Kampf gegen das dümmste, asozialste und dreisteste deutsche Großprojekt der Nachkriegszeit.

Keine Ausnahme
Bei Stuttgart 21 handelt es sich aber um keine Ausnahme. Wenn derlei Großprojekte gebaut, wenn unsere Städte gentrifiziert, wenn immer mehr Lebensbereiche dem Geldwert untergeordnet werden, dann wird klar, dass wir uns in einem System eingerichtet haben, welches nicht mehr funktioniert, und dieses System heißt Kapitalismus.

Der Stuttgarter Variante dieses Systems haben wir vor zwei Jahren einen Namen gegeben: ‚Prinzip Stuttgart 21‘. Damit ist gemeint, dass alles Handeln dem finanzorientierten Kapitalismus untergeordnet wird: Es kann eine Flut von nachvollziehbaren Gründen gegen diesen Bahnhofsneubau sprechen, der Milliarden an Steuergeldern verschlingen soll, der deutlich leistungsschwächere, also schlechtere Bahnhof soll dennoch gebaut werden.
Nebenbei wird auch noch eine beispiellose Stadtzerstörung betrieben – da können noch so viele Bürgerinnen und Bürger noch so kompetent protestieren, dieses unsinnige Großprojekt wird auf ihrem Rücken und explizit gegen sie betrieben – koste es was es wolle.

Überraschen darf das allerdings niemanden mehr. Denn das System des Kapitalismus muss sich ständig radikalisieren, um überlebensfähig zu bleiben, zum Beispiel durch derlei unsinnige und zerstörerische Projekte. Es ist ein in hohem Maße kreatives Konstrukt, wenn es darum geht, sich durch Zuspitzungen seines Prinzips neu zu erfinden und auszudehnen. Der heutige Kapitalismus kann nicht anders, als immer neue Wege der Destruktion zu suchen und zu beschreiten.

Radikaler Kapitalismus
Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter, der Kapitalismus in seiner gegenwärtigen Form ist radikal. Er ist aber kein abstraktes Monstrum, kein Naturphänomen, welches eines Tages über uns gekommen ist, sondern er ist ein System, welches wir verändern können.

Wir hier in Stuttgart haben in dieser schon so lang währenden Auseinandersetzung gelernt: Fehler können erkannt und rückgängig, das persönliche Wissen kann deutlich erweitert werden.

Wer von uns war bereits vor zehn Jahren auf der Straße gegen ein Projekt, welches schon damals geplant und angekündigt war? Nur wenige haben damals protestiert; die meisten haben sich erst durch langes Studieren von Fakten, durch das Aufdecken von Lügen und das Verstehen von Zusammenhängen zu den Kritikern entwickelt, die wir heute vieltausendfach sind.

Radikal sein
Und diese Entwicklung einer Bürgerschaft war und ist ebenfalls radikal – und das im besten Sinne des Wortes: Das Wort „radikal“ leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet Wurzel, Ursprung. Weiterlesen

Rede von Pfarrer Martin Poguntke bei der Kirchentags-Kundgebung: „Aus S21 klug werden: Oben bleiben!“ am 6. Juni 2015

Rede von Martin Poguntke zum Kirchentag als pdf-Datei zum Herunterladen.
…und hier als Video: https://www.youtube.com/watch?v=OCOlvM4gLic

Liebe Protestantinnen und Protestanten – aller Konfessionen! Liebe Agnostiker! Liebe – wenn ich hier den Theologen Schleiermacher zitieren darf – liebe „Gebildete unter den Verächtern der Religion“! Sie alle grüße ich im Namen der Initiative „Theologinnen und Theologen gegen Stuttgart 21“ mit einem herzlichen „Grüß Gott“.

1.1 S21 ist eine Katastrophe für die Umwelt

Wir stehen hier, weil uns eines verbindet: die Empörung über ein Bauprojekt, für das es geradezu verharmlosend ist, es nur „Murks“ zu nennen. Denn es ist gefährlicher, zerstörerischer Murks, was hier gebaut werden soll.

Stuttgart hat bislang den zweitpünktlichsten Großbahnhof Deutschlands. Die Behauptung, S21 bringe mehr Leistung, ist längst widerlegt. Aber mit dieser Lüge will man diesen hoch funktionstüchtigen Kopfbahnhof mit 17 Gleisen und großem Potenzial für Erweiterungen zerschlagen und stattdessen einen Vororthaltepunkt mit nur 8 Gleisen daraus machen – ohne jede Erweiterungsmöglichkeit. Und das nur, um auf der frei werdenden Fläche Geschäfte mit teuren City-Grundstücken machen zu können.

Stuttgart ist eine Wirtschafts- und Verkehrsmetropole – und zugleich Feinstaub- und Stau-Hauptstadt Deutschlands. Stuttgart kann sich einen solchen Leistungsrückbau von Verkehrsinfrastruktur einfach nicht leisten – wir ersticken doch in Autos. Das ist ein Umweltskandal erster Güte.

1.2 Katastrophe für die Sicherheit

Aber nicht nur die Leistung des geplanten Kellerbahnhofs ist viel zu schlecht, sondern er ist auch noch dazu hoch gefährlich. Weiterlesen

Rede des Journalisten Franz Alt bei der Kirchentags-Kundgebung: „Aus S21 klug werden: Oben bleiben!“ am 6. Juni 2015

Rede von Franz Alt zum Kirchentag als pdf-Datei zum Herunterladen.
…und hier als Video: https://www.youtube.com/watch?v=AQzsXs5c22s

Es ist noch nicht zu spät!

Das aktuelle Hauptargument für Stuttgart 21 heißt: Protest und Widerstand kommen zu spät. Es lohnt sich doch gar nicht mehr, gegen das Projekt auf die Straße zu gehen.

Was ist davon zu halten? Ich war vor 14 Tagen in Österreich beim Internationalen Anti-Atomgipfel. Dabei habe ich auch mit Aktivisten gesprochen, die vor 37 Jahren das AKW Zwentendorf verhindert haben. Dieses österreichische Atomkraftwerk ist ein Lehrstück erfolgreichen Widerstands gegen unsinnige Großprojekte und ein Lehrstück dafür, dass es nie zu spät ist für Widerstand und Protest.

Zwentendorf ist weltweit das einzige Atomkraftwerk, das komplett fertig gebaut war, aber aufgrund einer Volksabstimmung niemals in Betrieb genommen wurde. Im Herbst 1978 stimmten 50,4% der Österreicherinnen und Österreicher gegen die Inbetriebnahme. Und weil Zwentendorf durch intelligenten und dauerhaften Protest gestoppt wurde, sind in Österreich drei weitere geplante AKW‘s nicht gebaut worden.

Meine Damen und Herren: Das AKW Zwentendorf war komplett fertig gebaut, es war ein Milliarden-Projekt wie Stuttgart 21, aber es ging nie in Betrieb, weil das Volk klüger war als seine Regierung.

Drei Dinge können wir aus der Geschichte von Zwentendorf lernen:
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Neulich auf der Montagsdemo (der Kirchentag lässt grüßen…)

Sünde_Geld_Plakat

„Eine Kirche, der verschwendete Milliarden wichtiger sind als erhaltene Bäume, macht mich traurig. Dem Quasi-Mythos, dass man die alten Bäume opfern muss, um nach der Baustellen-Leidenszeit den von allen Problemen erlösenden Tiefbahnhof zu erhalten, sollte man nicht auf den Leim gehen.“

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„Gefahren verschwinden nicht dadurch, dass man sie ignoriert. 60 km Tunnel unter der Stadt ohne funktionierenden Brandschutz sind kriminell. Will sich die Kirche darauf beschränken, Trost zu spenden, wenn das Unglück geschehen ist?“

Sünde_nur_Pfarrer_Plakat, mp

„Ich erwarte von evangelischen Pfarrern, dass sie mit Kopf, Herz und Hand dem Evangelium verpflichtet sind und sich nicht von Geld die Sinne vernebeln lassen. Warum segnet man Einkaufszentren und Tunnelbohrmaschinen?“

Sünde_nur_Herz_Plakat, mp

„Ich erwarte, dass meine Kirche sich kritisch zu problematischen Entwicklungen in der Gesellschaft äußert. Wenn Kirche aber so eng mit Politik und Wirtschaft befreundet ist, dann ist das nicht möglich.“

Ein Gastbeitrag für unsere Homepage.

Brief 6 / Stuttgart 21 und der Kirchentag

Kirchentag zwischen Banalität und Sicherheitsrisiko?

Wer das Publik Forum-Heft vom 8. Mai 2015 gelesen hat, der stieß dort auf ein Thema, zu dem ich schon lange etwas schreiben wollte. Nun ist es schon mal klar gesagt: Die Kirchentagsleitung hat kritische Gruppen, die der Meinung sind, dass der Kopf nicht vor allem dazu da ist, dass man ihn in den Sand steckt, systematisch aus dem Kirchentag herausgehalten.
Es ist mir ja selbst so passiert, dass mir Mitte des letzten Jahres gesagt wurde, dass eine von mir und anderen geplante Veranstaltung zum NSU-Komplex nicht ins Programm könne. Das sei schon voll. Die Behauptung „Das Programm ist schon voll.“ haben dann auch andere Anti-Faschisten, Friedensbewegte, Palästina-Engagierte, Tierschützer usw. zu hören bekommen.
Nun gibt es stattdessen eine Fülle von Veranstaltungen, die man aus dem Kirchentag draußen gehalten hat und die nun selbst organsiert stattfinden. Das, was man bisher nur von Katholikentagen kannte, nämlich so etwas wie einen alternativen Katholikentag, einen „Katholikentag von Unten“, eigene Veranstaltungen von Publik Forum, das haben wir jetzt auch auf dem evangelischen Kirchentag. Man muss es klar sagen: Der evangelische Kirchentag hat sich verändert, und zwar nicht zu seinem Vorteil, sondern zu seinem Nachteil. Der Stuttgarter Kirchentag ist insofern ein Meilenstein auf dem Weg zu einer Kirche, die bewusst den Weg in die Bedeutungslosigkeit wählt. Die Banalität der württembergischen Beiträge in Hamburg darf als bezeichnend für diese Entwicklung gesehen werden.
Was hat das mit Stuttgart 21 zu tun? Weiterlesen

Flugblatt zum Empfang der Kirchentagsgäste

Am 3. Juni kommen 100.000 Gäste nach Stuttgart. Viele glauben sicherlich, der Protest gegen das Skandalprojekt „Stuttgart 21“ sei längst erlahmt oder nur für Stuttgart von Bedeutung – oder gar inzwischen überflüssig.
Wir haben ein Flugblatt für sie erstellt, das ihnen die wichtigsten Informationen über Stuttgart 21 auf kompakte Weise zur Verfügung stellt.

Und: Wir wollen sie damit einladen zu den verschiedenen Veranstaltungen des S21-Widerstands:

  • die Ausstellung „Der S21-Widerstand stellt sich vor“
    von Donnerstag bis Samstag 10 bis 18 Uhr
    im Forum 3 (Gymnasiumstr. 21)
  • die Großkundgebung „aus S21 klug werden: oben bleiben!“
    am Samstag um 14 Uhr
    vor dem Hauptbahnhof
  • die zwei Parkgebete
    Donnerstag und Samstag um 18.15 Uhr
    im Schlossgarten (hinter der Baustelle)
  • die Baustellen- und Mineralquellenführungen
    der Ingenieure und Geologen
    Donnerstag, Freitag (10 bis 11 Uhr, ab Mahnwache)
    und Samstag um 9.30 Uhr (ab Mineralbad Berg)

Das Flugblatt enthält auch einen kleinen Lageplan, der Auswärtigen hilft, die Veranstaltungsorte zu finden.

Herzliche Einladung an alle Gäste und Einheimischen zu allen Veranstaltungen!

Kirchentags-Flyer als pdf
(als „8-seitiger Altarfalz“ zu falten!)

Vorderseite:
Kirchentag-Gesamtflyer, Vorderseite
1. Innenseite (2-spaltig):
Kirchentag-Gesamtflyer, 1. Innenseite
2. Innenseite (4-spaltig):
Kirchentag-Gesamtflyer, 2. Innenseite
Rückseite:
Kirchentag-Gesamtflyer, Rückseite
 

Pegida in Stuttgart? Nicht mit uns! Für Toleranz und Vielfalt

No-Pegida, StuttgartHerzliche Einladung zu der Kundgebung:
Pegida in Stuttgart? Nicht mit uns!
Für Toleranz und Vielfalt

am Sonntag, 17. Mai, um 13.30 Uhr
zwischen Tübinger Straße und Königsstraße
(Haltestelle Stadtmitte/Rotebühlplatz)
!

PEGIDA unternimmt wieder einmal einen Versuch, in Stuttgart Fuß zu fassen. Für kommenden Sonntag haben sie in Stuttgart eine Kundgebung angemeldet. Dagegen wollen wir protestieren.

Die PEGIDA-Aktionen haben zwar äußerlich Ähnlichkeiten mit den Aktionen gegen Stuttgart 21: Auch sie machen „Montags-Demonstrationen“; auch sie wenden sich gegen eine „Lügenpresse“ und gegen Parteien, die uns verraten.
Dem steht aber eine grundsätzlich andere Ausrichtung gegenüber: Während die PEGIDA-Anhänger nach “unten” treten (gegen Flüchtlinge, Migranten, Muslime), wenden wir uns ganz bewusst und ausschließlich nach “oben”: Wir klagen die politische und wirtschaftliche Elite an.

Es scheint, dass der Protest gegen PEGIDA nicht viel mit unserem Protest gegen Stuttgart 21 zu tun hat.
Aber: Zentraler Grund unseres Protests gegen S21 ist: Durch dieses und unzählige andere politisch aufgeladene Großprojekte werden die Schwächeren der Gesellschaft immer und immer wieder neu zu opfern gemacht. Ob Pendler, Steuerzahler, Geringverdiener, Familien mit Kindern oder Menschen mit Behinderungen – sie sind es, die den Preis zahlen müssen für eine verfehlte Politik.
Und wenn wir gegen PEGIDA demonstrieren, dann genau dagegen: dass auch von ihnen wieder die Schwächeren der Gesellschaft bekämpft und zu Opfern gemacht werden – statt die Täter zu benennen und zu bekämpfen: die Gewinner dieser kapitalistischen Politik, die einzig und allein die finanzielle Verwertbarkeit und den Gewinn derer, die ohnehin schon haben, zum Ziel hat.

Wenn es also in der Bevölkerung berechtigte Abstiegsängste gibt und die Sorge, zu kurz zu kommen, dann sagen wir: Lasst eure Sorgen, Opfer zu werden, nicht an den andern Opfern raus, sondern an den Tätern! Die sind nämlich zwar z.B. mühelos in der Lage, Milliarden dafür einzusetzen, um einen der besten Bahnhöfe Deutschlands zu einem leistungsschwachen Kellerbahnhof mit zahllosen weiteren Risiken zusammenzuschlagen. Sie sehen aber angeblich keine Möglichkeit, dass in einem der reichsten Länder der Welt Flüchtlinge in ausreichender Zahl (verglichen mit vielen armen Ländern, die beschämend viel mehr von ihnen aufnehmen) menschenwürdig und mit Zukunftsperspektive untergebracht und versorgt werden.

Wegweiser für den Kirchentag

Die unabhängige, kritische Kirchenzeitschrift „Publik-Forum“ hat ein kleines Programmheft herausgegeben, in dem sie auf interessante Veranstaltungen im und außerhalb des Kirchentags hinweist.

Sehr zu empfehlen!

Hier ist es zu finden: Wegweiser für den Kirchentag

Vorsicht, Satire!

Liebe Kirchentagskids!
Schaut mal her, ich hab Euch etwas mitgebracht. Nämlich eine ganz tolle Botschaft, speziell für Euch: „Stadtgarten und Universität Stuttgart werden das Zentrum Kinder beherbergen.“ (aus der Homepage des Kirchentags)
Ja, was soll denn das heißen? Genau das will ich Euch jetzt erklären.
Damit es Euch beim Kirchentag nicht langweilig wird, gibt es extra für Euch ein „Zentrum Kinder“. Das ist so eine Art Kita. Dort geben Eure Eltern Euch am Morgen ab. Das kennt Ihr ja von zuhause. Dann gehen sie den Tag über in den Neckarpark. Das ist aber kein echter Park mit Wiesen und Bäumen und schönen Blumen, wie Ihr jetzt vielleicht denkt. Sondern ein großes, stinklangweiliges Gelände am Neckarfluss, auf dem riesige Zelte und große Gebäude stehen. Man sagt hier in Stuttgart halt Neckarpark dazu, weil Park so schön klingt. Oder Eure Eltern gehen in eine Kirche in der Stadt, was sie zuhause wahrscheinlich nur an Weihnachten machen. Aber beim Kirchentag gehen sie ausnahmsweise mal öfter in eine Kirche. Weil es dort berühmte Politiker und andere kluge Köpfe gibt, die Reden halten. Das sind Leute, die so tun können, als ob sie ganz arg gescheit wären und für jedes Problem eine Lösung wüssten. Und das finden Eure Eltern toll. Ihr könnt das sicher gut verstehen. Ihr findet es ja auch ganz toll, wenn Euch jemand Märchen erzählt. Und deshalb gehen Eure Eltern da jeden Tag hin und zahlen viel Geld dafür. Und das nennt man Kirchentag.
Und bis Eure Eltern Euch am Abend wieder abholen, seid Ihr in der Kita im Stadtgarten oder in der Universität Stuttgart. Ich verspreche Euch: Eine so tolle Kita habt Ihr noch nie erlebt. Vielleicht denkt Ihr jetzt, ein Stadtgarten ist aber nichts Besonderes. Das gibt es bei uns zuhause auch. Aber Ihr habt ja jetzt schon gelernt, dass in Stuttgart manches anders heißt, als was es in Wirklichkeit ist. Der Stadtgarten in Stuttgart ist nämlich kein Garten, sondern eine riesige Baustelle, auf der gegraben, gebuddelt und in den Boden hinein gebohrt wird. Weiterlesen

Großer Bahnhof – Willkommen in Stuttgart

Wir freuen uns auf Sie als unsere Kirchentagsgäste und möchten Sie gerne empfangen. Wir laden Sie herzlich ein, uns und unsere Bürgerbewegung während des Kirchentags in Stuttgart zu erleben:

  • in unserer Ausstellung im Forum 3 (Gymnasiumstr. 21, S-Bahn-Haltestelle ‘Stadtmitte’, Ausgang ‘Büchsenstr.’), geöffnet Kirchentagsdonnerstag bis –samstag jeweils von 10 bis 18 Uhr.
  • bei einer Großkundgebung unter dem Motto „Aus Stuttgart 21 klug werden: Oben bleiben!“ am Samstag, 14 Uhr direkt vor dem Hauptbahnhof.
  • beim Parkgebet Kirchentagsdonnerstag und –samstag jeweils um 18.15 Uhr an der „Lusthausruine“ im Mittleren Schlossgarten. Das Parkgebet findet seit 2010 regelmäßig donnerstags statt – während des Kirchentags auch am Samstag.
  • bei den Baustellenführungen mit Rudolf Pfleiderer (Ingenieur22) und Dr. Norbert Bongartz (Oberkonservator i.R.) am Kirchentagsdonnerstag und –freitag, 10 bis 11 Uhr (Treffpunkt: Mahnwache, gegenüber dem Hbf)
  • bei einer Mineralquellenführung mit Ralf Laternser (Geologe gegen S21) am Kirchentagssamstag, 9.30 Uhr, Dauer 2-3 Stunden (Eingang Mineralbad Berg, nahe Haltestelle U14, U1, U2)
  • an der Mahnwache, die seit nunmehr fünf Jahren rund um die Uhr, 7 Tage die Woche, 365 Tage im Jahr vor dem Bahnhof mahnt, informiert und protestiert (gegenüber dem Hbf)

Weitere Beiträge zum Kirchentag finden Sie unter dem Menüpunkt „Kirchentag21“ oben auf dieser Seite.

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Rede beim Parkgebet am 16.4.15 von Heinz Wienand

Liebe Parkgemeinde!

Am 9. April 1945, also vor 70 Jahren, wurde Dietrich Bonhoeffer von den Nationalsozialisten in Flossenbürg hingerichtet. Er war erst 39 Jahre alt. Er wurde als sechstes von acht Kindern am 4. Februar 1906 in Breslau geboren und wuchs in einer großbürgerlichen Familie auf. Kirche und Religion tauchten im Alltag der Bonhoeffers zwar auf. Aber, wie Bonhoeffers Freund Eberhard Bethge schreibt: „Das christliche Wesen war in diesem evangelischen Haus mehr hinter- und unter-gründig zu spüren.“ Das Verhältnis der Familie zum Glauben war freundlich bis distanziert. „Zu schade für Dich“, befand der Vater, als sein Sohn vom Entschluss zum Theologiestudium berich-tete. Später korrigierte er sich seinem Sohn gegenüber mit den Worten er habe sich „gröblich getäuscht“.
Schon als Theologiestudent setzte sich Dietrich für Frieden und Gerechtigkeit ein. Bald nach der Machtübertragung von Reichspräsident Hindenburg an Adolf Hitler schloss sich Bonhoeffer der Bekennenden Kirche an.

Die Bekennende Kirche verstand sich als Oppositionsbewegung evangelischer Christen gegen die Versuche einer Gleichschaltung von Lehre und Organisation, wie sie von den Nazis durchgesetzt wurde. Die Nationalsozialisten setzten kurzerhand den Reichsbischof Müller ein, der die Leitung der sog. „Deutschen Christen“ übernahm. In der berühmten „Barmer Erklärung“ von Mai 1934 widersetzte sich die Bekennende Kirche gegen die Gleichschaltung und erklärte, sie sei die einzige rechtmäßige Vertretung der evangelischen Christen Deutschlands. Mit der Ablehnung der „Deutschen Christen“ lehnte sie zugleich den Nationalsozialismus ab und wandte sich gegen staatliche und innerkirchliche Übergriffe auf das christliche Glaubensbekenntnis. Damit war die Spaltung der evangelischen Kirche in der Haltung zu Hitler besiegelt.

Dietrich Bonhoeffer, einer der führenden Köpfe der Bekennenden Kirche, war seitdem der Verfolgung durch die Nazis ausgesetzt. Er kritisierte den Antisemitismus in einer Weise, die Geschichte machte. Als ihm 1937 die Lehrerlaubnis entzogen wurde, schloss er sich dem Widerstand an und unterstützte die Attentatspläne gegen Hitler. Weiterlesen

Großkundgebung, Kirchentags-Samstag, 6.6., 14 Uhr, Hauptbahnhof Stuttgart

Während des Kirchentags sind von Seiten der S21-GegnerInnen eine ganze Reihe von Veranstaltungen geplant. Die wichtigste wird die Großkundgebung am Samstag, 6.6., um 14 Uhr vor dem Stuttgarter Hauptbahnhof sein.

Das Motto lautet: Aus Stuttgart 21 klug werden: Oben bleiben!

Bitte geben Sie diese Information an möglichst viele Menschen in Ihrem Umfeld weiter. Wir wollen eine bunte Mischung aus Kirchentagsgästen und S21-GegnerInnen sein, die vielleicht auch seit langem einmal wieder dabei sein wollen. Sodass unsere Kundgebung ein bundesweit auch von den Medien wahrgenommenes Zeichen ist: den Protest gegen „Stuttgart 21“ gibt es noch, und er ist viel lebendiger, als es die bundesweite Presse vermuten lässt.

Einladungsflyer als pdf: Flyer_Kirchentag_S21-Kundgebung_2015-06-06
Flyer_Kirchentag_S21-Kundgebung_2015-06-06_Vorderseite Flyer_Kirchentag_S21-Kundgebung_2015-06-06_Rueckseite

Ansprache beim Parkgebet am 2. April 2015 von Pf.i.R. Gunther Leibbrand

Liebe Parkgemeinde,
heute ist Gründonnerstag. Ein Tag, an dem Christen sich an Jesu bevorstehendes Leiden und Sterben erinnern.
Wir tun dies als Christinnen und Christen, die sich hier unter Protest an einer der Baugruben versammeln, die einen funktionierenden Bahnverkehr zu Grabe tragen wollen.

Es würde den Rahmen sprengen, all die Einzelheiten erwähnen zu wollen, die unseren Protest bis zum heutigen Tage nicht erlahmen lassen. Aber eine Hauptsache soll genannt werden: Die Kräfte, die hier am Werke sind, missachten sowohl geltendes Recht, das den Rückbau von Infrastrukturmaßnahmen wie den Schienenverkehr in Deutschland mit Steuermitteln ausdrücklich verbietet. Genauso, wie die Art und Weise der Durchsetzung ihrer fraglichen Absichten nicht konform geht mit einschlägigen Vorschriften rechtsstaatlicher Polizeiarbeit.

Wie können wir diese Dinge zusammenbringen mit dem Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu?
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Ausstellung auf dem Kirchentag

Wir hatten auf der Montagsdemo am 16. März um Mitarbeit bei der Ausstellung „„Die Protestbewegung gegen Stuttgart 21 stellt sich vor“ gebeten.

Wer den Flyer dazu noch nicht bekommen hat, kann ihn hier als pdf herunterladen.

Und so sieht er aus, der Flyer::
Vorderseite
Rückseitehier als pdf: Kirchentag, Ausstellung, Flyer

Ansprache beim Parkgebet am 5.3.2015 zu Mt 4,8-10 von Friedrich Gehring

Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche der Welt und ihre Herrlichkeit und sprach zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du niederfällst und mich anbetest. Da sprach Jesus zu ihm: „Weg mit dir, Satan, denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): Du sollst anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.“ (Mt 4,8-10)

Liebe Parkgebetsgemeinde,
wer ist dieser Teufel, der Jesus die Weltherrschaft anbieten kann unter der Bedingung, vor ihm niederzufallen und ihn anzubeten? Weiterlesen

Neue Rubrik: „Kirchentag21“

Liebe Besucherinnen und Besucher unseres Blogs!

Von Mittwoch, 3. Juni bis Sonntag, 7. Juni findet in Stuttgart der „35. Deutsche Evangelische Kirchentag“ statt. Hier, unter der neuen Rubrik „Kirchentag21“ werden wir in nächster Zeit Informationen rund um den Kirchentag einstellen – vor allem, um öffentlich zu machen, was für den Kirchentag vonseiten der S21-GegnerInnen geplant ist (und bereits öffentlich werden soll :-)). Besuchen Sie also gerne diese Seite gelegentlich wieder und sehen Sie, ob und was sich tut im Hinblick auf den Kirchentag.

Vielleicht haben Sie ja auch selbst eine Idee, was „man“ während des Kirchentags tun könnte. Wunderbar! Wir halten es nach dem Motto: Wofür sich Leute finden, das wird gemacht. Und wofür sich keine finden, das eben nicht. Fragen Sie also nicht lange, sondern suchen Sie sich einfach nette Menschen, mit denen Sie Ihre Idee umsetzen können!

Denn es lohnt sich ja: Ist doch dieser Kirchentag eine gigantische Gelegenheit, um vielen, vielen jungen und älteren Menschen aus ganz Deutschland den S21-Widerstand zu erklären und ihm damit bundesweit wieder Schwung zu verleihen. Bundesweit denken ja die allermeisten, der „Käse“ sei längst „gegessen“ und unser Widerstand habe sich inzwischen erledigt.
Denen wollen wir zeigen: Das Gegenteil ist der Fall! Wir wollen weiterhin „oben bleiben“.

Wollen Sie uns etwas zu diesem Thema mitteilen? Gerne! Hinterlassen Sie einfach auf dieser Seite einen Kommentar (wenn Ihre Nachricht öffentlich werden soll) oder schicken Sie eine Mail an: kirchentag21@online.de

Ansprache beim Parkgebet am 19.2.2015 von Eberhard Dietrich

1. Einleitung
Liebe Parkgemeinde wir hatten vorhin schon das Thema unseres heutigen Parkgebetes genannt: Die Tiere. Was aber haben die Tiere in unserem Parkgebet verloren? Viele Christen tun sich ja schwer, zum einen überhaupt mit ihrem Verhältnis zu den Tieren und doppelt schwer, den Gedanken zu denken, dass sie mit unserem Glauben etwas zu tun haben sollen. Weiterlesen

Montagsdemo 16.2.2015: Ethikstunde bei Lehrer Kretschmann von Friedrich Gehring

Grüß Gott, liebe Kinder, ihr wundert euch vielleicht, dass der Ministerpräsident am Rosenmontag mit dieser Mütze verkleidet zu euch in den Ethikunterricht kommt, aber wenn ich 2016 nicht wiedergewählt werde, dann muss ich wieder in die Schule, Lehrer sollen ja künftig länger arbeiten. Deshalb wollte ich heute mal probieren, ob ich immer noch spannend unterrichten kann. Das Thema dürft ihr selbst bestimmen. Ja bitte! Lüge und Wahrheit. Das ist ja ein tolles Ethikthema. Wie kommt ihr denn da drauf? Ach, ihr wollt wissen, warum die Leute bei den Montagsdemonstrationen immer „Lügenpack“ schreien? Weiterlesen

Zwei Pfarrer und ein Bahnhof

Martin Poguntke und Johannes Bräuchle im Interview:

Zum 5-jährigen Jubiläum der feierlichen Prellbock-Anhebung als versuchtem Projektstart von Stuttgart 21 am 2. Februar 2010 führte die schweizerische evangelisch-reformierte Wochenzeitschrift „doppelpunkt“ ein Interview mit den beiden Theologen.
Hier der Artikel, der daraus entstanden ist – ergänzt durch einen Artikel über den ehemaligen Bahnhofsvorsteher des Stuttgarter Hauptbahnhofs Egon Hopfenzitz. Weiterlesen

Ansprache beim Parkgebet am 22.1.2015 zu Mt 5,43 von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Liebe Parkgebetsgemeinde,
kurz vor dem Weihnachtsfest überfielen Taliban eine pakistanische Schule und ermordeten etwa 150 Menschen, vorwiegend Kinder und Jugendliche. In Nordnigeria löschten dieser Tage die Mörder von Boko Haram eine ganze Ortschaft mit 2000 Menschen aus. Die westliche Welt ist entsetzt seit den Mordtaten an 17 Menschen in Paris. Es werden Vorschläge zur Terrorabwehr gemacht. Marine Le Pen von den französischen Nationalisten fordert die Todesstrafe. Sie scheint nicht zu wissen, dass Selbstmordattentäter bei ihren Anschlägen den eigenen Tod in Kauf nehmen. Die deutschen Konservativen rufen erneut nach der Vorratsdatenspeicherung. Sie haben nicht mitbekommen, dass diese in Frankreich praktiziert wird, aber die Morde in Paris nicht verhindert hat. Die EU- Außenminister beraten über eine bessere Zusammenarbeit der Geheimdienste, als wüssten wir nichts über den Verfassungsschutz und den Nationalsozialistischen Untergrund. Ministerpräsident Kretschmann fordert mehr muslimischen Religionsunterricht. Er hat vermutlich nie Ethik bei gewaltbereiten Rechtsradikalen unterrichtet. Als ich vor Jahren in einer solchen Klasse Religionsunterricht hielt, war nicht das Christentum Thema, sondern die Gewalt. Die Schüler waren nicht gewalttätig, weil in der Bibel vom Heiligen Krieg die Rede ist, sondern weil sie Wut angesammelt hatten.

Wie können wir auf die terroristischen Mordtaten als Christen angemessen reagieren? Weiterlesen

„Farbe bekennen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“

Herzliche Einladung zu der Kundgebung
„Farbe bekennen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit“
am Montag, 5. Januar, um 17 Uhr auf dem Stuttgarter Schlossplatz!
(angemeldet ist vorsichtshalber eine Kundgebungszeit von 17 bis 20 Uhr).

Diese Kundgebung wurde ganz kurzfristig angesetzt, weil offenbar die PEGIDA-Bewegung nun auch in Stuttgart Fuß fassen will und dazu eine Kundgebung für denselben kommenden Montag, 19 Uhr in Stuttgart plant.

Die PEGIDA-Aktionen haben äußerlich Ähnlichkeiten mit den Aktionen gegen Stuttgart 21: die „Montags-Demonstrationen“ und die Zielrichtung gegen eine „Lügenpresse“ und gegen Parteien, die uns verraten (und damit zwar nicht zu einer offiziell beklagten Politik-Verdrossenheit, aber zu einer Politiker-Verdrossenheit beitragen).

Dem steht aber eine grundsätzlich andere Ausrichtung gegenüber: Weiterlesen

Predigt zu Lk 2, 1-14 am 26.12.2014 im Stuttgarter Schlosspark von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Die himmlischen Scharen über dem Stall von Bethlehem verkünden Frieden. Das war eigentlich nicht nötig, denn es herrschte kein Krieg. Es war Frieden, allerdings ein ganz bestimmter. Es war der so genannte römische Friede. Sein Grundsatz lautete: „Si pacem vis, bellum infer“, zu deutsch: „Wenn du Frieden willst, trag Krieg ins Land“. Diese Definition von Frieden ist geprägt vom Geist römischer Kolonialherrschaft, die Frieden schafft durch das militärische Niederhalten fremder Völker zum Zweck der bestmöglichen wirtschaftlichen Ausbeutung. Diese Friedensvorstellung prägt seit Jahrzehnten auch die Politik der USA und Putin scheint derzeit von den USA zu lernen. Weiterlesen

Weihnachts-Gottesdienst im Park

Welchen Frieden bringt das Kind in der Krippe?

Herzliche Einladung
zu einem Weihnachts-Gottesdienst
in Stuttgart, im Mittleren Schlossgarten (Nähe Lusthausruine),
Liturgie: Eberhard Dietrich; Predigt: Friedrich Gehring

am 2. Weihnachtstag (26.12.2014) um 11 Uhr

So sah es Weihnachten 2010 aus:
WeihnachtsGD_31

Damit wir klug werden – Thomas Felder synchronisiert Grube

Wunderbar, wie Thomas Felder hier den echten Worten des Bahnchefs Rüdiger Grube  (Minute 0:57 bis 1:17) verschiedene neue Texte unterlegt!

(Man beachte die originale(!) Lüge, durch S21 würden 100 Hektar Park geschaffen. Denn falsch ist 1., dass durch S21 überhaupt 100 Hektar Fläche frei werden – es sind nur ca. 15 Hektar, denn der Rest könnte auch bei Erhalt des Kopfbahnhofs frei gemacht werden; und falsch ist 2., dass die frei werdende Fläche womöglich komplett zu Park verwandelt werde, denn das allermeiste wird bebaut werden oder ist schon bebaut worden (LBBW; Bücherknast, Müllaneo…), und nur ein ganz kleiner Teil wird zu Park – angeblich 20 Hektar (von denen man ein Gutteil wieder abziehen muss, für an anderer Stelle wegen S21 zerstörtem Park). Wenn’s überhaupt wahr ist, denn eine vertragliche Verpflichtung dafür gibt es nicht – und wer wird City-Flächen mit einem Quadratmeterpreis von mehreren Tausend Euro so mal eben zu Park machen?)

Nach den Worten des methodistischen Pastors Bauder, ein Projekt wie S21 benötige besonders den Segen Gottes (ohne zu fragen, ob ein zerstörerisches Lügenprojekt auf diesen Segen überhaupt hoffen darf), folgt das von Thomas Felder extra zur Kirchentagslosung komponierte Lied „Damit wir klug werden“ zu Bildern von Geistlichen, die das Projekt, die Ausführenden oder die Heilige Barbara segnen, von Projekt-Betreibern und -Bewunderern und von diversen Baustellenansichten. Sehr hörens- und sehenswert!