Ansprache zum drohenden Abriss des Bahnhofssüdflügels bei der Montagsdemonstration am 16.1.2012

Liebe Kopfbahnhoffreunde,
ich bin gebeten worden, zum drohenden Abriss des Südflügels unseres Kopfbahnhofs als Pfarrer einige tröstende Worte zu sprechen.
Ich werde keinen Trost spenden, indem ich bagatellisiere, wie manche Christen sagen: Es ist doch nur ein Bahnhof. Wenn es nur um den Bahnhof ginge, dann könnte der Abriss ja noch lange warten. Es geht aber hier nicht um einen Bahnhof, sondern um ein neoliberales Schlüsselprojekt und um das Brechen unseres Widerstands gegen diese zerstörerische Ideologie, die Jesus in seiner Muttersprache den Mammon nennt. Der Mammon ist unvereinbar mit dem Gott der Barmherzigkeit. Jesus sagt: Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen (Matthäus 6,21). Deshalb stehe ich heute hier.
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Von Stoffsandalen und Abrissbaggern

Drauf gewartet …
haben sie anscheinend, zumindest eine gewisse Sorte von Medien und deren Klientel, die sich erwartungsgemäß bedienen lässt.
Die „Schuhattacke auf Kretschmann“ wurde hochgespielt.
Der Attackierte jedoch hat sich einen Blick für Verhältnismäßigkeit bewahrt und blieb gelassen: Nur eine Stoffsandale, „man sollte das nicht überbewerten“.
Die Veranstalter der Kundgebung, die am Samstag, 14. Januar – parallel zum Neujahrsempfang der Landesregierung – vor dem Neuen Schloss stattfand, haben sich längst in einer Presseerklärung von dem Vorfall distanziert und um Entschuldigung gebeten.
Bleibt die Frage, die sich verschärft seit der Volksabstimmung stellt: Warum wird ein solches Randgeschehen wie die Schuhattacke groß und breit herausgestellt? Während die gut begründet vorgetragenen Argumente der S21-Kritiker, um die es eigentlich geht, verschwiegen und nicht zur Kenntnis genommen werden.
Nach gut christlicher Maxime – Unterscheidung der Geister – bleiben wir dabei, in der Sache zu argumentieren. Deshalb wird hier ein Statement dokumentiert, das an eben diesem Samstag bei der Kundgebung von dem Richter a.D. und Mediator Christoph Strecker eingebracht wurde:

Einsatz der Polizei zur Zerstörung von Kultur- und Naturdenkmalen: Die Verantwortlichen können sich nicht hinter der Rechtslage verstecken!

Liebe Freundinnen und Freunde der Aufklärung und der Vernunft!

Wenn wir dagegen protestieren, dass unser funktionstüchtiger und kulturhistorisch bedeutender Bahnhof mutwillig demoliert wird, dann berufen die Politiker sich auf die Projektförderungspflicht des Landes, das Baurecht der Bahn und das Ergebnis der Volksabstimmung. Der Hinweis auf die angebliche Rechtslage hat schon oft dazu herhalten müssen, die Vernunft zum Schweigen zu bringen. Das dürfen wir uns nicht so einfach gefallen lassen.

Die Projektförderungspflicht des Landes geht nicht weiter als die Pflicht der Bahn zur Kooperation.
So lange die Bahn sich weigert, ihre Kostenkalkulationen und Risikolisten offen zu legen, ist das Land auch nicht verpflichtet, sich auf unkalkulierbare Risiken einzulassen. Wenn die Landesregierung gleichwohl das Projekt der Bahn fördert, dann tut sie das nicht, weil sie muss, sondern weil sie will.

Durch das Ergebnis der Volksabstimmung wird die Regierung zu gar nichts verpflichtet. Sie wird nur nicht aufgefordert, Kündigungsrechte geltend zu machen. Die Bevölkerung hat in der Volksabstimmung nicht gesagt, sie wünsche eine Verschlechterung der Verkehrsverbindungen, die einen integrierten Zeittakt unmöglich macht; sie hat nicht beschlossen, sie wünsche keinen barrierefreien Bahnhof und Gleise mit einem Gefälle, das den Lokführern Angst macht; schließlich hat sie sich auf die Zusage der Regierung verlassen, den Kostendeckel von 4,5 Mrd. Euro einzuhalten, und sie nicht ermächtigt, ihn anzuheben, wie es jetzt bereits angekündigt wird.
Das Ergebnis der Volksabstimmung zwingt die Regierung also zu nichts.
Wenn sie nun der Bahn bei der Umsetzung ihrer Pläne hilft, dann tut sie das nicht, weil sie muss, sondern weil sie will.

Mit Hinweis auf das Baurecht der Bahn soll nun auch die Polizei eingesetzt werden, um die Zerstörung von Kultur- und Naturdenkmalen auch gegen die demonstrierenden Bürgerinnen und Bürger durchzusetzen.

Die Bäume genießen jetzt vorübergehenden Schutz dank des Juchtenkäfers und der Fledermäuse. Die Polizei will sich nicht (wieder) dazu hergeben, rechtswidrige Aktionen mit Zwangsmaßnahmen durchzusetzen.

Dem Südflügel wird dieses Argument nicht helfen. Da müssten die Polizeioberen und Politiker sich schon entschließen, den sich aufdrängenden nächsten Gedanken zu denken und in die Tat umzusetzen, nämlich:
Die Polizei ist auch nicht verpflichtet, sinnlose Aktionen mit Zwangsmaßnahmen durchzusetzen.
Sollte nämlich der Südflügel abgerissen werden, ehe die gesamte Finanzierung gesichert ist und alle Genehmigungen erteilt sind, kann keineswegs ausgeschlossen werden, dass sich der Abriss als voreilig und überflüssig erweist. Hier hat es den Anschein, dass die Deutsche Bahn durch den Fortgang des Projekts Fakten schaffen will, die es unmöglich machen oder zumindest erschweren sollen, später noch auszusteigen. Damit könnte sie Druck auf die Genehmigungsbehörden ausüben. Auch dazu muss die Polizei sich nicht hergeben.

Die Protestaktionen stehen unter dem Schutz des Versammlungsrechts, das von der Polizei nicht nur zu beachten, sondern auch zu schützen ist und auch geschützt wird. Den Polizistinnen und Polizisten, die in diese Auseinandersetzung geschickt werden, gebührt unsere staatsbürgerliche und menschliche Solidarität. Sie sind unsere Polizei. Manchen kann wohl im Einzelfall mangelnde Rücksicht oder übertriebene Härte vorgeworfen werden; aber für ihren Einsatz als solchen und für die Bedingungen, unter denen sie eingesetzt werden, sind nicht die Polizistinnen und Polizisten, sondern deren Vorgesetzte verantwortlich.

Wenn Demonstrationen einen unfriedlichen Verlauf nehmen, können sie aufgelöst werden.

Sollte der friedliche Widerstand so nachhaltig sein, dass die Polizei vor der Entscheidung stünde, auch unverhältnismäßig harte Mittel einzusetzen, dann müsste sie eine Abwägung zwischen dem Versammlungsrecht und dem Recht der Demonstranten auf körperliche Unversehrtheit einerseits und dem Baurecht der Bahn andererseits treffen. Die Abwägung könnte auch zu dem Ergebnis kommen, dass der Einsatz abzubrechen wäre.

So weit muss und darf es aber gar nicht kommen.
Die Politiker könnten auch entscheiden, das üble Spiel der Bahn gar nicht mitzuspielen.

Die Polizei hat nach dem Polizeigesetz die Aufgabe, „von dem einzelnen und dem Gemeinwesen Gefahren abzuwehren, durch die die öffentliche Sicherheit oder Ordnung bedroht wird, und Störungen der öffentlichen Sicherheit oder Ordnung zu beseitigen, soweit es im öffentlichen Interesse geboten ist.“ Dabei hat sie „innerhalb der durch das Recht gesetzten Schranken zur Wahrnehmung ihrer Aufgaben diejenigen Maßnahmen zu treffen, die ihr nach pflichtmäßigem Ermessen erforderlich erscheinen.“
Unter öffentlicher Sicherheit im Sinne des Polizeirechts wird die Unverletzlichkeit der objektiven Rechtsordnung“ verstanden. Öffentliche Ordnung ist „die Gesamtheit der ungeschriebenen Regeln für das Verhalten des einzelnen in der Öffentlichkeit, deren Beachtung nach den jeweils herrschenden Anschauungen als unerlässliche Voraussetzung eines geordneten staatsbürgerlichen Zusammenlebens betrachtet wird.“
Wir alle haben das Recht, diese Begriffe mit Sinn und Leben zu füllen. Dann ergibt sich:
Öffentliche Sicherheit und Ordnung sind nicht gefährdet, wenn die  Bahn an einem mutwilligen Zerstörungswerk gehindert wird.
Sie sind gefährdet, wenn ein wesentlicher Teil der Bevölkerung sich wütend und verzweifelt nur noch ökonomischen Interessen von Großunternehmen und Immobilienspekulanten sowie dem undurchsichtigen Kalkül politischer Parteien ausgeliefert fühlt und seiner Mitwirkungsrechte beraubt wird, wie es hier der Fall war und noch ist.

Diese Gedankenskizze beschränkt sich auf einige zentrale Argumente aus Überlegungen, die unter „Polizeischutz für Südflügel“ zu finden sind. Sie kommen zu diesem Ergebnis:

Die Polizei kann nicht verpflichtet sein, den Abbruch des Südflügels und das Fällen weiterer Bäume im Schlosspark gewaltsam gegen den Protest der Bürgerinnen und Bürger durchzusetzen, solange überhaupt noch nicht feststeht, ob diese Maßnahmen erforderlich sind. Sie sind es nicht, solange nicht alle Hindernisse, an denen die Realisierung des Projekts S 21 noch scheitern könnte, beseitigt sind.

Wenn die Polizei gleichwohl für den Abbruch des Südflügels und das Fällen der Bäume eingesetzt wird, dann geschieht das nicht, weil hierzu eine rechtliche Verpflichtung bestünde, sondern weil die verantwortlichen Politiker das Projekt Stuttgart 21 gegen alle Einwände und Widerstände durchsetzen wollen.

„Juchtenkäfer stoppt S21“

So oder so ähnlich konnte man es in der letzten Zeit in der Presse lesen. Wer die Vorgänge um S21 verfolgt, weiß, worum es geht. Deshalb nur in aller Kürze: Unsere Gesetze schreiben vor, dass beim Fällen von Bäumen oder Abreißen von alten Gebäuden der Artenschutz beachtet werden muss. Konkret geht es um Fledermäuse und Juchtenkäfer, die streng geschützt werden, weil sie vom Aussterben bedroht sind.
Fakt ist, dass bei uns täglich Tierarten aussterben. Das aber kann uns nicht gleichgültig sein. Die biologische Vielfalt von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen ist Grundlage allen Lebens. Sie ist Grundlage auch unserer menschlichen Existenz. Wenn wir dem Artensterben nicht wehren, sägen wir uns den Ast ab, auf dem wir zusammen mit allen Lebewesen sitzen.
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Ein Wort an „Dorle Müller“

Von wegen „Zensur“, wertes Fräulein „Müller“: Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Kommentare ohne gültige E-mail-Adresse grundsätzlich nicht freigeschaltet werden.
Mit gültiger E-mail-Adresse erhalten Sie zumindest eine Nachricht, wenn  ein Kommentar nicht den Kriterien unter „Wer wir sind“ entspricht. Besser noch: Sie und andere „Dorles“ halten sich gleich an die Regeln.
Grüße vom Administrator

Weihnachtsgottesdienst im Schlossgarten am 26.12.2011, Einleitung von Guntrun Müller-Enßlin

Ein Licht geht uns auf in der Dunkelheit, durchbricht die Nacht und erhellt die Zeit. Licht der Liebe, Lebenslicht, Gottes Geist verlässt uns nicht.

Herzlich willkommen, liebe Parkliebhaberinnen und Parkliebhaber, liebe Gerechtigkeitssucherinnen und Gerechtigkeitssucher, liebe unermüdliche Hoffnungsvolle, zu diesem Gottesdienst am zweiten Weihnachtsfeiertag hier im Stuttgarter Schlossgarten. Schön, dass Sie gekommen sind hierher in das Herz unserer Stadt, um im unversehrten Park, im Stuttgarter Refugium Nummer 1, Gottes Ankunft bei uns durch Jesu Geburt zu feiern.
Am Ende eines Jahrs voller Bewegung ist es Weihnachten geworden.
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Predigt beim Weihnachtsgottesdienst im Schlossgarten am 26. Dezember 2011 zu Lukas 2,1-7 von Pfarrer i. R. Friedrich Gehring

Die Weihnachtsgeschichte des Lukas ist geschrieben aus der Sicht der kleinen Leute, die zum Zweck der Steuereintreibung beschwerliche Fußwanderungen auf sich nehmen müssen und dabei nicht einmal eine Herberge finden, selbst wenn eine junge Frau in die Wehen kommt.

Aus der Sicht der Mächtigen ist das belanglos, Hauptsache sie haben das Geld, in Palästen zu wohnen und die Soldaten zu bezahlen, die ihre Ausbeutung mit Waffengewalt sichern. Aber die Weihnachtsgeschichte verlässt diese Sicht der Herrschenden und ersetzt sie durch die Sicht derer, die unter dieser Herrschaft zu leiden haben. Das hat etwas revolutionäres, etwas umwälzendes an sich. Wir nehmen das nicht mehr so recht wahr, weil das Christentum vor mehr als 1600 Jahren eine staatstragende Funktion bekam, danach konnten Christen die Mächtigen nicht mehr so recht kritisieren. Die Weihnachtgeschichte soll seither als Idylle unser Herz erwärmen, nicht unseren Widerstand anfachen.

In der Schriftlesung (Markus 10, 42-45) haben wir aber gehört, dass Jesus den Mächtigen gegenüber noch kein Blatt vor den Mund genommen hat, wenn er nüchtern feststellt: „Ihr wisset, dass die weltlichen Fürsten ihre Völker niederhalten, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.“
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S21: Kostenklarheit jetzt ! – Ein offener Brief

Stuttgart, den 19. Dezember 2011

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,

die Regierung von Baden-Württemberg hat im Koalitionsvertrag festgelegt, sich beim Projekt Stuttgart 21 im Falle der Überschreitung des vereinbarten Kostendeckels von 4,5 Milliarden Euro an den Mehrkosten nicht zu beteiligen. Wir können nicht erkennen, was die Landesregierung derzeit tut, um die Kosten zu klären, bevor unumkehrbare Fakten geschaffen werden.

Deshalb bitten wir dringend darum, dass die Landesregierung jetzt auf eine Kostenklärung mit der Bahn drängt und damit ihrem Auftrag aus der Wahl vom 27. März gerecht wird. Dazu gehört insbesondere Klarheit über die Konsequenzen aus der Finanzierungsvereinbarung bei Überschreitung der vereinbarten Kosten.

Sie, Herr Ministerpräsident, und wir Bürger haben ein Recht darauf, dass Klarheit und Wahrheit auf den Tisch kommen, bevor Bäume gefällt werden !

Mit freundlichen Grüßen
Prof.  Dr.  Michael von Hauff

Unterstützt von:
Dr. Giselher Birk – Karl-Eugen Fischer – Ulrich Hangleiter – Waltraud von Hauff – Andreas Keller – Martin Klumpp – Volker Lösch – Fritz Röhm – Elisabeth und Frank Schweizer – Walter Sittler
stellvertretend für viele Stuttgarter Bürgerinnen und Bürger

Friedensappell: Offener Brief an Winfried Kretschmann

Tragen Sie bitte zum Frieden im Land bei!
Genehmigen Sie keinen Polizeieinsatz für das Projekt „Stuttgart 21“,
bevor alle entscheidenden Fragen geklärt sind!

 Stuttgart, 11.12.2011

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident! Lieber Herr Kretschmann!

ich schreibe Ihnen als Mitglied der Initiative „Theolog/innen gegen Stuttgart 21“. Wir haben im Dezember 2010 in unserer von inzwischen über 1200 ChristInnen unterzeichneten „Gemeinsamen Erklärung“ (www.s21-christen-sagen-nein.org/gemeinsame-erklarung-von-theologinnen/) unsere vielfältigen Bedenken gegen das Projekt „Stuttgart 21“ zum Ausdruck gebracht. Daran hat sich durch den Volksentscheid nichts geändert. Im Gegenteil.

Mit großer Sorge nehme ich die Vorbereitungen der Polizei auf den Abriss des Südflügels und die Fällung der Schlossgartenbäume wahr. Das ist zurzeit weder rechtlich angemessen noch politisch klug. Es wird die demokratische Kultur im Lande nachhaltig beschädigen und unabsehbare Folgen für den Frieden in der Stadt und im Land haben.

Ich bitte Sie dringend: Lassen Sie das nicht zu! Tragen Sie zum Frieden im Lande bei!

Sie wissen doch: Die rechtliche Zukunft von S21 ist völlig ungewiss:

  • Das zentrale Interesse der Stadt Stuttgart an S21, dass die Gleisanlagen des Kopfbahnhofs abgebaut und das Gelände überbaut werden darf, ist gerichtlich noch völlig ungeklärt. Vielmehr muss damit gerechnet werden, dass mindestens ein Teil der Kopfbahnhofgleise bestehen bleiben muss.
  • Ob die Mischfinanzierung von S21 durch Stadt, Land und Bahn      verfassungsgemäß ist, muss noch gerichtlich überprüft werden.
  • Für den Bau der Grundwassermanagement-Anlage besteht – nachdem die Wasserentnahmemenge mehr als verdoppelt werden soll – noch keine Genehmigung. Sie wurde dort illegal errichtet.
  • Für den Abstell- und Wartungs-Bahnhof Untertürkheim ist das Planfeststellungsverfahren noch nicht abgeschlossen.
  • Für die gesamten Anlagen auf der Filder ist ein Genehmigungsverfahren noch nicht einmal eingeleitet.
  • Nicht zuletzt ist immer noch nicht geklärt, wer ggf. die (unbestreitbar entstehenden) über 4,5 Mrd. hinaus gehenden Kosten trägt.

In einer rechtlich derart offenen Situation – von den unverändert katastrophalen Mängeln des Projekts selbst ganz zu schweigen – ohne Not ein Baurecht der Bahn mit massivem Polizeieinsatz durchzusetzen, dient auf keinen Fall dem Frieden, sondern stellt eine unangemessene Verschärfung der ohnehin labilen Situation dar.

Denn auch der Volksentscheid hat ja keineswegs eine klare Mehrheit für den Weiterbau ergeben. Vielmehr hat sich landesweit fast die Hälfte der Abstimmenden dagegen ausgesprochen.

Und das, obwohl der Volksentscheid eben gerade kein Beispiel für gelungene Demokratie war. Vielmehr werden auch Sie sagen müssen: So etwas darf nie wieder vorkommen:

  • dass ein Volksentscheid mit Millionenbeträgen aus der Wirtschaft      beeinflusst wird,
  • dass in unglaublichem Umfang öffentliche Körperschaften (Rathäuser, Gemeinderäte, Landratsämter, Regionalparlamente) mit einseitigen und falschen Darstellungen Einfluss auf die Abstimmung nehmen,
  • dass selbst von staatlicher Seite aus eine Lüge zum Hauptargument der Abstimmung erhoben wird (die Behauptung, die Ausstiegskosten betrügen für den Steuerzahler 1,5 Milliarden).

Deshalb fordere ich Sie so dringend wie herzlich auf, die Durchsetzung des Baurechts der Bahn zu verschieben, bis alle erforderlichen Fragen gerichtsfest geklärt sind – zumindest aber, bis mit rechtsgültiger Unterschrift die Frage der Übernahme von Mehrkosten definitiv geregelt ist.

Das Baurecht – zumal, wenn es nur zu einem kleinen Teil überhaupt besteht – ist nicht das höchste Recht eines Landes, dem sich alle andern Rechte unterzuordnen hätten (z.B. das des Landes auf Kostenklarheit und -wahrheit). Zumindest hat es zurück zu stehen, wenn es nicht auf für einen demokratischen Rechtsstaat angemessene Weise durchzusetzen ist. Und das ist in der aktuellen Situation nicht gegeben. Eine Landesregierung hat auch eine Verantwortung für den Frieden im Land. Nehmen Sie bitte diese Verantwortung wahr!

Mit freundlichen Grüßen
Martin Poguntke

PS:  Dieser Brief wird mit unterstützt von:
Friedrich Gehring, Michael Harr, Dieter Hemminger, Annette Keimburg, Gunther Leibbrand, Guntrun Müller-Enßlin, Wolfgang Schiegg, Martin Schmid-Keimburg, Dorothea Ziesenhenne-Harr.
Er geht an einen breiten Presseverteiler und an verschiedene Internetseiten.

Brief eines SPD-Mitglieds an die SPD-Spitze

Nein, liebe Leute in Stuttgart! Jetzt ist noch keine Zeit zur Versöhnung! Jetzt ist es höchste Zeit, dass ihr euch bei den S21-Gegnerinnen in der Partei entschuldigt, die ihr systematisch verschwiegen, nicht ernst genommen, unfair behandelt und unterdrückt habt! Ihr habt in unverschämter Sturheit den Geist von Willy Brandt verraten („Mehr Demokratie wagen“); ihr habt geschönte und getrickste Verträge akzeptiert und durchgeboxt (auch noch, als entlarvt wurde bei den Oettinger-Papieren, dass die SPD hinters Licht geführt wurde, um bei der Stange zu bleiben; selbst da habt ihr keinerlei Zweifel an den Verträgen geäußert!!!). Und jetzt tut ihr so bei eurem Presse-Statement am 28.11.2011 stehend, geschmückt im Hintergrund mit großen Willy-Brandt-Plakaten, als sei euch die ehrliche Demokratie ein aufrichtiges Anliegen: an Heuchelei und Geschmacklosigkeit kaum noch zu überbieten!!

Was mich ganz fassungslos macht bei eurem Verhalten: durch euer Agitieren mit der CDU und der FDP und Wirtschaftsleuten u.a. zusammen hat die Mehrheit unsrer Bürgerinnen nun akzeptiert, dass das Gebot „Du sollst nicht lügen“ keinen Normwert mehr in unsrer Gesellschaft hat. Ihr habt jede Verlogenheit bei den geschönten Verträgen und beim Wahlkampf u.a. mitgemacht; wir können nun weiterhin davon ausgehen, dass wir nur noch belogen werden.

Diese Tatsachen machen viele Menschen so wütend, und lassen sie an unsrem demokratischen System verzweifeln, weil wir auf Schritt und Tritt erfahren, wie durchfilzt und verlogen es bei uns (z. Bsp. bei den S21-Abstimmungen) zugeht. Deshalb kann der Protest nicht aufhören! Wenn ihr das nur einmal begreifen würdet! Die SPD-Spitze (ich vermeide es als SPD-Mitglied zu sagen „unsre Genossinnen“, weil ich mich mit unsren ursozialdemokratischen Werten verraten fühle nach fast 40-jähriger Mitgliedschaft von euch an der Spitze und im Parlament) muss lernen, bußfertig zu werden und schwere Fehler zuzugeben und sich zu entschuldigen, unseriöse Beschlüsse mit verantwortet zu haben, statt dieselben anzuprangern und auf ehrlichen Beschlussvorlagen zu beharren!

Ich möchte gar nicht eingehen auf die Details, die dieses größenwahnsinnige und nicht für Bahnkundinnen gedachte Projekt an Ungereimtheiten und Risiken in sich hat. Mir geht es vor allem um das grundsätzliche Umgehen mit Entscheidungsunterlagen, die den Grundregeln der Demokratie in keiner Weise entsprechen (geschönt, getrickst, gemauschelt, unehrlich…), und der eigentliche Skandal ist, dass ein großer Teil von den Politikerinnen daran keinen Anstoß nehmen!

Statt sich in einer Art Aufschrei alle solidarisch miteinander gegen die Aushöhlung und Beschädigung von Demokratie und für ehrliche demokratische Prozesse und Abstimmungen einzusetzen! Auf diese Ehrlichkeit sind Sie/seid ihr doch alle vereidigt worden!!

Und dann, wenn geschönte und getrickste Verträge beim Volk eine Mehrheit finden (ihr sagt dazu in dem Schreiben: „das Volk hat Klarheit geschaffen“), sich damit noch brüsten und mit Häme den Leuten begegnen, die all’ die Jahre auf Seriosität, Transparenz und Ehrlichkeit gepocht hatten.

Die „Klarheit“ ist auch wieder durch spekulative Zahlenangaben und getrickste Informationen entstanden. Kann man sich darüber wirklich freuen?

(Z. Bsp. fand ich die Art und Weise der Publikumsreaktion am 27.11. abends im SWR bei der Befragung von Herrn Kretschmann äußerst beschämend und schäbig, als Herr Kretschmann zugab, wie hart ihm dieses Abstimmungsergebnis falle. Diese hämischen, völlig unfairen und von keinem menschlichen Anstand geprägten Reaktionen der Zuhörenden taten richtig weh.).

Ihr merkt, wie empört ich bin, und ich bitte euch inständig, die sozialdemokratische Geschichte zu lesen, und die Anliegen von Willy Brandt zu studieren (Regierungserklärung vom 28.10.1969!).

Wenn ihr aber so weitermacht, könnt ihr mit einer Austrittswelle rechnen, die die SPD marginalisiert und nicht mehr als wählbar erscheinen lässt bei uns im „Ländle“!

Ich habe schon bei der Landtagswahl „grün“ wählen müssen, weil ihr nicht mehr glaubwürdig und vertrauenswürdig für mich und viele andere gewesen seid. Das werde ich auch weiterhin tun müssen, euer unsozialdemokratisches Verhalten zwingt bis heute mich dazu! Es sei denn, ihr ändert euch und werdet einsichtiger.

Seit vielen Monaten ist mir eine Gebetsbitte zur Richtschnur meines Handelns geworden, die ich in einem zufällig besuchten Gottesdienst hörte: „Gott, lass uns lauter schreien, als die, die Lügen verbreiten!“ Ich würde es sehr begrüßen, wenn ihr euch dieser Handlungsmaxime, auch bei einem S21-Projekt, anschließen könntet!

Vielleicht erhalte ich dieses Mal wenigstens eine Bestätigung, dass mein Schreiben bei euch angekommen ist. Die mannigfachen Schreiben im Laufe dieser Jahre von mir wurden in keiner Weise für mich sichtbar registriert und beantwortet. Ein unhöflicher Umgang mit Mitmenschen und ihren Schreiben, der auch bitter macht!!!

Mit freundlichen Grüßen, Monika Epting-Weismann

P.S. Auch für die S21-Befürworter steht fest, dass sie das Quorum nicht erreicht haben!

Paul Schobel, Betriebsseelsorger, 101.Montagsdemo 28.11.11

Nach Scherzen ist uns heute abend wahrlich nicht zumute. Aber mit Verlaub gesagt: Lieber hätte ich heute ein Staatsbegräbnis erster Klasse arrangiert und eine fulminante Grabrede auf S 21 gehalten. Ein paar Krokodilstränen für die trauernden Angehörigen gratis dazu – und dann ab mit der Kiste, mit Pauken und Trompeten tiefer gelegt. Soweit man eben einen Tiefbahnhof überhaupt tiefer legen kann.

Statt dessen ist nun eingetreten, was zu befürchten war: Das Volk folgte mehrheitlich den Trommeln und Schalmeien der Befürworter und will nun K 21 versenken und dem Aktionsbündnis das Totenglöcklein läuten.

Aber so wie ich Euch heute vor mir sehe, sind wir noch lange nicht tot.
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Das „Wunder“ gab es nicht


Für die Gegner von S21 war diese Volksabstimmung eine Niederlage, eine krachende Niederlage. Selbst in Stuttgart, das ist wahrhaft überraschend, errangen die Gegner des Bauprojekts keine Mehrheit, sieht man von den Innenstadtbezirken ab …
Vielleicht bekommt die schwäbische Landeshauptstadt jetzt ihr unfassbar teures … ICE-U-Bahnhöfle.

Nun kam es aber richtig, wirklich verblüffend bitter für die S21-Gegner: Quorum nicht erreicht, nicht mal die einfache Mehrheit für den Ausstieg erreicht. Zwar hatten die außerparlamentarischen S21-Gegner die Volksabstimmung … schon immer als Farce eingeschätzt, weil sie keine realistische Siegchance hatten. Aber dass sie so verlieren würden, das hatten auch sie nicht erwartet.

… zum grünen Ministerpräsidenten: Drollig ist seine Einschätzung, dass man durch den Volksentscheid sehr viel gewonnen habe. Weil er ein Schritt hin zur Bürgergesellschaft sei, ein „Mehr“ an direkter Demokratie. Wie bitte? …
Winfried Hermann und Winfried Kretschmann: … Ihre Regierungspartei ist nun der Juniorpartner in der grün-roten Koalition.
Die CDU hat sich gerächt für die historische Wahlschlappe vom März. Die Bahn darf nun bauen. Aber es ist ein bitterer Sieg.
Dieser 27. November 2011 ist für niemanden ein Tag der Freude. Er bringt der Stadt keinen Frieden.

Lesen Sie den ganzen Kommentar von Arno Luik, www.stern.de, 27.11.2011

Martin Klumpp, Prälat i. R.: JA zum Ausstieg !

Liebe Bürgerinnen und Bürger, Freundinnen und Freunde unserer Stadt !

„Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist“. Sie kennen dieses Wort.  Nach biblischer Tradition kommen der „Obrigkeit“, also Stadt und Staat, drei wichtige Aufgaben zu, auf die sie sich konzentrieren sollen. Ich nenne sie.
1. Stadt uns Staat schaffen eine Atmosphäre, in der Menschen Heimat finden.
2. Stadt und Staat achten auf Gerechtigkeit für alle.
3. Stadt und Staat stehen für den Frieden.
Wenn man Stuttgart 21 an diesen Zielen misst, ist die Planung in allen Punkten durchgefallen.
Wir geben Stadt und Staat das, was sie von uns brauchen: Unser Engagement.
Deshalb: Ja zum Ausstieg, Ja zum Oben Bleiben!
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‚Ethisch optimaler’ contra ‚wirtschaftlich optimaler’ Umgang mit nicht optimalen Menschen

Statement bei der Veranstaltung
„K21 – der barrierefreie Kopfbahnhof –> deshalb oben bleiben – eben bleiben“
am 27. September 2011
(alle Statements der Veranstaltung: vimeo.com/29684416)
(dieses Statement: www.youtube.com/watch)

Die ethischen Kriterien des Statements kurz zusammengefasst: 
1. Alle Menschen sind beschränkt.
2. Vielfalt an Leben ist ein zentrales Ziel.
3. Die Schwachen stehen im Mittelpunkt.
4. Der Einzelne steht im Mittelpunkt.
5. Gesellschaftliche Wertschöpfung muss in erster Linie dem Menschen dienen, nicht umgekehrt – und zwar dem unterstützungsbedürftigen Menschen.

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter 
für einen menschlichen Bahnhof und eine menschliche Zukunft!
Ich soll hier ein paar ethische Gedanken zum Thema sagen. Da muss ich Sie aber gleich enttäuschen: Ich kann Ihnen da keine allgemeingültige Ethik bieten, weil man Wertentscheidungen nicht logisch ableiten kann. Über Ethik nachdenken heißt, darüber nachdenken, welche Wertentscheidungen man warum getroffen hat oder gerne treffen will. Ich kann hier – als evangelischer Pfarrer – entsprechend nur von dem ethischen Begründungszusammenhang ausgehen, der meine – eine christliche – Ethik prägt.
Ich denke aber, dass das auch für diejenigen unter Ihnen, die mit Kirche nichts anfangen können oder die sich an ganz anderen Kulturen orientieren, eine interessante Anregung ist. Das will ich tun: Sie anregen.
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JA zum Ausstieg aus Stuttgart 21

Polizeischutz für Südflügel und Schlossgarten !

„Aber die Bahn hat ein Baurecht!“ Diese Antwort bekam ich immer wieder zu hören, wenn ich meine Zweifel äußerte, ob der Staat den Abbruch des Südflügels und das Fällen der Bäume im Schlosspark mit Polizeigewalt durchsetzen müsse, solange noch gar nicht sicher ist, ob das ganze Projekt Stgt 21 realisiert wird und diese Zerstörungen sich im Nachhinein als voreilig erweisen können.

Damit mochte ich mich nicht abfinden. Nachdem ich mich einige Wochen lang mit Polizei- und Versammlungsrecht beschäftigt habe, bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass aus dem Baurecht der Bahn keine solche Verpflichtung für den Staat resultiert.

Sollte der Staat in diesem Stadium der Unsicherheit den Abbruch des Südflügels und das Fällen der Bäume im Schlosspark mit Polizeigewalt durchsetzen, so tut er es nicht, weil er dazu rechtlich gezwungen wäre, sondern allein deshalb, weil er die Macht dazu hat. Es wäre eine rein politische Entscheidung.

Umgekehrt könnte die SPD, auch wenn sie am Projekt Stgt 21 festhält, ohne Gesichtsverlust weitere Eskalationen vermeiden und ihren Beitrag zur Entspannung leisten, indem sie von der gewaltsamen Durchsetzung der Zerstörungen absieht, solange diese nicht objektiv notwendig sind. Die SPD könnte sich sogar als bürgerfreundlich und rechtsstaatlich darstellen.

Mein Text „Polizeischutz für Südflügel und Schlosspark“ ist vor allem das Ergebnis des Prozesses, in dem ich meine eigenen Gedanken geklärt und mit Fachleuten diskutiert habe. Nun steht er natürlich allen zur Verfügung.

Jetzt geht es darum, diese Erkenntnis in die Köpfe derjenigen zu bringen, die zu entscheiden haben. Das sind Polizeipräsident Züfle, Landespolizeipräsident Hammann, Innenminister Gall und am Ende auch noch Ministerpräsident Kretschmann.

So stelle ich es nun allen Interessierten frei, meine Überlegungen in ihrem Umfeld zu verbreiten und auch sonst von ihnen den Gebrauch zu machen, der ihnen sinnvoll scheint – in der Hoffnung, damit einen Beitrag zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit oder noch besser bei den politisch Verantwortlichen zu leisten.

Christoph Strecker, Stuttgart     www.christoph-strecker.eu
Hier gibt’s den Text „Polizeischutz für Südflügel und Schlosspark“ als PDF

Mahnwachen-Team würde sich über neue MitarbeiterInnen freuen

Liebe Freunde des Kopfbahnhofs,

Im Endspurt auf die Volksabstimmung werden im Widerstand viele Kräfte mobilisiert und gebunden – auch von unserem Mahnwachenteam am ehemaligen Nordflügel, das seit nunmehr knapp 16 Monaten mit Dauerpräsens bei Wind und Wetter die vielfältigsten Aufgaben übernimmt und dabei ein (über die Spendeneinnahmen nicht zuletzt auch finanzielles) Rückgrat unseres Widerstands ist!

Daran, dass wir für euch immer da sind, hat sich der Widerstand „gewöhnt“ – doch muss diese Aufgabe logistisch und personell gestemmt und auf viele Schultern verteilt werden, um Einzelne nicht auszubrennen. Das wir als ehrenamtliches mittelständisches Unternehmen das bisher geschafft haben, ist der hohen Einsatzbereitschaft und Professionalität des Teams geschuldet – und gleicht einem Wunder: außerhalb Stuttgarts hat es die allerlängste historisch bekannte Dauermahnwache in der Bundesrepublik  bisher auf längstens 12 Monate gebracht.

Um unsere Mahnwache auch weiterhin gewährleisten zu können, braucht unser Team also dringend DEINE Unterstützung – natürlich auch tagsüber, doch ganz verstärkt jeweils für die NÄCHTE auf DIENSTAG, auf DONNERSTAG sowie an WOCHENENDEN in der Zeit von 0-6 Uhr morgens. Eignet sich z.B. auch für Freunde, Arbeits- und Bezugsgruppen von 2-3 Leuten, die sich zusammenschließen möchten – die Arbeit bei uns kann viel Freude, Kraft und neue Freundschaften schenken!

Keine Angst: du mußt kein Fachexperte sein, es reicht die Freude im Umgang mit Menschen und natürlich, dass du unser Anliegen teilst: den „WahnSinn 21“ zu stoppen. Du wirst im Team von uns gut eingearbeitet und es stehen dir im Team Ansprechpartner zur Verfügung.

Wer uns unterstützen möchte:
mobil: 0176-38505873 (Mahnwachenhandy rund um die Uhr erreichbar)
oder per E-Mail an Mark Pollmann (vom Orga-Team der Mahnwache):
mpollmann1@aol.com

Unser Mahnwachenteam freut sich auf DEINE Mitarbeit, herzliche Grüße,
Ja zum Ausstieg und mit Köpfchen Oben Bleiben,
Mark

S 21: Kein Bahnhof für die Menschen

„Das Projekt ist nicht für die Menschen (Reisenden, Pendler etc.), sondern die Menschen (Reisenden, Pendler etc.) haben sich diesem Projekt anzupassen.
Es ist ein Jahrhundertprojekt, doch es stammt aus vergangener Zeit. Es ist das Artefakt eines Denkens, das die New Economy hervorbrachte und in der Finanzkrise der Jahre 2009/10/11/12 … ihre Fortsetzung fand.“

So der Eisenbahner und Theologe Prof.  Ferdinand Rohrhirsch beim
13. Plädoyer für den Südflügel am 10. 10. 2011.

Hier gibt’s den vollständigen Text als PDF

Seid untertan der Obrigkeit !??

1. Die Aufforderung an die Theologen: Keine Einmischung in die Politik

Uns Theologen wird immer wieder dringend empfohlen, – so auch in kritischen Beiträgen auf diesem Blog – uns um die Verkündigung zu kümmern und nicht gegen ein Bahnprojekt Stellung zu nehmen. Politik, Wirtschaft, die Banken, die Industrie, das Rechtswesen – sie alle hätten ihre eigenen Gesetze, denen die Menschen, die dafür Verantwortung tragen, folgen müssten. Da herrschten wirtschaftliche Zwänge, Gesetze des Marktes, mit einem Wort: Eigengesetzlichkeiten, die man akzeptieren müsse, da habe der Glaube nichts zu suchen. Er ist Privatsache.

Andere Kritiker zitieren die Bibel, in der steht: Seid untertan der Obrigkeit. Ihr muss man gehorchen. Was sie einmal beschlossen hat, muss man eben akzeptieren. Diese Bibelstelle hat eine gewichtige Tradition in der Kirche, vor allem in lutherischen Landeskirchen, begründet. Sie beherrscht bis heute das Denken vieler Menschen.
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Rede von Oberkirchenrat a. D. Prof. Dr. Hartmut Jetter

Liebe Landsleute!
Verehrte Mitbürger von Stuttgart und anderswo.

Zunächst ein Danke für die Einladung. Es ist mir eine Ehre, vor Ihnen sprechen zu dürfen!
Uns Gegnern wird ja vorgeworfen, es gehe uns gar nicht mehr um den Bahnhof als solchen. Jawohl, das stimmt! Es geht längst um mehr und um anderes.

Es geht ums Vertrauen, um viel Vertrauen, das verlorengegangen ist. Es geht um eine Entfremdung zwischen den Bürgern und den führenden Kräften unseres Landes, wie es das hierzulande noch nie gegeben hat. Und deshalb muss es uns allen in Zukunft um die Wiederherstellung des Friedens in unserer Stadt gehen, erst recht jetzt nach der Wahl.

Das zum Grundsätzlichen. Das wäre meine Botschaft heute abend.
Und jetzt dazu zum Unterstreichen noch ein paar Gedankengänge:
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Rede von Guntrun Müller-Enßlin am 12. September

Was die Mitunterzeichnerin der Gemeinsamen Erklärung „Pfarrerinnen und Pfarrer gegen S21“ am 12. September 2011 bei der 91. Montagsdemo gesagt hat, finden Sie hier:
http://www.youtube.com/watch?v=tXdChvFBzic

Stuttgart 21: Viel zerstört – nichts gewonnen !

… war das Motto der Demo am 26. 08.2011, gegliedert in sieben Unterthemen:
•    Nordflügel abgerissen – nichts gebaut.
•    Bäume ausgerissen – nichts erschaffen.
•    Stadt verschandelt – nichts geschafft.
•    Planung verpfuscht – nichts geleistet.
•    Steuergeld verbrannt – nichts geliefert.
•    Bürger missachtet – nichts gelernt.
•    Parlamente belogen – nichts respektiert.

Zu Bürger missachtet – nichts gelernt
hier das Votum von Karl Martell,
Mitunterzeichner der Gemeinsamen Erklärung
„Pfarrerinnen und Pfarrer gegen S21“:
http://www.youtube.com/watch?v=19lo4sBRDEw

Geistige und geistliche Verwahrlosung

Unterstellt wurde uns verschiedentlich, wir würden ein Bauprojekt („doch nur ein Bahnhof“) religiös überhöhen, wir würden „auch noch Gott auf die eigene Seite zu ziehen versuchen“.
Das haben wir nicht getan und tun wir nicht.
Das überlassen wir dem glühenden S21-Propagandisten Claus Schmiedel,
SPD-Fraktionsvorsitzenden im Landtag von BW.
Bei der Pro-S21-Veranstaltung am Samstag, 27. August, ließ er sich zu den Äußerungen hinreißen: „Über Stuttgart 21 liegt Gottes Segen.“
Und: „Wir sind die Guten.“
(http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.stuttgart-21-befuerworter-zeigen-flagge.b7e3eaee-67b4-41ca-9dc5-41fa4b68fc77.html)

Nun könnte man aus Kritikersicht voll Genugtuung feststellen, dass den Befürwortern anscheinend nichts mehr einfällt als religiös verbrämte Beschwörungen. Gepaart mit einfältiger Schwarz-weiß-Sichtweise:
Hier die Guten, da die Bösen.
George W. Bush lässt grüßen.
Aber nein – keine Genugtuung.

Dass ein prominenter Landespolitiker in dieser Weise Gottes Segen missbraucht, indem er ihn schamlos instrumentalisiert, macht betroffen. Eine derartige Schwarz-weiß-Sichtweise lässt wegen ihrer Primitivität erschrecken.
Zuspruch des Segens Gottes gilt allein Menschen, keinen Sachen, schon gar keinem Bauprojekt. Segen Gottes hat einen besonderen Wert; ihn inflationär oder missbräuchlich zu benutzen,
verfälscht seinen Sinn.

In den mehr als 60 Artikeln auf diesem Blog sowie auf unserer Website http://www.s21-christen-sagen-nein.de findet sich keine Passage, in der das Immobilien- und Bahnprojekt in dieser Weise religiös aufgeladen wird.

Für die Iniative Pfarrerinnen und Pfarrer gegen S21
Friedrich Gehring
Michael Harr
Anette Keimburg
Karl Martell
Guntrun Müller-Enßlin
Martin Poguntke
Martin Schmid-Keimburg
Dorothea Ziesenhenne-Harr

Mehr zum Thema:
Neue Pläne der SPD für den Hauptbahnhof
„Wir sind die Guten“
Schmiedel bei fluegel.tv

SPD-Minister müssen sich äußern, um Schaden vom Land abzuwenden!

Offener Brief
an die SPD-MinisterInnen
der baden-württembergischen Landesregierung
namentlich an die Herren
Nils Schmid, Rainer Stickelberger und Reinhold Gall

 Sehr geehrte Damen und Herren,

ich schreibe Ihnen als Mitglied der Initiative „Pfarrer/innen gegen Stuttgart 21“. Wir haben im Dezember 2010 in unserer von inzwischen über 1000 ChristInnen unterzeichneten „Gemeinsamen Erklärung“ (www.s21-christen-sagen-nein.org/gemeinsame-erklarung-von-theologinnen/) unsere vielfältigen Bedenken gegen das Projekt „Stuttgart 21“ zum Ausdruck gebracht.

Inzwischen sind viele weitere skandalöse Details zu diesem Projekt bekannt geworden. Ich bin irritiert, dass von den SPD-Landesministern dazu nichts zu hören ist. Sie haben bei Ihrem Amtsantritt geschworen, Schaden vom Land abzuwenden. Da ist es eine Frage der Glaubwürdigkeit, dass Sie zumindest zu den schwerwiegendsten Vorkommnissen öffentlich Stellung beziehen.

Es sind klare Belege dafür bekannt geworden, dass die Bahn für Stuttgart 21 schon bei Vertragsabschluss wesentlich höhere Kosten angenommen hatte, als von ihr öffentlich behauptet.
Es ist vom ehemaligen Bahn-Chefplaner Hany Azer eine Liste von 121 zum Teil sehr teuren Risiken für das Projekt erstellt und von den Medien teilweise veröffentlicht worden.
Hier droht Milliardenschaden für das Land. Ein Finanz- und Wirtschaftsminister, der sein Amt ernst nimmt und Schaden vom Land und seinen BürgerInnen abwenden will, darf zu solch unkalkulierbaren und vom Parlament nicht genehmigten Kosten – die schließlich wesentlich von den BürgerInnen dieses Landes zu tragen sind – nicht schweigen.

Es sind klare Belege dafür bekannt geworden, dass die Deutsche Bahn AG als Vertragspartnerin der Landesregierung wissentlich falsche Angaben zu den Kosten von Stuttgart 21 gemacht hat.
Dieselben Belege zeigen, dass die Vorgänger-Regierung über diese von der Bahn bewusst zu niedrig angegebenen Kosten informiert war, aber trotzdem Parlaments-Beschlüsse zum Projekt herbei geführt hat, die von falschen Kostenangaben ausgehen.
Hier stehen massive Rechtsbrüche gegenüber dem Land, seinem Parlament und seinen Bürgern im Raum. Ein Justizminister, der sein Amt ernst nimmt und Schaden vom Land abwenden will, darf dazu nicht schweigen.

Es ist zu befürchten, dass die Bahn den Südflügel abreißt, noch vor dem von der Landesregierung geplanten Volksentscheid über einen Ausstieg des Landes aus dem Projekt und damit eine solche Abstimmung teilweise gegenstandslos macht.
Es ist bekannt, dass für den Volksentscheid ein Drittel der Wahlberechtigten mit Ja stimmen müsste (also mehr  Wahlberechtigte als insgesamt die gegenwärtige Regierung gewählt haben), dass damit also die Änderung eines einfachen Gesetzes offenbar einer höheren Legitimität bedürfte als sie die ganze Regierung hat.
Hier wird die Demokratie beschädigt und eine Chance zum Frieden vertan. Ein Innenminister, der sein Amt ernst nimmt und Schaden vom Land abwenden – gar das Land zu einem „Leuchtturm demokratischer Beteiligung“ machen will –, darf dazu nicht schweigen.

Ich rufe deshalb die SPD-Minister dieser Landesregierung auf:

  • Bestehen Sie gegenüber dem Projekt„partner“ Deutsche Bahn AG auf einem unbedingten und vollständigen Bau- und Vergabestopp bis zur Klärung aller Finanz- und Risikofragen zu Stuttgart 21 – mindestens aber bis zum Volksentscheid (damit dieser überhaupt noch Sinn machen kann)!
  • Fordern Sie vom Projekt„partner“ Deutsche Bahn AG vollständige Akteneinsicht in alle Unterlagen zu Finanzierung und Baurisiken!
    (Es geht nicht an, dass der „Stern“ besser informiert ist als die Landesregierung.)
  • Lassen Sie alle rechtlich fragwürdigen Aspekte des Projekts schnellstmöglich von Gerichten überprüfen! (Es geht nicht an, dass sich das Land Baden-Württemberg an einem Bauprojekt beteiligt, das womöglich in Teilen illegal ist.)
  • Sollte die Bahn auf Ihre Forderungen nicht eingehen, kann sie für das Land Baden-Württemberg keine Partnerin zum Wohl
    des Landes
    mehr sein. Für das Land entfällt damit die Geschäftsgrundlage. Überweisen Sie unter diesen Umständen keinerlei Gelder an die Bahn (bzw. mit ausdrücklichem Rückzahlungsvorbehalt) und arbeiten Sie auf eine Kündigung der
    Verträge
    hin!
  • Schaffen Sie die rechtlichen Voraussetzungen dafür, dass sich die Landesregierung am tatsächlichen mehrheitlich geäußerten
    Willen der Bevölkerung orientiert
    und diesen nicht wegen eines undemokratischen Quorums übergeht!

Helfen Sie bitte zu verhindern, dass die SPD sich vollends unmöglich macht:

Versuchen Sie nicht, durch Wegtauchen der SPD in diesen Fragen, unbeschädigt zu bleiben! – Die WählerInnen wählen keine Partei ohne
erkennbares Profil.
Erliegen Sie nicht der Versuchung: Wer jetzt die CDU am besten schont, wird nach einem etwaigen Zerfall der Grün-Roten Koalition zum neuen Regierungs-Partner der CDU! – Sie verlieren so Ihre restliche Glaubwürdigkeit.
Setzen Sie nicht darauf, durch Zurückhaltung einen guten Eindruck bei der konservativen Wirtschaft zu machen und dadurch von dort Spenden zu bekommen! – Sie brauchen auch Wähler!

Dieses Schreiben geht auch an 38 Adressaten in sämtlichen regionalen Geschäftsstellen der Landes-SPD, sowie an einen breiten Presseverteiler.

Mit freundlichen Grüßen,
Martin Poguntke

unterstützt von: Friedrich Gehring und Gunther Leibbrand

Warum ich als Christ gegen Stuttgart 21 bin – Redebeitrag beim Frühstück am GWM

Warum ich gegen „Stuttgart 21“ bin
Mindestens 300 alte Großbäume mitten in unserer Feinstaub belasteten Stadt sollen abgeholzt werden, um einem Milliarden teuren, verkehrlich überflüssigen Tiefbahnhof sowie einem Immobilienprojekt Platz zu machen.
Warum eigentlich?
Antwort: „Weil es sich rechnet“ – für die großen Baukonzerne, für die Banken, für die Deutsche Bahn.
Das ist offenbar die wichtigste Frage im Leben geworden: Ob es sich rechnet?
Dem wird heutzutage alles untergeordnet: Menschen, Tiere, Pflanzen, Luft, Wasser, Erde.
Geld wird gewinnbringend vermarktet. Warum sollte man es auch zur Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse sozialer, pädagogischer, ökologischer Art nutzen, wenn man es doch zu noch mehr Geld machen kann?
Die Sozialpflichtigkeit des Eigentums steht nur noch im Grundgesetz (Art. 14,2), gleichsam wie ein vergessenes Relikt aus vergangenen Zeiten. Dass Kapitalinteressen auch sozialer Fürsorge und Verantwortlichkeit für die Schwächeren verpflichtet sind, dieser Grundsatz sozialer Marktwirtschaft ist in der Realität längst aufgegeben.
Die Ökonomie ist totalitär geworden. Alles beherrschend. Alternativlos.
Alles andere ist Nebensache geworden, Mittel zum Zweck. Lediglich Material, das gewinnbringend ausgebeutet werden kann.
Für dieses Denken steht „Stuttgart 21“ beispielhaft.

Warum ich als Christ gegen Stuttgart 21 bin
Weil die Bibel gegen eben dieses Denken und das daraus folgende Handeln Widerspruch einlegt.
Ihr Grundsatz von der ersten bis zur letzten Seite lautet: „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen“ – Psalm 24,1.
„The world is not for sale“ – die Erde: Bäume, Menschen, Tiere, Pflanzen, Wasser, Luft ist kein käuflicher Gegenstand, den man wie einen Fernseher billig produzieren oder einkaufen und teuer weiter verkaufen kann.
Die Erde kommt nicht aus der Fabrik , sondern von Gott. Sie ist Gottes Schöpfung, uns und all jenen, die nach uns kommen, anvertraut als Lebensraum. Ebenso den Tieren, den gleichfalls gesegneten Geschöpfen Gottes (1. Mose 1, 22).
Die Erde gehört Gott. Wir dürfen sie nutzen.  Und wie gehen wir mit der Erde um?
Dabei sind wir Menschen sind zu Treuhändern der Schöpfung Gottes berufen.

Warum ich mich für die Teilnahme an einer Blockadeaktion entschieden habe
Weil unsere sachlichen Argumente, Einwände und Vorschläge von den Betreibern nicht gehört werden.
Weil die „guten Argumente der Befürworter“ keinem anderen Zweck dienen, als jegliche Diskussion zu unterdrücken und sie obendrein rein propagandistischen Charakter zur Durchsetzung von Kapitalinteressen haben.
Weil „Stuttgart 21“ nicht alternativlos und unumkehrbar ist („There are thousends of alternatives“ anstelle „There is no alternative“!)
Weil „laisser – faire“ und sich raushalten für mich keine christlich zu verantwortenden Haltungen sind.
Weil ich persönlich überzeugt bin, dass Jesus recht hatte, als er sagte:
„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“!

Wolfgang Schiegg

Vaniloquus de deo pacis

Antwort an den Stuttgarter Stiftskirchenpfarrer Matthias Vosseler zu dem Artikel in der Stuttgarter Zeitung am 1.August 2011: http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.kombiloesung-fuer-stuttgart-21-geburtsort-liegt-im-zug-nach-schaffhausen-page1.fce14731-ad60-4e35-9f1b-a5c77849b1fe.html
Nach altbekanntem, in schlechten Predigten zu hörendem Schema:
Spannung – oder was der Prediger dafür hält – aufbauen, eher wohl aufbauschen („bewegender Tag“, „Herzschlag“, „mittendrin“), eine dramatische, aber unzutreffende Situationsbeschreibung geben („Krieg in Stuttgart“), schließlich wie das Vögelchen aus der Kuckucksuhr „Friede – ich bin dabei“ flöten. Das Ganze garniert mit besserwisserischen Appellen des scheinbar Unparteiischen, tatsächlich wohl Unberührten, an Bahn und Bündnis.
Wer ist denn – bitteschön – nicht für Frieden?
Sehr geehrter Kollege Vosseler,
es herrscht kein „Krieg in Stuttgart“. Solches Vokabular ist nicht nur angesichts der tatsächlichen Kriege im Mittleren Osten sowie der Befreiungsbewegungen in Nordafrika und im Vorderen Orient unangemessen.
Unangemessen, wenn Menschen – wie in Stuttgart – ein elementares Grundrecht in Anspruch nehmen. Und das friedlich!
Unangemessen angesichts von mehr als undurchsichtigen Machenschaften und offensichtlichen Lügen, bei denen es eben nicht „nur um einen Bahnhof“ geht, wie manche verharmlosend glauben machen wollen.
Unangemessen; denn schon im so genannten Schlichterspruch war von „gleichberechtigter Teilnahme von Bürgern aus der Zivilgesellschaft“ die Rede. Durch das bisherige Verfahren wurde dieser Anspruch nicht annähernd eingelöst.
Unangemessen, weil Ihr pseudoneutrales, bequemes „die einen – die anderen“-Geschaukel, das Sie schon früher – auch zynisch – zum Besten gegeben haben, der Situation in keiner Weise gerecht wird.
In der Kritik an S21 engagieren sich Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichster Provenienz ohne Eigennutz mit beachtlicher Sachkompetenz und sehr großem zeitlichem Aufwand.
Sie zitieren einen der für Sie „schönsten Verse der Bibel“ (Römer 15,33) mit dem Hinweis auf den „deus pacis“, den Gott des Friedens. Schön und gut, ist nie falsch! Aber soweit sind wir noch nicht.
Bis es dahin kommt, gilt das Wort des Propheten Jeremia: „Sie gieren alle, Klein und Groß, nach unrechtem Gewinn, und gehen mit Lüge um und heilen den Schaden meines Volks nur obenhin, indem sie sagen: »Friede! Friede!«, und ist doch nicht Friede. Sie werden mit Schande dastehen, … aber sie wollen sich nicht schämen und wissen nichts von Scham.“ (Jer.6,13f)
Spätestens seit den Ereignissen in Norwegen sollte davon Abstand genommen werden, vom „Frieden“ zu schwadronieren, aber „Krieg“ zu propagieren.
Karl Martell

Presseerklärung zum Frühstück am GWM

Am 29. 7. 2011 versammelten sich ab 5.30 Uhr etwa 130 Akteure, um dem Aufruf der Initiative „S 21 – Christen sagen nein“ zu folgen und zivilen Ungehorsam zu zeigen an der Einfahrt zum Grundwassermanagement für Stuttgart 21. Zwei Banner an der Einfahrt verkündeten das Ziel der Gruppe: „Schöpfung bewahren, nicht dem Mammon opfern“ und „S 21 verhindern, die Schöpfung bewahren“.

Blockade 29.07.11In kurzen Ansprachen wurde begründet, warum die versammelten Christen zu diesem Mittel der Sitzblockade greifen wollten. Als äußerer Anlass wurde genannt, dass die Gruppe „Ingenieure 22“ vor kurzem mit guten Gründen vor einer Verseuchung des Grundwassers mit jährlich etwa 33 Tonnen Eisen in Form von Rost gewarnt haben, weil entgegen den Auflagen der Planfeststellung Rohre ohne inneren Rostschutz verwendet würden, um 5-10 Mio. € zu sparen. Zudem habe die Bahn selbst eingestanden, wesentlich mehr Grundwasser entnehmen zu müssen als genehmigt. Deswegen stellten die Christen die Rechtmäßigkeit der Bauarbeiten in Frage.
Als grundsätzlicher Einwand gegen das Projekt Stuttgart 21 wurde angeführt, dass hier wie bei der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Bevölkerung vernachlässigt werde, um den Profit einiger weniger zu steigern. Die Ökonomie sei totalitär geworden, alles beherrschend, angeblich alternativlos.
Für Christen gelte aber: „Die Erde ist des Herrn“ (Ps 24,1). Deshalb sei die Schöpfung nicht „for sale“. Angesichts der zerstörerischen Profitgier, die von Jesus als „Mammon“ bezeichnet wird, könnten sich Christen auch im Blick auf Stuttgart 21 nicht heraushalten. Jesus stelle vor die Entscheidung: „Ich könnt nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen.“ (Mt 6,24) Die Christen wollten mit ihrer Aktion hier und jetzt zeigen: „Wir haben uns für Gott und seine Schöpfung entschieden.“

Eine Konfrontation mit Baufahrzeugen blieb aus, die zahlreich aufgetauchten Polizisten mussten nicht eingreifen. Schließlich wurde noch ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom Tage dankbar bejubelt, in dem Stuttgart 21 als das dümmste Großprojekt bezeichnet wird.

Friedrich Gehring

Kirche mit Weitblick

Die „Kirche mit Weitblick“  will die Aufgaben der Kirche und des Gottesdienstes in der Welt verstärkt voranbringen.
Viele Menschen, die hinter unserer Gemeinsamen Erklärung zu Stuttgart 21 stehen, unterstützen ebenso dieses Aktionsbündnis.
Ein Blick auf die Webseiten der „Kirche mit Weitblick“ lohnt sich:
http://kirchemitweitblick.de/

Frühstück der Christinnen und Christen gegen S21 am Grundwassermanagement

Freitag, 29. Juli 2011, ab 5:30 Uhr,
an der Einfahrt zum Grundwassermanagement, Straße Am Schlossgarten
(gegenüber Südflügel des Hauptbahnhofs).
Eingeladen sind alle Christinnen und Christen gegen S21

Dr. Geißlers Hokuspokus oder: So tun, als ob

Alle Welt starrt wie das Karnickel auf die Schlange auf den Stresstest und hofft und fürchtet. Warum tun wir uns das eigentlich an? Er ist eine Folge der von Heiner Geißler moderierten Gespräche. Niemand ist verpflichtet, sich seinem Ergebnis zu unterwerfen.
Es wird nur so getan, als ob von dem Stresstest irgendetwas abhinge.

1. Den ich rief, den Geißler, werd‘ ich nun nicht los!
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Keine Chance zur Mitsprache

Bürger, kritische Initiativen und Fachleute hatten bei Planungen und parlamentarischen Entscheidungen keine Chance zur Mitsprache oder Beteiligung.

Nicht nur an Stammtischen wird den Kritikern von S21 der Vorwurf gemacht, sie kämen mit ihrem Protest zu spät. Seit 1994 werde das Projekt geplant und öffentlich erörtert. Warum haben sie sich nicht früher zur Wort gemeldet und die Chancen des Einspruchs gegen das Vorhaben genutzt?
Dieser Vorwurf ist schlicht falsch und verkennt die Faktenlage. Weiterlesen