Archiv der Kategorie: # Allgemein

Einladung zum Himmelfahrtsgottesdienst, 9. Mai 2013, 11 Uhr Mittlerer Schlossgarten

An Himmelfahrt laden die „Theologinnen und Theologen gegen Stuttgart 21“
zu einem Gottesdienst ein unter dem Motto:
Oben bleiben!
Unser Widerstand bekommt Flügel

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Falke auf dem ehemaligen Bahndirektionsgebäude, April 2012
Foto: Petra Weiberg

Der Gottesdienst findet am 9. Mai, um 11 Uhr im Mittleren Schlossgarten, hinter dem Bauzaun nahe der Lusthaus-Ruine statt (dort, wo auch immer das Parkgebet ist).
Für die musikalische Gestaltung haben wir wieder die Bläser von „Parkblech“ und Elly Grünert am Keyboard gewinnen können, und die Ansprache hält Martin Poguntke.

Herzliche Einladung! Und weitersagen!

camS21 überträgt den Gottesdienst live unter: http://bit.ly/12fwCW9

Ein „Parkgebet“ findet an diesem Donnerstag nicht statt. Das nächste ist am 23. Mai, wie immer 18.15 Uhr.

„Schwabenstreich“ beim Hamburger Kirchentag

Wie angekündigt: kein Kirchentag ohne „Schwabenstreich“.
Alle, die mitmachen wollen, treffen sich jeden Tag vom 1. bis 4. Mai vor dem Hauptportal des Hamburger Hauptbahnhofs mit Pfeifen, Rasseln und sonstigem Lärmgerät.
Dort erschallt dann um 19.00 Uhr für eine Minute der „Schwabenstreich“.
Weitersagen!
(Wer den „Schwabenstreich“ nicht kennt: siehe Wikipedia!)

„Schwabenstreich“ auf dem Kirchentag

Die Verantwortlichen des Hamburger Kirchentags erhoffen sich einen Kirchentag, bei dem sie vom Thema „Stuttgart 21“ und vorallem von der Bürgerrechtsbewegung gegen den Irrsinn verschont bleiben, aber es müssen ja nicht alle Hoffnungen wahr werden. Darum, und um einen Weckruf laut werden zu lassen, wollen wir einen täglichen Schwabenstreich am Hamburger Hauptbahnhof während der Zeit des Kirchentages erschallen lassen. Wer dabei mitmachen möchte und das auch mit vorplanen will, sende bitte eine Mail mit Namen und Telefonnummer an folgende Adresse unserer Gruppe: theologinnen-gegen-s21@online.de

Brandschutz und Profitmaximierung

Leserbrief für die Backnanger Kreiszeitung
(Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel, Herrn Finanzminister Nils Schmid und Herrn Landesbischof Dr. Frank Otfried July zur Kenntnis gegeben)

Wer die Särge der Mutter und ihrer sieben Kinder in Backnang gesehen hat, muss fassungslos sein angesichts des politischen Streits um Rauchmelder, wenn der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke im Blick auf die Finanzierung der Kontrolle von Rauchwarnern von einem „bürokratischen Moloch“ spricht (Backnanger Kreiszeitung vom 12.3.2013, S. 5). Es erscheint ihm unzumutbar, z. B. Schornsteinfeger mit dieser Aufgabe zu betrauen, die ohnehin schon Feuerstätten regelmäßig kontrollieren müssen.
Hier zeigt sich die Klientelpolitik, die schon bei den Steuergeschenken an Hoteliers sichtbar war, in einer noch abscheulicheren Variante: Vermögende Investoren sollen ihre Profite maximieren dürfen, Menschenleben sind demgegenüber zu vernachlässigen. Es ist dieselbe Politik, die für das Projekt Stuttgart 21 kämpft, das ohne genehmigungsfähigen Brandschutz genehmigt wurde.
Selbst wenn dort der teuerste Brandschutz finanziert würde, wäre der Tiefbahnhof immer noch sehr viel gefährlicher als der oberirdische Kopfbahnhof. Aber dieser zweitpünktlichste Bahnhof Deutschlands muss weg, damit die Bahn den Spekulationsgewinn einfahren und Investoren auf diesem Gelände satte Profite scheffeln können.
Wenn eine Elektrolok brennt, kann sie schon oberirdisch sehr schwer gelöscht werden, wenn sie in einem Tiefbahnhof brennt, wird sie für die Fahrgäste zu einem tödlichen Inferno. Es bleibt zu hoffen, dass Nils Schmid noch an seine Backnanger Trauerrede denkt, wenn es das nächste Mal um den unsinnigen und brandgefährlichen Tiefbahnhof geht. Vor allem aber sollten die Wähler an die tödlichen Gefahren der schwarz-gelben Klientelpolitik denken, wenn sie im Herbst an die Wahlurnen treten.

Friedrich Gehring, Backnang

Offener Brief an Kanzlerin Merkel vom 14.2.2013

Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin,

Sie haben 2010 im Bundestag erklärt, an Stuttgart 21 entscheide sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 27.3.2011 sei die Volksabstimmung über dieses Projekt. Diese Wahl führte dazu, dass die grün-rote Landesregierung hinsichtlich des Projekts eine Kostendeckelung beschlossen hat, wodurch die Finanzierung von Stuttgart 21 nun für die Bahn zum Desaster wird. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Weitsicht im Blick auf den Volksentscheid gegen Stuttgart 21 bei der Landtagswahl 2011 und ermutige Sie gleichzeitig, den Volksentscheid nun auch anzuerkennen und den Ausstieg aus diesem Projekt durchzusetzen.

Sie haben wiederholt die „schwäbische Hausfrau“ zum Paradigma der Finanzpolitik erklärt. Sie sind in dieser Hinsicht nur dann konsequent und glaubwürdig, wenn Sie nun auch insofern ernst machen mit dem Erweis der Zukunftsfähigkeit Deutschlands am Projekt Stuttgart 21 , dass dieses Großprojekt doch noch auch regierungsamtlich auf seine Rentabilität und volkswirtschaftliche Sinnhaftigkeit hin durchgerechnet werden muss, nachdem bereits seit langem die Unwirtschaftlichkeit und Unsinnigkeit dieses Projekts öffentlich gemacht worden ist. Von der „schwäbsichen Hausfrau“ lernen heißt rechnen lernen.

Mit freundlichen Grüßen

Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Rosenstein in Gefahr

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Ob Befürworter oder Gegner von Stuttgart 21 – jedem aufmerksamen Beobachter ist klar, dass die von der Bahn offenbar noch für diesen Winter geplanten „Baumarbeiten“ im Rosensteinpark nichts mit dem Baufortschritt zu tun haben, sondern einzig dazu dienen, das wieder einmal auf der Kippe stehende Projekt zu stabilisieren. Fakten schaffen, Fakten schaffen, Fakten schaffen – das sind ja die drei wichtigsten Ziele der Bahn seit der Volksabstimmung.
Eine Kirchenleitung, die sich ihrer Verantwortung nicht entzieht, sondern versucht, „einen Konflikt zu entdramatisieren“ (siehe July-Interview), sollte jetzt mit Bahn und Finanzministerium Gespräche aufnehmen mit dem Ziel eines  Moratoriums für den Rosensteinpark.

Hier geht’s zur Petition
Nils Schmid – Bitte unterschreiben Sie den Gestattungsvertrag zur Abholzung des Rosensteinparks nicht

Termine im Dezember

Buchvorstellung
Beiträge zu einer christlichen Protestkultur
am Beispiel von Stuttgart 21

Vorstellung mit Lesungen
Montag, 17. 12. 2012, 20 Uhr
Kulturzentrum Merlin, Stuttgart-West, Augustenstr. 72
Christen Sagen Nein - Umschlag

 

 

 

 

Weihnachtsgottesdienst am 26. Dezember 2012, 11 Uhr
im Schlossgarten (Nähe Lusthausruine)
Es laden ein:  S21 – Christen sagen Nein

Landesbischof July zu S21: Die Kirche sollte sich nicht in jeden tagesaktuellen Diskurs einmischen

… war es mir immer wichtig zu sagen, der Streit muss mit sachlichen Argumenten geführt werden. …

Die Bibel sollte also außen vor bleiben.
Genau. Viele gesellschaftliche Fragen haben mit theologischen Standpunkten zu tun, die Bibel gibt Orientierungswissen. Der Bau eines Bahnhofs hat erst einmal mit Kosten-, Technik- und Planungsfragen zu tun. …

Was hat der Konflikt mit der Landeskirche gemacht? Es gab viele Austritte und Proteste wegen des Engagements einzelner Pfarrer.
Es gibt auch bei anderen gesellschaftlichen Konflikten Menschen, die sagen, ich verstehe die Kirche nicht und trete aus, aber das sind Einzelfälle. Wir sind nicht erpressbar. Mein erster Bischofsbericht im Jahr 2005 war überschrieben mit der These, Religion ist mehr als Privatsache, und dazu stehe ich auch heute. Das bedeutet aber nicht, dass sich die Kirche in jeden tagesaktuellen Diskurs einmischen sollte.

Wir haben uns unserer Verantwortung nicht entzogen, sondern versucht, einen Konflikt zu entdramatisieren. Theologen dürfen in bestimmten Situationen nicht noch mehr Öl ins Feuer gießen. …

Eine Anmerkung des Administrators sei erlaubt:
Müsste es nicht besser heißen:  … einen Konflikt zu bagatellisieren ??

Lesen Sie hier das ganze Interview mit dem evangelischen Landesbischof Frank Otfried July

Einladung zum Protest-Wochenende 29./30. September

Wasser-Gottesdienst am Sonntag, 23.9.2012, 11 Uhr

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Herzliche Einladung zu diesem Gottesdienst zum Abschluss der
„Cannstatter Wassertage“

Liturgie:
TheologInnen und Theologen der Initiative „TheologInnen gegen S21“

Predigt:  Pfarrer i.R. Friedrich Gehring
„…die lebendige Quelle verlassen sie und machen sich Zisternen,
die doch rissig sind
und kein Wasser geben.“ (Prophet Jeremia 2,13)

Musikalische Gestaltung:
Bläsergruppe „Parkblech“
Elly Grünert (Orgel)

Wo?
auf der Neckaraue in Bad Cannstatt
(zwischen Wilhelmsbrücke und Mühlsteg, Nähe „Theaterschiff“)

Am besten zu erreichen von Haltestellen:
„Rosensteinbrücke“ (U13/U14): 6 Min. oder
„Bad Cannstatt“ (U1/U2/S1/S2/S3): 13 Min.

oder mit Auto: Parkhaus Mühlgrün: Überkinger/Brunnenstr.

Bericht von der Lieblingsdemo der Berliner Polizei

4 000 Demonstrationen soll es durchschnittlich jedes Jahr in Berlin geben, wobei eine der kleineren, aber nicht unbedeutenden, nämlich der wöchentliche Schwabenstreich rund 50 mal im Jahr zu dieser Zahl seinen Teil beiträgt.

In diesem Sommersemester 2012 bin ich auch dabei gewesen und verstärkte ein wenig die eher überschaubare Zahl von wöchentlich 5-10 Demonstrantinnen und Demonstranten auf dem Potsdamer Platz, direkt vor dem Hauptverwaltungsgebäude der „Deutschen Bahn“.
„Wir legen dem Grube den Protest direkt vor die Haustür!“- so die Meinung beim Schwabenstreich am 20. Juni, als wir im strömenden Regen zum “ Oben bleiben“ aufriefen“ und mit Trillerpfeifen den Protest gegen das unsinnige Bahnprojekt „Stuttgart 21“ zum Ausdruck brachten.

Ich war als Gast bei der Berliner Gruppe dabei, da ich in diesem Sommersemester zum Zweck der Fortbildung an der Humboldt-Universität Vorlesungen hörte. Daher hatte ich mich bei meiner Gruppe in Stuttgart, den „Pfarrerinnen und Pfarrern gegen Stuttgart 21“, beurlaubt und für diese Zeit der Berliner Schwabenstreich-Gruppe angeschlossen.

Hier in Berlin wird ganz deutlich, dass das Projekt „Stuttgart 21“ nicht isoliert zu sehen ist: Die Berliner S-Bahn kommt aus ihrer Dauerkrise nicht heraus, in die sie wegen der unverantwortlichen Politik der Bahn hineingeraten ist. Für die den notwendigen Erhalt und Ausbau des Nahverkehrs hat die „Deutsche Bahn“ kein Geld, schließlich wollen ja unsinnige Großprojekte finanziert sein und der Nahverkehr nutzt nur dem eher finanzschwachen Teil der Bevölkerung, der auf dieses Verkehrsmittel angewiesen ist und keine Alternativen dazu hat, egal wie schlecht die S-Bahn gewartet wird. Skandalös ist auch die sich ständig weiter nach hinten verschiebende Eröffnung des neuen Berliner Großflughafens. Es ist ein unglaubliches Desaster, bei dem das Volk wieder und wieder hinters Licht geführt wurde und immer noch wird. Dies gibt einen Vorgeschmack davon, wie es wäre, wenn eine solche Baukatastrophe sich nicht draußen auf der grünen Wiese vor der Stadt, sondern mitten in der Stadt Stuttgart ereignen sollte – und das es solche Katastrophen geben wird, wird keiner mehr ernsthaft abstreiten wollen, der bei nüchternem Verstand die derzeitigen Großbauvorhaben in unserm Land verfolgt.
Es ist auffällig, wie in den Vorlesungen und in den persönlichen Gesprächen die Proteste gegen „Stuttgart 21“ in Berlin eine Rolle spielen. Dieser Widerstand ist nach wie vor ein Hoffnungszeichen, dass das Volk mündig ist und bei seinen Angelegenheiten mitreden will und muss. Daher ist auch die Berliner Gruppe nach wie vor hoch motiviert, an ihrem Protest festzuhalten direkt vor der „Höhle des Löwen“ bzw. diesem Monumentalbau, von dem aus die Bahn verwaltet wird.
Übrigens:  Mitdemonstrierende sind immer herzlich willkommen. Berlin ist mehr als nur eine Reise wert und wer hier zwischendurch aus welchem Grund auch immer ist, kann gerne beim Schwabenstreich mitmachen: mittwochs, 19.00 Uhr am Potsdamer Platz.
Michael Harr

P.S.:  Jetzt hätte ich fast noch vergessen, warum der Schwabenstreich die „Lieblingsdemo der Berliner Polizei“ ist: Nicht bei allen 4 000 Demonstrationen in dieser Stadt geht es so ruhig und friedlich und gewaltfrei zu, wie es für den Schwabenstreich selbstverständlich ist. Klar, da geht man als Polizeibeamter gerne hin, zumal es nun wirklich keine schwere Arbeit ist, wie am 20. Juni als Besatzung von zwei Polizeifahrzeugen im Trockenen sitzend 6 Leuten beim Demonstrieren im Dauerregen zuzugucken.

Rust (SPD): „Der Schlossgarten steht als ein Kulturdenkmal ersten Ranges … unter Denkmalschutz“

„Die historischen Gestaltungselemente im Schlossgarten entsprechen einer Konzeption und sind daher nicht durch andere … Einrichtungen erweiterbar.“ Abgesehen von Tiefbahnhoftrögen natürlich.
Wer es nicht glaubt, dass diese Realsatire ernst gemeint ist:
Hier das vollständige Schreiben des Staatssekretärs an die Initiatoren von „Unser Pavillon“
.

www.unser-pavillon.de

Quelle:  SPD-Mitglieder gegen S21

Rockenbauch: „… empfinde ich es als kriminell, wenn man sich an der Nahrungsmittelspekulation beteiligt“

Hannes Rockenbauch hat einen Brief an die Beschäftigten der LBBW geschrieben, in dem er seine Aussage erläutert, die
LBBW sei eine „kriminelle Vereinigung“.
Hier geht’s zu diesem lesenswerten Text


Ein Wort an die Kommentatorinnen und Kommentatoren dieses Blogs

– insbesondere an Herrn „L. L.“ :  Aus gegebenem Anlass sei noch einmal darauf hingewiesen, dass Kommentare ohne gültige E-mail-Adresse grundsätzlich nicht freigeschaltet werden.
Mit gültiger E-mail-Adresse erhalten Sie zumindest eine Nachricht, wenn  ein Kommentar nicht den Kriterien unter “Wer wir sind” entspricht.
Grüße vom Administrator

Online-Petition: Behindertenbeauftragte und Behinderten(bei)räte …

Hier geht’s zur Petition

Zwei übersehene Statements

Obwohl die Volksabstimmung über das Ausstiegsgesetz schon einige Monate zurückliegt, ist sie für viele in der Bürgerbewegung gegen S21 noch immer ein Trauma.
Die Stellungnahmen von  zwei Urgesteinen des Widerstandes, Conradi und Stocker, sind also nach wie vor aktuell;  da ihnen leider  wenig Aufmerksamkeit geschenkt wurde, soll hier darauf hin gewiesen und ihre Lektüre empfohlen werden:

Peter Conradi:  Oben bleiben
Gangolf Stocker:  Nach der Volksabstimmung: Was tun?

Keine Bild in meinem Briefkasten !

Kampagne: Alle gegen BildUm  Stuttgart 21 hat sich die BILD-Zeitung bekanntlich ganz besonders „verdient“ gemacht.

Volker Pispers: Grüne wollen oben bleiben … – Kleinkunstpreis 2012 Mainz

Trauergottesdienst am 10. März 2012 im Schlossgarten

CamS21 hat den Gottesdienst mitgeschnitten. Hier sind die drei Links:

Gottesdienst, Teil 1 (erste 43 Minuten)
Gottesdienst, Teil 2 (Austeilung Samenkörner – Fürbitten)
Gottesdienst, Teil 3 (Schlussteil)

Trauergottesdienst am 10. März 2012 im Schlossgarten – die Predigt

die Ansprache als pdf-Datei

Liebe Mittrauernden!

Es mag sein, wir gewinnen den Streit, wie wir eben gesungen haben. Aber das fällt uns heute schwer zu glauben.
Wir stehen hier am Rande der Brache und suchen immer noch nach Worten, weil wir es einfach nicht fassen können. Wir sehen um uns, und hinter diesem hässlichen Zaun erstreckt sich eine noch ungleich hässlichere Fläche, Ödland, eine Mondlandschaft. Was haben sie aus unserem Park gemacht?!

Bis zum Schluss hatten wir gehofft. Gehofft, es gebe terminliche Probleme – wegen der Vegetationsperiode oder wegen der bundesweiten Polizeieinheiten. Gehofft, es gebe politischen Druck auf die Bahn, der sie hindern würde – zumal sie ja ohnehin noch nicht graben kann hier. Gehofft, die Schlichtervereinbarung, dass die gesunden Bäume verpflanzt werden müssten, würde das Elend aufhalten. Gehofft, gehofft, gehofft.

Gehofft auf Menschen, auf die Regierung, auf das Glück, auf Gott. Alles vergeblich!

In der Nacht vom 14. auf den 15. Februar haben wir uns hier im Park zu mehreren Tausend denen entgegen gestellt, die den Park frei machen sollten, damit die Bahn ihr Zerstörungswerk beginnen kann. Aber sie haben sich durch uns nicht hindern lassen. Schon am nächsten Tag haben sie einen unvorstellbaren Kahlschlag angerichtet. Und wir waren zum Zuschauen verdammt. Schweigend oder schreiend, weinend oder diskutierend immer neu unsere guten Argumente austauschend mussten wir mit ansehen, wie uns und den vielen hier lebenden Tieren Baum um Baum dieser wichtige Teil des Schlossgartens genommen wurde.

Und heute stehen wir nun hier und wissen nicht, wohin mit unseren Gefühlen und Gedanken. Wut und Enttäuschung, über die Politik und über uns selbst, empörte Anklagen, stille Trauer.

Wir hatten sie unterschätzt, die Mächte, die dieses Wahnsinnsprojekt wollen. Wir hatten es uns nicht wirklich vorstellen können, dass sie diese wunderbaren Bäume und ihre tierischen Bewohner auf dem Altar des Neoliberalismus opfern würden und auf dem Altar der Staatsräson, die klar stellen musste, dass man sich der Wirtschaft nicht in den Weg stellen darf. Auch deshalb musste aus ihrer Sicht unser Widerstand unbedingt gebrochen werden – selbst wenn dieses Projekt gar nicht zu Ende gebaut werden kann, wie viele Fachleute fest annehmen.

Es hat unsere Vorstellungskraft gesprengt, dass sie diese Brutalität wirklich begehen würden. Und es sprengt unsere Vorstellungskraft, dass wir ihnen das jemals verzeihen könnten. – Aber uns selbst sollten wir es verzeihen. Bloß wie?

Natürlich fragt in dieser Situation manch einer nach Gott? Wer wollte uns das verübeln, wenn wir angesichts dieses Elends heute fragen, wo da Gott ist? Dass Menschen uns enttäuschen, ja, wir selbst, das mag noch angehen. Aber Gott?! Müsste der nicht dreinschlagen? – Wenn es ihn denn gäbe!

Und da mutet uns der Apostel Paulus mit dem einen Satz, der dieses Jahr zur Jahreslosung geworden ist, zu, dass wir unser Bild von Gott auf den Kopf stellen, indem Paulus Jesus sagen lässt: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ – Dieses kleine Sätzchen über die göttliche Kraft stellt die Welt auf den Kopf: Es wirft unsere kindliche Vorstellung von dem Gott, der unberührbar mächtig über den Dingen steht, über den Haufen. Genauso wie unsere gesellschaftliche Erfahrung, dass die Wirtschaftsmächtigen und Kriegstreiber und Rambos sich eben doch immer durchsetzen.

Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Das ist eine Zumutung, weil uns mit einem Schlag die Hoffnungen aus der Hand geschlagen werden, wir bräuchten nur eine genügend starke Regierung, müssten uns nur mit den Mächtigen verbinden, müssten nur recht große Mehrheiten hinter uns versammeln – dann würde es schon voran gehen mit der Welt.

Stattdessen mutet uns dieser Satz zu: Das, was diese Welt im Innersten zusammenhält, das, was die Quelle aller Kräfte und Mächte der Welt und der Natur ist – Gott – dieser Gott wirkt nicht auf die Weise der Despoten und Herrscher, sondern durch die Schwachen. Nicht von oben, sondern von unten. Nicht mit Gewalt, sondern in der Weise der Graswurzeln, unter der Erde, unsichtbar, scheinbar vernachlässigbar, verlacht von den Wichtigen, übersehen von den Erfolgreichen. In den Schwachen liegt die Verheißung, dass die Welt durch sie zu einem guten Ziel gelangt.

Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Paulus mutet uns mit diesem Satz zu, unsere Hoffnungen nicht auf einen Gott zu setzen, in den wir unsere Machtphantasien projizieren können, nicht in einen Gott, den wir als ins Positive gewendeten Herrscher sehen, den wir aus der Überhöhung unserer – von Ohnmacht geprägten – Alltagserfahrung gewinnen. Sondern wir sollen diese Gewalterfahrungen unseres Alltags auf den Kopf stellen, als Protest gegen die Welt, wie sie ist. So entsteht ein Gottesbild, das ein Gegenbild unserer Gesellschaft ist.

Diese Zumutung, dass wir uns das Gelingen der Welt nicht von den Starken erhoffen sollen, nicht von unserer Wirtschaftsstärke, nicht von eindrucksvollen politischen Parteien, nicht von denen, die so gekonnt mit den Mächtigen verkehren – diese Zumutung ist auch eine wunderbare Verheißung: Was eure scheinbare Schwäche ist, dass ihr die Mächtigen nicht auf eurer Seite habt, das ist in Wahrheit eure Stärke: Denn so, wie wir Christen Gott glauben, verändert er die Welt durch die Macht der Ohnmächtigen, durch den Kampf der Friedliebenden, durch den Druck der Gewaltlosen durch den Reichtum der Habenichtse.

Und diese Zumutung und Verheißung – sie ist auch eine Verpflichtung: Seht euch vor vor denen, die mit den Mächtigen kungeln! Werdet nicht wie sie! Glaubt nicht ihren Versprechungen! Erhofft euch nicht von ihnen die Lösung der wichtigen Fragen, gar die Heilung der Welt! Sondern setzt euch ein für die Opfer der Gesellschaft, für die Menschen, die unter die Räder kommen, für die Natur, die unterworfen wird – indem wir uns auf diese Weise auf der Seite der Schwachen engagieren, gilt auch für uns diese Verheißung, dass Gott durch die Schwachen mächtig ist.

Und wenn da irre geleitete hochmütige Menschen rufen: „Wir sind die Guten.“ Dann antworten wir nicht(!): „Nein, wir(!) sind die Guten!“ Denn Gottes Kraft ist nicht in uns mächtig, weil wir die besseren Menschen wären, moralisch stärker, überlegene Strategen oder weil wir gar die Mehrheit hinter uns hätten. Sondern Gottes Kraft ist in uns mächtig – so glauben’s wir Christen – gerade, weil wir nicht annähernd so sind, wie wir sein sollten. Weil wir unseren eigenen Ansprüchen nicht gerecht werden, weil wir ängstlicher sind als es uns recht ist, weil wir unserer eigenen Überzeugungen nicht sicher sind, weil wir selbst enttäuschend sind, weil wir ganz durchschnittliche schwache Menschen sind, die natürlich den Park nicht schützen konnten.

Aus all diesen Gründen gilt für uns die Verheißung: In euch Schwachen ist Gottes Kraft mächtig, gerade weil ihr nicht auf euch selbst und auf Macht vertraut, sondern weil ihr erstens auf Machtmittel verzichtet und zweitens euch auf die Seite der Ohnmächtigen stellt, der machtlosen Menschen und der machtlosen Natur – deshalb könnt ihr die Hoffnung nähren, dass genau durch euch eine ganz besondere Kraft wirkt. Die Kraft nämlich, die aus einem einzelnen Samenkorn einen mächtigen Baum wachsen lässt. Die Kraft nämlich, die aus unterschätzten Hausfrauen und resignierten Couch-Potatoes wache Menschen macht, mit ungeahnt widerständigem Mut. Die Kraft, die aus 4 Leuten auf der ersten Montagsdemo zig Tausende macht. Die Kraft, die wirtschafthörige Regierungen zu Fall bringt und die auch den Opportunismus der Nachfolger zu Fall bringen kann.

Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig. Diese Überzeugung birgt die lebendige Hoffnung, dass sich die Siege der Mächtigen eines Tages gegen sie selbst wenden werden. Dass die Niedergeschlagenen aufgerichtet werden. Dass die vermeintlich so zukunftsorientierte Mehrheit das Nachsehen hat. Dass sich die Siege der Geldgläubigen eines Tages umkehren werden in ihre große Niederlage.

Wir brauchen nicht an uns selbst zu zweifeln oder gar zu ver-zweifeln, denn unsere Trauer über die verlorenen Bäume und Tiere – das glaube ich fest – sie ist eine Kraftquelle, mit der die Übeltäter nicht gerechnet hatten. Die (wirkliche und vermeintliche) Schwäche unserer Trauer ist es – das glaube ich fest – aus der wir eine Kraft gewinnen werden, die Wirkung hat, weit über das Projekt Stuttgart 21 hinaus.

Und deshalb: Lasst uns heute unsere Trauer nicht wegschieben, nicht verleugnen, nicht verdrängen. Sondern lasst uns gemeinsam traurig sein, weil unsere heutige Trauer wie ein Samenkorn die Kraft in sich trägt, von der Paulus sagt, sie sei Gottes Kraft. In unserer Trauer wirkt die Kraft, die die Bäume hat wachsen lassen, von denen wir hier nur noch die Stümpfe sehen. Die Bäume und Tiere sind weg. Aber die Kraft in ihnen und hinter ihnen – das glaube ich fest – die werden sie nicht totkriegen, denn es ist die Kraft, von der die ganze Welt herkommt, die Kraft, die diese Welt zusammen und am Leben hält, die Kraft, die dieser Welt Zukunft gibt – es ist Gottes Kraft in unserer Trauer – die Kraft, die in den Schwachen mächtig ist.

Amen.

(Martin Poguntke)

Trauergottesdienst am 10. März 2012 im Schlossgarten – die Texte

Begrüßung (Friedrich Gehring)
Liebe Freundinnen und Freunde des Schlossgartens, ich begrüße Sie und achte Ihren Mut, hierher zu kommen und öffentlich zu trauern um die gefällten Bäume. Es braucht Mut, sich in diesen Tagen als Parkschützerinnen und Parkschützer nicht verschämt zu verkriechen. Allerhand Häme klingt noch in unseren Ohren. Mit unserer öffentlichen Trauer wollen wir zusammenstehen und uns gegenseitig Halt geben, und wir wollen zeigen, dass nicht wir, sondern die Täter sich schämen müssen.

In diesen Tagen der Zerstörung ist bekannt geworden, dass wir während des Parkgebets observiert werden; sogar der Gefahrenstufe 5 werden wir zugeordnet. Welch ein Widerspruch: Während wir uns als ohnmächtig erfahren, wirken wir auf andere eher bedrohlich!

Wir wollen in dieser Situation auf die Jahreslosung hören, die genau von diesem Widerspruch handelt. In ihr spricht Paulus von der Zusage Gottes an ihn: „Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. In der Verheißung und Zumutung dieses Wortes wollen auch wir heute Trost und neuen Mut suchen und beginnen unseren Gottesdienst im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen

Zumutungen (Dorothea Ziesenhenne-Harr)
Nein, nein, das kann nicht sein!!!
Ich bin empört, zutiefst empört!!
Mein Blut erhebt sich.
Wie ist das möglich???
„Frevel, Schandtat!“ schreie ich laut, mit all meiner Kraft.
„Ihr Barbaren, Baummörder, Vandalen, ihr machtgeilen Nichtse!!!“
Meine Schreie gellen über die Brache. Da, wo vorher der Park war.
Die prachtvollen Bäume. Das erholsame Grün der Wiesen.
Jetzt ist dort die wunderbare, atmende, schützende Hülle der Erde weggerissen. Eine klaffende Wunde.

BRACHE.
In meiner Kehle drängen Flüche. Flüche, die die Täter treffen und vernichten sollen. So, wie sie das Leben im Park vernichtet haben. Mein Fluch soll sie treffen bis ins 4. und 5.Glied. So, wie dieser Park über Jahrzehnte, Jahrhunderte zerstört ist.

HALT! Halt ein! Halt inne!
Besinne dich!
Eine innere Stimme eindringlich.
Ich atme tief durch, mehrmals, langsam.
Die Flüche lösen sich auf.
Mein Blut: voller Sauerstoff à lebendig, pulsierend.
Ich wende mich an dich, Gott: Was mutest du mir zu?!

WAS FÜR EINE ZUMUTUNG!!! Diese Barbarei mit ansehen zu müssen.
WAS FÜR EINE ZUMUTUNG: der Zerstörung, dem Tod die Hoffnung und den Glauben auf neues Leben entgegen zu setzen.
WAS FÜR EINE ZUMUTUNG: die Gewalt mit Liebe zu überwinden.
WAS FÜR EINE ZUMUTUNG: dem Gegner die Hand der Vergebung zu reichen.
WAS FÜR EINE ZUMUTUNG: im Kampf Frieden zu leben.
Was  mutest du mir/ uns zu, Gott? Wie soll ich, wie sollen wir das aushalten?
Woher die Kraft nehmen zur Liebe und Versöhnung?
Gott, du mutest uns etwas zu. Du ermutigst uns, auf dem Weg des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung zu bleiben.
So, wie du es dir selbst, in Jesus Christus, zugemutet hast. Du bist der Botschaft der Liebe treu geblieben. Du hast mit deiner Liebe den Tod/ die Vernichtung überwunden. Bei dir ist die Zerstörung, der Tod nicht das letzte Wort.
Du mutest uns zu, dir darin zu vertrauen und dir zu folgen.
Das fällt mir nicht leicht und doch spüre ich, weiß ich tief in mir: das ist der Weg.

Danke, dass du mir/ uns dabei zur Seite stehst. Dass deine Kraft in den Schwachen mächtig ist.
Danke, dass wir immer wieder erleben dürfen: Vergebung, Versöhnung getragen von der Liebe ist die größte Macht in unserer Welt. Sie ist die Antwort auf Gewalt, die ist es, die Gewalt wirklich überwindet.
Gott, mit dir zusammen und in der Gemeinschaft von uns Menschen finden wir diese Kraft. Denn du hast uns zugesagt: wo zwei oder drei versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.

Ich schaue mich um. Ich spüre die Nähe der Menschen, der Gemeinschaft. Wir sind zusammengerückt in dieser Zeit, in unserer Fassungslosigkeit, unserer Trauer.
Gemeinsam stellen wir uns der Zumutung. Von der Zuversicht getragen, dass Gott mit uns trauert und mit uns hofft. So kann die Liebe kraftvoll in uns Raum gewinnen.
Die Liebe, die alles überwindet und mächtiger ist als der Tod.
Mein Körper richtet sich auf. Ich bin da und mit mir die Erinnerung an die Bäume, den Park. Ich bleibe da und spüre ein Stück weit die Kraft der Bäume in mir. Ich nehme ihre aufrechte Haltung, ihre starken Wurzeln wahr und bleibe dankbare Zeugin ihres Lebens.

Eingangsgebet (Eberhard Dietrich, Wolfgang Schiegg)
Gott, wir sind zusammengekommen, um uns unserem Schmerz zu stellen. Gemeinsam treten wir vor dich: sei in unserer Mitte, trage mit uns unsere Trauer, teile mit uns unsere Tränen.
Wir wollen glauben, dass du mitten unter uns bist; hilf unserem Unglauben.
Während wir am Ort der Zerstörung stehen, können wir die Wut über diese Schandtat spüren. Und unsere große Traurigkeit, dass wir unseren Park, die Bäume nicht schützen können. Manchen kommt es vielleicht wie eine Niederlage vor. Als hätten wir versagt.
Dabei waren wir da, viele sogar Tag und Nacht. Mit unserer ganzen Kraft haben wir uns gegen die Zerstörung gestemmt. Und nun  müssen wir erkennen und uns der Gegenwart stellen:
wir haben einen uns so wertvollen Teil des Parks, die Bäume in ihrer wunderbaren Pracht verloren.
Gott, vor dir und in der Gemeinschaft wollen wir heute unserer Trauer Ausdruck geben.
Wir bitten dich: sprich jetzt zu uns und schenke uns Trost und Halt bei dir. Amen

Stilles Gebet:
In der Stille kann jetzt jede/r das vor Gott bringen, was persönlich gesagt sein will:

Stille…

Gott, du sagst uns zu, dass du unsere Gebet hörst. Darauf vertrauen wir. Amen

Psalm 10,1 ff
Warum, Herr, bist du so fern, warum verbirgst du dich in Zeiten der Not?
Hochmütige Menschen, die Gott ablehnen, verfolgen die Wehrlosen und bringen sie durch ihre Intrigen zu Fall.
Diese Gottlosen prahlen auch noch damit, dass ihre Gier keine Grenzen kennt.1 In ihrer Habsucht verspotten sie den Herrn und verachten ihn.
Stolz behaupten sie: »Gott kümmert sich sowieso nicht um das, was wir tun! Es gibt ja gar keinen Gott!« Weiter reichen ihre Gedanken nicht.
Sie reden sich ein: »Uns bringt nichts zu Fall, kein Unglück wird uns jemals treffen, auch nicht in künftigen Generationen.«
Wenn sie fluchen, betrügen und erpressen, sind sie um Worte nicht verlegen; was sie von sich geben, bringt anderen Unheil und Schaden.
Steh auf, Herr! Gott, erhebe deine ´mächtige` Hand! Vergiss die nicht, die erlittenes Unrecht geduldig ertragen!
Warum dürfen diese Gottlosen Gott verachten und sich einreden, dass du dich sowieso um nichts kümmerst?
Du hast doch alles genau gesehen! Du achtest doch darauf, ob jemand Not leidet oder Kummer hat, und nimmst das Schicksal dieser Menschen in deine Hände! Die Armen und die Verwaisten dürfen dir ihre Anliegen anvertrauen, denn du bist ihr Helfer.

Klage und Dank (Guntrun Müller-Enßlin)
Bei der nun folgenden Klage um die Zerstörung von Gottes Schöpfung mitten in unserer Stadt bitte ich Sie und Euch nach jeder Klage einzustimmen in den Gebetsruf:
Unser Gott, wir klagen und bitten Dich um Dein Erbarmen.

Unser Gott,
wir trauern um unsere Freunde, die Bäume und alle lebende Kreatur, die mit ihnen zu Schaden gekommen ist.
Um die Kastanien mit ihrem wundervoll duftenden Laub, den feierlichen Kerzen und  glänzenden Früchten.
Unser Gott, wir klagen und bitten Dich um Dein Erbarmen.

Um die Platanen trauern wir mit ihren gefleckten Stämmen und den mächtigen Kronen, mit denen sie dem Himmel näher waren als alle anderen Bäume.
Unser Gott, wir klagen und bitten Dich um Dein Erbarmen.

Um die große Säuleneiche mit ihrer charakteristischen Y-Form trauern wir und um ihre jüngeren Geschwister.
Unser Gott, wir klagen und bitten Dich um Dein Erbarmen.

Um die Silberpappeln mit ihrem flirrenden Laub trauern wir und um die Akazien mit ihren weißen Blütenschleiern und dem betäubenden Duft.
Unser Gott, wir klagen und bitten Dich um Dein Erbarmen.

Um die Buchen trauern wir, deren hellgrüne Blätter im Frühling manchmal den Eindruck machten, es sei Licht in sie hinein gewirkt.
Unser Gott, wir klagen und bitten Dich um Dein Erbarmen.

Um die Blutbuche, die Königin des Parks trauern wir, deren Laub im Abendsonnenlicht schimmerte wie dunkle Schokolade.
Unser Gott, wir klagen und bitten Dich um Dein Erbarmen.

Und jeder kann jetzt hier in Gedanken seinen Baum hinzufügen, der ihm besonders lieb gewesen ist.

Stille ….

Unser Gott, wir klagen und bitten Dich um Dein Erbarmen.

Wenn wir uns  nun verabschieden von diesem Stück zerstörter Schöpfung in unserer Stadt, bitte ich Sie einzustimmen in den Gebetsruf:
Unser Gott, wir danken dir und vertrauen deiner großen Güte.

Wir nehmen Abschied von unseren Bäumen und sagen Danke für alles, was sie für uns waren und uns Gutes getan haben.
Für Schatten und Kühle, die sie uns und unseren Vorfahren an heißen Tagen gespendet haben.
Unser Gott, wir danken dir und vertrauen deiner großen Güte.

Für den Sauerstoff, den sie für uns Stadtbewohner aus der stickigen, staubigen Großstadtluft herausgefiltert haben, damit wir atmen konnten.
Unser Gott, wir danken dir und vertrauen deiner großen Güte.

Für Heimstatt und Speicher- und Rastplatz, den sie jahrhundertelang unzähligen Tieren geboten haben, den Vögeln, den Eichhörnchen, Siebenschläfern, den Käfern und Insekten.
Unser Gott, wir danken dir und vertrauen deiner großen Güte.

Für die Ruhe und den Rückzugsraum, den sie uns Menschen geschenkt haben im Trubel und der Hektik unserer Stadt.
Unser Gott, wir danken dir und vertrauen deiner großen Güte.

Für die Schönheit, in der unsere Bäume alle zusammen Parkoase für uns waren, wo wir uns mitten in Stuttgart treffen und erholen, nachdenken, diskutieren, spielen, Sport treiben, essen und trinken, Feste feiern und beten konnten.
Unser Gott, wir danken dir und vertrauen deiner großen Güte.

Und noch einmal eine kurze Pause, in der sich jede und jeder von Euch in der Stille für das bedanken kann, was er von den Bäumen Gutes erfahren hat.

Stille….

Unser Gott, wir danken dir und vertrauen deiner großen Güte.

Fürbittegebet (Eberhard Dietrich, Wolfgang Schiegg)
Lasst uns in dieser Stunde der Trauer und des Schmerzes,
der Klage und der Anklage
beten zu Gott, der allen Menschen in ihrer Trauer nahe kommt
und unser aller Klage hört und sich zu Herzen nimmt.
1. Lasst uns beten für alle, die trauern
um die Tiere und die Bäume im Park,
um enttäuschte Hoffnungen und Erwartungen,
dass sie ihre Trauer zulassen und sich Zeit dafür nehmen,
dass sie darüber aber nicht verstummen,
sondern nach der Zeit der Trauer, wieder Worte finden
zur Anklage und zum Protest.
2. Lasst uns beten für alle,
die in ihrem Glauben erschüttert sind,
weil sie sich fragen: Wo ist Gott,
hat er keine Macht, seine Bäume und Tiere zu schützen?
Dass sie trotz allem ihr Vertrauen nicht verlieren,
ihre Hoffnung nicht aufgeben,
und in ihrer Liebe zu Gott und den Menschen nicht nachlassen,
weil uns verheißen ist, dass seine Kraft in den Schwachen mächtig ist.
3. Lasst uns beten für alle,
die in ihrer Enttäuschung und Wut
und ihrer Erfahrung von Ohnmacht
erstarren und sich enttäuscht abwenden,
dass sie zu neuer Hoffnung, zu neuem Mut
und zu neuer Tatkraft finden,
einfach weil sie wissen:
Gott hat keine Hände, nur unsere Hände,
um seine Arbeit in der Welt zu tun.
Einfach weil sie wissen:
Wir selbst sind Gottes Botschaft, in Wort und Tat.
4. Lasst uns beten für alle,
die eine Aufgabe haben in Presse, Rundfunk und Fernsehen,
dass sie in ihrer Berichterstattung und Arbeit
Achtung und Ehrfurcht von einem jeden Menschen zeigen,
und dass sie auch abweichende und störende Meinungen
ehrlich und unverfälscht zu Worte kommen lassen.
5. Lasst uns beten für uns alle,
dass wir fest daran glauben
und es erfahren, immer wieder neu:
Gottes Kraft ist in den Schwachen mächtig,
dass diese Worte uns trösten und ermutigen
und wir als Gemeinschaft im Widerstand
fest zusammenstehen.
Amen.

Trauer- und Ermutigungsgottesdienst

Abstellgleis für alle

Versäumnisse der Deutschen Bahn und des Landes Baden-Württemberg bei der Finanzplanung von Stuttgart 21

Die Sendung vom 23. Frebruar 2012 in SWR2 kann nachgehört, als Podcast und als Manuskript heruntergeladen werden unter:
http://www.radiofeature.ard.de/

Stuttgart 21 ist ein Abstellgleis, auf das auch alle anderen geschoben werden. Eine tiefer gelegte Sackgasse der deutschen Verkehrspolitik. Milliarden werden in Stuttgart und auf der Schwäbischen Alb verbaut, die für ungleich wichtigere Bahnprojekte fehlen. Deutlich mehr Güter auf die Schiene zu bringen, dieses Ziel wird Deutschland auf absehbare Zeit nicht erreichen – auch wegen Stuttgart 21.

Wilm Hüffer, der Autor der Sendung, konnte auch Einblick nehmen in interne Unterlagen der Deutschen Bahn. So belegt er, dass die am Projekt beteiligten Personen steigende Kosten vertuscht oder Leistungsschwächen schöngerechnet haben. Er rekonstruiert anhand dieser Unterlagen den Schacher um das schwäbische Großprojekt.

Im Fokus des Features „Abstellgleis für alle“ steht die Frage, ob das Milliardenprojekt einen sinnvollen infrastrukturellen Beitrag zur Verkehrsentwicklung in Deutschland leistet. „Stuttgart 21“ ist aus Sicht vieler Verkehrsexperten ein Abstellgleis, auf das auch alle anderen gezogen werden, zum Beispiel der Gütertransport und die wichtigste europäische Bahn-Verkehrsachse von Antwerpen nach Genua. Solche Bahnprojekte bleiben weitgehend auf der Strecke, da „Stuttgart 21“ den Großteil der Ressourcen bis 2020 verschlingen wird.

Vandalen – Vandalismus – Vandalissimus

(Foto von Manfred Grohe)
„Wenn ich aber nach der Volksabstimmung über Stuttgart 21 eine Anzeige in der Zeitung sehe, die mir mit sehr pathetischen Worten erklärt, dass die Seele einer Stadt zerstört werde, dann erscheint mir das sehr wirklichkeitsfremd. Die Seele der Stadt ist nicht nur ein Flügel des Bahnhofs und ein Teil des Parks.“
Winfried Kretschmann im Interview mit „Kontext: Wochenzeitung“
http://www.kontextwochenzeitung.de/newsartikel/2012/02/heilige-maria-hilf/

Ein Unterstützer der Gemeinsamen Erklärung schreibt an Kretschmann

Der Künstler und Unterstützer der Gemeinsamen Erklärung Peter Stellwag hat an den Ministerpräsidenten geschrieben. In diesem Brief kritisiert er heftig Kretschmanns Argumentation im Blick auf die Volksabstimmung.

Lesen Sie hier Peter Stellwags Schreiben

Antwort einer Unterstützerin der Gemeinsamen Erklärung an Boris Palmer

Lieber Herr Palmer,

in Ihrem langen und klugen Schreiben hat mich ein Satz besonders irritiert: „Wenn wir uns dieser harten Wirklichkeit stellen, können wir auch mit neuer Kraft fordern, dass die Projektträger sich an Recht und Gesetz halten müssen.“  Was soll denn das heißen: Wenn…, (dann) können wir fordern…?  Warum hat sich die Bahn nicht ohne jedes Wenn-und-Aber an Recht und Gesetz zu halten? Und warum sorgt die grün-rote Regierung nicht dafür, daß sie es tut? Gilt hier eine Lex-Bahn?

Und noch was: Sie vermuten (wie ich auch), daß S21 an seinen eigenen Problemen scheitern wird. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wieviel Schaden angerichtet sein wird, wenn es denn soweit ist? Und daß dann nach „Schuldigen“ bei der Bahn und in der Politik(!) gesucht werden wird (siehe Loveparade)? Ist es nicht eine bodenlose Verantwortungslosigkeit tatenlos zuzuwarten bis S 21 scheitert, anstatt alle zur Verfügung stehenden legalen Mittel auszuschöpfen, um den Murks anzuhalten, bevor die Verwüstung, Zerstörung, das Unglück oder die Katastrophe – alles ist möglich – eingetreten ist? Die Bahn bietet mehr als genug Anlässe, nicht eingehaltene Zusagen gerichtlich einzufordern, das wissen Sie (und der MP!) besser als ich.

Angeblich ist dies wg. der verlorenen VA nicht möglich bzw. wäre undemokratisch. Das Gegenteil ist richtig. Da die Regierung S21 wg. der VA nicht verhindern kann, muß sie das Votum des VA durchsetzen, und zwar: die 930 Mill-Euro-Mitfinanzierung eines kostengedeckelten S21-PLUS-Bahnhofs gemäß Schlichterspruch und basierend auf einem echten Streßtestvergleich mit K21, ohne Betrug und Trickserei, nach Maßgabe der entsprechenden Bahnrichtlinien. Das wäre nicht zuviel verlangt, sondern normales Vorgehen nach geltenden Spielregeln.

Wir WählerInnen haben Kretschmann zum MP gemacht, im Vertrauen darauf, daß er – gemäß seinem Amtseid – Schaden vom Land abwenden wird. Wie kann er dann untätig zuwarten bis S21 den maximalen Schaden angerichtet hat? Müsste er nicht wenigstens alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, um die derzeit völlig unnötige Zerstörung und Verwüstung so lange zu verhindern, bis der Baufortschritt sie erfordert? Oder glaubt er jetzt sogar an das Wunder, daß S21 mehr Nutzen als Schaden bringen wird?

Mit freundlichen Grüßen
Jutta Mertins

Offener Brief an Winfried Kretschmann

Stuttgart, 09.02.2012

Unterbrechen Sie die S21-Zerstörungsarbeiten
– im Interesse des Landes!

Werten Sie nicht den Volksentscheid höher
als die Schutzrechte der Bevölkerung!

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann!

Ich kann und mag nicht glauben, dass Sie das wirklich glauben, was Sie nun in Facebook zu Stuttgart 21 geschrieben haben.

Sie erwecken in Ihrem Brief den Eindruck, als ob das Ergebnis eines Volksentscheids über dem Gesetz stehen könnte und Sie in höherem Maße binde als all das, was nicht nur Sie, sondern jeden Ministerpräsidenten und jede Landesregierung in erster Linie bindet: Sie müssen auf die Wahrung des Rechts achten und darauf, dass kein Projekt-„Partner“ des Landes die Bevölkerung übervorteilen kann.

  • Sie wissen: Es gibt zahlreiche – bislang von niemandem widerlegte – Belege dafür, dass der „Stresstest“ nur durch Betrug von der Bahn „bestanden“ wurde.
  • Sie wissen, dass damit die Rechtsgrundlage für die gesamten S21-Verträge und all die Ausnahmegenehmigungen entfällt.
  • Sie wissen, dass die Bahn keine grundsätzliche Genehmigung hat, den denkmalgeschützten Bahnhof abzureißen, sondern eine Genehmigung, die unter der Voraussetzung erteilt wurde, dass ein höherer Wert – nämlich der verkehrliche und Infrastruktur-Nutzen des Projekts – überwiegt. Genau dies ist aber nicht mehr gegeben, wenn die Verkehrsleistung von S21 nicht 30% mehr, sondern über 30% weniger beträgt. Für einen Rückbau der Schieneninfrastruktur hat die Bahn keine Genehmigung erhalten, die Bahnhofsflügel abzureißen. Das gleiche gilt für die Fällung der Bäume im Schlossgarten.
  • Sie wissen, dass die Bahn bislang keinerlei Anstalten gemacht hat, die in der sogenannten „Schlichtung“ mit ihrer ausdrücklichen Zustimmung vereinbarten Bedingungen zu erfüllen (keine Fällung von gesunden Bäumen, Anbindung der Gäubahn, Notfallkonzept für die Tunnels, Barrierefreiheit…)
  • Sie wissen, dass die Bahn nun zum dritten Mal ihre Annahmen zur Grundwassersituation und ihre entsprechenden Planungen zum Grundwassermanagement ganz grundsätzlich verändert hat und dass es deshalb möglich ist, dass sie auf Dauer gar keine genehmigungsfähige Planung zustande bekommt.
  • Sie wissen, dass noch erhebliche Teile der S21-Planung so weit von einer Genehmigung entfernt sind, dass fraglich ist, ob sie jemals umgesetzt werden können.
  • Sie wissen, dass Sie selbst die Kofinanzierung des Projekts durch Land, Stadt und Bahn als verfassungswidrig bezeichnet haben.
  • Sie wissen, dass die Kosten für S21 auf jeden Fall 4,5 Mrd. überschreiten werden und dass dafür von keiner Seite aus eine Zusage der Kostenübernahme besteht und dass deshalb die Landesregierung mit jeder zusätzlichen Zerstörungs- und Baumaßnahme immer größerem Druck ausgesetzt wird, sich einer Beteiligung – trotz aller gegenteiligen Bekenntnisse – nicht entziehen zu können.
  • Sie wissen, dass 43% derer, die beim Volksentscheid gegen einen Ausstieg aus S21 votiert haben, dies aus „Angst vor Ausstiegskosten“ getan haben (laut einer Erhebung des SWR) – nicht, weil sie den Bahnhof wollen.
  • Sie wissen, dass die im „Informations“-Prospekt der Landesregierung zum Volksentscheid behaupteten 1,5 Mrd. Ausstiegskosten zulasten des Steuerzahlers nicht eine mögliche Meinung, sondern nachweislich falsch sind (schon allein, weil die Hälfte davon wieder an den Steuerzahler zurück fließen würde, nämlich an die Stadt Stuttgart).
  • Sie wissen, dass deshalb der Volksentscheid kein „Leuchtturm der Demokratie“ war, sondern ein mit vielen Millionen aus Wirtschaft und Verbänden erkaufter Betrug derer, die sich so hohe Kosten für Werbung und Irreführung eben leisten können.
  • Sie wissen, dass das Ergebnis des Volksentscheids rechtlich noch gar nicht bindend ist, weil noch 16 Beschwerdeverfahren dagegen anhängig sind.
  • Sie wissen, dass beim Volksentscheid auch auf der NEIN-Seite kein Quorum von 33% zustande gekommen ist – das Voraussetzung dafür wäre, es mit staatsmännischer Geste als „Gesetzgebungsverfahren“ zu bezeichnen, gegen das sich ein Ministerpräsident nicht stellen darf.
  • Sie wissen, dass – auch unabhängig vom Quorum und von den Klagen dagegen – der Volksentscheid rechtlich gänzlich irrelevant ist, weil er ganz einfach nur gescheitert ist und damit nichts anderes passiert ist, als dass die ursprüngliche Rechtslage wieder hergestellt ist, nämlich: Das Land ist NICHT VERPFLICHTET, die S21-Verträge zu kündigen. Nicht mehr und nicht weniger.

Angesichts all dieser Punkte erwarte ich von Ihnen als Ministerpräsident:
Setzen Sie nicht all Ihre Argumentationskunst ein, um zu begründen, warum Sie sich „als Demokrat“ an den verlogenen, gekauften und juristisch irrelevanten Volksentscheid halten müssten!
Sondern legen Sie Ihr ganzes politisches Geschick darein, in all den genannten Punkten nachzuhaken, Gerichtsverfahren anzustrengen oder zu unterstützen, weitere Schritte, Genehmigungen, Zahlungen des Landes an die Aufklärung von Sachverhalten zu knüpfen usw.!

Dass die von Ihnen behauptete kritisch(!)-konstruktive Begleitung so gar nicht erkennbar ist – das lässt viele Ihrer Wähler fragen: Kommt Ihnen womöglich das Ergebnis des Volksentscheids gerade recht – als Rettung des Koalitionsfriedens?

Niemand erwartet von Ihnen, dass Sie sich morgen früh hinstellen und sagen: Wir beenden S21. Aber von Ihnen – wie von jedem Ministerpräsidenten, unabhängig davon, ob er für oder gegen S21 ist – ist zu erwarten,
dass er alles Erdenkliche unternimmt, um Schaden vom Volk abzuhalten, und dass er deshalb dem Druck der Bahn (wie gegenüber jedem anderen Geschäfts„partner“ des Landes) im Interesse des Landes entsprechenden Gegendruck entgegen setzt, Bedingungen formuliert, Gelder und Zugeständnisse zurückhält, mit Gerichtsverfahren droht – eben Politik macht und nicht nur Worte.

Natürlich ist es nicht einfach, gegen den Mainstream der wirtschaftsgesteuerten Meinungsmache anzuregieren. Wir brauchen aber – auch auf Bundesebene – keine weitere Partei, die (wie seit langem auch die SPD) in ihrer Politik die Interessen der Bevölkerung den Interessen der Wirtschaft unterordnet. Wir brauchen eine Partei und Politiker – dafür wurden die Grünen gewählt –, die politikfähig sind und nicht zu Handlangern der Wirtschaftslobby verkümmern, sobald die ersten Widerstände auftreten – innerhalb der Koalition oder außerhalb vonseiten der Opposition und der S21-Lobby.

Ich appelliere an Sie als Vertreter einer Umwelt- und Bürgerrechtspartei:

Riskieren Sie nicht durch Ihre Tatenlosigkeit den guten Ruf der Grünen!

Setzen Sie nicht durch eine Unterwerfung unter die Wirtschaftslobby eine zweite Mehrheit für das Grün-Rote Regierungsprojekt aufs Spiel!

Für die Bäume im Schlossgarten ist es eine Minute vor zwölf.

  • Noch ist Zeit, umzusteuern.
  • Noch können Sie – gänzlich, ohne „undemokratisch“ zu sein – die S21-Zerstörungsarbeiten unterbrechen, bis klare Rechtsgrundlagen herrschen für die Umsetzung dessen, was Sie (wirklich?) für den Willen der Bevölkerung halten.
  • Noch können Sie zeigen, dass für Sie das (sogar nur partielle) Baurecht der Bahn nur ein Recht unter vielen ist und nicht als Joker alle Rechte der Bürger dieses Landes schlägt.
  • Noch können Sie zeigen, dass Sie Mehrheitsentscheidungen (egal, wie sie zustande gekommen sind) nicht als Ersatz dafür nehmen, regieren zu müssen.

Es grüßt Sie,
Martin Poguntke

Dieser Brief wird namentlich unterstützt von:
Eberhard Dietrich, Friedrich Gehring, Michael Harr, Gunther Leibbrand, Guntrun Müller-Ensslin, Wolfgang Schiegg, Martin Schmid-Keimburg, Dorothea Ziesenhenne-Harr

„Die Zähne der Baggerschaufeln sind schon gebleckt“

schreiben die SPD-Mitglieder Klaus Riedel und Hermann Schmid
an ihren Parteifreund Nils Schmid und das, obwohl dieser immer wieder versprochen habe, „den Kostendeckel einzuhalten und den Weiterbau von S21 nicht voranzutreiben, solange das gesamte Projekt nicht zweifelsfrei geplant und sicher finanziert ist“.

„Wir SPD-Mitglieder gegen S21 sind nach wie vor viele, und wir werden uns auch weiterhin gegen ein Projekt zur Wehr setzen, das nicht nur der Stadt Stuttgart und dem Land Baden-Württemberg, sondern auch unserer Partei schweren Schaden zufügen würde.“

Lesen Sie hier den ganzen offenen Brief

Ein Wort an „Dorle Müller“

Von wegen „Zensur“, wertes Fräulein „Müller“: Bitte nehmen Sie zur Kenntnis, dass Kommentare ohne gültige E-mail-Adresse grundsätzlich nicht freigeschaltet werden.
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Grüße vom Administrator

Predigt beim Weihnachtsgottesdienst im Schlossgarten am 26. Dezember 2011 zu Lukas 2,1-7 von Pfarrer i. R. Friedrich Gehring

Die Weihnachtsgeschichte des Lukas ist geschrieben aus der Sicht der kleinen Leute, die zum Zweck der Steuereintreibung beschwerliche Fußwanderungen auf sich nehmen müssen und dabei nicht einmal eine Herberge finden, selbst wenn eine junge Frau in die Wehen kommt.

Aus der Sicht der Mächtigen ist das belanglos, Hauptsache sie haben das Geld, in Palästen zu wohnen und die Soldaten zu bezahlen, die ihre Ausbeutung mit Waffengewalt sichern. Aber die Weihnachtsgeschichte verlässt diese Sicht der Herrschenden und ersetzt sie durch die Sicht derer, die unter dieser Herrschaft zu leiden haben. Das hat etwas revolutionäres, etwas umwälzendes an sich. Wir nehmen das nicht mehr so recht wahr, weil das Christentum vor mehr als 1600 Jahren eine staatstragende Funktion bekam, danach konnten Christen die Mächtigen nicht mehr so recht kritisieren. Die Weihnachtgeschichte soll seither als Idylle unser Herz erwärmen, nicht unseren Widerstand anfachen.

In der Schriftlesung (Markus 10, 42-45) haben wir aber gehört, dass Jesus den Mächtigen gegenüber noch kein Blatt vor den Mund genommen hat, wenn er nüchtern feststellt: „Ihr wisset, dass die weltlichen Fürsten ihre Völker niederhalten, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.“
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