Archiv des Autors: friedrichgehring

Wort am Sonntag zum Babylonischen Turmbau am 28.7.2013 in Stuttgart beim 3. Europäischen Forum gegen unnütze aufgezwungene Großprojekte von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Die Übersetzung in heutigem Deutsch von 1982, aus der ich eben vom Turmbau in 1. Mose 11 vorgelesen habe, überscheibt die Turmbauerzählung mit den Worten: „Die Menschheit will es mit Gott aufnehmen“. So deutet seit etwa 3000 Jahren eine an Herrschaft interessierte Theologie diesen Bibelabschnitt. Das steht aber nicht im biblischen Text. Die hier beschriebenen Nomaden, die sich niederlassen, um eine Stadt und einen Turm zu bauen, denken dabei überhaupt nicht an Gott, sie wollen nur „in aller Welt berühmt“ und nicht wieder „über die ganze Erde zerstreut werden“. Die Basis der Bevölkerung beschließt hier also vorbildlich ohne die Gängelung durch Behörden, was der Festigung der Gemeinschaft dient. Von Gott ist in der Erzählung erst die Rede, als die Menschen sich erfolgreich ans Werk machen. Das hält dieser Gott nicht aus, die Menschen werden ihm zu mächtig. Wenn das so weiter geht, sagt dieser Gott, dann werden sie „alles ausführen, was ihnen in den Sinn kommt.“ Das kann dieser Gott nicht dulden, er sorgt dafür, dass sie einander nicht mehr verstehen, er zerstreut sie über die ganze Erde, damit sie ihre Pläne aufgeben.
Gegen die übliche Auslegung der Erzählung vom Turmbau zu Babel stelle ich die Frage: Wer ist hier das Problem? Und ich kann nur eine Antwort finden: Die hier dargestellte Vorstellung von Gott schafft die Probleme. Gott verhält sich hier wie ein orientalischer Despot, der eifersüchtig seine Macht verteidigt gegen das gemeinschaftlich starke Volk. Nicht dieses Volk ist gefährlich, sondern dieser Gott. Er hat über Jahrtausende hinweg den Herrschenden als theologische Rechtfertigung gedient für das Prinzip „Teile und herrsche“. Dieser Gott passt gut zum ehemaligen Bahnchef Dürr, der meint, Großprojekte wie Stuttgart 21 müssten dem Volk „überfallartig“ präsentiert werden, um Gegnern keine Chance zu lassen. Dieses Gottes- und Menschenbild leitet wohl auch SPD-Fraktionschef Schmiedel, wenn er behauptet, Gott lege seinen Segen auf das Überrumpelungs-Projekt. Landesbischof July, der dieses Mammonsprojekt der herrschenden Profiteure als Bahnhof hinnimmt, bei dem die Bibel außen vor bleiben könne, muss sich mit dieser Gottesvorstellung und ihren politischen Konsequenzen nicht auseinandersetzen. Ich sehe mich jedoch gezwungen weiter zu fragen: Können wir als Christen dieses Gottesbild vom eifersüchtig herrschenden Despoten und seine politischen Auswirkungen gut heißen? Ich denke, diese Frage zu stellen heißt zugleich, sie zu verneinen.
Denn Jesus stellt uns seinen Gott als den liebenden Vater dar, der seinen Kindern Gutes zutraut, wohl wissend, dass sie auch Fehler machen können, dass sie aber zugleich daraus zu lernen vermögen und von falschen Wegen umkehren können. Im Gleichnis vom barmherzigen Vater in Lk 15, 11 ff zahlt der Vater dem jüngeren Sohn sein Erbe aus, er traut ihm zu, damit vernünftig umzugehen. Als der Sohn durch eine Teuerung alles verliert, was sein Lebensstil vom Erbe übrig gelassen hat, gesteht dieser seinen Misserfolg ein und kehrt zu seinem Vater um, der ihn mit offenen Armen empfängt und ihm einen Neuanfang gewährt. So ist Gott, sagt uns Jesus. Wenn wir das ernst nehmen, dann müssen wir in aller Entschlossenheit dem Gottes- und Menschenbild widerstehen, das bei Managern wie Ex-Bahnchef Dürr Pate steht. Das Volk ist in den Augen des barmherzigen Vaters Jesu nicht grundsätzlich böse und verdient kein grundsätzliches Misstrauen, sowenig die Herrschenden grundsätzlich die Guten sind, die das böse Volk in Schach halten müssen. Das Volk muss aus der Sicht von Jesus nicht überrumpelt werden.
Die Schweiz hat beim Gottharttunnelprojekt vorgeführt, wie die Verantwortungsträger mit dem Volk zusammen Großprojekte vernünftig planen können. Bahnchef Grube hat gezeigt, wie man Fehler eingestehen kann, als er bekannte, mit dem Wissen von 2013 hätte er das Projekt Stuttgart 21 nicht begonnen. Es fehlt jetzt nur noch an der Umkehr von dem als falsch erkannten Weg. Der barmherzige Vater Jesu wartet jederzeit mit offenen Armen auf die Umkehr von uns Menschen, so geben auch wir die Hoffnung nicht auf, dass aus den sattsam bekannten Unsinnigkeiten des Projekts Stuttgart 21 doch noch die Konsequenzen gezogen werden. Unser barmherziger und gnädiger Gott segne die geduldige Überzeugungsarbeit, speziell im Blick auf die kommende Bundestagswahl, damit aus der Erkenntnis der Fehler auch wirksame Umkehr werden kann. Amen.

Zahlmeister Bahnkunde und der Zustand unserer Demokratie aus christlicher Sicht

Die Südwestpresse vom 25.6.2013 berichtete von anstehenden Fahrpreiserhöhungen der Deutschen Bahn AG. Bahnchef Grube begründe diese mit den Kosten der Energiewende. Fairerweise weist die Südwestpresse darauf hin, dass die Bahn bei den Energiewendekosten recht glimpflich davonkommt. Es handelt sich also um eine ganz schlechte Ausrede. Grube meint wohl, die Bahnkunden würden schnell vergessen, was Bundesverkehrsminister Ramsauer nach der großzügigen Freigabe weiterer Milliarden für Stuttgart 21 durch den Bahnaufsichtsrat laut hinausposaunt hat: Wenn die Steuerzahler diese Milliarden nicht zahlen wollen, dann müsste das Geld eben bei den Bahnkunden eingetrieben werden.

Hier erfahren wir einiges über den Zustand unserer parlamentarischen Demokratie. Nachdem die von der Kanzlerin zur Volksabstimmung über Stuttgart 21 ausgerufene Landtagswahl von 2011 zur Deckelung der Kosten seitens des Landes geführt hatte, war die Finanzierung für das Projekt faktisch gescheitert, weil alle wussten, dass die 4,5 Mrd. niemals reichen würden.
Die Volksabstimmung konnte zwar die grün-rote Koalition, aber nicht mehr die Finanzierung von Stuttgart 21 retten. Nun hat der Bahnaufsichtsrat ohne jegliche demokratische Legitimierung und ohne wirksame Kontrolle durch den Alleinaktionär Bund die grün-rote Haushaltsentscheidung als parlamentarisches Königsrecht ausgehebelt, um den Wählern von 2011 dreist in die Tasche zu greifen. Unsere parlamentarische Demokratie mutiert damit zu einer Lobbyherrschaft der Profiteure.

Von christlicher Seite kann diese von einer christlichen Kanzlerin gedeckte dreiste Umverteilung von unten nach oben nicht unwidersprochen bleiben. Denn Jesus fordert immer wieder die umgekehrte Umverteilung von oben nach unten. Er erwartet von Wohlhabenden, ihre Güter an die Armen zu verteilen (Mk 10, 21). „Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon“, fordert Jesus unmissverständlich (Lk 16,9), weil er noch weiß, was heute vergessen scheint: Der Mammon wird in der Regel den ärmeren Bevölkerungsschichten von den wirtschaftlich Mächtigeren aus der Tasche gezogen, diese Transfers müssen deshalb den Ärmeren zurückzugeben werden. Neben den Bahnfahrpreisen ist gerade die Verteilung der Energiewendekosten ein besonders schreiendes Beispiel für Ungerechtigkeit: Während die Empfänger von Hartz-IV sich die erhöhten Stromkosten vom Mund absparen müssen, werden Großunternehmen mit riesigem Energieverbrauch oder Golfplätze von den Erhöhungen verschont ohne Prüfung ihrer Bedürftigkeit. Das ist Neoliberalismus pur.

In Brasilien ist aus Anlass von Fahrpreiserhöhungen ein breiter Protest entstanden. Welch bewundernswert wache Demokratie! Und was geschieht bei uns? In Brasilien spricht die höchste Repräsentantin des Staats von Korruption, die überwunden werden müsse. Wer nimmt dieses Thema bei uns auf? Wann wird eine deutsche christliche Regierung endlich die Bahn daran hindern, ein derart gefährliches und unrentables Milliardengrab wie Stuttgart 21 zu bauen, von dem Grube selbst sagt, er würde es heute nicht mehr anfangen?

Pfarrer i. R.  Friedrich Gehring, Backnang

Pfr. i. R. Friedrich Gehring: Predigt zu Joh 17, 22-26 beim ökumenischen Gottesdienst am Himmelfahrtsfest 2013 auf der Erlacher Höhe bei Großerlach

Ein großartiger Text für einen ökumenischen Gottesdienst: Wie Gott, der liebende Vater, mit seinem erhöhten Sohn Jesus Christus eins ist, so sollen auch wir als Nachfolger Jesu untereinander einig sein. Damit ist die Frage gestellt: Worin sollen wir Christen trotz der verschiedenen Konfessionen einig sein? Worin liegt das gemeinsame Christliche unserer Kirchen und wie muss sich dieses in der gegenwärtigen Welt zeigen?

Jesus gibt in dieser Abschiedsrede nach Johannes klare Hinweise: Sein himmlischer Vater ist ein Gerechter und ein Liebender, deshalb sollen Liebe und Gerechtigkeit auch unter den Nachfolgern Jesu sichtbar sein, während die Welt diesen gerechten und liebenden Vater nicht kennt. Es wäre schwärmerisch zu behaupten, die Christen seien nicht mehr Teil dieser blinden Welt, aber sie sollen als Teil dieser Welt und in dieser Welt die Alternative der Liebe und der Gerechtigkeit leben, die nicht von dieser Welt ist. Wie kann dies heute konkret geschehen?

Weiterlesen

Brandschutz und Profitmaximierung

Leserbrief für die Backnanger Kreiszeitung
(Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel, Herrn Finanzminister Nils Schmid und Herrn Landesbischof Dr. Frank Otfried July zur Kenntnis gegeben)

Wer die Särge der Mutter und ihrer sieben Kinder in Backnang gesehen hat, muss fassungslos sein angesichts des politischen Streits um Rauchmelder, wenn der FDP-Fraktionsvorsitzende Hans-Ulrich Rülke im Blick auf die Finanzierung der Kontrolle von Rauchwarnern von einem „bürokratischen Moloch“ spricht (Backnanger Kreiszeitung vom 12.3.2013, S. 5). Es erscheint ihm unzumutbar, z. B. Schornsteinfeger mit dieser Aufgabe zu betrauen, die ohnehin schon Feuerstätten regelmäßig kontrollieren müssen.
Hier zeigt sich die Klientelpolitik, die schon bei den Steuergeschenken an Hoteliers sichtbar war, in einer noch abscheulicheren Variante: Vermögende Investoren sollen ihre Profite maximieren dürfen, Menschenleben sind demgegenüber zu vernachlässigen. Es ist dieselbe Politik, die für das Projekt Stuttgart 21 kämpft, das ohne genehmigungsfähigen Brandschutz genehmigt wurde.
Selbst wenn dort der teuerste Brandschutz finanziert würde, wäre der Tiefbahnhof immer noch sehr viel gefährlicher als der oberirdische Kopfbahnhof. Aber dieser zweitpünktlichste Bahnhof Deutschlands muss weg, damit die Bahn den Spekulationsgewinn einfahren und Investoren auf diesem Gelände satte Profite scheffeln können.
Wenn eine Elektrolok brennt, kann sie schon oberirdisch sehr schwer gelöscht werden, wenn sie in einem Tiefbahnhof brennt, wird sie für die Fahrgäste zu einem tödlichen Inferno. Es bleibt zu hoffen, dass Nils Schmid noch an seine Backnanger Trauerrede denkt, wenn es das nächste Mal um den unsinnigen und brandgefährlichen Tiefbahnhof geht. Vor allem aber sollten die Wähler an die tödlichen Gefahren der schwarz-gelben Klientelpolitik denken, wenn sie im Herbst an die Wahlurnen treten.

Friedrich Gehring, Backnang

Offener Brief an Kanzlerin Merkel vom 14.2.2013

Sehr verehrte Frau Bundeskanzlerin,

Sie haben 2010 im Bundestag erklärt, an Stuttgart 21 entscheide sich die Zukunftsfähigkeit Deutschlands und die Landtagswahl in Baden-Württemberg am 27.3.2011 sei die Volksabstimmung über dieses Projekt. Diese Wahl führte dazu, dass die grün-rote Landesregierung hinsichtlich des Projekts eine Kostendeckelung beschlossen hat, wodurch die Finanzierung von Stuttgart 21 nun für die Bahn zum Desaster wird. Ich beglückwünsche Sie zu Ihrer Weitsicht im Blick auf den Volksentscheid gegen Stuttgart 21 bei der Landtagswahl 2011 und ermutige Sie gleichzeitig, den Volksentscheid nun auch anzuerkennen und den Ausstieg aus diesem Projekt durchzusetzen.

Sie haben wiederholt die „schwäbische Hausfrau“ zum Paradigma der Finanzpolitik erklärt. Sie sind in dieser Hinsicht nur dann konsequent und glaubwürdig, wenn Sie nun auch insofern ernst machen mit dem Erweis der Zukunftsfähigkeit Deutschlands am Projekt Stuttgart 21 , dass dieses Großprojekt doch noch auch regierungsamtlich auf seine Rentabilität und volkswirtschaftliche Sinnhaftigkeit hin durchgerechnet werden muss, nachdem bereits seit langem die Unwirtschaftlichkeit und Unsinnigkeit dieses Projekts öffentlich gemacht worden ist. Von der „schwäbsichen Hausfrau“ lernen heißt rechnen lernen.

Mit freundlichen Grüßen

Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Predigt zu Lk 19,1-10 beim Parkgebet am 31.1.2013 von Pfr. i. R. Friedrich Gehring

Der Zöllner Zachäus ist ein Steuereintreiber im Dienst des römischen Kaisers, der sich Palästina und dessen Bevölkerung mit militärischer Gewalt unterworfen hat und nun durch Steuern ausbeutet, nicht zuletzt um die Soldaten bezahlen zu können, mit denen er das Volk unterdrückt. Beim Volk ist Zachäus deshalb eine der meist gehassten Persönlichkeiten seiner Zeit. Nicht nur, dass er in dieser Funktion mit dem Unterdrücker zusammenarbeitet und so seinen Lebensunterhalt verdient, er nutzt seine Macht auch noch, um zu betrügen, d. h. mehr in seine Tasche zu wirtschaften als ihm der Kaiser rechtmäßig zugesteht. Für beides hat er sich bewusst entschieden, für den Dienst beim Ausbeuter ebenso wie für den Betrug. Dafür trägt er persönlich die Verantwortung und bezahlt dafür mit Ausgrenzung und Einsamkeit, er muss den Hass seiner Mitmenschen ertragen. Sein Leben in materiellem Wohlstand ist zugleich ein Leben in der sozialen Isolierung. Schon Kinder im Kindergarten oder in der Grundschule können wissen, wie sich so etwas anfühlt.

Aber nun kommt Jesus in seine Nähe. Das ist faszinierend für ihn. Denn Jesus eilt der Ruf voraus, dass er anders ist als die anderen, weil er nicht von einem strafenden, sondern von einem barmherzigen Gott spricht. Weiterlesen

Jesajas Gesellschaftskritik und Stuttgart 21

Predigt zu Jes 11,1-9                                                                                       am 30.12.2012 in Großerlach von Pfr. i. R. Friedrich Gehring
(Erweiterung der Kurzpredigt vom 26.12.2012 im Stuttgarter Schlossgarten)
Zum VIDEO

Jesaja verkündet diese große Friedensvision in einer unfriedlichen Zeit. Als Angehöriger der Elite scheint er einige Zeit geschwiegen zu haben, aber dann erlebt er im Tempel die Berufung durch den Gott Israels und wird zum scharfen Kritiker seiner eigenen Gesellschaftsschicht. Die Mächtigen im Lande setzen nach außen statt auf den Gott Israels auf die Logik militärsicher Gewalt ( Jes 7,9) und nach innen auf immer mehr Wirtschaftsmacht, indem sie sich eine Monopolstellung verschaffen an Immobilien und landwirtschaftlichen Flächen (Jes 5,8). Sie nutzen diese Machtstellung zu rücksichtsloser Bereicherung. Jesaja wirft ihnen vor: „Ich habt den Weinberg abgeweidet, das von den Armen Geraubte ist in euren Häusern.“ (Jes 3,14). Sie verdrehen das Rechtswesen zu ihren Gunsten, Jesaja wirft ihnen vor, dass sie „dem Schuldigen Recht geben um Bestechung und dem Unschuldigen sein Recht absprechen“ (Jes 5,23). Jesaja muss dieser korrupten Führungsschicht den Niedergang voraussagen, sie werden fallen wie ein Baum, an den die Axt gelegt wird. Aber danach wird aus dem Wurzelstumpf eine neue, gerechte Gesellschaft aufwachsen wie ein neuer Trieb. Ein neuer Herrscher wird durch Gerechtigkeit eine friedliche Gesellschaft aufbauen. „Er wird die Armen richten mit Gerechtigkeit und den Elenden im Lande Recht sprechen mit Billigkeit; er wird den Tyrannen schlagen mit dem Stabe seines Mundes.“(Jes 11,4) Die Macht der Waffen wird ersetzt durch die Vollmacht der Argumente. Die gesamte Schöpfung, Mensch und Tier, werden einträchtig miteinander leben (Jes 11,6-9).

Weiterlesen

Predigt zum „Wassergottesdienst“ in Bad Cannstatt am 23.9.2012 von Pfarrer i. R. Friedrich Gehring

Jeremia 2, 13: Denn zweifach hat mein Volk gefrevelt: Mich hat es verlassen, den Quell lebendigen Wassers, und hat sich Brunnen gegraben, rissige Brunnen, die das Wasser nicht halten.

Vor über 2600 Jahren spricht Jeremia im Namen des Gottes, der ihn berufen hat, diese Klage über das Volk Israel aus: Das Volk hat die gute Quelle verlassen und vertraut stattdessen auf rissige Brunnen. Was ist geschehen? Die Israeliten sind von ihrem Gott aus der Sklaverei in Ägypten befreit worden, deshalb erwartet er, dass sie selbst niemals andere Menschen so behandeln werden, wie sie in Ägypten behandelt worden sind. Aber nun muss Jeremia miterleben, dass örtliche Gottheiten, Baalsgötter genannt, die Glück, Wohlergehen und Erfolg versprechen, wichtiger geworden sind. Vergessen ist der Schutz der Schwachen vor den Mächtigen.
Weiterlesen

Offener Brief an Ministerpräsident Kretschmann zu Sicherheitsmängeln bei Stuttgart 21

Pfr. i. R. Friedrich Gehring
Am Krähenhorst 8
71522 Backnang                                                                          den 26.6.2012

Offener Brief

An Herrn
Ministerpräsident Winfried Kretschmann                  Per e-Mail!
Richard-Wagner-Str. 15
70184 Stuttgart

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident Kretschmann,

am 5.6.2012 haben drei Stuttgarter Stadträte von Bündnis 90/Die Grünen einen Antrag an die Stadtverwaltung gestellt, sie möge die Deutsche Bahn AG zu einer Stellungnahme auffordern hinsichtlich eines jüngst bekannt gewordenen Gutachtens von 1997 zu den  Personenströmen im geplanten Tiefbahnhof  Stuttgart 21. Nach diesem Gutachten erreicht der geplante Tiefbahnhof bei der Simulation von nur 29 Zügen in der Spitzenstunde nur mittlere Bewertungen im Blick auf die Personenströme. Hieraus ergeben sich gravierende Zweifel an der Leistungsfähigkeit und Sicherheit von Stuttgart 21, wie sie im so genannten Stresstest behauptet wurden und für den Volksentscheid vom 27.11.2011 grundlegend waren.

Ihre Wähler ebenso wie diejenigen, die Sie nicht gewählt haben, und genauso die Teilnehmer an der Volksabstimmung  vom 27. Nov. 2011 dürfen von Ihnen als verantwortungsbewusstem Landesvater erwarten, dass Sie es den Stadträten der Grünen gleichtun und als Entscheidungsträger des Landes Baden-Württemberg auf die Deutsche Bahn AG zugehen mit den notwendigen Fragen, die sich aus dem jetzt bekannt gewordenen Gutachten ergeben, sowie die notwendigen Konsequenzen ziehen.

In diesem Zusammenhang erinnere ich daran, dass Sie durch Ihren Staatssekretär, Herrn Murawski, mit Schreiben vom 2.2.2012 an Herrn Dr. Kefer die Deutsche Bahn AG aufgefordert haben, zuerst die notwendigen Vorarbeiten zu erledigen, bevor die Rodung des Schlossgartens ins Angriff genommen würde, um verlorenes Vertrauen wieder herzustellen, „die allseitigen Verletzungen“ zu überwinden und zu einem „neuen und guten Miteinander“ zu finden. Dieser Appell war offensichtlich bei der Bahn schlecht aufgehoben. Das traurige Ergebnis ist im Schlossgarten zu besichtigen. Diese unnötige Zerstörung war unschwer zu erahnen. Deshalb wäre es Aufgabe Ihrer Regierung gewesen, den Park so lange durch Verweigerung des Gestattungsvertrags und des Polizeieinsatzes zu schützen, bis die Bahn die unabdingbaren Vorarbeiten geleistet hätte.

Sie selbst hätten hier verloren gegangenes Vertrauen wieder gewinnen müssen. Durch die Delegierung dieser Aufgabe an Herrn Dr. Kefer haben Sie selbst einen weiteren Verlust an Vertrauen in Ihre Regierung  erzeugt, nachdem Sie die im Koalitionsvertrag versprochene Kostentransparenz und einen wirklichen Vergleich zwischen Kopf- und Tiefbahnhof noch vor dem Volksentscheid unterlassen hatten. Sie haben nun angesichts des aufgetauchten Gutachtens die Möglichkeit, hier wenigstens teilweise Wiedergutmachung zu leisten. Wenn Sie den Täuschungsversuchen der Deutschen Bahn AG jetzt nicht energisch entgegentreten, machen Sie sich mitschuldig an einem Bahnhof, der bei den zu erwartenden Engpässen zu einer Katastrophe für die Reisenden wird.

Ich kann in diesem Zusammenhang nicht umhin, an die Loveparadekatastrophe in Duisburg zu erinnern. Eine offensichtlich fahrlässige Genehmigungspraxis führte zu 21 Todesopfern. Die Teilnehmer wollten sicherlich diese Veranstaltung, aber sie wollten dort nicht sterben. Selbst wenn tatsächlich der Volksentscheid vom 27. Nov. 2011 rechtskräftig werden sollte und Sie in ihrem Mantra bestätigt würden, das Volk wolle Stuttgart 21, so muss dennoch festgehalten werden, dass das Volk nicht in diesem Bahnhof sterben will.

Dr. Kefer von der Deutschen AG hat auf die Frage, wie Menschen mit Gehbehinderungen im Brandfall aus dem Tiefbahnhof gerettet werden sollen, am 25.1.2011 brieflich allen Ernstes geantwortet, man werde durch Lautsprecherdurchsagen die Gehfähigen auffordern, die Gehbehinderten zu retten. Ich erwarte von Ihnen als einem bekennenden Katholiken, dass Sie diesem Menschen verachtenden und über Leichen gehenden Zynismus mit derselben Entschlossenheit entgegentreten wie Sie beim EnBW-Kauf zu viel bezahlte Milliarden zurückfordern. Ich erwarte, dass Sie keinerlei Zahlungen des Landes mehr zulassen, bis die Deutsche Bahn AG sich zu einem schlüssigen Rettungskonzept vertraglich verpflichtet oder Stuttgart 21 wegen unumgänglicher Sicherheitsmängel aufgegeben hat.

Mit freundlichen Grüßen

Pfr. i. R. Friedrich Gehring
(Mitglied der Initiative „Theologinnen gegen Stuttgart 21“ / http://www.s21-christen-sagen-nein.org)

Trauer über die Zerstörung im Schlossgarten

Sieben Tage und Nächte schwiegen die Freunde Hiobs in Trauer mit ihm. Sieben Tage sind nun vergangen in der Trauer um die gefällten Bäume im Schlossgarten. Noch ist die Wucht dieses Frevels nicht ganz bei mir angekommen. Noch wirkt eine Art Narkotisierung der Seele, die den Schmerz dämpft. Aber nun ist die Zeit, das Trauma zu bearbeiten.
Nach dem 2. Weltkrieg haben viele Deutsche gefragt: „Wie konnte Gott das zulassen?“ Sie meinten nicht den Krieg, sondern die Niederlage. Aus dem Abstand der späten Geburt habe ich zu fragen gelernt: „Wie konnten so viele Deutsche bei diesem Krieg so begeistert mitmachen?“ So frage ich auch jetzt nicht: „Wie konnte Gott die Rodung im Schlossgarten zulassen?“ Ich versuche zu begreifen, warum diese sinnlose Zerstörung möglich wurde.
Ich möchte bei allem Schmerz unsere Gegner verstehen. Das Verstehen der Gegner erscheint mir als ein erster Schritt der Feindesliebe. Zugleich ist dieses Verstehen Voraussetzung für ein gelingendes Widerstehen.

Warum musste die DB AG in dieser Eile vorgehen? Warum musste unsere Regierung den Weg dazu ebnen mit dem Gestattungsvertrag und der Bereitstellung der Polizeikräfte?

Die Bahn

Die Bahn steht bei der Durchführung des Projekts Stuttgart 21 schon seit längerem mit dem Rücken an der Wand. Nicht einmal das Technikgebäude am abgerissenen Nordflügel erscheint technisch machbar, noch viel weniger die Unterführung des Nesenbachs, erst recht hat die Bahn noch nicht einmal eine Einschätzung, wie viel Grundwasser abzupumpen ist. Als Damoklesschwert über der Grundstücksspekulation und der Finanzierung schwebt nach Bau des Tiefbahnhofs die Übernahme des Kopfbahnhofs und seiner Zufahrtsgleise durch die Stuttgarter Netz AG.
All dies spricht dafür, dass die Bahn gar kein Interesse mehr am Bau von Stuttgart 21 hat. Die Rodung im Schlosspark war das einzige Signal, das für die scheinbare Bauwilligkeit noch gesetzt werden konnte. Die Bahn fühlte sich dem neoliberalen Mainstream verpflichtet, der behauptet, wenn einige wenige Wirtschaftmächtige völlig frei Hand bekommen, würde alles gut. Sie wollte Mut machen, das Projekt komme voran und die neoliberalen Heilsversprechen würden schon noch eintreffen. Aber damit ist nur das Eingeständnis hinausgeschoben worden, dass das Projekt sinnlos und nicht machbar ist.

Wenn all dies auch nur annähernd zutrifft, dann war die Rodung zugleich ein gemeiner Racheakt. Rache setzt voraus, dass Schmerz zugefügt wurde, der vergolten wird. Welchen Schmerz könnten die Parkschützer der Bahn zugefügt haben? Spätestens seit der Schlichtung sind die Unzulänglichkeiten des Projekts in einer Art und Weise aufgedeckt worden, die für die neoliberalen Planer äußerst peinlich sein mussten. Die Unzulänglichkeiten des Stresstests konnten zwar vor der Volksabstimmung unter den Tisch gekehrt werden, aber sie blieben den Projektbetreibern selbst natürlich nur allzu schmerzhaft bewusst, denn im künftigen Betrieb würden sie täglich sichtbar werden. Selten waren scheinbare Sieger derart blamiert.

Die Landesregierung

Bleibt noch die Frage nach der Landesregierung: Warum hat sie bei diesem üblen und zugleich aussichtslosen Spiel mitgemacht? Auch die Landesregierung will sich dem neoliberalen Mainstream anbiedern. Staatssekretär Murawski war in seinem Brief an die Bahn nur scheinbar an der Befriedung von Stadt und Land interessiert, es ging ihm vor allem um den Nachweis, dass nicht die Regierung das angeblich so segensreiche Projekt behindert, sondern die Bahn selbst. Beide, Bahn und Regierung, wollten sich den Neoliberalen gegenüber im besten Licht darstellen.

Konsequenzen

Wenn dies alles auch nur annähernd zutrifft, dann ist klar, was zu tun ist: Wir werden unsere Trauer nicht verstecken, sondern öffentlich zeigen und dabei die Zerstörungskraft des neoliberalen Projekts anprangern. Wir werden unsere Finger in die Wunden legen, wo immer sich die Gelegenheit bietet. Das klingt vordergründig unchristlich, aber bei uneinsichtigen Alkoholsüchtigen z. B. muss Leidensdruck aufgebaut werden, um sie zur Therapie zu bewegen. Dasselbe gilt bei Machtsüchtigen. Wir werden die Rückschrittlichkeit des Projekts, seine Nutzlosigkeit und Geldverschwendung und nicht zuletzt seine Gefährlichkeit an die Öffentlichkeit zerren, bis die Bürger der Stadt und des Landes erkennen, wie sie mit diesem Projekt betrogen werden. Stuttgart 21 wird in die Geschichte eingehen als ein warnendes Beispiel für die Gier einer Clique von Mensch und Natur verachtenden Profiteuren.

Friedrich Gehring

Ansprache zum drohenden Abriss des Bahnhofssüdflügels bei der Montagsdemonstration am 16.1.2012

Liebe Kopfbahnhoffreunde,
ich bin gebeten worden, zum drohenden Abriss des Südflügels unseres Kopfbahnhofs als Pfarrer einige tröstende Worte zu sprechen.
Ich werde keinen Trost spenden, indem ich bagatellisiere, wie manche Christen sagen: Es ist doch nur ein Bahnhof. Wenn es nur um den Bahnhof ginge, dann könnte der Abriss ja noch lange warten. Es geht aber hier nicht um einen Bahnhof, sondern um ein neoliberales Schlüsselprojekt und um das Brechen unseres Widerstands gegen diese zerstörerische Ideologie, die Jesus in seiner Muttersprache den Mammon nennt. Der Mammon ist unvereinbar mit dem Gott der Barmherzigkeit. Jesus sagt: Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen (Matthäus 6,21). Deshalb stehe ich heute hier.
Weiterlesen

Predigt beim Weihnachtsgottesdienst im Schlossgarten am 26. Dezember 2011 zu Lukas 2,1-7 von Pfarrer i. R. Friedrich Gehring

Die Weihnachtsgeschichte des Lukas ist geschrieben aus der Sicht der kleinen Leute, die zum Zweck der Steuereintreibung beschwerliche Fußwanderungen auf sich nehmen müssen und dabei nicht einmal eine Herberge finden, selbst wenn eine junge Frau in die Wehen kommt.

Aus der Sicht der Mächtigen ist das belanglos, Hauptsache sie haben das Geld, in Palästen zu wohnen und die Soldaten zu bezahlen, die ihre Ausbeutung mit Waffengewalt sichern. Aber die Weihnachtsgeschichte verlässt diese Sicht der Herrschenden und ersetzt sie durch die Sicht derer, die unter dieser Herrschaft zu leiden haben. Das hat etwas revolutionäres, etwas umwälzendes an sich. Wir nehmen das nicht mehr so recht wahr, weil das Christentum vor mehr als 1600 Jahren eine staatstragende Funktion bekam, danach konnten Christen die Mächtigen nicht mehr so recht kritisieren. Die Weihnachtgeschichte soll seither als Idylle unser Herz erwärmen, nicht unseren Widerstand anfachen.

In der Schriftlesung (Markus 10, 42-45) haben wir aber gehört, dass Jesus den Mächtigen gegenüber noch kein Blatt vor den Mund genommen hat, wenn er nüchtern feststellt: „Ihr wisset, dass die weltlichen Fürsten ihre Völker niederhalten, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.“
Weiterlesen

Gibt es theologische Argumente für Stuttgart 21 ?

Befürworter von Stuttgart 21 verweisen darauf, dass nach der Wahl vom 27. März immer noch eine Zweidrittelmehrheit pro S 21 aus CDU, SPD und FDP im Landtag sitzt. Die meisten dieser Abgeordneten und ihre Wähler verstehen sich wohl als Christen. Wie kommen sie als Christen dazu?

Gelegentlich wurde schon gefragt, weshalb in der „Gemeinsamen Erklärung“ eingeräumt werde, „dass es auch Argumente pro S21 gibt“ und „sich auch Christen pro S21 aussprechen können“. Noch spannender erscheint mir die Frage, wie Christen für S 21 theologisch argumentieren, denn dann wäre eine theologische Auseinandersetzung mit ihnen möglich.

Der Evangelische Oberkirchenrat in Stuttgart macht das Schweigen zu S 21 zum christlichen Programm und folgt damit offenbar dem in lutherischen Kirchen seit Jahrhunderten gültigen Grundsatz aus Römer 13: „Jedermann sei untertan der Obrigkeit.“  Sich zu S 21 zu äußern, brächte die Gefahr mit sich, der Obrigkeit widersprechen zu müssen, was zugleich Aufruhr gegen Gott wäre, der alle Obrigkeit einsetzt. Mit dieser Theologie könnten Christen sogar für die Meinung, am 30.9.2010 sei eine strafrechtlich relevante Sitzblockade von der Polizei rechtmäßig aufgelöst worden, biblisch argumentieren. Denn in dieser theologischen Sichtweise ist die Staatsmacht „Gottes Dienerin, eine Rächerin zur Strafe über den, der Böses tut.“ (Röm 13,5)

Dass diese theologische Argumentation heute nur noch selten vorgetragen wird, hat zunächst historische Gründe. Diese Theologie hat im 3. Reich dazu geführt, dass nicht nur die „Deutschen Christen“, sondern auch die „Bekennende Kirche“ in Hitler den von Gott gesandten Führer gesehen und deshalb seinen vaterländischen Krieg mitgemacht haben. Diese fatale Konsequenz aus Römer 13 ist bis heute kirchlich nicht wirklich aufgearbeitet. Die „Bekennende Kirche“ hat im „Stuttgarter Schuldbekenntnis“ vom Oktober 1945 nur die Schuld des Volkes, nicht aber die Schuld der Kirchenleitung und der herrschenden Theologie bekannt. Unbekannte Schuld wirkt erfahrungsgemäß weiter. So hat der Württembergische Landesbischof von Keler z. B. 1983 noch den Atomkrieg vor der Landessynode befürwortet, obwohl er eingestehen musste, dass dabei die Freiheit zerstört wird, die verteidigt werden sollte. Er hat dabei nicht mehr offen mit Römer 13 argumentiert, war aber dieser Theologie entsprechend regierungstreu.

Der zweite Grund, warum mit Römer 13 kaum noch offen argumentiert wird, liegt darin, dass die Schwarzweißmalerei, hier gute Obrigkeit, da böses Volk, das mit dem Schwert in Schach zu halten ist, im Widerspruch steht zu dem, was Jesus seinen Jüngern sagt: „Ihr wisset, dass die weltlichen Fürsten ihre Völker niederhalten, und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt. Aber so soll es nicht sein unter euch; sondern wer groß sein will unter euch, der sei euer Diener; und wer unter euch der Erste sein will, der sei aller Knecht“ (Mk 10, 42-43). Jesus fordert also von uns Christen, dass wir der Gewaltkultur der Herrschenden eine Kultur des Dienens entgegensetzen. Anders als in Römer 13 sieht Jesus, dass auch Regierende Menschen sind, die Fehler machen können.

Dass Stefan Mappus für seinen gutsherrnartigen Regierungsstil nach Römer 13 nur so geringfügig abgestraft worden ist und immer noch 39 Prozent der Wähler ihn weiter haben wollen, lässt darauf schließen, dass die Theologie von Römer 13 in den Herzen vieler Christen in Baden-Württemberg immer noch lebendig ist. Einiges spricht dafür, dass der württembergische Pietismus, der im 18. Jahrhundert noch eine bürgerliche Befreiungsbewegung war, im 19. Jahrhundert von lutherischer Theologie derart dominiert wurde, dass er der Entwicklung zum  „autoritären Charakter“ mit seinem Untertanengeist Vorschub leistete, den die analytische Sozialpsychologie ab 1930 näher beschrieb. Die Proteste gerade auch von Christen gegen das Projekt Stuttgart 21  und seine gutsherrnartige Durchsetzung sind ein Zeichen der Hoffnung, dass württembergische Christen wieder zurückfinden zu der Protestkultur der bürgerlichen Befreiungsbewegung, die der württembergische Pietismus ursprünglich war.

Nachdem das Problem der Atomkraft auf tragische Weise neue Aufmerksamkeit erfährt und die Kanzlerin auch die Kirchen an einer Atomkraftethikkommission beteiligen will, können wir nur inständig hoffen, dass die dorthin berufenen kirchlichen Verantwortungsträger nicht wieder wie bei Stuttgart 21 regierungsergeben den Kopf in den Sand stecken und sagen, sie könnten in der Bibel keine Weisung finden für Abschaltung oder Laufzeitverlängerung.

Friedrich Gehring, Pfarrer i. R.