Parkgebet-Ansprache von Heinz Wienand am 10. Juli 2014

Epheser-Brief, Kapitel 5, Verse 6-7 und 10-11
6 Lasst euch von niemandem verführen, der euch durch sein leeres Geschwätz einreden will, dass dies alles harmlos sei. Gottes Zorn wird alle treffen, die ihm nicht gehorchen. 7 Darum meidet solche Leute. […] 10 Prüft in allem, was ihr tut, ob es Gott gefällt. 11Lasst euch auf keine finsteren Machenschaften ein, die keine gute Frucht hervorbringen; im Gegenteil: helft sie aufzudecken.

Liebe Parkgemeinde!

Seit fast 4 Jahren versammeln wir uns hier im Stuttgarter Schlossgarten zum Gebet im Park, anfänglich wöchentlich, dann zweiwöchentlich bei jedem Wetter und äußern unseren Protest gegen das Milliardenprojekt Stuttgart 21. Viele von uns besuchen Woche für Woche die Montagsdemo und beteiligen sich an den sich anschließenden Demozügen. Außerdem besuchen sie die zahlreichen Veranstaltungen zum Thema S21 bzw. K21, um sich schlau zu machen und sich über aktuelle Vorgänge um das unnütze Projekt zu informieren. Sie tun das, um gewappnet zu sein in der Auseinandersetzung mit den Befürwortern des Projekts, sofern es überhaupt dazu kommt und vom Gegenüber stattdessen nicht nur ein Kopfschütteln oder ein müdes Lächeln geboten wird.

Wir haben es zu oft erlebt, dass wir getäuscht und belogen wurden. Ja, dass versucht worden ist und dauernd versucht wird, uns hinters Licht zu führen, uns zu verführen und dem leeren Geschwätz Glauben zu schenken. Aber wir haben widerstanden, sind nicht auf die falschen Versprechungen und Lügen hereingefallen.

Das Neue Testament ermahnt uns im Epheser-Brief im Kapitel 5, Vers 11, wo es heißt: „Lasst euch auf keine finsteren Machenschaften ein, die keine gute Frucht hervorbringen, im Gegen-teil: helft sie aufzudecken!“ Wäre nicht schon so Vieles aufgedeckt worden von unseren Experten, wo stünden wir heute bei dem Bahnprojekt?

In der letzten Woche gab es eine Pressekonferenz des Projektbüros für S 21. Dietrich, Penn und Wörn stellten stolz die „Fortschritte“ des Bahnprojekts vor, mussten allerdings zugeben, dass es um 3 Jahre in Verzug geraten ist. Lag das am Protest der Gegner?
Nein – es lag an der miserablen Planung der Bahn! Über die zahlreich anstehenden Probleme verloren die 3 Projektplaner in der Pressekonferenz kein Wort.

Wir sind nicht „schaumgeborene“ Spinner, wie uns ein Mitglied des Regierungspräsidiums Stuttgart in übelster Weise bezeichnete. Wir sind es auch heute nicht, an dem Tag, an dem am Fasanenhof der 3.Tunnelanstich mit viel Prominenz groß gefeiert wurde. Was mich besonders ärgert? Dass, wie bei den früheren Anstichen, mit der „Taufe“ des Fildertunnels der kirchliche Segen erteilt und die heilige Barbara, die Schutzpatronin der Mineure, für das unnütze und aufgezwungene Projekt S 21 in Anspruch genommen wurde.

Die Stuttgarter Zeitung, die schon immer für S 21 ist, hat in ihrer gestrigen Ausgabe ihre Kommentarspalte überschrieben mit: „Der Tunnelblick ist überholt“ und lässt ihren Kommentator Christian Milankovic ausführen: „Die Schlachten um das Ob des Bahnhofsumbaus sind geschlagen. Nun kann es nur noch darum gehen, den maximalen Nutzen für die Stadt aus dem Vorhaben zu ziehen. Verbale Scharfmachereien auf beiden Seiten müssen dann aber der Vergangenheit angehören. Dasselbe gilt auch für den verengten Tunnelblick von fanatischen Befürwortern oder Gegnern, der längst nicht mehr taugt.“ (Ende des Zitats).

Hier handelt es sich natürlich nicht um den „Tunnelblick“ der Esslinger, der uns immer wertvolle Beiträge liefert.

Im gleichen Kommentar wird OB Fritz Kuhn, der heute bei dem feierlichen Tunnelanstich dabei war, gelobt als Grüner, der einen pragmatischen Blick für die Realitäten habe. Wenn sich S 21 nicht mehr verhindern lasse, so interpretiert der Kommentator der Stuttgarter Zeitung die Teilnahme des OB, dann soll S 21 „wenigstens mit den geringst-möglichen Beeinträchtigungen für die Stadtbevölkerung über die Bühne gehen.“ Die Beeinträchtigungen bekommen zur Zeit in massiver Weise die Bewohner und Bewohnerinnen des Nordbahnhof-Viertels mit durch den Baustellenverkehr zur zentralen Logistikfläche. Das ist nur ein Beispiel.

Stadt- und Naturzerstörung für ein unnützes Bahnprojekt, das einen Leistungsrückbau darstellt, das in Wirklichkeit, wie Egon Hopfenzitz zurecht sagt, ein Immobilienprojekt ist und Baukonzerne nur darauf warten, dass das Gleisfeld abgebaut wird und sie endlich anfangen können, und das mit dem Segen von Politikern von Schwarz bis Grün und auf Kosten von Einwohnern, Steuerzahlern und kommenden Generationen.

Wir lassen uns nicht blenden und erliegen nicht der Faszination der Technik, Herr Herrenknecht! Es ist noch nicht aller Tage Abend, ihr Planer und Befürworter! Wir kämpfen weiter und beherzigen den Spruch von Bert Brecht: „Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren.“

Um es mit einem Bibelvers zu sagen: „Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2 Tim., Vers 7)

In diesem Sinne bleiben wir oben.

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