Archiv der Kategorie: # Schöpfung bewahren

Damoklesschwert über dem Park – Ansprache beim Parkgebet am 9.02.2012

Wie ein Damoklesschwert hängt die Baumfällung über diesem Park und seinen Bewohnern in den Bäumen. Schon sind die Baggerzähne gewetzt und die Sägen geschliffen und die Bagger stehen für ihr Vernichtungswerk bereit.
Aber noch können wir hier unser Parkgebet abhalten, auch wenn uns das Herz bei all diesen Gedanken schwer wird und uns eher zum Heulen zumute ist. Noch stehen die Bäume, um die wir kämpfen. Sehr tröstlich hat am letzten Freitag Schwester Inge Singer aus Gaildorf auf der Parkschützerseite aus der Tageslosung ein Wort von Dietrich Bonhoeffer zitiert:
Alles hat seine Zeit und die Hauptsache ist,
dass man mit Gott Schritt hält.
Und ihm nicht immer schon einige Schritte vorauseilt,
allerdings auch keinen Schritt zurückbleibt.
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„Juchtenkäfer stoppt S21“

So oder so ähnlich konnte man es in der letzten Zeit in der Presse lesen. Wer die Vorgänge um S21 verfolgt, weiß, worum es geht. Deshalb nur in aller Kürze: Unsere Gesetze schreiben vor, dass beim Fällen von Bäumen oder Abreißen von alten Gebäuden der Artenschutz beachtet werden muss. Konkret geht es um Fledermäuse und Juchtenkäfer, die streng geschützt werden, weil sie vom Aussterben bedroht sind.
Fakt ist, dass bei uns täglich Tierarten aussterben. Das aber kann uns nicht gleichgültig sein. Die biologische Vielfalt von Pflanzen, Tieren und Mikroorganismen ist Grundlage allen Lebens. Sie ist Grundlage auch unserer menschlichen Existenz. Wenn wir dem Artensterben nicht wehren, sägen wir uns den Ast ab, auf dem wir zusammen mit allen Lebewesen sitzen.
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Warum ich als Christ gegen Stuttgart 21 bin – Redebeitrag beim Frühstück am GWM

Warum ich gegen „Stuttgart 21“ bin
Mindestens 300 alte Großbäume mitten in unserer Feinstaub belasteten Stadt sollen abgeholzt werden, um einem Milliarden teuren, verkehrlich überflüssigen Tiefbahnhof sowie einem Immobilienprojekt Platz zu machen.
Warum eigentlich?
Antwort: „Weil es sich rechnet“ – für die großen Baukonzerne, für die Banken, für die Deutsche Bahn.
Das ist offenbar die wichtigste Frage im Leben geworden: Ob es sich rechnet?
Dem wird heutzutage alles untergeordnet: Menschen, Tiere, Pflanzen, Luft, Wasser, Erde.
Geld wird gewinnbringend vermarktet. Warum sollte man es auch zur Befriedigung gesellschaftlicher Bedürfnisse sozialer, pädagogischer, ökologischer Art nutzen, wenn man es doch zu noch mehr Geld machen kann?
Die Sozialpflichtigkeit des Eigentums steht nur noch im Grundgesetz (Art. 14,2), gleichsam wie ein vergessenes Relikt aus vergangenen Zeiten. Dass Kapitalinteressen auch sozialer Fürsorge und Verantwortlichkeit für die Schwächeren verpflichtet sind, dieser Grundsatz sozialer Marktwirtschaft ist in der Realität längst aufgegeben.
Die Ökonomie ist totalitär geworden. Alles beherrschend. Alternativlos.
Alles andere ist Nebensache geworden, Mittel zum Zweck. Lediglich Material, das gewinnbringend ausgebeutet werden kann.
Für dieses Denken steht „Stuttgart 21“ beispielhaft.

Warum ich als Christ gegen Stuttgart 21 bin
Weil die Bibel gegen eben dieses Denken und das daraus folgende Handeln Widerspruch einlegt.
Ihr Grundsatz von der ersten bis zur letzten Seite lautet: „Die Erde ist des Herrn und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen“ – Psalm 24,1.
„The world is not for sale“ – die Erde: Bäume, Menschen, Tiere, Pflanzen, Wasser, Luft ist kein käuflicher Gegenstand, den man wie einen Fernseher billig produzieren oder einkaufen und teuer weiter verkaufen kann.
Die Erde kommt nicht aus der Fabrik , sondern von Gott. Sie ist Gottes Schöpfung, uns und all jenen, die nach uns kommen, anvertraut als Lebensraum. Ebenso den Tieren, den gleichfalls gesegneten Geschöpfen Gottes (1. Mose 1, 22).
Die Erde gehört Gott. Wir dürfen sie nutzen.  Und wie gehen wir mit der Erde um?
Dabei sind wir Menschen sind zu Treuhändern der Schöpfung Gottes berufen.

Warum ich mich für die Teilnahme an einer Blockadeaktion entschieden habe
Weil unsere sachlichen Argumente, Einwände und Vorschläge von den Betreibern nicht gehört werden.
Weil die „guten Argumente der Befürworter“ keinem anderen Zweck dienen, als jegliche Diskussion zu unterdrücken und sie obendrein rein propagandistischen Charakter zur Durchsetzung von Kapitalinteressen haben.
Weil „Stuttgart 21“ nicht alternativlos und unumkehrbar ist („There are thousends of alternatives“ anstelle „There is no alternative“!)
Weil „laisser – faire“ und sich raushalten für mich keine christlich zu verantwortenden Haltungen sind.
Weil ich persönlich überzeugt bin, dass Jesus recht hatte, als er sagte:
„Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon“!

Wolfgang Schiegg

Presseerklärung zum Frühstück am GWM

Am 29. 7. 2011 versammelten sich ab 5.30 Uhr etwa 130 Akteure, um dem Aufruf der Initiative „S 21 – Christen sagen nein“ zu folgen und zivilen Ungehorsam zu zeigen an der Einfahrt zum Grundwassermanagement für Stuttgart 21. Zwei Banner an der Einfahrt verkündeten das Ziel der Gruppe: „Schöpfung bewahren, nicht dem Mammon opfern“ und „S 21 verhindern, die Schöpfung bewahren“.

Blockade 29.07.11In kurzen Ansprachen wurde begründet, warum die versammelten Christen zu diesem Mittel der Sitzblockade greifen wollten. Als äußerer Anlass wurde genannt, dass die Gruppe „Ingenieure 22“ vor kurzem mit guten Gründen vor einer Verseuchung des Grundwassers mit jährlich etwa 33 Tonnen Eisen in Form von Rost gewarnt haben, weil entgegen den Auflagen der Planfeststellung Rohre ohne inneren Rostschutz verwendet würden, um 5-10 Mio. € zu sparen. Zudem habe die Bahn selbst eingestanden, wesentlich mehr Grundwasser entnehmen zu müssen als genehmigt. Deswegen stellten die Christen die Rechtmäßigkeit der Bauarbeiten in Frage.
Als grundsätzlicher Einwand gegen das Projekt Stuttgart 21 wurde angeführt, dass hier wie bei der Laufzeitverlängerung für Atomkraftwerke der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen und der Bevölkerung vernachlässigt werde, um den Profit einiger weniger zu steigern. Die Ökonomie sei totalitär geworden, alles beherrschend, angeblich alternativlos.
Für Christen gelte aber: „Die Erde ist des Herrn“ (Ps 24,1). Deshalb sei die Schöpfung nicht „for sale“. Angesichts der zerstörerischen Profitgier, die von Jesus als „Mammon“ bezeichnet wird, könnten sich Christen auch im Blick auf Stuttgart 21 nicht heraushalten. Jesus stelle vor die Entscheidung: „Ich könnt nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen.“ (Mt 6,24) Die Christen wollten mit ihrer Aktion hier und jetzt zeigen: „Wir haben uns für Gott und seine Schöpfung entschieden.“

Eine Konfrontation mit Baufahrzeugen blieb aus, die zahlreich aufgetauchten Polizisten mussten nicht eingreifen. Schließlich wurde noch ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom Tage dankbar bejubelt, in dem Stuttgart 21 als das dümmste Großprojekt bezeichnet wird.

Friedrich Gehring

Sind die Beschlüsse zu Stuttgart 21 ethisch legitimiert ?

1.  Wichtige Vorhaben müssen ausreichend und öffentlich diskutiert werden
Einer der Gründe, aus christlicher Überzeugung S 21 abzulehnen, liegt in der Verweigerung einer offenen Auseinandersetzung über das ganze Projekt. Die Kirchen wie auch die Politik fordern bei solchen Großprojekten klare Regeln für das Zustandekommen von Beschlüssen.

Die Befürworter des Bahn- und Immobilienprojektes Stuttgart 21 berufen sich darauf, dass alle parlamentarischen Gremien, u.a. Gemeinderat und Landtag, dem Projekt mit großer Mehrheit zugestimmt haben. Wenn es aber um ein Vorhaben dieser Größenordnung geht („größtes Bauprojekt Europas“ O-Ton der Betreiber), dessen Verwirklichung sich seit mehr als 17 Jahre hinzieht, ist eine solche formale Legalität nicht ausreichend. Zum einen, weil beim Zustandekommen der Beschlüsse kein offener Diskurs stattfand. Zum anderen haben sich in der Zwischenzeit die Rahmenbedingungen gründlich geändert.
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Wie konnte ihr Glaube nur so blind sein ?

1. Wie konnte ihr Glaube so blind sein?
In der Rückschau fragt man oft: Wie konnte der Glaube der Christen angesichts von Unrecht, Sklaverei, sozialer Missstände, staatlicher Terror, Zerstörung der Schöpfung usw. so blind sein?
Selina Moll, eine Mitunterzeichnerin der Gemeinsamen Erklärung,  erzählt uns von einer Kirchenkonferenz reformierter Kirchen in Akkra im Jahre 2004. Die Teilnehmer machten einen Besuch in einer ehemaligen Sklavenfestung an der afrikanischen Küste. Sie schilderten ihren Eindruck: „In der Festung Elmina an der Küste Ghanas lebten die holländischen Kaufleute, Soldaten und der Gouverneur auf der oberen Etage, während die Sklaven darunter, eine Etage tiefer eingekerkert waren und auf ihren Transport nach Amerika warteten. Oben beteten die frommen Christen ihre Psalmen, während Men-schen unter ihren Füßen in Ketten gelegt im Horror jenes Verlieses schmachteten. Wer heute diese Festung besichtet, fragt sich fassungslos und verstört: Wie konnten sie ihren Glau-ben so gänzlich von ihrem Leben abspalten? Wie konnten sie ihre spirituelle Erfahrung so gänzlich von dem qualvollen körperlichen Leiden direkt unter ihren Füßen trennen? Wie konnte ihr Glaube so blind sein?“
In der Vergangenheit ist dies nicht das einzige Versagen von Kirche und Christen. Es fällt sicherlich nicht schwer, hierzu weitere Beispiele zu finden.

2. Die Botschaft der Bibel ist eindeutig
Warum haben die Christen ihren Glauben nicht ernst genommen und wirklich so gelebt, wie es dem Willen Gottes entspricht? Denken wir nur an das Doppelgebot der Liebe Matthäus 22, 37ff, oder die Bergpredigt Matthäus 5ff und Lukas 6.
Wir hören von einem Glauben, der sich in der Nächstenliebe äußern muss, sonst ist er kein rechter Glaube. Aus dem Glauben folgt das richtige Handeln. Glauben darf nicht belangloses Denken, Meinen oder Reden sein, aus dem nichts folgt, sondern er muss aus sich heraus das rechte Tun setzen. Glaube ohne Werke ist kein wirklicher Glaube. Jakobus 2,14-24: So auch der Glaube, wenn er nicht gute Werke hat, so ist er tot in sich selber. Jesus: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. Ein guter Baum bringt auch gute Früchte hervor. Matthäus 7,16.

3. Warum aber genügt Nächstenliebe nicht, warum sich auch noch politisch engagieren? Eine weit verbreitete Meinung – bis heute
Eine weit verbreitete Meinung lautet: die Kirchen (und die Christen) mögen sich auf religiöse Fragen und Probleme der individuellen Lebensführung beschränken, sie sollen sich unpolitisch verhalten und keine konkreten Forderungen zu politischen Gegenwartsfragen erheben. Persönlicher Glaube und Glaubensgehorsam ja, nein aber zu einer politischen Parteinahme zu Gegenwartsfragen.
Zwei Bibelstellen untermauern diese Meinung: „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist und Gott, was Gottes ist.“ Mark 12 Vers 13-17 und Röm 13: „Seid untertan der Obrigkeit.“
Die grundsätzliche Kritik an diesem Denken:
Hier wird die Welt unzulässigerweise in zwei Bereiche eingeteilt: Auf der einen Seite die Kirche, die sich um das Seelenheil der Menschen zu kümmern hat. Auf der ande-ren Seite der Staat, die Verwaltung, die Wirtschaft, die Banken, die Industrie. In die-sen Bereichen herrschen bestimmte Zwänge und Eigengesetzlichkeiten, wirtschaftliche Gesetze usw.
Wenn unsere Welt nach solchen ehernen Gesetzmäßigkeiten abliefe, dann wären alle ethischen Überlegungen sinnlos. Dann wäre auch der Glaube für diese Welt belanglos. Der Umgang mit Kranken, Behinderten, Minderheiten usw. wäre allein von Zweckmäßigkeiten, angeblichen Sachzwängen bestimmt, es könnten vom Staat beliebige Werte proklamiert werden, wie z.B. Blut und Rasse, Apartheid, das Recht des Stärkeren.

4. Der persönliche Glaube allein genügt nicht, wir sind auch für die Welt um uns her verantwortlich
Jeder wird zustimmen, dass Glaube im persönlichen Leben Konsequenzen haben muss. Jetzt aber die entscheidende Frage: Warum genügt es nicht, persönlich Nächstenliebe und Hilfsbereitschaft zu üben? Viele Menschen denken so, sie fühlen sich nicht für mehr als ihren privaten Umkreis verantwortlich.
Nächstenliebe im Alte Testament war die Zuwendung zu den Menschen, die mir nahe stehen: Familie, Sippe, Volk. Darüber hinaus durchzieht das Bemühen um Gerechtigkeit – im heutigen Sinne soziale Gerechtigkeit – das ganze AT und kommt vor allem in der Botschaft der Propheten zum Ausdruck. Das alles bleibt im NT gültig, ohne dass es eigens thematisiert wird.
Nächstenliebe im Neuen Testament am Beispiel des Barmherzigen Samariters bedeutet: Hier wende ich mich einem zu, der nicht zu meiner Sippe, Familie, ja noch nicht einmal zu meinem Volk gehört. Ich wende mich ihm zu, weil er meine Hilfe braucht, auch wenn ich ihm ganz zufällig begegnet bin. Nächstenliebe ist universal. Sie muss hineinwirken in ökonomische, politische und gesellschaftliche Strukturen, in denen geholfen wird.
Der Wille Gottes ist nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich zu tun, sondern auch im Sozialverhalten und – was in den letzten Jahren stärker in den Blick kommt – im Verhältnis zur Schöpfung und der bedrohten Umwelt. Die Alternative zu einem rein privaten Christentum ist der Einsatz für strukturelle Gerechtigkeit, Kultur der Barm-herzigkeit, nachhaltiger Umgang mit Ressourcen, Wirtschaftsordnung zum Wohle aller, nicht nur der Starken, Reichen, Leistungsfähigen usw.
Die Kirche hat die Aufgabe, die Ursachen, Bedingungen und Auswirkungen wirt-schaftlicher und sonstiger Abläufe und Geschehnisse aufzudecken, über Wege zu ihrer Beeinflussung nachzudenken und scheinbaren Sachzwängen gegenüber die Freiheit des Menschen zu verantwortlichen Entscheidungen ins Spiel zu bringen.

5. Wie konnte ihr Glaube so blind sein?
Bei Stuttgart 21 geht es nicht um einen Bahnhof, ob er oben oder unten gebaut werden soll. Diese Frage wäre wohl schnell entschieden, wenn es nur die Lösung des Tiefbahnhofs gäbe. Das aber ist nicht der Fall. Spätestens seit der sogenannten Schlichtung wissen wir: Es gibt mit Erhalt und Ertüchtigung des Kopfbahnhofs eine bessere Alternative ohne Zerstörung des Parks und seiner Tierwelt, ohne Gefährdung der Mineralquellen, ohne all die weiteren Risiken, die in den letzten Wochen und Monaten ans Tageslicht gelangt sind.

Kann christlicher Glaube all diesen Erkenntnissen gegenüber blind sein?
Es ist zu hoffen, dass man die Befürworter von S 21 im Rückblick nicht die Frage stellen muss: „Wie konnte ihr Glaube so blind sein?“

Hans-Eberhard Dietrich, Pfarrer

Dürfen Christen CDU wählen?

Ja, Christen dürfen wählen, was sie wollen, denn sie sind freie Menschen und „niemandes Knecht“ (Luther). Aber welche Partei sie auch wählen, sie fragen natürlich, ob die Politik dieser Partei den Grundsätzen ihres Glaubens nahe kommt.

Eine „christliche“ Partei gibt es nicht. Alle demokratischen Parteien hierzulande haben Elemente christlicher Ethik in ihrer Politik, und in allen demokratischen Parteien hierzulande gibt es Christen (vermutlich sogar den jeweils gleichen Prozentsatz). Wenn sich allerdings eine Partei selbst „christlich“ nennt, dann sehen wir als Christen natürlich besonders genau hin.

Hier ist nicht Raum für eine vollständige Analyse der Politik der CDU, auch nicht für die Berücksichtigung verschiedener Strömungen. Ich beschränke mich auf die fünf augenfälligsten Punkte, an denen die vorherrschende Politik dieser Partei für Christen nicht akzeptabel ist. Dabei hoffe ich, dass ich eine Diskussion anstoße, die über die hier nur thesenhaft mögliche Darstellung hinaus führt.

  1. Die CDU vertritt die Ideologie des unbegrenzten Wachstums.
    Das ist für Christen Götzenglaube. Christen wissen um die Begrenztheit der Schöpfung. Sie fordern deshalb eine Politik, die nicht die begrenzten Ressourcen so weit als möglich ausbeutet, sondern eine Politik, die diese Ressourcen so weit als möglich schont.
    Dazu ist eine Begrenzung des Wachstums erforderlich. Und dazu ist eine hoch entwickelte Technologie erforderlich, die nicht im Dienst der Profitmaximierung steht, sondern im Dienst des Menschen und einer bestmöglichen Pflege der Schöpfung.
  2. Die CDU vertritt die Ideologie des freien Marktes, der angeblich die Interessen in der Welt gerecht ausgleicht.
    Auch das ist Götzenglaube. Christen wissen, dass der freie Markt zum Sieg der Stärkeren über die Schwächeren führt. Sie glauben, dass wir Menschen (als „Stellvertreter Gottes“) in die Welt eingreifen sollen, um sie vor dem freien Spiel der Kräfte zu bewahren und Gottes Willen in sie hinein zu tragen. Deshalb fordern sie eine Politik, die nicht möglichst wenig eingreift ins Wirtschaftsgeschehen, sondern das Wirtschaftsgeschehen als den Ort versteht, in dem die entscheidenden Weichen für Wohl und Wehe der ganzen Welt gestellt werden – oder eben nicht.
  3. Die CDU hat kein Bewusstsein von der zerstörerischen Macht des Geldes.
    Auch vor dem Mammon müssen Christen warnen. Christen wissen, wie zerstörerisch Reichtum auf den Menschen wirkt (indem er Maßstäbe und Wichtigkeiten verzerrt und Leben zerstört), und fordern deshalb, dass Reichtum begrenzt und konsequent in den Dienst der Schwachen gestellt wird.
  4. Die CDU ist geprägt von einer bis zur Ununterscheidbarkeit reichenden personellen Verquickung mit den Starken der Wirtschaft (was sie als ihre „Wirtschaftskompetenz“ ausgibt).
    Das macht Christen skeptisch. Christen sind parteiisch für die Schwachen und nehmen deshalb die Starken in die gesellschaftliche Pflicht. Dieser Aufgabe kann eine Partei nicht nachkommen, die in wesentlichen Teilen selbst zu den Starken gehört.
  5. Die CDU hat ein gestörtes Verhältnis zu den Bürgern; sie will ihre Politik nicht wirklich vom Willen der Wähler kontrollieren lassen.
    Demokratie ist für Christen ein Projekt zur Kontrolle menschlicher Macht. Christen wissen um die Fehlbarkeit aller Menschen und fordern deshalb, dass auch politische Entscheidungen laufend von den Betroffenen überprüft werden können müssen – und gegebenenfalls korrigierbar sein müssen. Die CDU will solche Kontrolle begrenzen, weil sie befürchtet, dass Demokratie Investoren abschrecken könnte.

Es wird deutlich: Die CDU ist eine Partei, die Christen nach gründlichem Nachdenken über ihre eigenen Grundlagen aus grundsätzlichen Erwägungen nicht wählen können – nicht nur, weil sie Hauptbetreiberin des Projekts Stuttgart 21 ist.

Etliches hiervon ist auch anderen Parteien vorzuwerfen – aber die nennen sich wenigstens nicht „christlich“.

Martin Poguntke, 13.03.2011